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Das große Flattern

Thema des Tages Das große Flattern

Was für ein Spektakel: Im Herbst ziehen Millionen Vögel in ihre Winterquartiere im Süden und Westen. Ein Großteil legt dabei mehrere Tausend Kilometer am Stück zurück. Eine lange Reise, die Gefahren birgt. Trotzdem machen sich Kraniche, Störche und Stare jedes Jahr aufs Neue auf den Weg.

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Wer fliegt weg, wer bleibt da?

In Deutschland brüten etwa 250 Vogelarten, schätzt der Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Etwa die Hälfte von ihnen macht sich in jedem Frühling und Herbst auf eine lange Reise. Wie in diesen Wochen, denn der Winter steht bevor und die Vögel finden in ihren Brutgebieten nicht mehr ausreichend Nahrung. Aber nicht alle Flugkünstler legen auf ihrem Weg in die Winterquartiere Tausende Kilometer zurück. Vogelkundler unterscheiden zwischen sogenannten Langstreckenziehern und Kurzstreckenziehern.
Zu den Arten, die lange Strecken zurücklegen, gehört der Weißstorch, die Rauchschwalbe, der Kuckuck und die Nachtigall. Sie ziehen bis an den Südrand der Sahara und sind wegen ihrer langen Reise nur wenige Monate in Deutschland zu sehen. Sie sind meist reine Insektenfresser und machen sich jedes Jahr zur gleichen Zeit auf den Weg in ihr Winter- beziehungsweise Brutquartier. Um sie während des Vogelzugs zu beobachten, muss man viel Glück haben, da sie bis auf wenige Ausnahmen nachts und einzeln fliegen. Über zwei Millionen Langstreckenzieher aus Europa fliegen Jahr für Jahr nach Afrika, teilt der Nabu mit. Die weiteste Distanz legt übrigens die arktische Küstenseeschwalbe zurück. Sie fliegt bis zu 40 000 Kilometer pro Jahr.
 Etwa 40 Arten gehören zu den Kurzstreckenziehern. Sie fliegen nach Westeuropa oder in den Mittelmeerraum, um zu überwintern. Wie der Nabu mitteilt, passen sie ihre Zugzeiten an die aktuelle Wetterlage an und starten zum Beispiel bei Kaltlufteinbrüchen früher. Zu den Kurzstreckenfliegern gehören Kranich, Star und Feldlerche. Da sie vor allem am frühen Morgen und in großen Trupps unterwegs sind, lassen sie sich gut beobachten.
Alle anderen Vögel bezeichnen Experten als Standvögel, sie bleiben das ganze Jahr über in Deutschland. Typische Wintervögel sind Meisen, Zeisige und Buchfinken.

Auftanken in Watt und Bruch

Wer Zugvögel auf ihrer Reise in den Süden beobachten will, hat dazu aktuell an der Nordsee besonders gute Voraussetzungen. Bei den 7. Zugvogeltagen an der niedersächsischen Küste dreht sich alles um Pfuhlschnepfen, Alpenstrandläufer und Schneeammern, die das Wattenmeer zur Bühne eines besonderen Naturschauspiels machen. Denn dort machen Millionen Zugvögel eine Zwischenlandung, um sich Futter für ihre Weiterreise ins Winterquartier anzufressen. Dazu gehört zum Beispiel der Knutt, der bis zu 5000 Kilometer ohne Stopp fliegt. Nur im Watt legt er auf seinem Weg von Sibirien bis in die Sahara eine Pause ein. Infos über den Knutt und andere Flugakrobaten gibt es noch bis zum 18. Oktober in unterschiedlichen Küstenorten.
Wer nicht so weit fahren möchte, hat mit dem Steinhuder Meer ein Vogelschutzgebiet von internationaler Bedeutung quasi direkt vor der Haustür. Vor allem der Meerbruch und die Meerbruchwiesen mit ihren Tümpeln und Blänken sind ideales Rast- und Überwinterungsgebiet für Zugvögel. Aus den Beobachtungshütten am Westufer heraus lassen sich Gans und Co. optimal zuschauen. Aber auch auf dem See selbst sind viele Zugvögel zu sehen. Wie die Blessgänse, die nach Auskunft von Thomas Brandt von der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM) vor fast zwei Wochen aus Skandianvien in ihrem Winterquartier angekommen sind. „Sie fressen tags im Meerbruch und schlafen nachts auf dem Steinhuder Meer.“
Der Herbstzug der Vögel ist übrigens deutlcih auffälliger, als der Vogelzug im Frühling. Der Grund: Nach der Brutzeit im Sommer sind mehr Vögel unterwegs. Zudem lassen sich die Tiere mehr Zeit und bleiben länger an ihren Rastplätzen. Im Frühjahr versuchen sie hingegen, schnell die besten Brutplätze zu besetzen.
 www.zugvogeltage.de; www.oessm.org

