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Der König kommt

Thema des Tages Der König kommt

Die Comic-Szene in Deutschland ist groß und bunt. Alles was in ihr Rang und Namen hat, trifft sich seit 30 Jahren beim Comic-Salon Erlangen – dem wichtigsten Comic-Festival im deutschsprachigen Raum. Höhepunkt des mehrtägigen Spektakels ist dabei die Verleihung des Max-und-Moritz-Preises. Die Preisträger 2014 gehören zu den herausragensten Comic-Künstlern. Ihre Werke sind nun in einer Ausstellung versammelt auch jenseits von Erlangen zu sehen. Und zwar in Wiedensahl.

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Quelle: pr.

Von Friedhelm Sölter

Endlich Comic“ – so lautet der Titel der Ausstellung, die ab 14. September für rund acht Monate die Spitze der deutschen Comic-Szene mit ihren Werken ins Wiedensahler Wilhelm-Busch-Geburtshaus bringt. Damit schließt sich ein Kreis, schließlich gilt Wilhelm Busch als einer der Urväter der grafischen Erzählkunst. Viele Comic-Künstler sehen im Wiedensahler Multitalent ihren Stammvater.
„Endlich Comic“ ist für sie selbst, erklärt Gudrun-Sophie Frommhage-Davar, Entschuldigung und Genugtuung zugleich. „Denn eigentlich hätten beim anerkannten Vater des Comics dessen Nachfolger längst präsentiert werden müssen“, betont die Leiterin des Wilhelm-Busch-Geburtshauses. Andererseits sei dieser Umstand aber auch ein Beleg dafür, dass man das Haus seit seiner Neugestaltung in den Jahren 2004 bis 2006 habe immer erfolgreich „bespielen“ können. „Wir hatten genug andere bemerkenswerte Themen“. Trotzdem: das „endlich“ im Titel der Ausstellung sei der Beweis dafür, dass mit der Präsentation anerkannter Comic-Künstler wie Ralf König, Ulli Lust und Mawil ein großer Schritt in diese Richtung gelungen sei.
„Endlich Comic“ ist der Startschuss für die Jubiläumsaktionen, die sich in Kooperation mit der Schaumburger Landschaft im kommenden Jahr über den ganzen Landkreis Schaumburg erstrecken werden. 2015 kann der 150. Jahrestag der Erstausgabe vom Wilhelm Buschs „Max und Moritz“ gefeiert werden. Diese Bildergeschichte und explizit die explodierende Pfeife des Lehrers Lämpel gelten weithin als Urknall des Comics.
Zugleich hängt sich die Ausstellung im Geburtshaus an ein anderes Jubiläum: 30 Jahre Comic-Salon in Erlangen samt Verleihung des Max-und-Moritz-Preises. Was in Erlangen 1984 als zartes Pflänzchen begann, hat sich inzwischen zur umjubelten Heerschau der Szene entwickelt – auch wenn der Comic als anerkannte Kunstform in Deutschland gegenüber den angelsächsischen und frankophilen Ländern sowie Japan noch deutlichen Nachholbedarf hat.
Aber der Stellenwert des Comics in der Kunst wandelt sich. Quasi passend zur Ausstellung in Wiedensahl erscheint in der renommierten Publikationsreihe „Aus Politik und Zeitgeschichte“ der Bundeszentrale für politische Bildung der Band „Comics“. Diese seien „heute ein globales, komplexes Phänomen der Populärkultur“, heißt es im Buch. Comics würden längst eine künstlerische und erzählerische Vielseitigkeit bieten, die jener in Literatur und Film in nichts nachsteht. „In Feuilletons diskutiert, in Museen ausgestellt, an Universitäten erforscht und im Schulunterricht eingesetzt, sind Comics heute weitgehend kulturell akzeptiert“, wird bilanziert.
Frommhages Ehemann Darjush Davar war schon 1986 erstmals in Erlangen dabei und hat seine Beziehungen zur Szene seit 2008 intensiviert. Gemeinsam leitete das Ehepaar dann im vergangenen Jahr die erforderlichen Schritte ein, die jetzt mit dieser Präsentation gekrönt werden.
Comicsalon-Leiter Bodo Birk war für die Ideen der Schaumburger, die Geehrten von Erlangen in Deutschlands Norden zu präsentieren, von Beginn an sehr offen. Dieser Schritt liege nach der Entwicklung des Festivals in Franken „auf der Hand“. Und er erinnerte sich, dass es 2008, im Jahr als sich Buschs Sterbetag zum hundertsten Mal jährte, das Museum in Hannover unter dem Titel „Wilhelm Busch und die Folgen“ schon einmal dem Comic nördlich des Weißwurst-Äquators eine breite Plattform geboten hatte.
Doch so konzentriert wie im 1000-Einwohner-Dorf Wiedensahl sind die Erlanger Preisträger wohl noch nie gezeigt worden. Gezeigt werden die deutschsprachigen Gewinner des Max-und-Moritz-Preises 2014, die bisweilen im Ausland anerkannter seien als zu Hause.
Zum Beispiel den „bewegten Mann“ Ralf König, ein Superstar der Szene. Bei der Eröffnung von „Endlich Comic“ am Sonntag, 14. September, um 11 Uhr ist König, der in Erlangen mit der großen Silbermedaille für sein großes Lebenswerk ausgezeichnet worden ist, selbst dabei, wenn sein Manager Andreas C. Knigge unter dem Titel „Wilhelm Busch und der Comic“ in die Werkschau einführen wird. Vom 28. September an läuft dann parallel im Deutschen Museum für Karikatur und Zeichenkunst in Hannover die Ausstellung „Ralf König: Echte Kerle!“, die einen Überblick über das Gesamtwerk des Comiczeichners gibt.
Ebenfalls mit ihren Werken in Wiedensahl zu sehen sind 18 Metzger aus Köln, die Berliner Ulli Lust, Marwil und Marvin Clifford sowie die Illustrationsklasse von Professor Hendrik Dorgathen von der Kunsthochschule Kassel mit ihrem prämierten Magazin „Triebwerk“. Die Kasselaner Studenten werden zudem im April und Mai nächsten Jahres für eine Studienwoche ins Schaumburger Land kommen und die Ergebnisse dieses Workshops in Stadthagen in der Zehntscheune ausstellen.
Auch die anderen Künstler werden im Verlauf der Ausstellungsdauer, also bis zum 25. Mai, persönlich ihre Visitenkarte in Wiedensahl abgeben, dann für Lesungen oder Signierstunden ins Schaumburger Land kommen.

