Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Die Gefahr von oben

Thema des Tages Die Gefahr von oben

Raus aus dem Dezembermief, rein in die Sonne! Immer mehr Menschen stillen ihre Sehnsucht nach Sommer im Südseeurlaub oder im heimischen Solarium. Mit verheerenden Folgen für die Gesundheit. Denn jeder Sonnenbrand schädigt die Haut nachhaltig und führt im schlimmsten Fall zu Krebs.

Voriger Artikel
Gemischte Energie
Nächster Artikel
Stadthäger Polizei auf der Jagd

Von Katharina Grimpe. Im Frühling eine Woche Mallorca, im Sommer drei Wochen Nordsee und im Winter geht’s regelmäßig ins Solarium. Hauptsache schön braun. Doch „dieser weitverbreitete Wunsch nach Bräune um jeden Preis“ kann fatale Folgen für die Gesundheit haben, warnt die Deutsche Krebshilfe. In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Hautkrebsneuerkrankungen dramatisch zugenommen.

Jedes Jahr wird bei mehr als 250 000 Menschen in Deutschland Hautkrebs diagnostiziert. Tendenz steigend. Immer häufiger sind auch jüngere Menschen betroffen. In Niedersachsen wurden im Jahr 2013 7822 Patienten mit der Diagnose Hautkrebs in Krankenhäusern stationär behandelt –  15 Prozent mehr als fünf Jahre zuvor. Die Folgen sind auch in Schaumburg spürbar: Starben 2009 noch fünf Schaumburger an der Krankheit, waren es 2014 bereits 15. Was sind sie Ursachen? Und wie kann man sich schützen? Die SN haben die wichtigsten Antworten.

Infos zum Thema

Infos über die Diagnostik und Therapiemöglichkeiten von Hautkrebs stehen im Mittelpunkt einer Veranstaltung am Donnerstag, 10. Dezember, im Hörsaal des Johannes-Wesling-Klinikums Minden. Beginn ist um 18 Uhr, der Eintritt ist frei.

Was ist Hautkrebs?
Hautkrebs ist ein Oberbegriff für sämtliche bösartigen Veränderungen der Haut und eine der häufigsten Krebserkrankungen überhaupt. Das UV-Licht der Sonne gilt bei der Entstehung der bösartigen Wucherungen als Hauptursache, erklärt Elisabeth Schubert, Dermatologin in Bad Nenndorf. Durch die ungebremste Vermehrung der entarteten Hautzellen wird die Struktur der Haut zerstört. Durch die Blut- und Lymphbahnen im Körper kann sich der Krebs, wenn er nicht früh genug erkannt wird, in andere Organe ausbreiten.

Was sind die Ursachen?
Hauptrisikofaktor für das Entstehen von Hautkrebs ist die ultraviolette Strahlung im natürlichen Sonnenlicht oder im Solarium. Dabei sind vor allem in Kindheit und Jugend erworbene Hautschäden maßgeblich für das spätere Entstehen von Hautkrebs verantwortlich, erklärt Schubert. „Bis vor 20 Jahren wusste man noch nichts über diese Zusammenhänge.“
Kinderhaut reagiert besonders sensibel auf UV-Strahlen, da sie im Vergleich zur Haut von Erwachsenen anders strukturiert ist. Die Stammzellen liegen bei Kindern sehr viel dichter unter der Hautoberfläche und sind den Strahlen deswegen stärker ausgesetzt.

Welche Typen gibt es?
Je nach betroffener Zellart werden unterschiedliche Hautkrebstypen unterschieden: der weiße Hautkrebs und der schwarze Hautkrebs. Bestimmte Arten des weißen Hautkrebses treten vor allem an jenen Körperregionen auf, die dem Licht ausgesetzt sind, wie Gesicht, Hände und Ohren. Der schwarze Hautkrebs ist eine besonders bösartige Form, die häufig an bedeckten Körperstellen auftreten. Er ist so gefährlich, weil er früh Tochtergeschwülste bildet und dann oft nicht mehr heilbar ist.

 Ist Hautkrebs schmerzhaft?
„Nein“, sagt die Hautärztin aus Bad Nenndorf. Und das ist das Tückische am Hautkrebs, weil er dadurch häufig als harmlos verkannt wird. Allerdings können bei manchen Vorstufen des weißen Hautkrebses bei Berührungen unangenehme, leichte Schmerzen auftreten.

 Warum steigt die Zahl der Erkrankten?
Schubert führt vor allem zwei Gründe an: Zum einen das veränderte Freizeitverhalten der Deutschen, die sich immer häufiger und länger den UV-Strahlen der Sonne aussetzen, ohne dabei auf einen ausreichenden Schutz durch Kleidung und Creme zu achten. Dazu kommt nach Aussage von Rudolf Stadler, Chefarzt der Klinik für Dermatologie am Johannes Wesling Klinikum in Minden, der unkritische Umgang mit Solarien. Zweiter Grund ist der demografische Wandel und der immer größer werdende Anteil von über 60-Jährigen an der Bevölkerung. Denn je älter ein Mensch wird, desto größer das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken.
Laut Stadler gibt es vor allem zwei Gruppen, bei denen Hautkrebs besonders oft festgestellt wird: junge Frauen und ältere Männer. Erstgenannte, weil sie gerne ins Solarium gehen, Letztgenannte, weil sie nicht so stark auf Vorsorge achten und Hautveränderungen oft für harmlos halten.

