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Trend Fotodrohne Die Welt von oben entdecken

Vier Arme, vier Beine, ein Auge: Mit seinem Quadrokopter und der hochauflösenden Kamera macht Julian Kelterborn aus Bad Nenndorf atemberaubende Luftaufnahmen. Mit seinem ungewöhnlichen Hobby ist der 31-Jährige nicht allein. Immer mehr Fotografen nutzen die technischen Möglichkeiten der kleinen Flugroboter, um Fotos aus spektakulären Perspektiven zu schießen.

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Julian Kelterborn ist von den ästhetischen Möglichkeiten seiner Fotodrohne begeistert und kann Schaumburg aus ganz neuen Perspektiven entdecken: Der Mittellandkanal bei Idensen.  Kelterborn

Von Katharina Grimpe. "Das will ich auch!“ Gleich bei seiner ersten Begegnung mit dem Fluggerät und seinem Piloten ist für Julian Kelterborn eines klar gewesen: Die Möglichkeit, Fotos aus einer ganz neuen Perspektive heraus zu schießen, will er auch für sich nutzen können. Schließlich sei nichts faszinierender, als die Welt mit anderen Augen wahrzunehmen. Keine Frage also für den leidenschaftlichen Fotografen, seine Kameraausrüstung um einen kleinen fliegenden Roboter zu erweitern. Sein Ziel: spektakuläre Luftbilder zu schießen, die ihre Betrachter faszinieren.

Kelterborns Hobby hat vier Arme und vier Beine. Sein Quadrokopter ist eine Drohne, ein unbemanntes Luftfahrzeug, das wie ein Modellflugzeug vom Boden aus mit einer Fernbedienung gesteuert wird. Und das vollgepackt ist mit moderner Technik. Das wichtigste an seinem kleinen Flugroboter mit den vier Propellern aber ist die Kamera. Mit ihr macht der 31-Jährige aus Bad Nenndorf Fotos aus bis zu 100 Metern Höhe und zeigt Orte im Schaumburger Land aus einem Blickwinkel, der nur Piloten vorbehalten ist. Oder Vögeln.

Vor knapp vier Monaten kaufte sich Kelterborn den Quadrokopter, zunächst als reines Privatvergnügen, wie er schildert. Und war begeistert von den Möglichkeiten, die seine Drohne bietet. „Bei der Fotografie ist die Perspektive das A und O und die ist bei mir nun mal auf 1,80 Meter Höhe begrenzt“, erklärt der Bad Nenndorfer lachend. Mit dem Flugroboter jedoch könne er die Welt ganz neu entdecken. Oft würden schon drei Meter ausreichen, um ein außergewöhnliches Bild zu bekommen. „Außerdem macht es unglaublich viel Spaß, mit der Drohne zu fliegen.“

Seine Leidenschaft für Fotografie hat der 31-Jährige schon früh entdeckt, knipste als Kind zahlreiche Einwegkameras voll, bis er sich die erste Digitalkamera kaufte. Als dann die ersten erschwinglichen Spiegelreflexkameras auf den Markt kamen, habe er „so richtig losgelegt“ und sei so begeistert gewesen, dass er sich immer tiefer in die Materie einarbeitete. „Ich habe viele Bücher gelesen und Fotos von Profis analysiert.“ Dass aus dem Hobbyknipser ein versierter Fotograf geworden war, merkten bald auch Freunde und Bekannte, die Kelterborn immer öfter um Aufnahmen baten. Mittlerweile setzt der Unternehmensberater sein Know-How auch beruflich ein und verdient mit seinen Bildern Geld. Auch den Quadrokopter will der Autodidakt künftig gewerblich nutzen. „Die Begeisterung für Luftbilder wächst in der Bevölkerung. Die Menschen haben eine Sehnsucht, die Welt von oben zu sehen.“

Genehmigungen

Ohne Genehmigungen darf der Quadrocopter von Julian Kelterborn nur abheben, wenn er für rein private Zwecke Luftaufnahmen macht. Will der Fotograf seine Luftbilder nicht nur schießen, sondern auch verkaufen, braucht er eine allgemeine Aufstiegserlaubnis, die das Land Niedersachsen ein Jahr lang für 150 Euro gewährt, den Nachweis einer gültigen Versicherung und die Softwarelizenz für seinen Flugroboter.

