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Bückeburg mit anderen Augen sehen

Tag des offenen Denkmals Bückeburg mit anderen Augen sehen

26 Mal Geschichte hautnah erleben: Am Sonntag ist „Tag des offenen Denkmals“, Bückeburg und Umgebung stehen im Mittelpunkt. In Villen, Museen, im Schloss samt Nebengebäuden, in Kirchen und in Bauernhöfen sollen Besucher Gelegenheit haben, tief in die Vergangenheit der ehemaligen Residenzstadt einzutauchen.

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Quelle: kp

Von Karlheinz Poll

Bückeburg hat viele Sehenswürdigkeiten – auch abseits des Schlosses. Zahlreiche Gebäude, die normalerweise nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind, können Interessierte am „Tag des offenen Denkmals“ erkunden. Organisiert von der Schaumburger Landschaft, stehen in diesem Jahr 26 Denkmale in der ehemligen Residenzstadt im Mittelpunkt.
Ganz klar: Das Schloss der Fürstenfamilie zu Schaumburg-Lippe gehört selbstverständlich auch zu den ausgewählten Gebäuden. 1302 als Wasserburg angelegt, erlebte das Schloss eine wechselvolle Geschichte. Die ehemalige Festungsanlage wurde Ende des 16. Jahrhunderts zum Schloss umgebaut und in den folgenden Jahren mehrmals verändert und erweitert. So sind Bauelemente vom Spätmittelalter, der Renaissance, des Barock bis zur Zeit des Historismus zu sehen. Besonders sehenswert ist der neobarocke Festsaal, der Goldene Saal mit der Götterpforte und die Schlosskapelle.
Das Schloss kann zum reduzierten Eintrittspreis von drei Euro (Kinder frei) besichtigt werden. Stündlich finden kostenlose Inselführungen statt, die in Bereiche gehen, die sonst nicht zugänglich sind.
Am Rande des Schlossparks kann das monumentale Mausoleum besichtigt werden, das in Anlehnung an das römische Pantheon von 1913 bis 1915 errichtet wurde. Bauherr war der letzte regierende Landesherr Fürst Adolf II. Der große Kuppelbau ist außen mit einer Zwerggalerie versehen. Im Inneren beeindrucken der ornamentierte Fußboden in italienischem und griechischem Marmor und der Mosaikhimmel.
Wir bleiben weiter auf Fürstengrund und besuchen das zweigeschossige Marstallgebäude von 1621/22, in dem sich das Marstallmuseum und Stalltrakte befinden. Das ehemalige Ballhaus (für Ballspiele), 1609 errichtet, wurde Ende des 18. Jahrhunderts zum Reithaus umgebaut. Hier residiert die einzige Hofreitschule Deutschlands. Um 15 Uhr werden Reitkunstvorführungen gezeigt.
Am Marktplatz, neben dem mit Giebelfiguren ausgestatteten Schlosstor von 1605, befindet sich die Alte Kammerkasse , in der heute die Schaumburger Landschaft und die Tourist-Information untergebracht sind. Im ersten Stock zeigt die Kommunalarchäologie Funde von Ausgrabungen der letzten Zeitt. Um 15 Uhr wird der Archäologe Jens Berthold vom Marktplatzbrunnen aus zu einer Führung durch die Stadt aufbrechen.
Gegenüber der Kammerkasse prunkt das Rathaus der Stadt, 1905/06 als Neorenaissancebau errichtet. An der Freitreppe wacht die überlebensgroße Bronzefigur eines städtischen Herolds. Von 11 bis 17 Uhr werden stündlich Turmführungen angeboten. Aus der Vogelperspektive bieten sich prachtvolle Ausblicke auf die Stadt. Im historischen Ratssaal stehen Stadtführer für Informationen bereit.
Am Sabléplatz, im ehemaligen Münchhausenhof von 1516, befindet sich das Hubschraubermuseum , das größte seiner Art in Europa. 1971 eröffnet, wurde ans Gebäude inzwischen mehrmals angebaut. Aufgezeigt wird die Geschichte und Entwicklung der Drehflügler. Das Museum ist von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
Wer sich für Stadtgeschichte und Schaumburg-Lippische Landesgeschichte interessiert, ist im Museum Bückeburg, Lange Straße 22, bestens aufgehoben. Das giebelständige Fachwerkhaus von 1562/63 mit reichen Schnitzereien und Utlucht aus dem 17. Jahrhundert zählt zu den ältesten Häusern der Stadt. Um 13 Uhr und 15 Uhr werden Führungen durch das Haus angeboten.
Die erst kürzlich restaurierte Stadtkirche am Ende der Langen Straße gehört zu den kulturellen Kostbarkeiten der Stadt. Die Kirche wurde von 1601 bis 1615 unter Fürst Ernst zu Holstein-Schaumburg errichtet. Die prunkvolle Fassade zeigt spätmanieristische und barocke Formen. Der dreischiffige Hallenraum enthält bedeutende Kunstwerke. Das nach Art frühbarocker Pokale gestaltete Taufbecken von 1615 stammt von Adriaen de Vries. Berühmtester Prediger der Stadtkirche war Johann Gottfried Herder. Um 10 Uhr ist Gottesdienst. Anschließend werden Führungen durch die Kirche angeboten.