Wer ist besonders gefährdet?
Gefährdet sind besonders hellhäutige Menschen, Personen, die in der Kindheit und Jugend häufig Sonnenbrände hatten sowie dauergebräunte Menschen, bei denen der Reparaturmechanismus der Haut überfordert ist, zählt Schubert auf. Ein sehr hohes Hautkrebsrisiko haben Patienten mit eingeschränktem Immunsystem, zum Beispiel wenn sie nach einer Organtransplantation Immunsuppressiva einnehmen, sagt Stadler.

Wie gefährlich sind Solarium-Gänge tatsächlich?
Mit jedem Besuch im Solarium erhöht sich das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken. Dabei sind besonders junge Menschen gefährdet. Wenn Solarien bis zu einem Alter von 35 Jahren regelmäßig besucht werden, verdoppelt sich das Risiko, am besonders aggressiven schwarzen Hautkrebs zu erkranken. Deshalb gilt für Jugendliche unter 18 Jahren ein Solariumverbot. Die Deutsche Krebshilfe rät konsequent davon ab, Solarien zu nutzen.

Wie lässt sich Hautkrebs erkennen?
Je früher Hautkrebs entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Deshalb empfehlen Experten, den eigenen Körper zu beobachten. Damit auch der Laie entsprechende Hautveränderungen entdecken kann, gibt es eine einfache ABCD-Regel: Die Abkürzung steht für Asymmetrie, Begrenzung, Colour (Farbe) und Durchmesser. Ein Fleck kann gefährlich sein, wenn er asymmetrisch aufgebaut ist, eine unscharfe ausgefranste Begrenzung hat, mehrere fleckige Farbtöne hat oder sich in seiner Form, Farbe oder Dicke verändert.

Wie ist die Prognose bei Neuerkrankungen?
Wenn der Krebs früh genug erkannt und behandelt wird, ist die Prognose und die Aussicht auf Heilung gut, schildert Schubert. Problematisch wird es, wenn der Krebs bereits Metastasen gebildet hat.

Wie kann man vorsorgen?
Zum Beispiel, indem man regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung geht. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen für Versicherte ab 35 alle zwei Jahre ein sogenanntes Hautkrebsscreening, bei dem ein Dermatologe den ganzen Körper unter die Lupe nimmt. Von großer Bedeutung ist selbstverständlich auch, auf ausgiebige Sonnenbäder zu verzichten.

Kann man sich mit Sonnencreme wirklich schützen?
„Man kann das Risiko chronischer Lichtschäden mindern, das ist richtig“, betont Schubert. Aber zusätzlich ist auch lichtschützende Kleidung besonders um die Mittagszeit erforderlich. „Ein umsichtiges Verhalten mit Aufenthalt im Schatten, einer Kopfbedeckung und Sonnencreme angepasst an den Hauttyp ist sinnvoll, um das Hautkrebsrisiko zu minimieren.“ Aber Vorsicht: Auch bei bewölktem Himmel und kühlem Wind ist die Lichtintensität der Sonne nicht reduziert. Man kann auch dann einen Sonnenbrand bekommen. „Einen totalen Sonnenschutz gibt es nicht“, betont die Bad Nenndorferin.
Die Annahme, dass die Haut erst bei einem Sonnenbrand geschädigt wird, ist übrigens nicht richtig. Lange Sonnenbäder können für empfindliche Hauttypen schon vorher schädlich sein. Denn Sonnenbrand ist ein Alarmsignal, das die Haut erst sendet, wenn es zu spät ist. Bis zu diesem Moment können UV-Strahlen schon die kritische Dosis überschritten haben. Auch eingecremt sollte man deshalb nicht den ganzen Tag in der Sonne bleiben.

Was sollten Eltern von kleinen Kindern beachten?
Eltern sollten ihren Kindern schon früh vermitteln, wie wichtig Sonnenschutz ist. Denn junge Haut ist empfindlich. Besonders gefährdet sind Kinder und Jugendliche mit sehr hellen Hauttypen. Im ersten und zweiten Lebensjahr gehen Kinder am besten gar nicht in die Sonne. Besonders im Sommerurlaub am Strand ist ausreichend Schutz wichtig. Denn Wasser und Sand reflektieren das Sonnenlicht und die UV-Belastung verstärkt sich. Der Sonnenschutz sollte dann am besten mehrmalig aufgetragen werden.
Um Kinder, Jugendliche und Eltern besser aufzuklären, fordern Kinderärzte, die Beratung zu UV-Strahlung in den gesetzlich vorgeschriebenen U-Untersuchungen beim Kinderarzt zu verankern.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Der Media Store ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg in die digitale Welt. Das Angebot reicht von mobilen Endgeräten und Zubehör bis zur passenden Schulung für iPad und Co. mehr

Die SN-Apps gibt es für iPhone, iPad und Android-Geräte. Hier erfahren Sie, was sie bieten und wie Sie sich die Apps installieren können. mehr

Sport, Jugendthemen oder aktuelle Schlagzeilen? Mit acht Facebook-Kanälen bedienen die SN die unterschiedlichen Interessen der Nutzer und treten mit den Lesern direkt in den Kontakt. mehr