Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Ein Stadthäger Lebemann stellt sich vor

Thema des Tages Ein Stadthäger Lebemann stellt sich vor

Er war ein Original. Ein Mann, der aus der Menge hervorstach: Likörfabrikant und Kaufmann, Karikaturist, Autor und Dichter, ein geselliger Bursche, der gern mit Gleichgesinnten zusammensaß und für jeden Streich zu haben war.

Voriger Artikel
Zeit für Verzicht
Nächster Artikel
Auch in Kabul gilt rechts vor links

August Meyer zeichnete gern Bilderserien mit Rabenvögeln (links), genauso wie Wilhelm Busch in der Geschichte „Hans Huckebein, der Unglücksrabe“ (rechts).

Quelle: kp

Stadthagen. Kein Wunder, dass der große Wilhelm Busch aus Wiedensahl zu seinen engsten Freunden zählte. Die Rede ist von August Meyer, dem derzeit im Stadthäger Museum Amtspforte eine Sonderausstellung gewidmet ist.

In Kooperation mit dem Wilhelm-Busch-Geburtshaus in Wiedensahl wurden unter dem Titel „Wenn wir die Freunde kommen sehn...“ historische Fotos, Skizzen, Aufzeichnungen und Originaldokumente zusammengetragen, die das Leben und Wirken des Stadthägers beleuchten und dabei immer wieder auf Bezüge zu Wilhelm Busch stoßen. Ergebnis ist ein Blick auf die Stadthäger Gesellschaft und deren Geschäftswelt um 1880.

August Meyer, 1836 in Stadthagen geboren, wäre mit seinen künstlerischen Fähigkeiten neben seinem Freund Wilhelm Busch sicher ein ganz Großer geworden. Sein väterliches Erbe hielt ihn jedoch davon ab. 1861 übernahm er nach dem Tod seines Vaters Eduard dessen Firma an der Obernstraße. Von nun an stand die Produktion des berühmten „Schweizer-Alpen-Kräuter-Bitter“ im Mittelpunkt seines Lebens.

Trotzdem: Im Elternhaus richtete er sich zwei „Künstlerzimmer“ ein, in die er sich gern zurückzog. Er sammelte schöne und wertvolle Dinge – Bilder, Porzellan, Glas und Zinngeschirr. Er zeichnete und dichtete. In diesem Privatmuseum bewirtete Meyer seine vielen Freunde, dort trafen sich Maler und Lebenskünstler, Architekten, Antiquare und Verleger, Offiziere und Freimaurer. Das gemeinsame Interesse an Zeichnungen, Karikaturen und Gedichten, aber auch an Bier, Wein und Tabak hatte sie zu Gleichgesinnten gemacht.

Meyer legte seinen Gästen gern das „Fremdenbuch“ vor, in dem sich jeder Besucher nur einmal schriftlich verewigen durfte. Dazu gehörte selbstverständlich auch Wilhelm Busch. Im Januar 1882 schrieb dieser die Verszeilen: „Es ist halt schön, wenn wir die Freunde kommen sehn. Schön ist es ferner, wenn sie bleiben und sich mit uns die Zeit vertreiben. Doch wenn sie schließlich wieder gehn, ist’s auch recht schön.“

In der Gesellschaft fand Meyer schnell Anerkennung, er kannte alle wichtigen Persönlichkeiten in Schaumburg-Lippe. Als Heimatfreund engagierte er sich im Vorstand des Heimatvereins, er war Mitglied der Gilde und sammelte für karitative Einrichtungen. Der Erlös zweier Bücher kam dem Krankenhaus und der „Kinderbewahranstalt“ in Stadthagen zugute. Als Stadtpoet und Lebenskünstler lebte er nach dem Motto: „Wenn trübe Gedanken dich beschleichen, die dich nur quälen und nichts erreichen, macht’s ihnen wie den Stromern im Haus: Nimm sie am Kragen und wirf sie hinaus!“

August Meyers beliebtester Aufenthaltsort war – zumindest als Junggeselle – der Brauerei-Ausschank am Markt. Aber auch andere Lokalitäten wie das Engelkingsche Gasthaus (heute Alte Polizei) und der Goldene Engel, beide an der Obernstraße, sowie das Hotel Kaufhold am Bahnhof wurden gern aufgesucht. Dort lernte er auch Wilhelm Busch kennen und schätzen. Stammtischrunden und Junggesellenclubs waren zur damaligen Zeit sehr beliebt.

