Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Bühne frei für böse Buben

Thema des Tages Bühne frei für böse Buben

Sechs Monate proben und immer wieder proben. Jetzt ist es geschafft. Am Sonnabend und Sonntag verwandeln 100 Schüler der Wilhelm-Busch-Grundschule Niedernwöhren den Wiedensahler Marktplatz in ein Freiluft-Theater. Die Musicalversion von Max und Moritz ist ein großes Gemeinschaftsprojekt. Und Höhepunkt der Feiern zum 150. Jubiläum der Lausejungen-Geschichte.

Voriger Artikel
Unser Schaumburger Land
Nächster Artikel
Gut gezielt

Von Katharina Grimpe

Witwe Bolte ist traurig. Und empört. Gerade erst haben Max und Moritz ihre Hühner samt Hahn um die Ecke gebracht. Und dann angeln die beiden dreisten Schlingel das mittlerweile gerupfte und gebratene Federvieh direkt von der Feuerstelle weg durch den Schornstein. Einziger Zeuge: Witwe Boltes kleiner weißer Spitz, der dann auch noch prompt des Geflügeldiebstahls beschuldigt und mit dem Kochlöffel bestraft wird. „Hock dich hin, mach dich mal ganz klein. Gut so.“ Jannik, im Hundekostüm und mit weißer Farbe im Gesicht, setzt schnell die Regieanweisungen von Elsa Banser um, während Milina neben ihm resolut den Kochlöffel schwingt. „Prima“, lobt auch Rita Kreft. Schnell runter von der Bühne, nächster Streich.
Was Kinder und Lehrer am Donnerstagmittag in der Wiedensahler Dorfmitte vor einigen Passanten zeigen, ist das Ergebnis von sechs Monaten harter Arbeit. Denn die Musicalversion von „Max und Moritz“ ist ein riesiges Gemeinschaftsprojekt. 100 Schüler aus den dritten und vierten Klassen der Wilhelm-Busch-Grundschule in Niedernwöhren und Meerbeck haben gemeinsam mit ihren Lehrern alle sieben Streiche der Lausbubengeschichte für die Bühne adaptiert, Texte und Lieder auswendig gelernt, Kostüme designt, Bühnenbilder gestaltet und Requisiten zusammengestellt. Am Sonnabend ist dann die große Premiere, open air und vor ausverkauftem Haus. Auch für die Aufführung am Sonntag sind alle Karten restlos vergriffen. Eine Chance auf Tickets gibt es nur noch für die Zusatzvorstellung am Sonnabendnachmittag.
Doch bevor das Ensemble um die Lehrer Thomas Eickhoff, Elsa Banser und Rita Kreft vor großem Publikum spielt, bekommen die einzelnen Szenen noch den letzten Schliff. „Kommt weiter nach vorne“, flüstert Banser und dirigiert die beiden Max-und-Moritz-Darsteller Dylan und Enna weiter an den Bühnenrand. Lia und Yara sitzen vor der Bühne auf dem Boden, passen gut auf und prägen sich alles ein, was oben passiert.
Die beiden Viertklässlerinnen spielen ebenfalls Max und Moritz. Nicht nur, um für Dylan und Enna einzuspringen, sollte einer von beiden am Wochenende krank werden. „Wir haben uns die Aufführungen aufgeteilt“, erklärt die zehnjährige Lia. Sie und Yara spielen bei der Generalprobe am Freitag und am Sonntag. Dylan und Enna sind am Sonnabend an der Reihe. Immerhin sind Max und Moritz die wichtigsten Personen auf der Bühne und in jeder Szene zu sehen. „Das ist ganz schön anstrengend, wir müssen uns nämlich alles merken“, schildert Lia. Ein Blick ins Max-und-Moritz-Buch von Wilhelm Busch hilft immer dann weiter, wenn sie sich den Ablauf des nächsten Streiches noch einmal anschauen wollen.
Erster Streich vorbei, Milina als Witwe Bolte und ihre Hühnerschar steigen die Treppe hinunter ins Garderobenzelt. „Wir machen nur noch ein paar Fehler, und es klappt richtig gut“, freut sich die Schülerin. Ob sie aufgeregt ist? „Klar! Aber es macht alles total Spaß. Und wir haben ja gelernt, einfach weiter zu spielen, wenn wir etwas falsch gemacht haben.“
Es poltert auf der Bühne. Das Bühnenbild wird umgebaut, im Zelt wird es hektisch. Schnell suchen die Mitglieder des Requisite-Teams Pfeife und Flintenpulverflasche für Lehrer Lämpel und bereiten den nächsten Streich vor. „Ja, das kann man so sagen“, antwortet Kevin (11) auf die Frage, ob er und die anderen Requisiteure den wichtigsten Job hinter der Bühne haben. „Wir haben fast alles selbst gemacht, sogar die Brezeln für den Bäcker. Die sind aus Salzteig“, erklärt der Viertklässler stolz, und sein „Kollege“ Eike fügt hinzu: „Es ist aber auf jeden Fall stressig, auf alles zu achten. Wir halten hier alles am Laufen.“
Mittlerweile wird auf der Bühne getanzt. Eickhoff gibt den Einsatz, und der Chor fängt an zu singen. Die Musik kommt während der Proben noch aus dem CD-Player. Während der Aufführungen aber wird alles live gespielt, von Musikern aus Hannover. Lara geht ans Mikro. Sie ist eine der sieben Sprecher, die den Text zu jedem Streich aufsagen und das Geschehen auf der Bühne erklären. Gleich ist es geschafft. Max und Moritz sind von Bauer Mecke und dem Müller in die Schrotmühle geworfen worden. Jetzt haben alle Lausbuben-Opfer noch einmal ihren großen Abschluss-Auftritt. Dann: Applaus vom Proben-Publikum. Und ein großes Lob von Banser: „Ich bin sehr zufrieden“, freut sich die Pädagogin. Zwei Durchgänge haben die Kinder an diesem Tag absolviert, „und das ist wirklich anstrengend“, so Banser. „Trotzdem sind sie immer auf dem Punkt und in ihre Rolle reingewachsen. Das ist toll.“

Karten für die Zusatzvorstellung am Sonnabend, 15 Uhr, gibt es in Wiedensahl im Gemeindebüro, im Wilhelm-Busch-Geburtshaus und bei Elektro Meyer.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Der Media Store ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg in die digitale Welt. Das Angebot reicht von mobilen Endgeräten und Zubehör bis zur passenden Schulung für iPad und Co. mehr

Die SN-Apps gibt es für iPhone, iPad und Android-Geräte. Hier erfahren Sie, was sie bieten und wie Sie sich die Apps installieren können. mehr

Sport, Jugendthemen oder aktuelle Schlagzeilen? Mit acht Facebook-Kanälen bedienen die SN die unterschiedlichen Interessen der Nutzer und treten mit den Lesern direkt in den Kontakt. mehr