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Das große Gähnen

Thema des Tages - Herbstmüdigkeit Das große Gähnen

Die Decke über den Kopf ziehen und auf den Frühling warten: Diese Strategie hört sich beim typischen Herbst-Schietwetter verlockend an. Allerdings ist sie leider völlig falsch. Stattdessen muss es heißen:
Nicht durchhängen, sondern gegen den inneren Schweinehund kämpfen. Tipps gegen das Herbsttief.

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Müde, antriebslos, keine Lust zu nichts: Der Herbst und – mit ihm – das grau-trübe Nieselwetter haben uns voll im Griff. Morgens wird es nicht mehr richtig hell, dafür schon am Nachmittag wieder stockdunkel. Viele würden jetzt gerne einfach den ganzen Tag im Bett bleiben. Doch genau das ist der falsche Weg, um das Herbsttief zu überwinden. Was hilft? Bewegung, frische Luft und viele Vitamine.
Das Wetter ist der Grund dafür, dass sich viele Menschen im Herbst müde und lustlos fühlen, genauer gesagt: die Dunkelheit. Das erhöhte Schlafbedürfnis im Herbst ist unter anderem hormonell bedingt, erklärt Frank Keller, Allgemeinmediziner aus Stadthagen. Gibt es am Tag weniger Lichtstunden, wird das Schlafhormon Melatonin vermehrt ausgeschüttet und die Haut hat weniger Chancen, Vitamin D zu produzieren. Letztgenanntes ist unter anderem für kognitive Prozesse wichtig. Die Folge sind außer der großen Müdigkeit auch schlechte Laune, Konzentrationsschwäche und Hunger.

Fachleute fassen die Winter-Tristesse und ihre Symptome unter dem Terminus „Seasonal Affective Disorder-Syndrom“ zusammen. Etwa jeder dritte Deutsche leidet nach eigener Aussage unter dieser Schlechtwetter-Depression, das hat eine Umfrage der Techniker Krankenkasse ergeben.

Umso wichtiger ist es, den Weg an die frische Luft auch bei Nieselregen und Nebel nicht zu scheuen. Aktivität unter freiem Himmel –{FSPACE}egal, bei welchem Wetter – ist für Hausarzt Keller das beste Rezept gegen den Herbst-Blues. Der Mensch braucht Licht, um sich fit und glücklich zu fühlen. Licht kurbelt die Bildung von Serotonin an und hilft der Haut dabei, Vitamin D zu bilden. Das klappt sogar, wenn sich die Sonne hinter einer dichten Wolkendecke versteckt. Ein bedeckter Himmel im Freien bringt es auf eine Beleuchtungsstärke von ein paar Tausend Lux. Experten empfehlen deshalb, sich jeden Tag mindestens 30 Minuten draußen zu bewegen, zum Beispiel in der Mittagspause. Der Lichteffekt kann noch vergrößert werden, wenn im Freien Sport getrieben wird. Dabei schüttet der Körper nämlich noch mehr muntermachende Hormone aus, und man tut etwas fürs Immunsystem.

Wie aber den inneren Schweinehund überwinden? Feste Verabredungen mit Kollegen oder Freunden zum Spaziergang oder zur Joggingrunde machen es leichter, sich zu motivieren. Genauso wie kleine Belohnungen nach dem Sport: Eine Tasse Tee oder ein heißes Bad entspannen und bereiten Körper und Geist auf den dringend benötigten Schlaf vor. „Wenn man müde ist, sollte man sich auch hinlegen“, sagt Keller und empfiehlt, dem Schlafbedürfnis ruhig nachzugeben. Allerdings nur begrenzt. Nicht angeraten ist, sich den ganzen Tag im Bett zu verkriechen.

Schokolade und Nudeln als Seelentröster: Auch der Heißhunger im Winter und Herbst kann mit der hormonellen Umstellung erklärt werden. Amerikanische Forscher wollen zudem herausgefunden haben, dass sich der Mensch instinktiv ein Polster anfuttert, um sich für schlechte Zeiten zu rüsten. Ein Erbe aus der Steinzeit. Vitamine sollten in der Ernährung aber auch im Herbst nicht zu kurz kommen, findet Keller.