Mit den Profis Comics zeichnen

Das Wilhelm-Busch-Geburtshaus in Wiedensahl bietet begleitend zur Ausstellung „Endlich Comic“ erstmals zwei Workshops im Comic-Zeichnen an. Die Veranstaltung im Oktober leitet Mawil (Max-und-Moritz-Preis 2014 „Bester deutscher Comic“ für „Kinderland“). Im Januar übernimmt Barbara Yelin (nominiert für den Max-und-Moritz-Preis 2012 „Bester deutscher Comic“ für „Gift“) die Federführung.
Thema beider Zeichenseminare ist der Streich in all seiner Vielfältigkeit. Wilhelm Buschs berühmteste Bildergeschichte „Max und Moritz“ bietet dafür eine vielfältige Inspirationsquelle. Selbst erfundene oder erlebte Streiche werden unter Anleitung der mehrfach ausgezeichneten Künstler Mawil und Barbara Yelin als Comic in Szene gesetzt.
Dabei erfahren die Teilnehmer, wie eine Bild-Erzählung geplant, dramaturgisch wirkungsvoll in Einzelbilder umgesetzt und die eigenen Figuren auf Papier lebendig werden. Behandelt werden zudem Fragen zu Seitenaufbau und zeichnerischen Ausdrucksmitteln. Die Ergebnisse werden im Internet und den Wiedensahler Museen präsentiert.
Beide Künstler geben am jeweils ersten Abend des Workshops eine Bilder-Lesung aus Ihren Werken.
Der Workshop mit Mawil richtet sich vom 24. bis 26. Oktober an Zwölf- bis 20-Jährige. Anmeldungen sind bis zum 17. Oktober im Wilhelm-Busch-Geburtshaus möglich.
Der Workshop mit Barbara Yelin wird vom 23. bis 25. Januar in Wiedensahl ausgerichtet, die Teilnahme ist ab 17 Jahre möglich. Anmeldungen nimmt das Geburtshaus bis zum 16. Januar entgegen.  soe

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