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Das geht unter die Haut

Thema des Tages Das geht unter die Haut

Wie kann man sich vor Stichen und Bissen von Insekten schützen? Und was tun, wenn’s passiert ist?

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Quelle: pr.

Von Christian Satorius

 Eine Mücke kann einem die Nacht verderben, eine Zecke das ganze Leben: Insektenstiche und -bisse lassen sich oft vermeiden oder zumindest in der Wirkung stark abschwächen. Ein Überblick:

Zecken: Das gefährlichste Krabbeltier hierzulande zählt zu den Spinnentieren und ist eigentlich gar kein Insekt: die Zecke. Sie selbst ist nicht weiter bedrohlich, problematisch sind die Krankheitserreger, die durch den Stich übertragen werden. Allein die Lyme-Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) können zu gefährlichen Hirnhaut- und Gelenkentzündungen, Herzerkrankungen, Lähmungen und sogar zum Tod führen.

 Nun ist es allerdings nicht so, dass jeder Zeckenstich auch garantiert schwerste Erkrankungen nach sich zieht. Aufpassen sollte man allerdings schon. Gegen die nicht kausal behandelbare FSME kann man sich impfen lassen und diejenigen, die sich oft im Wald und auf der Flur aufhalten, sollten das auch tun. Borreliose ist zwar mit Medikamenten behandelbar, muss aber auch erst einmal als solche erkannt werden. Hinweise kann (muss aber nicht) die sogenannte Wanderröte geben, ein bis zu faustgroßer roter Fleck um die Einstichstelle herum, oft mit hellerem Zentrum. Zecken lassen sich entgegen aller Gerüchte nicht von Bäumen fallen und sind ab etwa sieben Grad Celsius aktiv, also auch im Frühjahr oder in einem milden Herbst.

 Die ausgewachsenen, vier bis fünf Millimeter großen Tiere (vollgesogen bis zu einem Zentimeter größer) sitzen auf maximal 1,50 Meter hohen Pflanzen, die halbwüchsigen etwa zwei Millimeter großen Nymphen auf Gewächsen mit etwa einem Meter Höhe und die nur 0,5 Millimeter kleinen Larven auf bis zu 30 Zentimeter hohen Gräsern und lassen sich dort von vorbeikommenden Tieren oder Menschen meist einfach abstreifen. In der Regel stechen die Tiere nun nicht sofort zu, sondern suchen sich erst einmal eine optimale Stelle mit besonders dünner Haut, die beim Menschen hinter den Ohren, in der Leistenbeuge, in den Kniekehlen und unter den Achseln zu finden ist; hier sollte man also auf jeden Fall nachschauen. Das kann bis zu 12 Stunden dauern, in dieser Zeit lässt sich die Zecke einfach mit den Fingern aufheben und entfernen. Hat die Zecke aber schon mit dem Stech- beziehungsweise Saugakt begonnen, sitzt sie in der Regel so fest, dass sie sich mit den Fingern nicht mehr so einfach und vor allem nicht gefahrlos entfernen lässt. Während FSME sofort beim Stich übertragen wird (Viren sitzen in den Speicheldrüsen der Zecken), so haben Untersuchungen gezeigt, das die Übertragung des Borrelioseerregers (Bakterien sitzen im Mitteldarm der Zecken) in den ersten 12 Stunden fast gar nicht stattfindet, nach mehr als 47 Stunden die Erregerübertragung aber 100 Prozent beträgt. Dennoch sollte man schnell handeln.

 Eine festgesogene Zecke darf nicht mit Öl, Klebstoff oder anderen Hausmitteln bekämpft werden. Im Todeskampf überträgt das Tier nämlich noch besonders viele Erreger. Vielmehr sollte man mit einer spitzen Pinzette, speziellen Zeckenkarten oder Zeckenzangen, das Tier möglichst nahe an der Einstichstelle fassen und langsam aber stetig, nicht ruckartig, herausziehen. Drehen muss man es entgegen aller Gerüchte nicht, denn der Stechrüssel besitzt kein Gewinde. Auf keinen Fall darf der Hinterleib gequetscht werden, da man das Tier dann praktisch in die Wunde hinein ausdrückt. Das gilt vor allem für schon saugende, dickere Zecken. Achten sollte man darauf, dass auch der Kopf mit entfernt wird. Ob man ihn wirklich erwischt hat, ist am Verhalten der entfernten Zecke feststellbar: Bewegt sie sich nach spätestens ein bis zwei Minuten recht agil, ist der Kopf an der Zecke verblieben, sie lebt also noch, bewegt sie sich nicht mehr (eventuell findet noch kurze Zeit ein gewisses Zucken der Beine statt), kann es gut sein, dass der Kopf noch in der Einstichstelle steckt – Sicherheit bringt aber nur die Lupe.

