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Die Erinnerung wachhalten

Volkstrauertag Die Erinnerung wachhalten

Der Volkstrauertag am Sonntag steht im Zeichen der Erinnerung an das Leid vieler Millionen Opfer von Krieg, Gewaltherrschaft und Vertreibung. Fast 70 Jahre nach Kriegsende ist der nationale Gedenktag aktueller denn je. In Zeiten zahlreicher Konflikte, Krisen und Millionen Flüchtlingen bietet der Tag die Chance, sich bewusst zu werden, wie wertvoll der Frieden ist.

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Der Gedenkstein auf dem Friedhof der Evangelisch-Reformierten Kirche Bückeburg erinnert an 35 ausländische Zwangsarbeiter, die im Steinbruch Steinbergen zu Tode gekommen sind.

Quelle: kcg

Wassili Grebenink ist 15 Jahre alt gewesen, als seine Leiche im Steinbruch Steinbergen verscharrt worden ist. Gemeinsam mit 49 Häftlingen aus Osteuropa musste er in den letzten beiden Jahren des Zweiten Weltkrieges unter brutalsten Bedingungen Zwangsarbeit leisten. Viele von ihnen fanden innerhalb weniger Monate durch Misshandlungen den Tod –{FSPACE} weil sie flüchten wollten, vor Erschöpfung zusammenbrachen oder weil ihre Krankheit nicht behandelt wurde. Erst in den fünfziger Jahren erhielten die 35 Zwangsarbeiter aus Steinbergen eine würdevolle letzte Ruhestätte auf dem Friedhof der Evangelisch-Reformierten Kirche in Bückeburg. Ihre Namen sind eingemeißelt in den großen Gedenkstein auf dem Gräberfeld.
Es sind Menschen wie Wassili Grebenink, Wladislaw Gurski und Anton Olszenski, derer am morgigen Volkstrauertag gedacht werden soll. An zahlreichen Orten im Schaumburger Land versammeln sich Menschen, um sich an das Leid der Opfer von Krieg, Gewaltherrschaft und Vertreibung zu erinnern.
Dass sich die Gräueltaten, begangen im Ersten und Zweiten Weltkrieg, nicht allein im fernen Auschwitz, in Berlin oder Dresden abgespielt haben, wird in Schaumburg zum Beispiel beim Besuch der Bückeburger Friedhöfe deutlich. Außer dem Gräberfeld der Steinberger Zwangsarbeiter zeugen auch die Gräber von Vertriebenen aus Schlesien auf dem Friedhof an der Jetenburger Straße und die Soldatengräber an der Scheier Straße vom Leid, das Krieg und Gewalt in Schaumburg verursacht haben. Den Schülern der Herderschule in Bückeburg und ihrem Lehrer Klaus Maiwald ist es dabei zu verdanken, dass sich Besucher der Friedhöfe über das Schicksal vieler Kriegsopfer informieren können. In Kooperation mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge haben die Jugendlichen Info-Tafeln auf den Friedhöfen aufgestellt.
Die Erinnerung wachhalten als Mahnung für den Frieden: Für Heinz Kraschewski, Bürgermeister der Gemeinde Auetal und Geschäftsführer des Kreisverbandes Schaumburg des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, liegt genau darin die Bedeutung des Volkstrauertages. Fast 70 Jahre nach Kriegsende ist der Frieden für junge Menschen, die meist keinen verwandtschaftlichen Bezug zu Kriegsopfern mehr haben, eine Selbstverständlichkeit geworden. „Frieden ist aber gerade keine Selbstverständlichkeit“, betont Kraschewski. Vor allem nachfolgende Generationen müssen deshalb auf das „millionenfache Leid, was durch Krieg und Gewalt hervorgerufen wurde“, immer wieder aufmerksam gemacht werden. So könnten sie dafür sensibilisiert werden, „Frieden als etwas sehr Wertvolles, aber auch Zerbrechliches zu begreifen“.
Wie zeitgemäß der Volkstrauertag ist, wollen die Schüler der Schule am Schlosspark Stadthagen bei der Gedenkfeier auf dem St.-Martini-Friedhof in der Kreisstadt zeigen. „Der Volkstrauertag ist durch die zahlreichen Krisen und Konflikte auf der Welt aktueller den je“, erklärt Lehrerin Hanna Kokoszka. Nie seien mehr Menschen auf der Flucht vor Terror und Gewalt gewesen als heute. Aus diesem Grund widmen sich ihre Schüler in der Gedenkfeier dem Schicksal von Kindern und Jugendlichen auf der Flucht. Durch die Erlebnisse von jungen Menschen aus Syrien, Eritrea und Tunesien, die aktuell an ihrer Schule unterrichtet werden, würden die Jugendlichen das Leiden der Weltkriegsflüchtlinge nachvollziehen und verstehen können. Kokoska sieht den Volkstrauertag daher als Chance, zu Toleranz und Respekt und ein friedliches Zusammenleben aufzurufen.
Oliver Theiß erlebt am Sonntag zum ersten Mal in seiner Funktion als neuer Bürgermeister der Kreisstadt die Gedenkveranstaltung in Stadthagen. Für ihn ist der Volkstrauertag zeitgemäß, weil das Thema Krieg allgegenwärtig ist. „Durch den Volkstrauertag wird daran erinnert, was ein Krieg für die Menschen eines Landes bedeutet, welches unsägliche Leid er auslöst“, erklärt Theiß. Sein Kollege Mike Schmidt, neu im Amt als Bürgermeister der Samtgemeinde Nenndorf, nimmt wie Theiß zum ersten Mal an der Prominentensammlung zugunsten der Deutschen Kriegsgräberfürsorge teil. Die Erinnerungsarbeit am Volkstrauertag und die Arbeit der Kriegsgräberfürsorge sieht er als gute Investition in den Frieden. kcg

