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Die freundliche WG im Garten

Peaceful Gardening Die freundliche WG im Garten

Mensch, Tiere und Pflanzen leben im Garten von Susanne Heine im Einklang. Denn dort geht es biovegan zu. Tierische Dünger und giftige Stoffe sind tabu. Wie sie trotzdem pralle Früchte und leckeres Gemüse erntet,  berichtet sie in ihrem Buch.

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Ort der Entspannung: Susanne Heine liebt die Atmosphäre in ihrem Garten. jemi

Von Jennifer Minke-Beil. Bei den Nachbarn im Stall ertönt ein zittriges, noch recht klagvolles „Määhh“. Ein Lamm wird geboren. Zufälligerweise geschieht dieses kleine Wunder genau in dem Moment, als der Pressetermin bei Susanne Heine beginnt. Eine Frau, die seit vielen Jahren vegetarisch lebt und seit 2009 sogar vegan. Sie verzichtet also außer auf Fleisch auch auf Milchprodukte und Eier: „Tiere liegen mir einfach sehr am Herzen.“

Ihr Haus – sie lebt dort mit einem Freund und zwei Katzen – und ihr Garten befinden sich mitten im Weserbergland, gerade einmal 14 Kilometer von Rinteln entfernt. Und doch fühlt sich der Besucher nach einer serpentinenreichen Anfahrt wie in einer anderen Welt. Liegt es an der Abgeschiedenheit oder an der Harmonie, die der Garten versprüht? Er ist ein kleines Paradies für alle Lebewesen – denn dort geht es biovegan zu.
Die erste Frage, die sich stellt, und die auch Heine am häufigsten hört: Ist ein Garten nicht immer vegan? Aus ihrer Sicht ist das nur dann der Fall, wenn keine tierischen Produkte zum Düngen verwendet und keine Tiere wie Schnecken getötet werden. „Mir geht es vor allem darum, den ökologischen Gedanken des Biogärtnerns mit der ethischen Motivation zu verbinden“, erläutert die passionierte Gärtnerin.

Der erste Weg zum bioveganen Garten war bei ihr der eigene Komposthaufen im Garten – den sie selbstverständlich auf rein pflanzlicher Basis angelegt hat. Der Kompost besteht unter anderem aus organischen Küchen- und Gartenabfällen. Als natürlichen Kompostbeschleuniger hat die 52-Jährige die Beinwellpflanze zu schätzen gelernt. „Verteilt man etwas Beinwell auf dem Kompost, schaltet er den Turbo an.“ Außerdem stellt sie aus der nützlichen Pflanze selbst Jauche her. „Vor allem Kürbisse und Zucchini freuen sich über den mineralstoffreichen Dünger“, hat sie festgestellt.

Wer den Dünger nicht selbst herstellen will, könne selbstverständlich auch auf Produkte im Handel zurückgreifen, sagt Heine. Mittlerweile gebe es sehr viele unterschiedliche Anbieter, die veganen Dünger vertreiben. Sie empfiehlt auf Dünger zu verzichten, die aus Knochenmehl, Blutmehl, Horn oder Haarmehlpellets hergestellt werden.

Viele Aspekte des bioveganen Gärtnerns hat sich die Naturkostfachberaterin angelesen. Sie mag aber auch das eigene Forschen und Ausprobieren im Garten, das alles im Einklang mit der Natur geschieht. Sanfte Methoden sind dabei beim Vorgehen entscheidend, sagt sie. „Ich möchte Lebensräume für die vielen Tiere schaffen, die sich im Garten wohlfühlen.“ Damit das gelingt, solle der Garten eher unaufgeräumt sein: Ein Holzhaufen locke beispielsweise Igel an. Eine Blumenwiese sei ein Segen für die Schmetterlinge, aber auch für das menschliche Auge. Das Zusammenleben im Garten gleiche dem Leben in einer Wohngemeinschaft, findet die 52-jährige Barsinghäuserin.