Wie Umwelteinflüsse den Vogelzug verändern

Immer mehr Zugvögel gehen nicht auf große Reise, sondern überwintern in Deutschland. Grund sind die milderen Winter mit wenig Schnee, die ein größes Nahrungsangebot für Vögel zulassen. Auch Großstädte sind regelrechte Wärmeinseln. Tatsächlich lässt sich bei manchen Arten ein verändertes Zugverhalten beobachten. So hat sich die Zahl der Überwinterer bei den Kranichen von 1000 im Jahre 2012 auf mittlerweile rund 30 000 erhöht. Außerdem gibt es Kraniche, die immer kürzere Strecken zurücklegen. Das liegt nicht nur am veränderten Klima, sondern auch am größeren Nahrungsangebot dank der gestiegenen Zahl von Maisfeldern.

Welche Gefahren lauern auf der Reise?

Egal ob kurz oder lang: Die Reise zwischen Winter- und Brutquartier birgt für Zugvögel viele Gefahren. Die Tiere müssen Gebirgszüge passieren und Stürme durchfliegen. Vor allem alte und kranke Tiere überleben die riskante Reise oft nicht. Die Gefahren sind aber nicht alle naturgemacht. Der Mensch trägt einen Großteil dazu bei, dass der Flug nicht im Ziel, sondern zum Beispiel an Strommasten oder Windrädern enden kann. Durch die Zerstörung von Rast- und Überwinterungsrevieren fällt vielen Arten zudem die Nahrungssuche schwerer.
Und dann ist das noch die Jagd auf Zugvögel. Sogar in Deutschland dürfen einige Arten wie Gänse gejagt werden. Im großen Stil wird der Vogelfang in Mittelmeeranrainerstaaten wie Ägypten betrieben. Die 700 Kilometer lange Küste ist dort fast vollständig mit illegalen Fangnetzen versehen, jeden Herbst werden 140 Millionen Vögel getötet. Statistisch gesehen endet jeder 17 europäische Zugvogel auf dem Weg nach Afrika in einem ägyptischen Netz, teilt der Nabu mit.

Wie orientieren sich die Flugkünstler?

Wann sie aufbrechen, wohin und wie weit sie fliegen, ist bei den meisten Zugvogelarten genetisch programmiert. Zugvögel haben einen angeborenen Zuginstinkt, der sich aber über mehrere Generationen hinweg verändern kann. So ziehen seit einigen Jahrzehnten mitteleuropäische Mönchsgrasmücken nicht mehr nur in den Mittelmeerraum, sondern inzwischen auch ins wintermilde Großbritannien, teilt der Nabu mit.
Aber wie finden die Vögel den Weg? Sie orientieren sich tagsüber am Stand der Sonne und in der Nacht am Sternenhimmel. Im Nahbereich geben Landmarken wie Gebirgsketten, Wälder und Wüsten Hinweis auf die Flugroute. Vogelkundler gehen außerdem davon aus, dass die Tiere einen eingebauten Magnetkompass haben und sich am Magnetfeld der Erde orientieren.
Jede Vogelart hat ihr eigenes Zugverhalten mit festen Routen und ganz eigenen Flugformationen. Enten fliegen in einer Linie nebeneinander, Stare bilden riesige Schwärme und der Kuckuck macht sich allein auf den Weg. Besonders charakteristisch ist das große V, mit dem große Vögle wie Kraniche und Gänse lange Distanzen überwinden. Mit dieser Keilformation – die Führungsposition wird abwechselnd übernommen – sparen die Tiere Energie.

Von Katharina Grimpe

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