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Darmkrebs früh angreifen

Auftakt Gesundheitsforum Schaumburg Darmkrebs früh angreifen

Es gibt viele Vorurteile über Darmkrebs. Zum Beispiel, dass er sich nicht verhindern oder heilen lässt und immer tödlich ausgeht. Dabei liegen die Chancen, wieder gesund zu werden, bei über 90 Prozent – wenn die Krankheit früh genug erkannt wird. Tatsache ist jedoch, dass Darmkrebs zu den häufigsten und heimtückischsten Krebserkrankungen gehört, weil er erst im Spätstadium Beschwerden verursacht. Umso wichtiger ist die Vorsorge.

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Besucher des Hygiene-Museums Dresden betrachten Wucherungen und Polypen in einer 30 Meter langen Nachbildung eines menschlichen Darmes. Das begehbare, etwa drei Meter hohe Modell soll für die Darmkrebs-Vorsorge werben. 

Quelle: dpa

Ein „hartes Thema“: Dass Darmkrebs im Mittelpunkt der Auftaktveranstaltung des „Schaumburger Gesundheitsforums“ stand, habe seinen Grund. Das betonte Michael Hecht gleich zu Beginn seines Vortrages im Ratskeller Stadthagen. „Entscheidend ist die Vorsorge“, erklärte der Gastroenterologe und Chefarzt am Stadthäger Krankenhaus mit Hinweis auf die Felix-Burda-Stiftung, die den März zum Darmkrebsmonat bestimmt hat und damit auf die Bedeutung der Früherkennung hinweisen will.

Darmkrebs ist eine Tumorerkrankung des Dick- und Enddarms, die durch Mutationen der Schleimhautzellen an der Darmwand entsteht, referierte Hecht über die Grundlagen der Krankheit. Die Krebszelle stirbt nicht mehr ab, wächst immer weiter und breitet sich zerstörerisch aus. Vorstufe des Tumors sind gutartige Darmpolypen, die sich – wenn sie nicht erkannt und entfernt werden – fast immer zu Krebs entwickeln. Auf Polypen gehen etwa 90 Prozent aller Erkrankungen zurück.

Die Diagnose erfolgt durch eine Endoskopie, der Untersuchung des Dickdarmes mit einer kleinen Kamera. Eventuelle Polypen können noch während der Untersuchung entfernt und so Darmkrebs verhindert werden. Die Laboruntersuchung des auffälligen Gewebes klärt, ob es sich um bösartige Tumorzellen handelt. „Die Darmspiegelung ist die effektivste Methode zur Darmkrebsfrüherkennung“, betonte der Mediziner. Sie ist ab einem Alter von 55 Jahren für gesetzlich Versicherte kostenlos. Ist der Befund unauffällig, muss die Untersuchung erst nach sieben bis zehn Jahren wiederholt werden.
Sollte der Krebs im Frühstadium erkannt und therapiert werden, so Hecht, sind die Heilungschancen gut. Heimtückisch ist die Krankheit, weil sie erst im weit fortgeschrittenen Stadium Beschwerden hervorruft. Zu den typischen Symptomen gehören Blutauflagerungen auf dem Stuhl, Gewichtsabnahme, Anämie und Bauchschmerzen.
Wichtigste Frage nach der Diagnose ist, in welchem Stadium sich die Krankheit befindet, erklärt Hecht und zählt Stadien von I bis IV auf. Sie alle bezeichnen Schweregrade anhand wichtiger Merkmale, zum Beispiel, wie tief der Tumor in das gesunde Gewebe eingewachsen ist und ob Gefahr besteht, dass bereits einzelne Krebszellen in andere Organe des Körpers gewandert sind und Metastasen gebildet haben. Vom Krankheitsstadium abhängig sind auch die Aussichten auf Heilung: Je früher der Darmkrebs entdeckt wurde, je niedriger das Stadium, desto höher ist die Chance für eine erfolgreiche Behandlung.

 Auch der Rintelner Gastroenterologe Murat Bastürk betont die Wichtigkeit der Darmkrebsvorsorge, die noch immer aus Angst vor der Untersuchung viel zu selten wahrgenommen wird. „Nur 25 Prozent der Vorsorgeberechtigten gehen auch wirklich zur Vorsorgeuntersuchung.“ Bastürk referierte über den Zusammenhang zwischen chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn.

An Colitis ulcerosa Erkrankte leben mit einem höheren Risiko für Darmkrebs. Wie groß das Risiko tatsächlich ist, hängt aber vom Ausmaß der Colitis ulcerosa ab. Sie kann die Schleimhaut des gesamten Dickdarms befallen oder nur einzelne Bereiche. Morbus Crohn hingegen kann den ganzen Verdauungsapparat betreffen. Patienten haben möglicherweise ein etwas höheres Risiko für Darmkrebs als Gesunde.