 Wer in einem Risikogebiet wohnt oder einfach Sorge um seine Gesundheit hat, sollte die entfernte Zecke sorgfältig auf einem Klebestreifen befestigen und mit Datum und Namen versehen auf Krankheitserreger beim Arzt testen lassen. Schützen kann man sich natürlich am besten, indem man gar nicht erst in höheres Gras, Gestrüpp und Unterholz geht, also die Waldwege nicht verlässt. Fachleute empfehlen oft, die Hose in die Strümpfe zu stecken und hohes Schuhwerk mit glatter Oberfläche anzuziehen. Dieses kann man dann noch mit Anti-Zecken-Sprays oder Lotionen behandeln, die aber keinen einhundertprozentigen Schutz bieten. Am sichersten ist es, sich schon im Wald regelmäßig und gründlich abzusuchen.

 Vor allem die fast nicht zu erkennenden Larven, aber auch die kleinen Nymphen bereiten hier natürlich Probleme. Eine kleine Taschenlampe und eine Lupe erleichtern die Suche. Wer eine Zecke gefunden hat und sie mit den Fingern entfernt und wegwirft, sollte sich aber unbedingt die Finger genau betrachten, denn Zecken können sich sehr gut an allem Möglichen und Unmöglichen festhalten.

Bienen, Wespen, Hummeln und Hornissen

 Bienenstiche: Aufgrund der Widerhaken des Stachels verbleibt dieser mitsamt der Giftblase und den entsprechenden Muskeln in der Einstichstelle und pumpt auch nach Entfernen der Biene weiterhin Gift in die Wunde. Es muss also unbedingt auch der Stachel mit allen Anhängseln entfernt werden. Auch hier gilt wieder: nicht quetschen, sonst entleert man dabei den Inhalt. Bienen-, Hummel-, Wespen- und sogar Hornissenstiche lassen sich aber in der Regel leicht vermeiden. Keines dieser Tiere sticht ohne Grund, sondern nur zur Selbstverteidigung oder Verteidigung des Nestes.

 Bienen, Hummeln, ja sogar Hornissen sowie die meisten Wespenarten sind sogar recht friedlich. Sie haben keinerlei Interesse an uns Menschen oder unserer Nahrung. Lediglich die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe kommen ungebeten an den Kaffeetisch oder zum Grillabend. Beide Arten werden von süßen Speisen und Grillgut angelockt. Insektenallergiker sollten natürlich immer ein Notfallset bereithalten, alle anderen müssen aufpassen, dass sie sich keinen Stich in Mund, Hals oder Rachenraum einfangen. Bei Atemnot, Fieber, Übelkeit oder Schwindelgefühl ist selbstverständlich der Arzt aufzusuchen. Davon abgesehen kann keines der Tiere einem Erwachsenen wirklich gefährlich werden. Bauernweisheiten, nach denen ein Mensch nach drei Hornissenstichen sterben würde und ein Pferd nach sieben, gehören ins Reich der Märchen und Legenden. Lediglich bei mehreren Hundert Stichen kann eine ernsthafte Gefahr entstehen. Hornissen sind, wie auch unsere Honigbienen, überaus friedlich und keineswegs aggressiv. Hummeln stechen nur sehr unwillig und drohen zuvor, indem sie ihren stachelbewehrten Unterleib präsentieren. Ihre Stechmuskulatur ist so schwach ausgebildet, dass sie menschliche Haut nur dann durchstechen können, wenn sie die Möglichkeit haben, sich mit dem Rücken abzustützen, beispielsweise an Kleidungsstücken oder Gegenständen.

 Niemals sollte man nach Bienen, Hummeln, Wespen oder Hornissen schlagen oder wedeln noch sich hektisch bewegen oder in ihre Richtung sprechen, rufen oder husten. Das alles kann als Angriff gewertet werden. Es heißt also: Ruhe bewahren. Selbst wenn die Tiere sich in den eigenen Haaren verfangen haben, sollte man nicht eingreifen, sondern warten, bis sie sich selbst befreit haben – so schwer das in der Praxis auch sein mag. Starke Parfüms sind zu meiden, Getränke und Esssachen draußen abzudecken. Wespenfallen locken die Tiere nur an, von ihnen ist also auf jeden Fall abzuraten.

 Auf keinen Fall sollten Nester selbst umgesetzt werden (dafür gibt es Spezialisten), auch nur die Nähe des Nestes ist zu meiden. Wird man in Anwesenheit mehrerer Tiere doch gestochen, sollte man sich zügig entfernen, denn bei jedem Stich werden Stoffe freigesetzt, die andere Tiere dazu animieren, ebenfalls zu stechen. In der Apotheke gibt es Salben und Gele, die Schwellungen, Schmerzen und Juckreiz mildern. Kaltes (richtig kaltes aber nicht eiskaltes) Leitungswasser fünf Minuten lang über die Einstichstelle laufen zu lassen, verringert die Schwellung und hilft gut gegen die Schmerzen. Den gestochenen Körperteil möglichst wenig bewegen. Bremsen:

