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Die Last mit den Läusen

Blutsauger kennen kein Standesdünkel Die Last mit den Läusen

Schon beim Gedanken an die Blutsauger krabbelt es unwillkürlich auf dem Kopf. Läuse sind immer ein bisschen eklig, jucken fürchterlich und fühlen sich auf jedem Haupt wohl – egal ob frisch gewaschen oder nicht. Denn soviel steht fest: Kopfläuse zu kriegen, ist keine Sache mangelnder Hygiene.

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Von Katharina Grimpe

Wirklich schützen kann man sich vor ihnen nicht. Kopfläuse können jeden zu jeder Zeit befallen. Das passiert vor allem durch engen Körperkontakt. Überall, wo Menschen die Köpfe zusammenstecken, können sich die lästigen Krabbeltiere verbreiten. Deshalb ist es keine Seltenheit, wenn sich Schaumburger Kitas und Schulen regelmäßig beim Gesundheitsamt des Landkreises melden und mitteilen, dass ein oder mehrere Kinder unter Läusen leiden. Schämen muss sich dafür keiner – weder das betroffene Kind, noch seine Eltern. „Läuse sind kein Zeichen mangelnder Hygiene“, betont Jörg Fedderke, Leiter des Schaumburger Gesundheitsamtes, mit Nachdruck.
Kopfläuse gab es schon immer. Sie krabbelten unter den gepuderten Perücken des Adels zur Zeit des Barocks genauso wie auf den Köpfen von Soldaten und Bauern. Und obwohl die Tierchen weder springen noch fliegen können, binnen weniger Tage verhungern, wenn sie nicht regelmäßig das Blut ihrer Menschen saugen, und eigentlich ein leichter Gegner wären, hat man sie nicht ausrotten können. Den immer besser werdenden hygienischen Standards zum Trotz.
Der Grund: Das Thema Läuse ist hochgradig schambesetzt. Wer bei sich oder seinem Kind Läuse feststellt, spricht lieber nicht darüber. Dabei haben die Lästlinge weder in Sachen sozialer Status noch in Bezug auf Sauberkeit Präferenzen. Auf der Suche nach Blut wandern sie von Kopf zu Kopf, ganz egal, wie sauber er ist.
Umso wichtiger ist es, die Blutsauger schnell wieder los zu werden und ihre Verbreitung zu verhindern, indem man Kindergärten, Schulen und Hort vom Befall berichtet. So sind andere Eltern vorgewarnt und können ihren Nachwuchs präventiv regelmäßig auf Läuse und Nissen untersuchen. Denn: Man kann wochenlang unbemerkt Läuse haben. Wenn es dann zu jucken beginnt, haben sich die Parasiten meist schon auf andere Menschen verbreitet.
„Wir haben immer wieder Fälle in den Einrichtungen für Kinder- und Jugendliche“, sagt Fedderke. Auch in dieser Woche seien Meldungen gekommen. „Das ist nichts Ungewöhnliches.“ Wird ein Läusebefall im Gesundheitsamt gemeldet, schicken die Mitarbeiter ein Info-Blatt und eine Broschüre an die betroffenen Familien. „Darin weisen wir noch einmal ganz deutlich darauf hin, dass ein Läusebefall weder ehrenrührig noch gefährlich ist.“ Läuse seien Lästlinge, würden Fedderke zufolge aber keine ernsthaften Krankheiten übertragen. Das Jucken entstehe durch die Lausbisse in der Kopfhaut. Dabei spritzt der Parasit immer etwas Speichel in die Wunde, der Körper reagiert mit Juckreiz. Kratzt man sich so stark, dass die Haut dabei weiter verletzt wird, kann es zu bakteriellen Infektionen und Schwellungen der Lymphknoten kommen.
Kann man sich wirklich nicht vor ihnen schützen? Nur wenn man direkten Körperkontakt mit Menschen vermeidet, sagt der Chef des Gesundheitsamtes. Es ist schnell geschehen, dass die flinken Krabbler beim vertrauten Umgang in der Familie oder mit Freunden von einem Kopf zum nächsten wandern. Eine Übertragung durch Gegenstände oder Textilien ist dabei unwahrscheinlich. Australische Forscher haben herausgefunden, dass es nahezu ausgeschlossen ist, Kopfläuse durch Bettwäsche, Jacken oder Mützen zu übertragen. Die Wissenschaftler haben 1000 Mützen von Kindern mit Läusen untersucht und dabei nicht eine einzige Laus entdeckt. Übertriebene Hygienemaßnahmen sind bei Kopflausbefall also in der Regel unnötig. Teddy muss nicht in die Tiefkühltruhe und die Teppiche nicht in die Reinigung. Viel wichtiger ist es, sich im Kampf gegen die Laus auf den Kopf zu konzentrieren.
Dabei helfen Präparate aus der Apotheke und ein spezieller Kamm mit eng zusammenstehenden Zinken. Die Auswahl an schnell wirkenden Läusemitteln ist groß, in der Regel können Apotheker dahingehend beraten, welches Präparat am besten geeignet ist. Damit es richtig wirkt, sollte immer auf die angegebene Menge und die Einwirkzeit geachtet werden. Anschließend wird das Haar feucht ausgekämmt.
Um sicher zu sein, wirklich jede Laus erwischt zu haben, empfiehlt das Robert-Koch-Institut, Kämme, Bürsten, Haarspangen und Haargummis in heißer Seifenlösung zu reinigen, Schlafanzüge, Bettwäsche und Kleidung zu waschen und Mützen und Schals für drei Tage in einer Plastiktüte zu lagern.
Bleibt nur noch die Frage, wie man den Läusebefall überhaupt bemerkt? Mit bloßen Auge sind die Tierchen nämlich nur schwer zu entdecken. Am besten eignet sich dazu ein Läusekamm, mit dem das mit einer Pflegespülung gewaschene Haar ausgekämmt wird. Streicht man den Kamm auf einem Küchenpapier aus, können darauf Läuse und Larven zu finden sein. Hinweis auf einen Befall sind auch die kleinen bräunlichen Eier und die weißen Eihüllen (Nissen), die dicht an der Kopfhaut an den Unterseiten der Haare kleben.

