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Das kurze Leben eines Überfliegers

Todestag von Thomas Abbt Das kurze Leben eines Überfliegers

 „Vernünftige Ehrfurcht vor Gott, thätige Tugend und tiefe Gelehrsamkeit“ – mit Thomas Abbt wurde vor 250 Jahren in Bückeburg einer der hoffnungsvollsten deutschen Schriftsteller der Aufklärung zu Grabe getragen.

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Thomas Abbt (1738–1766), hier auf einem Kupferstich-Porträt des Malers und Kartografen Johann David Schleuen (1711–1771) aus dem Jahre 1767.

Quelle: Repro: gp

Thema des Tages. Mit 23 Jahren Professor der Uni Rinteln, mit 27 schaumburg-lippischer „Kultusminister“ und mit knapp 28 in der Bückeburger Schlosskapelle zu Grabe getragen – das irdische Dasein des Thomas Abbt glich einem schnell verglühenden Stern am Firmament. Heute ist der 1738 geborene und während seines kurzen Lebens von den Zeitgenossen hoch geschätzte Schriftsteller und Philosoph – anders als sein Amtsnachfolger Johann Gottfried Herder – weitgehend in Vergessenheit geraten. Abbt stammte aus einer Ulmer Perückenmacherfamilie. Er galt schon während seiner Schulzeit als geistiger Überflieger.

Er sei extrem wissbegierig gewesen, heißt es in den biografischen Nachbetrachtungen. Abbt übersprang mehrere Klassen. Mit 18 begann er ein Theologie-Studium, nahm sich jedoch schon bald zusätzlich die Disziplinen Philosophie, Mathematik, Literatur und Kunstgeschichte vor. 1760 wurde er auf den Lehrstuhl für Philosophie der Uni Frankfurt/Oder berufen.

Brillante Analysen und Veröffentlichungen

Schon bald machte der jugendliche Denker durch brillante Analysen und Veröffentlichungen auf sich aufmerksam. Das brachte ihm das Angebot ein, als Autor der angesehenen, in Berlin erscheinenden „Literaturbriefen“ mitzuarbeiten. Zu seinem Gesprächs- und Freundeskreis zählten bald alle, die in der damaligen, vom Geist der Aufklärung geprägten Zeit Rang und Namen hatten, darunter der Philosoph Moses Mendelssohn, der Schriftsteller und Verleger Friedrich Nicolai und die Dichter Karl Wilhelm Ramler sowie Johann Wilhelm Ludwig Gleim.

Ende 1761 folgte Abbt einem Ruf als Professor der Mathematik an die Universität Rinteln – eine Entscheidung, die er schon bald heftig bereute. „Hier ist niemand, der die Namen Ramler, Mendelssohn und Lessing kennt, und letzthin, als ich sie nannte, hat mich beinahe jemand gefragt, unter welchem Regiment sie dienten“, schrieb er einem Freund. „Es gibt noch nicht einmal einen Buchladen hier.“

Als Abwechslung zu seinem „unschmackhaft dahinkriechenden Leben“ unternahm er eine mehrmonatige Reise durch Europa. Dabei besuchte er unter anderem den in Osnabrück lebenden, damals international bekannten und geschätzten Staatsmann und Geschichtsschreiber Justus Möser. In der Schweiz traf er mit Voltaire zusammen. Ansonsten versuchte er, sich mittels wissenschaftlich-philosophischer Schriften aus der ungeliebten Provinzuniversitätsstadt „wegzuschreiben“.

Das gelang ihm 1965 mit der viel beachteten Veröffentlichung „Vom Verdienst“. Das Buch kam auch dem feinsinnigen, hoch gebildeten schaumburg-lippischen Grafen Wilhelm im benachbarten Bückeburg in die Hände. Der sowohl als Militärexperte als auch als Förderer von Kunst und Wissenschaften in die Geschichtsbücher eingegangene Landesherr holte den knapp 27-Jährigen kurz entschlossen an seinen Hof.

Eine außergewöhnliche Freundschaft

Schon bald entwickelte sich eine intensive und außergewöhnliche Freundschaft. Die beiden Männer saßen oft stundenlang zusammen. „Denken Sie ja nicht, dass der Graf von der Lippe einer unserer gewöhnlichen großen Herren sei“, schrieb Abbt nach Berlin. „Wenn Sie ihn bei Tische ganze Stellen aus dem Shakespeare mit der vollen Empfindung des Inhalts hersagen hören, und ihn bei gestirnter Nacht mit philosophischem Tiefsinn und bescheidenem Zweifel über die wichtigsten Materien, die den Menschen angehen, sprechen hören, so würden Sie ihn hoch schätzen.“

Die Freundschaft der beiden dauerte noch nicht einmal ein Jahr. Am 3. November 1766, wenige Tage vor seinem 28. Geburtstag, starb Abbt an den Folgen eines langwierigen Hämorrhoidalleidens. Er wurde, ungewöhnlich genug, in der Bückeburger Schlosskapelle beigesetzt. „Wenn vernünftige Ehrfurcht vor Gott, Weisheit, thätige Tugend, aufrichtige und anmuthige Freundschaft, tiefe Gelehrsamkeit und glänzende Gaben Verdienste sind, besaß sie derjenige, dessen Gebeine hier ruhen“, heißt es auf einer von seinem gräflichen Freund in Auftrag gegebenen Grabplatte.

 

Zum Todestag

Aus Anlass von Abbts 250. Todestag geht am Dienstag, 25. Oktober, im Landesarchiv-Standort Schloss Bückeburg eine Gedenkveranstaltung über die Bühne. Archiv-Chef Dr. Stefan Brüdermann wird einen Vortrag über Leben und Werk des Philosophen und Schriftstellers halten. Zur Eröffnung und Begrüßung hat sich die Präsidentin des Niedersächsischen Landesarchivs, Dr. Christine von der Heuvel, angesagt.

Zeitgleich mit der Abbt-Feier wird in den Räumen des Archivs eine Sonderausstellung über Entwicklung und führende Persönlichkeiten der Aufklärung im heutigen Niedersachsen, zu denen neben Abbt auch und vor allem der Osnabrücker Politiker und Publizist Justus Möser (1720–1794) gehörte, eröffnet. Die Ausstellung kann bis zum 10. Januar während der Öffnungszeiten im Landesarchiv Bückeburg besichtigt werden (Mo., Di., Do. 9 bis 16 Uhr, Mi. 9 bis 18 Uhr und Fr. 9 bis 13 Uhr). gp

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