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Das Ende der Fuchsberghütte

Ausflugsziel seit 35 Jahren Das Ende der Fuchsberghütte

Schulklassen und Kegelclubs, Feuerwehren und Sportvereine, Großfamilien und Geburtstagsrunden: Sie alle genossen in den vergangenen 35 Jahren das idyllische Flair der mitten in Röseners Wald gelegenen Fuchsberghütte. Nun wurde die Anfang der Achtziger errichtete Hütte abgebaut.

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Die Fuchsberghütte im Rosenhäger Ortsteil Seehorst war fast 35 Jahre lang ein beliebtes Ausflugsziel für Menschen aus Nah und Fern. Jetzt wurde sie abgerissen. 

Quelle: hb

PETERSHAGEN/ROSENHAGEN.  „Schweren Herzens“, wie Bernd Heumann als Vorsitzender der örtlichen Interessengemeinschaft (IG) des Ortsteils Seelhorst betont, deren Mitglieder sich in all den Jahren unentgeltlich um das beliebte Ausflugsziel für Radfahrer, Wanderer und Kutschtouren gekümmert haben.

„In der jüngeren Vergangenheit hat das allgemeine Interesse immer mehr nachgelassen“, schildert Ralf Wallbaum, der als Hüttenwart fungierte und Reservierungen entgegennahm. Diese beliefen sich in Spitzenzeiten auf mehr als 50 angemeldete und mindestens ebenso viele unangemeldete Stippvisiten auf dem namensgebenden Fossbarg-Areal. Die „Buchungszahl“ sei 2016 jedoch auf weniger als 20 zurückgegangen.

Hinzu kommt: „Früher konnten wir aus den für die Nutzung erhaltenen Spenden das erforderliche Material für Pflege und Instandsetzung finanzieren.“ Doch dies habe sich ebenfalls geändert: „Denn auch die Anzahl und der Umfang der eingetroffenen Euro-Beträge haben ganz stark abgenommen, sodass die Unterhaltung des gesamten Areals für uns zum Zuschussgeschäft geworden ist.“
Laut Heumann und Wallbaum gibt es aber noch zwei weitere Gründe, weshalb sich die IG-Mitglieder einmütig für den Abriss des pflege-intensiven Gebäudes entschieden haben: „Zum einen hat der Eigentümer des Grundstücks den Wunsch geäußert, diesen Platz zu bepflanzen und wieder der Natur zu überlassen. Zum anderen fehlt uns einfach interessierter Nachwuchs, der mit anpackt, wenn es erforderlich ist.“

Damit endete Ende Januar 2017, was Anfang Januar 1982 mit dem Setzen der acht natürlichen Hauptpfeiler begonnen hatte. Den Entschluss zum Bau der halb offenen Hütte inmitten einer von Fichten, Tannen und Farnpflanzen umrundeten Schonung trafen die Initiatoren bereits im August 1981 bei einem Seelhorst-Fest.

„Beim ersten Arbeitseinsatz wirkten dann 13 Mann mit“, erinnert sich Gerhard Jacke, der die Entstehungsgeschichte der Hütte in Text und Bild dokumentiert hat und selbst fast ein Vierteljahrhundert als Hüttenwart fungierte. „Eine Woche später haben wir dann bei minus acht Grad mit der Kreissäge Sparren und Latten geschnitten sowie das Steinfundament für den Kamin angelegt.“
Die Federführung bei sämtlichen Arbeiten lag in den Händen von Erwin Martin, der als Architekt und Zimmermann diente und auch die Zeichnungen und statischen Berechnungen beisteuerte. Den zeitlichen Aufwand zur Errichtung der offenen Schutzhütte mit Grillplatz und Sitzgruppen beziffert Jacke auf rund 800 Arbeitsstunden.

Der Hüttentaufe am 24. April 1982 folgte die offizielle Eröffnung am 20. Mai, zu der alle Rosenhäger Einwohner eingeladen waren. Der damalige Ortsheimatpfleger Werner Nahrwold beschrieb „dieses Geschenk der Seelhorster an uns alle“ bei diesem Anlass als „Schmuckstück mitten im Grünen, abseits von Verkehr und Straße“.

Der aus der Einweihungsfete hervorgegangene Himmelfahrts-Frühschoppen lockte in Spitzenzeiten mehr als 1000 Gäste an diesem jährlichen Feiertag zur Fuchsberghütte, die am Verbindungsweg der Seelhorst zum Neuenknicker Ortsteil Lindenau sowie nur rund 300 Meter von den Grenzen zu den Kreisen Schaumburg und Nienburg entfernt liegt.

Doch nicht nur aus der näheren Umgebung haben Ausflügler die Schutzhütte genutzt: Die ausgelegten Gästebücher weisen unter anderem Einträge aus Berlin, Hamburg, Dresden, Nürnberg, dem Ruhrgebiet, dem Rheinland und dem Schwarzwald aus. Eine noch viel weitere Anreise hatten Besucher aus Polen, Portugal und Mexiko.

Jacke kann sich zudem an eine Jugendfußballmannschaft aus Schaumburg-Illinois (USA) und eine Ehepaar aus Los Angeles erinnern, die Anfang des Jahrtausends auf dem Fossbarg eine Rast einlegten. Und im September 1994 nutzte mit Bundeslandwirtschaftsminister Jochen Borchert auch ein bekannter Politiker die Hütte für eine ausgiebige Wanderpause.

All diesen Gästen standen neben dem kleinen Holzgebäude auch ein Steingrill, ein aus Sicherheitsgründen eigens angelegter Brunnen sowie ein „Häuschen mit Herz“ für dringende Bedürfnisse zur Verfügung. Später kamen ein kleiner Anbau und eine eigene Internetseite hinzu.

Neben vielen schönen Erinnerungen sind den Verantwortlichen aber auch weniger schöne Ereignisse im Gedächtnis geblieben. „Ende September 1988 haben Unbekannte den Dachstuhl und die Außenwände beschädigt und zudem das ausliegende Gästebuch in Brand gesteckt“, blickt Jacke zurück. Er hat alle erhaltenen Exemplare bei sich aufbewahrt. „Weil jedoch zusehends einzelne Seiten oder ganze Bücher zerstört worden sind, haben wir auf diesen Brauch eines Tages ganz verzichtet.“

Während das älteste Exemplar aus dem Jahr 1983 insgesamt 110 Einträge umfasst, enthält das jüngste Buch aus dem Jahr 2004 elf hinausgerissene Seiten und nur noch Besuchsnachweise von 51 Gruppen. Erhalten geblieben ist hierin unter anderem der Vers: „Wo’s Dörfchen still zu Ende geht, die Fuchsberghütte im Walde steht.“

Dass diese Aussage nun nicht mehr stimmt, hat sich im vergangenen Jahr angedeutet, als die örtliche IG erstmals seit 1982 nicht zum beliebten Himmelfahrts-Frühschoppen einlud. Heumann versucht derweil, den Abriss pragmatisch zu sehen: „Alles hat seine Zeit und die der Fuchsberghütte ist jetzt vorbei.“ hb

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