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Die mächtigsten Lichter der Welt

Ampeln Die mächtigsten Lichter der Welt

Zwei Wochen seines Lebens verbringt jeder in Deutschland – rein statistisch – mit dem Warten an einer roten Ampel. Das führt oft zu Ärger bei den Autofahrern. Doch ohne die bunt leuchtenden Verkehrsregler geht es vielerorts gar nicht weiter. Die richtige Taktung einer Ampel ist eine hohe Kunst – aber geht das auch intelligenter?

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Landkreis. Von Maike Lina Schaper und Mona Ohms

Die Ampel und der Autofahrer – eine Hassliebe. Zeigt das runde Licht dem herannahenden Autofahrer ein grünes Signal, freut er sich über freie Fahrt, scheint hingegen das rote Licht hell auf, heißt es bremsen und warten.Und warten. Und warten. Dass eine Ampelanlage im Sinne der Verkehrssicherheit sein muss, ist unbestritten. Strittiger hingegen sind die „sinnlosen“ Wartezeite, also jene Phasen, in denen kein Verkehr aus einer anderen Richtung kommt und die Autofahrer trotzdem an der roten Ampel stehen müssen.

Verkehrsplaner versuchen, unnütze Wartezeiten so gering wie möglich zu halten, doch die Steuerung der Lichtsignalanlagen – wie Ampeln im Fachjargon eigentlich heißen – ist eine komplizierte Angelegenheit. Die feinsten Einstellungen lassen sich justieren, um Grünzeiten zu planen und Ampelanlagen aufeinander abzustimmen. „Das Schwierige ist, die Ampeln intelligent untereinander zu verknüpfen“, sagt Manuel Demuth, der in Hameln für die Steuerung der Lichtsignalanlagen zuständig ist.

Das Ziel von Ampelsteuerungen ist es nicht nur, den Autofahrern zu schnelleren Grünzeiten zu verhelfen, sondern auch zu vermeiden, dass zu viel Verkehr ganze Straßen blockiert. „Dazu kommen natürlich noch die Fußgänger, die an den Ampeln meist eine Priorität haben. Ein Drücken auf den Knopf genügt und die Autofahrer müssen warten“, fügt Ulrich Lösch von der Straßenmeisterei Rinteln hinzu.

Durch die geografische Nähe zur A2 und dem Aufeinandertreffen der zwei Bundesstraßen B83 und B238 ist besonders an der großen Kreuzung in Steinbergen eine reibungslose Ampelschaltung von entscheidender Bedeutung. Dort fließt mit großem Abstand der meiste Verkehr im Rintelner Raum: Ob Lastwagenverkehr in Richtung Autobahn, Feierabendverkehr aus dem Auetal oder aus Hameln – alle müssen sie diese Kreuzung passieren. Die typischen Verkehrsspitzen gibt es zu den Arbeitsantritts- und Feierabendzeiten, in denen die Autofahrer häufig mit langen Wartezeiten rechnen müssen.

Bei einer so großen Verantwortung gegenüber den Verkehrsteilnehmern stellt sich die Frage, wie eine Ampel überhaupt funktioniert. „Für die Schaltung von Ampeln gibt es in Rinteln zwei unterschiedliche Systeme. Zum einen sind da die sogenannten Induktionsschleifen, die in die Fahrbahndecke eingelassen sind“, erklärt Lösch. Die Induktionsschleifen sind Drahtschleifen, durch die Strom fließt. Auf diese Weise entsteht ein Magnetfeld vor den Ampeln, das die aus Metall bestehenden Autos erkennt. Der Steuerungskasten gibt beim Überfahren ein Signal an die Ampel, die daraufhin auf Grün schaltet.

 „Die zweite Möglichkeit sind Infrarotdetektoren. Diese sehen aus wie kleine Kameras und können Bewegungen in ihrem Messfeld wahrnehmen“, sagt Lösch. Beide Systeme werden an den Rintelner Kreuzungen genutzt und sorgen dafür, dass wartende Autos registriert werden. Stehen jedoch an mehreren Seiten einer Kreuzung Autos, so gibt es verschiedene Intervalle, in denen umgeschaltet wird. Lösch verrät: „Die Länge der Grün- und Rotphasen kann ganz unterschiedlich sein. Hierbei spielen viele Faktoren eine Rolle: Verkehrsaufkommen und Tageszeit zum Beispiel. All das muss vorher festgestellt werden und dementsprechend wird dann programmiert.“