Der Hausarzt hat noch einen Tipp gegen Müdigkeit: einen guten Nachtschlaf. Damit es mit dem Einschlafen klappt, sollte man Körper und Seele Gelegenheit zur Ruhe geben. „Ein Marathonlauf direkt vorm Schlafen ist sicher nicht angeraten“, meint der Arzt. Genauso wenig wie üppige Mahlzeiten, Alkohol und Kaffee. kcg, dpa

Nickerchen gegen den Sekundenschlaf

Mehr als die Hälfte der Deutschen ist durch Schlafmangel bereits in eine gefährliche Situation im Straßenverkehr geraten. 39 Prozent haben sich durch zu wenig Schlaf schon in eine heikle Lage am Arbeitsplatz gebracht. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Untersuchung, für die im Auftrag der Basler Versicherungen 1000 Bundesbürger ab 18 Jahren befragt wurden.
Auch der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) erklärt, dass Müdigkeit am Steuer ein weithin unterschätztes Unfallrisiko im Straßenverkehr ist. Oft werden Anzeichen von Müdigkeit nicht bemerkt oder sogar ignoriert – auch, wenn dadurch gefährliche Situationen entstehen. Spätestens, wenn die Augenlider zuzufallen drohen, der Kopf immer schwerer wird oder man sich nicht mehr so recht auf den Straßenverkehr konzentrieren kann, sollten Autofahrer eine Pause einlegen. Verpassen sie aus Unaufmerksamkeit eine Ausfahrt oder schrecken sie aus dem Sekundenschlaf auf, wird es allerhöchste Zeit. „Dann sollte man sofort den nächsten Rastplatz ansteuern, eine Pause einlegen und ein zehn- bis 20-minütiges Nickerchen einlegen“, sagt Sven Rademacher von DVR. In der Regel erhole sich der Körper schon nach wenigen Minuten Schlaf, so Rademacher. Nach der kurzen Rast sollte man noch ein wenig den Kreislauf in Schwung bringen, bevor es wieder auf die Straße geht. Ein paar Dehnübungen am Fahrzeug helfen dabei. „Grundsätzlich gilt natürlich, sich am besten erst gar nicht übermüdet hinters Steuer zu setzen“, sagt Rademacher.
Gegen Konzentrationsschwierigkeiten im Büro helfen regelmäßige kurze Pausen. Untersuchungen haben gezeigt, dass viele kurze Pausen einen höheren Erholungswert haben, als eine lange Auszeit. Muntermacher für den Arbeitsplatz: Aufstehen, sich strecken, das Fenster aufmachen, einen Kaffee holen und mit den Kollegen plauschen.

Gähnen ist ansteckend

Müde Menschen gähnen. Allerdings nicht aus dem Grund, um das Gehirn mit mehr Sauerstoff zu versorgen, wie allgemein angenommen wird. Forscher auf der ganzen Welt sind sich uneins über die Funktion des Gähnens. Während Experten einerseits vermuten, dass Gähnen dazu dient, das überhitzte Gehirn abzukühlen, behaupten wiederum andere, Gähnen habe eine soziale Funktion. Fest steht: Gähnen ist ansteckend. Italienische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die emotionale Nähe zwischen den Gähnenden dabei eine große Rolle spielt. So wurden die Teilnehmer einer Studie der Universität Pisa am häufigsten innerhalb ihrer Familie vom Gähnen angesteckt, dann folgten Freunde, dann Bekannte. Am seltensten reagierten die Probanden auf das Gähnen von Fremden.
Sogenannte Spiegelneuronen im Gehirn sind für diesen Nachahmer-Effekt verantwortlich. Er funktioniert nur, wenn sich ein Mensch in andere Menschen hineinversetzen kann. Sich vom Gähnen anstecken zu lassen, ist also ein Zeichen von Empathie.

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