Dazu kommt jede Menge Bürokratie vor jedem einzelnen Start: „Ich informiere die Polizei, wenn ich in geschlossenen Ortschaften fliege“, schildert der 31-Jährige. Die Flugverkehrsfreigabe bei der Deutschen Flugsicherung gilt als erteilt, solange der Kopter nicht in unmittelbarer Nähe von Flughäfen und nicht höher als 100 Meter steigt. Ausnahme sind die Kontrollzonen der Bundeswehrflugplätze wie in Achum und Wunstorf. Dort ist der Aufstieg nur nach telefonischer Rücksprache möglich.

Unerlässlich ist außerdem die Zustimmung des jeweiligen Grundstücksbesitzers. Etwa eine Stunde Planungszeit benötige er vor jedem Flug, schätzt der Drohnen-Pilot aus Bad Nenndorf. „Bildkomposition in der Luft ist anspruchsvoller als am Boden und bedarf gründlicher Vorbereitung.“ Kelterborn ist wichtig, sich an die Regeln zu halten. Er fliegt nicht direkt über Menschen, nicht über Autobahnen, Bahnlinien oder Schnellstraßen. Auch das Fliegen ohne den direkten Sichtkontakt zum Flugroboter ist tabu.

Kein Wunder also, dass sich die ferngesteuerten Drohnen zum Renner entwickelt haben. Die Multikopter sind massentauglich, dank der Technik etabliere sich ein ganz neuer Fotomarkt, sagt Constanze Clauß, Geschäftsführerin von Prophoto, Tochtergesellschaft des Photoindustrie-Verbands in Frankfurt. Die Flugroboter werden dabei nicht nur von Freizeit- oder Profi-Fotografen genutzt, sondern auch von Landwirten, Dachdeckern, Denkmalpflegern oder Rettungskräften. Dass die Geräte dank GPS-Stabilisierung relativ leicht gesteuert werden können, dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie alles andere sind als Spielzeuge, meint Kelterborn. „Das ist moderne Technologie, mit der man sehr verantwortungsvoll umgehen muss.“ Im Gegensatz zum ferngesteuerten Modellauto könne eine Drohne vom Himmel fallen und dabei erheblichen Schaden anrichten. Deshalb gelte stets der Grundsatz: Nie direkt über Menschen, Autobahnen oder Bahnlinien fliegen.

Wer eine Drohne steuert, muss sich an gewisse Regeln halten, betont der 31-Jährige. Und er sollte den Dialog suchen mit Menschen, in denen der Flugroboter gewisse Ängste auslöst. „Viele haben ein ambivalentes Verhältnis zu Drohnen. Einerseits wollen sie die Bilder sehen, andererseits befürchten sie, dass man mit der Drohne in ihre Privatsphäre eindringt.“ Auch Kelterborn habe während seiner Flüge schon öfter die Frage gehört: „Dürfen Sie das überhaupt?“ Tatsächlich sei es nicht verboten, über bewohntes Gebiet zu fliegen, räumt der Bad Nenndorfer mit einem gängigen Vorurteil auf. „Aber ein Grundstückseigentümer darf mir untersagen, über sein Grundstück zu fliegen.“

Ob er mit der Kamera ins Bad oder ins Schlafzimmer zoome? „Das ist technisch gar nicht möglich“, betont der Fotograf. Und es liege auch überhaupt nicht in seinem Interesse. Schließlich gehe es ihm um die Luftbilder, um die Ästhetik, und nicht ums Ausspähen privatester Details.

„Man darf nicht mit den Ängsten seiner Mitmenschen spielen“, sagt Kelterborn. Deshalb informiere er vor jedem Start die Polizei, die dann im Fall einer Nachfrage von besorgten Bürgern Aufklärung betreiben kann. „Da will keiner spionieren, sondern schöne Bilder machen.“

Mehr Fotos von Julian Kelterborn sind auf seiner Facebook-Seite www.facebook.com/Fotowarehaus zu sehen.

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