Läuse legen bis zu 100 Eier

  • Kopfläuse sind weltweit verbreitet und treten zu jeder Jahreszeit auf. Ihr einziger Wirt ist der Mensch, Haustiere können Läuse nicht übertragen.
  • Läuse haben sechs Beine und sind höchstens drei Milimeter groß. Ihre 0,8 Milimeter kleinen Eier kleben sie nahe der Kopfhaut an die Haare. Sind die Larven geschlüpft, bleiben die weißen Nissen zurück. Innerhalb ihres etwa vierwöchigen Lebens legen Läuse bis zu 100 Eier.
  • Mit der einmaligen Behandlung mit Läusemittel ist es nicht getan. Zwischen dem achten und zehnten Tag nach der Erstbehandlung sollte sie wiederholt werden, um auch die inzwischen geschlüpften Larven zu erwischen.
  • Ist ein Kind betroffen, sollten Eltern unbedingt die Kita oder Hort und die Schule informieren, damit sich alle in der Gruppe des Kindes um die Bekämpfung der Läuse bemühen. Die Einrichtung informiert dann das Gesundheitsamt, das wiederum die betroffenen Eltern informiert und berät.
  • Das betroffene Kind muss in der Regel nicht lange zu Hause bleiben. Das Robert-Koch-Institut geht davon aus, dass nach der Behandlung mit einem Läusemittel keine Weiterverbreitung mehr zu befürchten ist. Das Kind kann also schon am Tag nach der Behandlung wieder in die Kita oder die Schule gehen.
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