Klar, manchmal ärgert sie sich über Schnecken, die ihren gepflanzten Salat anknabbern. „Ich würde sie deshalb aber nie vergiften.“ Stattdessen experimentiert die Hobbygärtnerin mit anderen Pflanzen oder Kräutern, um die Nacktschnecken vom Salat fernzuhalten. Mal hat sie mehr Erfolg, mal weniger. „Das ist eben learning by doing.“

Da sie ihren Garten nicht als Gemüsefabrik ansieht, sondern eher als Ort der Entschleunigung, geht sie alle Probleme entspannt an. Überhaupt scheint Heine in sich zu ruhen. Kaum vorstellbar, dass sie in ihrem – wie sie selbst sagt „früheren Leben“ – in einer Millionenmetropole lebte. Heine arbeitete als Reiseverkehrskauffrau in einem sehr großen Unternehmen in München. Irgendwann habe sie gespürt, dass sie wieder auf dem Land leben und einen Garten bewirtschaften möchte. So wie sie es schon von ihrer Uroma in Barsinghausen vermittelt bekommen hat. Ihre Familie war und ist Heine immer sehr wichtig, obwohl dort niemand vegetarisch, geschweige denn vegan lebt. Sie legt aber Wert darauf, nicht zu dogmatisch zu sein. Aus diesem Grund verurteilt sie niemanden, der nicht ihren Weg geht. „Ich möchte meine Lebensfreude doch nicht verlieren. Und die anderen sollen es auch nicht.“

Um anderen Gartenfreunden Tipps zu geben, schreibt sie schon seit einigen Jahren über ihre Erfahrungen im Garten. Ihr Internet-Blog stößt auf reges Interesse bei Gleichgesinnten. Er ist eine Mischung aus Erlebnisberichten, Tipps und eigenen veganen Rezepten. Das Interesse bei den Lesern war sogar so groß, dass auch ein Münchener Buchverlag auf Heines Expertise aufmerksam wurde. Das Ergebnis ist das nun frisch erschienene Buch „Peaceful gardening“. Zusätzlich engagiert sie sich beim Bund für Vegane Lebensweise und hat sich damit ein weitverzweigtes Netzwerk geschaffen.

Das Buchprojekt zeigt, dass Heine mit ihrer Einstellung zur Ernährung ohne tierische Produkte und dem Umgang mit Lebensmitteln nicht alleine dasteht. Veganer sind längst keine Exoten mehr. Aber nicht nur „Ökofreaks“ – so bezeichnet sich Heine augenzwinkernd selbst – sind auf eine vegane Lebensweise umgestiegen. Aus einer Nische scheint sich eine Art Mainstream zu entwickeln. Das haben auch die Verantwortlichen der großen Lebensmittelkonzerne erkannt. Edeka als größte Einzelhandelskette in Deutschland und auch im Schaumburger Land stark vertreten, spezialisiert sich immer weiter und hat stetig mehr vegane Produkte im Supermarkt-Regal stehen. „Die vegane Ernährung ist absolut ein Thema für Edeka im kompletten Bereich Minden-Hannover“, erklärt dazu Edeka-Pressesprecherin Mareike Götze. Seit Mitte April gebe es dort einen eigenen Markennamen mit 14 Produkten. Diese seien extern geprüft und tragen das Vegan-Siegel der Europäischen Union.

Dass auch Supermärkte in die vegane Spur steuern, findet Veggie-Gärtnerin Heine durchaus positiv. „Wenn ich einen Zug verpasse und mir am Bahnhof etwas zu essen kaufen möchte, bekomme ich häufig nur ein trockenes Brötchen.“ Wenn sie zu Hause ist, koche sie gerne ausgiebig mit Freunden – immer häufiger mit Leckereien aus ihrem bioveganen Garten. Mit ihren Nachbarn wird sie aber trotz der gegenseitigen großen Sympathie so schnell nicht zum Essen an einem Tisch sitzen. Dort gibt es in einigen Monaten Lammbraten.
• Peaceful gardening – Biovegan gärtnern. Das Praxisbuch. Susanne Heine, BLV-Verlag, 144 Seiten, 162 Farbfotos.
 • http://reisbluete.blogspot.de

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