 

Krieg darf nicht noch mal passieren

Wir sind Julia und Nikolas, beide 15 Jahre alt, kommen vom Ratsgymnasium Stadthagen und machen ein Praktikum bei den Schaumburger Nachrichten. Am 16. November ist in Deutschland der jährliche Gedenktag an die Kriegsopfer des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Daraufhin möchten wir erläutern, was wir über den Volkstrauertag denken. Für uns ist der Volkstrauertag nicht wichtig, da wir keinen Bezug zu Kriegsopfern oder generell zu Krieg haben. Wir haben nämlich das Glück, in einem Land aufwachsen zu können, in dem kein Krieg herrscht, in dem wir vernünftig und sicher zur Schule gehen können und außerdem unser Leben, jetzt wie später, so leben können, wie wir es wollen.
Trotzdem sollte der Volkstrauertag nicht abgeschafft werden, weil er wichtig ist. Der Tag erinnert an das Schicksal von Kriegsopfern als Teil der deutschen Geschichte, der nicht vergessen werden sollte. Am Volkstrauertag erinnern wir uns an die Fehler, die die Menschen damals gemacht haben, und wissen, dass so etwas wie Krieg und Gewalt nicht noch einmal passieren darf.
Warum wird der Volkstrauertag heute immer noch gefeiert? Eine Antwort darauf bekommen wir in der Schule leider nicht, weil unsere Lehrer nur am vorgeschriebenen Schulstoff festhalten und nicht auf aktuelle Feiertage eingehen. Wir würden uns wünschen, dass unsere Lehrer uns mehr über solche wichtigen Tage informieren.
Vielleicht könnte man den Besuch einer Gedenkfeier am Volkstrauertag mit in den Lehrplan aufnehmen? Oder wir Schüler bekommen die Möglichkeit, solche Feiern in der Schule selbst zu gestalten, damit der Volkstrauertag bei uns Jugendlichen nicht in Vergessenheit gerät.

Von Nikolas Schulz und Julia Wilkening

 

Info: Volkstrauertag

Am Volkstrauertag gedenkt Deutschland der Toten von Krieg und Gewaltherrschaft.Der Gedenktag wurde in der Bundesrepublik 1952 auf Anregung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge wieder eingeführt. Die Ursprünge des Volkstrauertags reichen bis in das Jahr 1922, als im Reichstag der Weimarer Republik die erste offizielle Feierstunde stattfand.  epd

 

Die Opfer des Todeszuges

An der Jetenburger Straße in Bückeburg markieren 89 Grabkreuze das Gräberfeld der Vertriebenen aus Breslau in Schlesien. Die dort bestatteten Toten starben zwischen 1946 und 1949 an den Folgen des unmenschlichen Massentransportes im Dezember 1949 von Breslau nach Bückeburg. Die 770 Menschen gehören zu den mehr als vier Millionen Vertriebenen aus Schlesien. Der sogenannte „Todeszug Nr. 514“ erreichte Bückeburg nach einwöchiger Fahrt bei eisiger Kälte. Breits bei der Ankunft in Bückeburg waren 30 Menschen umgekommen. In den nächsten Wochen starben weitere 30 Menschen, darunter viele Kinder. kcg

 

Kurz vor Kriegsende gefallen

94 deutsche Soldaten, ein rumänischer, ein ungarischer und ein unbekannter russischer Soldat sind auf dem sogenannten „Ehrenfriedhof“ für die Toten des Zweiten Weltkrieges an der Scheier Straße in Bückeburg bestattet. Die meisten der Toten fielen noch kurz vor Kriegsende im April 1945 bei letzten Abwehrgefechten in Bückeburg. Auf einem anderen Gräberfeld sind 17 Soldaten des Ersten Weltkrieges begraben, die in Bückeburger Lazaretten an den Folgen ihrer Kriegsverletzungen starben. kcg

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