Dass fünf bis zehn Prozent aller Darmkrebserkrankungen eine erbliche Ursache haben, machte Piotr Wróbel, Gastroenterologe aus Stadthagen, deutlich. Ein Beispiel für eine derartige, auf einer einzelnen Genmutation beruhenden Erkrankung ist das Lynch-Syndrom, das mit einer 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit an leibliche Kinder weitergegeben wird. „Alle Anlagenträger haben ein stark erhöhtes, lebenslanges Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, auch Tumore an Magen, Eierstock und Gebärmutterschleimhaut sind wahrscheinlich.“ Betroffenen wird empfohlen, sich einem intensiven Vorsorgeprogramm zu unterziehen. Sehr selten ist die Familiäre Adenomatöse Polyposis – kurz FAP – , bei der sich bereits in jungen Jahren Hunderte Darmpolypen entwickeln, die laut Wróbel „immer zu Tumoren werden“. Die einzige Art der Vorsorge ist die operative Entfernung des Dickdarms.

Conny Bürk, Chefchirurg am Krankenhaus Stadthagen, betonte in seinem Vortrag, dass Darmkrebsoperationen so schonend wie möglich mit der sogenannten Schlüssellochmethode durchgeführt werden. Die Vorteile des minimalinvasiven Verfahrens sprechen für sich: Die Schnitte sind kleiner, infolgedessen ist der Wundschmerz geringer, die Rekonvaleszenz kürzer, und Verwachsungen im Bauchraum kommen seltener vor. Außerdem ist es möglich, die Schnitte zur Entfernung des Tumors im Darm und gegebenenfalls der betroffenen Lymphknoten genauer auszuführen. Wissenschaftliche Studien haben belegt, dass die langfristige Überlebensrate nach einer minimalinvasiven OP im Vergleich zur konventionellen großen Operation höher ist. „Das sind knallharte Daten“, so Bürk.

Wie wichtig eine ergänzende und den Heilerfolg unterstützende Chemotherapie nach einer Darmkrebs-OP ist, zeigte die Onkologin Constanze Priebe-Rinter auf. Bei Patienten mit Krebs im Stadium III, in dem bereits die Lymphknoten befallen sind und das Restrisiko besteht, dass Metastasen in anderen Organen auftreten, sollte auf jeden Fall eine Chemotherapie durchgeführt werden. Diese dauert in der Regel sechs Monate, Nebenwirkungen sind Übelkeit, Durchfall und Veränderungen des Blutbildes. Mit Haarausfall ist nicht zu rechnen, betonte die Medizinerin. Als Psychoonkologin legt Priebe-Richter zudem viel Wert darauf, den Patienten intensiv aufzuklären – mit dem Ziel, dass dieser die Notwendigkeit der Chemotherapie akzeptiert. „Es geht ganz viel um die Psyche. Akzeptiert der Patient die Therapie, verträgt er sie besser. Es gibt weniger Nebenwirkungen, und die Prognose ist besser.“ kcg

Vier Mythen über die Darmspiegelung

Eine Darmspiegelung ist zeitaufwendig und schmerzhaft.
FALSCH! Richtig ist, dass die Darmspiegelung heute nahezu ausschließlich ambulant durchgeführt wird. Der Patient liegt während der etwa 20 Minuten dauernden Untersuchung zugedeckt auf einer Liege. Er erhält eine Beruhigungs- oder Kurzschlafspritze. Die Kurzschlafspritze ist keine Narkose, der Patient fällt lediglich in einen kurzen und leichten Schlaf. So spürt er während der gesamten Untersuchung keinerlei Schmerzen. Durchgeführt wird die Untersuchung von einem Gastroenterologen. Wurde eine Kurzschlafspritze gegeben, ist man den restlichen Tag nicht verkehrstüchtig.
 Eine Darmspiegelung ist gefährlich.
FALSCH! Richtig ist, dass die Darmspiegelung von gut ausgebildeten Experten durchgeführt wird und als sehr risikoarm gilt. 370 000 Menschen im Alter über 55 Jahre nehmen jährlich in Deutschland eine Vorsorge-Koloskopie in Anspruch. Bei durchschnittlich 369 000 von ihnen verläuft die Untersuchung ohne jegliche Komplikationen. Sollte es doch zu Komplikationen kommen, handelt es sich mehrheitlich um Blutungen nach der Entfernung von Polypen oder um eine Beeinträchtigung des Kreislaufs durch die Kurzschlafspritze.
Für die Vorbereitung muss ich viele Liter einer schlecht schmeckenden Flüssigkeit trinken.
FALSCH! Richtig ist, dass im Gegensatz zu früher zur Vorbereitung des Darms heute nur noch zwei Liter der Spülflüssigkeit getrunken werden müssen. Angereichert mit Zitronen- oder Orangengeschmack hat sich diese inzwischen auch geschmacklich verbessert. Wichtig: Eine gute Reinigung des Darms ist Voraussetzung für ein sicheres Untersuchungsergebnis.
 Eine Vorsorgedarmspiegelung muss man jedes Jahr wiederholen.

FALSCH! Richtig ist, dass die Vorsorge-Koloskopie erst nach zehn Jahren wiederholt werden muss, wenn sie keinen Befund ergab. Wurden Krebsvorstufen (Polypen) erkannt, sollte die Darmspiegelung nach drei bis fünf Jahren wiederholt werden. Ein kürzerer Zeitabstand gilt auch für Menschen mit familiär erhöhtem und erblichem Darmkrebsrisiko, da Tumore und Polypen bei ihnen schneller wachsen.

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