Nahe der Stadtkirche ist ein schlichtes zweigeschossiges Haus aus Bruchsteinen zu besichtigen. Das Gebäude von 1613/14 wurde unter Fürst Ernst als Lateinschule erbaut. Im Erdgeschoss befanden sich zwei Klassenräume, im Obergeschoss hatte der Rektor seine Wohnung. In der Schule unterrichtete auch Johann Gottfried Herder. Später zog das Bückeburger Gymnasium ein. Heute befindet sich hier die Stadtbücherei. Eine kleine Ausstellung veranschaulicht die Geschichte des Hauses.
In der Georgstraße steht die Villa von Strauß auf dem Programm. Der Backsteinbau mit Treppengiebel in neugotischem Stil wurde 1864/65 erbaut. Bauherr war der damalige Oberstleutnant Lothar von Strauß und Torney. Die Villa ist das Geburtshaus der Dichterin Lulu von Strauß und Torney. Um 12 und 15 Uhr führt der heutige Hauseigentümer um das Gebäude, ins Treppenhaus und in den Garten. Um 14 und 16 Uhr liest Otto von Blomberg aus den Werken der Dichterin.
Aus den Jahren 1894/95 stammt das im Stil der Neorenaissance erbaute Gebäude Herminenstraße 31, das ehemals als Fürstliches Ministerium diente und heute Sitz des Niedersächsischen Staatsgerichtshofes und des Landgerichts Bückeburg ist. In der benachbarten und mit einem Zwischenbau verbundenen Villa Kruse befindet sich das Amtsgericht. Um 12.30 Uhr stellt die Präsidentin des Landgerichts die historische Seite des Ensembles vor. Um 13.30 Uhr folgt eine Fotodokumentation über „Justiz in Schaumburg – gestern und heute“.
Das Neue Palais , 1893 bis 1896 als Witwensitz für Fürstin Hermine an der Herminenstraße (23a) errichtet, ist seit 1960 Sitz der Blindow-Schule. Die innere Ausgestaltung ist teilweise erhalten, darunter Vestibül, Treppenhaus und obere Halle mit einem allegorischen Deckengemälde. Am Eingang zum parkähnlichen Grundstück fällt ein üppiges schmiedeeisernes Portal ins Auge. Das Gebäude kann besichtigt werden.
Ebenfalls in der Herminenstraße (17e) hält das Nebengebäude der Lülingschen Villa seine Pforte geöffnet. Erbauer des Hauses im Schweizer Stil war der Sektfabrikant August Lüling. Das 1883 bis 1886 errichtete Haus diente in den ersten Jahren als Kuhstall. Heute, nach einer gründlichen Sanierung durch Bernd Blindow, stellt der „Kuhstall“ ein wahres Schmuckstück dar. Als erstes Bückeburger Baudenkmal wurde das Haus mit der Niedersächsischen Denkmalschutzplakette ausgezeichnet.
Natürlich kann auch die eigentliche Lülingsche Villa besichtigt werden. 1876/77 als „Villa Harrl“ errichtet, zeigt der zweigeschossige Bau Renaissance-Architektur. Der vier Hektar große Park wurde nach dem Vorbild der englischen Landschaftsgärten gestaltet. Heute ist dort die Hochschule der Blindow-Gruppe untergebracht.
Schüler der Oberschule und des Gymnasiums Adolfinum betreuen am Sonntag den Jüdischen Friedhof an der Birkenallee. Sie stehen Besuchern für Erläuterungen zur Verfügung und geben Auskunft über Biografien der Verstorbenen. Der Friedhof wurde 1793 angelegt. Einige Gräber enthalten Gedenktafeln, die an die in der Nazizeit ermordeten Juden erinnern.
Die Jägerkaserne an der Ulmenallee, 1870/71 erbaut, wurde bis 1919 vom königlich-preußischen Jägerbataillon Nr. 7, danach von Infanterietruppenteilen der Reichswehr und der Wehrmacht genutzt. 1945 zogen britische Besatzungsstreitkräfte ein. Seit 1957 ist dort die Bundeswehr mit der Heeresfliegerwaffenschule stationiert. Es sind Führungen vorgesehen. Im Block A kann die militärische Sammlung angesehen werden.
In der Kernstadt und näheren Umgebung sind einige landwirtschaftliche Hofstellen anzuschauen: der Hof Wömpner, Scheier Straße 8, eine Dreiseit-Hofanlage an der Scheier Straße 42, das Fachwerkhaus Kolkhorst an der Jetenburger Straße 9, der Hof Wöpking, Eveser Straße 45 in Petzen, der Großköthnerhof Evesen 7, Schaumburger Straße 21, der Rethof an der Retholzstraße 1 in Scheie und der Meierhof Achum, Nordstraße 16. Auf dem Segelflugplatz des LSV Bückeburg-Weinberg werden historische Maschinen zu sehen sein.
Die Jetenburger Kirche und die Kirche in Petzen sind den ganzen Tag geöffnet.

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