 Das leise Brummen ist es, was uns oft vor Bremsen warnt, die vor allem in der Nähe von Nutztieren, Gewässern aber auch auf größeren Waldwegen oder Lichtungen auftauchen und schmerzhaft sogar durch Kleidungsstücke stechen können. Sie reagieren vor allem auf Wärme, Schweiß und dunkle Kleidung. In der Luft sind sie kaum zu erwischen und können dort auch ziemlich lästig werden. Haben sie sich aber erst einmal niedergelassen, kann man sie recht einfach erschlagen, da sie dann nur langsam reagieren. Das Problem ist, auch wirklich alle zu erwischen. Antibremsen- und Mückenlotionen sowie -sprays mögen einen gewissen Schutz bieten, hundertprozentig auf sie verlassen kann man sich allerdings nicht. Eng anliegende Kleidung sollte vermieden werden, Ärmel runter- und Hosen hochkrempeln, Hände in die Taschen stecken und die Strümpfe hochziehen. Es gibt auch Hüte mit eingearbeiteten Mückennetzen, die den Kopf gut schützen. Ameisen:

 Draußen in freier Natur können auch einige Ameisenarten zu schmerzhaften Begegnungen führen. Wer sich also ins Gras legen möchte, was aufgrund der Zeckengefahr ohnehin nicht anzuraten ist, sollte nachschauen, ob sich ein Ameisennest oder Ameisenstraßen in der Nähe befinden. Manchmal schwärmen geflügelte Ameisen aus. Sie umgeht man am besten, da die kleinen Tierchen keine Flugakrobaten sind und sich so auch wohl weitgehend ungewollt in den Haaren und Kleidungsstücken verfangen können. Sie schwärmen ohnehin nur sehr kurze Zeit. Bei Bissen helfen die gleichen Mittel aus der Apotheke, die auch schon gegen Wespen-, Bienen- Hornissen- und Hummelstiche empfohlen werden. Kaltes Wasser (fünf Minuten lang) mildert auch hier Schmerz und Schwellung. Spinnen:

 Das Gleiche gilt für die einzige Spinne, die in unseren Breitengraden die menschliche Haut durchstechen und uns echte Schmerzen zufügen kann, den etwa 1,5 Zentimeter langen Dornfinger, den man an grünlich-gelben Beinen und ungewöhnlich kräftigen Kieferklauen erkennt. Wer auf Nummer sicher gehen will, geht zum Arzt, Allergiker sowieso. Spinnen zählen übrigens zu den Spinnentieren und nicht zu den Insekten. Schmetterlinge und ihre Raupen:

 Unangenehm können die sogenannten „Brennhaare“ einiger Schmetterlingsraupen (zum Beispiel Prozessionsspinner) werden, die sich sogar durch den Wind weitertragen lassen. Die nesselnden Haare entfernt man am besten mit Wasser oder Klebeband. Augen und Schleimhäute werden mit Leitungswasser ausgewaschen. Ansonsten gilt: Die Gespinstnester in Bäumen und Büschen großräumig umgehen. Mücken:

 Jetzt bleiben eigentlich nur noch die Mücken, die einem vor allem im Schlafzimmer, bei Aufenthalten an Gewässern und bei abendlichen Grillpartys zusetzen. Gartenteichbesitzer können im Fachhandel Mittel erwerben, die die Entwicklung der Mücken im Wasser hemmen. Allerdings sollte einem bewusst sein, dass schon kleinste Pfützen ausreichen können und diese sogar in Dachrinnen, in denen das Wasser steht, möglich ist. Stark qualmende Feuer bieten einen gewissen Schutz, ebenso wie Antimückensprays und Lotionen. Im Schlafzimmer sollte man vom großräumigen Einsatz der Insektensprays auf Dauer absehen, ebenso wie von regelmäßiger Verwendung der kleinen Steckdosenverdampfer, die zwar allesamt gut helfen, aber aus eben diesem Grund für uns Menschen bei ständiger Anwendung ja nicht gerade gesundheitsförderlich sind.

 Das Schlafzimmer schützt man am effektivsten mit dicht schließenden Insektengittern oder Stoffen vor dem Fenster. Natürlich darf man dann nicht die Schlafzimmertür unnötig lange offen stehen lassen, denn sonst kommen die Tiere auf diesem Weg herein. Der Juckreiz, der durch Mückenstiche und Bremsenstiche verursacht wird, lässt sich verringern, indem man den sauberen Fingernagel tief in die Einstichstelle drückt. In der Apotheke finden sich entsprechende Mückenstempel, die das hygienischer erledigen. Auf diese Weise wird das Juckreiz verursachende Sekret in tiefere Hautschichten gedrückt, wo es weniger Wirkung zeigt und abgebaut wird. Im Handel bzw. in der Apotheke sind auch Geräte erhältlich, die mittels kleiner Stromstöße (Piezotechnik) oder mit Hilfe von Wärme über 45 Grad Celsius die eingebrachten Stoffe zerstören sollen. In der Theorie funktioniert das ganz gut, in der Praxis liegt der Erfolg in etwa bei dem der Antimückenlotionen zum Auftragen auf den Körper.

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