Und mit Sicherheit wurde dann nicht nur das Städtische Bier getrunken. Selbstverständlich gehörte Meyers berühmter Kräuterlikör dazu. Wilhelm Busch schätzte den edlen Tropfen besonders und brachte den „Grünen“ sogar in seinen Bildergeschichten unter. Im Comic „Der Katzenjammer am Neujahrsmorgen“ wird von der heilenden Wirkung des Bittern erzählt. Busch schickte im März 1875 eine Flasche an seinen besten Freund Erich Bachmann in Ebergötzen mit den begleitenden Worten: „Der Bitter ist direkt von der Quelle genommen bei Gelegenheit eines Besuchs, den ich vorige Woche dem Verfaßer und Fabrikanten in Stadthagen abstattete.“

In Aufzeichnungen und Briefen wird von Busch immer wieder der rege Kontakt zu Meyer erwähnt. Im Oktober 1883 schreibt Busch an seinen Schwager Hermann Nöldecke: „Onkel Prorector will morgen früh wieder weg. Ich werde ihn bis Hannover, wo ich zu thun habe, begleiten und Abends, nachdem ich Meyer in Stadthagen besucht habe, zurück kommen.“

Als Meyer am 8. Januar 1895 starb, waren Familie und Freunde untröstlich. Meyers Freund Victor Höcker widmete dem Verstorbenen unter dem Titel „In seinem Zimmer“ ein Gedicht, das mit dem Datum 12. September 1895 im „Fremdenbuch“ zu lesen ist: „Hier ward manch Lied gesungen, manch funkelnd Glas geleert; nun ist der Song verklungen und Lust in Leid verkehrt. Zu spät bin ich gekommen; ich treff ihn nimmer an. Den Seinen ist genommen der vielgeliebte Mann. Doch ob er friedlich draußen schon schläft am stillen Ort, er lebt in seinem Hause als guter Engel fort!“

Wer mehr über Meyer und seine Freundschaft mit Wilhelm Busch erfahren möchte, hat dazu noch bis zum 26. April im Museum Amtspforte in Stadthagen Gelegenheit. Das Museum ist dienstags bis freitags von 10 bis 12 Uhr sowie 15 bis 17 Uhr und sonnabends und sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Führungen unternimmt die Leiterin des Wilhelm-Busch-Geburtshauses, Gudrun-Sophie Frommhage-Davar, am 8. März und 19. April, jeweils um 15.30 Uhr. kp

Dem Junggesellenclub im Brauerei-Ausschank am Markt widmete Meyer ein illustriertes Gedicht (links). August Meyer testete die Findigkeit der Post, indem er Briefe an seine Freunde in Stadthagen statt mit Namen mit Zeichnungen als Adressaten ausstattete (oben). Ein Blick in Meyers Skizzenbuch: immer wieder Rabenvögel (unten).kp (6)

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Der Media Store ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg in die digitale Welt. Das Angebot reicht von mobilen Endgeräten und Zubehör bis zur passenden Schulung für iPad und Co. mehr

Die SN-Apps gibt es für iPhone, iPad und Android-Geräte. Hier erfahren Sie, was sie bieten und wie Sie sich die Apps installieren können. mehr

Sport, Jugendthemen oder aktuelle Schlagzeilen? Mit acht Facebook-Kanälen bedienen die SN die unterschiedlichen Interessen der Nutzer und treten mit den Lesern direkt in den Kontakt. mehr