In den vergangenen Jahren kam es jedoch auch bei den örtlichen Ampelanlagen immer wieder zu Störungen. „Es sind eben auch nur Maschinen – kleine Computer, wenn man so will – und natürlich kann es da immer mal wieder zu Problemen und Abstürzen kommen“, erklärt Lösch. Auch durch Vandalismus oder Stromausfälle könne es zu Beeinträchtigungen der Ampeln kommen, die dann zu Unregelmäßigkeiten oder Ausfällen führen. In diesen Fällen reiche jedoch die Beschilderung der Kreuzungen völlig aus, bis das Problem der Anlage gelöst werden kann.

Die einzelnen Ampelanlagen sind in Rinteln nicht miteinander verbunden. Jede Anlage hat einen eigenen Schaltkasten, der für sich bestmöglich auf den Verkehr reagiert. Da es in Rinteln im Vergleich zu größeren Städten nur wenige Ampeln gibt, reicht eine manuelle Abstimmung der Grünphasen, um den Verkehr zu regeln. Eine Kommunikation unter den Ampeln selbst findet nicht statt.

Anders versucht es die Stadt Hannover schon seit einiger Zeit mit der Erprobung einer „intelligenten“ Verkehrssteuerung an stark belasteten Kreuzungen wie der von Marienstraße, Hans-Böckler-Allee und Sallstraße in der südlichen Innenstadt. Das in der Landeshauptstadt eingesetzte Verfahren bedient sich der sogenannten „Dynamischen Pulkerfassung“. Hinter dem Wortgetüm verbirgt sich eine besonders flexible Ampelkoordination, die Autos in Pulks detektiert und als Pulk die Straße überqueren lässt. Dabei erfassen die Induktionsschleifen unter der Straßendecke, wie viele Fahrzeuge über sie hinwegrollen. Sind es vier oder mehr, werden sie automatisch als Pulk erkannt, der dann mindestens bis zum nächsten Hauptknotenpunkt geführt wird, ohne an einer Ampel halten zu müssen.

Das soll gegenüber einer starren Grünen Welle den Vorteil haben, dass auch der Verkehr, der aus den Nebenstraßen einbiegen möchte, berücksichtigt wird. Dieser hat jeweils zwischen den Pulks die Möglichkeit, sich in den Verkehr einzufädeln. Bei der Grünen Welle werden dagegen immer feste Zeitbereiche für die Durchfahrt freigehalten – unabhängig davon, ob viele, wenige oder auch gar keine Fahrzeuge vorhanden sind.

Messungen der Stadt Hannover haben ergeben, dass mit dem Verfahren der „Dynamischen Pulkerfassung“ die Emissionen von Stickstoffdioxid reduziert werden können: auf der Marienstraße um 4,6 Prozent und für die Sallstraße um 5,8 Prozent. Die Zahl der Halte für Fahrzeuge reduziere sich um bis zu 25 Prozent. Gleichzeitig seien die Wartezeiten für Benutzer der Geh- und Radwege sowie für den öffentlichen Personennahverkehr geringer als bei der Grünen Welle. Allerdings: Gegen Lieferfahrzeuge, die die Straßenbahn blockieren oder langsame Abbieger, die den Verkehrsfluss stauen, kann selbst die Pulksteuerung nichts ausrichten.

Auch in anderen Städten Deutschlands werden bereits stellenweise intelligente Ampelschaltungen getestet, doch bisher blieben durchschlagende Erfolgsmeldungen aus.

In Rinteln wird erst einmal an den klassischen Ampelschaltungen festgehalten. Ulrich Lösch sagt: „In einer kleinen Stadt wie Rinteln sind solche intelligenten Ampelanlagen nicht unbedingt notwendig. Außerdem ist das natürlich auch eine nicht unwesentliche Kostenfrage. Generell reichen die vorhandenen Schaltungen für den örtlichen Verkehr völlig aus. Deshalb wird sich auch in nächster Zeit nichts daran ändern.“ Wenn es mal hakt, wird eben nachjustiert, bei Störungen wird repariert. Die Ampeln haben bisher doch noch allen Belastungen gut standgehalten und werden auch in den kommenden Jahren ihren Teil zur Verkehrssicherheit beitragen.

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