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Ein kleines Land, das zusammenhält

Thema des Tages Ein kleines Land, das zusammenhält

Dem Thema Heimat in all seinen Facetten widmen die SN eine ganze Serie. Heute erscheint Teil 4: Typisch Schaumburg. Es gibt Vieles, das prototypisch für das Schaumburger Land und seine Leute ist. Was hat es mit der viel gerühmten Schaumburger Identität auf sich?

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Der Schaumburg-Lipper hat in Tracht, Sitte und Lebensgewohnheit ein deutsches Volkstum bewahrt. Er hält an dem Althergebrachten fest, doch hat er ein offenes Auge und klares Verständnis für jeden gesunden Fortschritt. Fleiß, Sparsamkeit, Ausdauer und ernste christliche Gesinnung zeichnen ihn als echten Niedersachsen besonders aus.“
Gibt es einen typischen Schaumburger? Diese Frage hat der Autor des oben zitierten Textes – zu lesen vor mehr als 100 Jahren in einem Heimatkundebuch für Schüler – klar mit Ja beantwortet. Dabei war er mit einer Einschätzung der spezifischen „Schaumburger Eigenart“ nicht allein. So schrieb zum Beispiel der norddeutsche Literat Theodor Storm in seiner Novelle „Ein Fest auf Haderslevhuus“: „Mit den Schauenburgern muss man sachte gehen.“ Und attestierte den Schaumburgern gleichzeitig eine gewisse Reizbarkeit.
Ist da was dran? Sollte man tatsächlich alle Einwohner des Schaumburger Landes über einen Kamm scheren können? Selbstverständlich nicht. Schließlich ist die Bevölkerung einer Region niemals statisch, sondern geprägt von kunterbunter Vielfalt. Und trotzdem: Gerade den Schaumburgern wird nachgesagt, dass sie in ihrer Region besonders verwurzelt sind, dass sie ein kulturhistorisch gewachsenes Zusammengehörigkeitsgefühl empfinden. Fachleute begründen diese Heimatverbundenheit mit einer spezifischen regionalen Identität.
Aber was hat es mit dieser viel gerühmten Schaumburger Identität auf sich? „Sie beginnt mit dem Gefühl, das Schaumburger Land als Heimat zu haben“, erklärt Sigmund Graf Adelmann. Der Geschäftsführer der Schaumburger Landschaft weiß, wovon er spricht, schließlich hat sich die Landschaft zur Aufgabe gemacht, außer Kultur und Naturschutz auch Geschichte und Brauchtum im Schaumburger Land zu fördern.
Für Adelmann ist Heimat kein Begriff mit einer feststehenden Definition. Heimat ist vielmehr eine Emotion, das Gefühl, sich wohlzufühlen, verstanden zu werden. „Heimat ist ein inneres Konstrukt“, sagt er, zu finden an mehreren Orten, in sozialen Beziehungen, Gerüchen oder in alten Geschichten. Deshalb könne auch ein Kulturförderer wie die Landschaft Heimat nicht verorten, sondern vielmehr eine Grundlage schaffen, aus der Heimatgefühle erst entstehen können. Ziel der Landschaft ist deshalb, das Wissen um Geschichte, Brauchtum, die Sprache, Entwicklung und die Menschen in Schaumburg bereitzustellen.
Ein Beispiel? Da wäre zum einen die Landeskunde über das Schaumburger Land, die die Landschaft seit 2006 in einer überarbeiteten Neuauflage allen Siebtklässlern im Landkreis kostenlos zur Verfügung stellt. „Die Landeskunde ist ein Werkzeug, mit dem wir erreichen wollen, dass Jugendliche sich mit der Region, in der sie leben und aufwachsen, beschäftigen. Daraus kann dann ein Heimatgefühl und regionale Identität entstehen“, betont Adelmann. Da sind zum anderen Veranstaltungen wie der Tag des offenen Denkmals oder Projekte wie „Nach Neuem Trachten“ – junge Modeschöpfer setzen sich mit der Schaumburger Tracht auseinander – die den Blick für und auf die Heimat schärfen sollen.
Heimat und Identität bedeuten für Adelmann eine persönliche, individuelle Verortung. Diese sei in einer sich rasend schnell verändernden Welt, in der man schnell den Boden unter den Füßen verliert, umso wichtiger. Gleichzeitig dürfe Heimatverbundenheit aber nicht dazu führen, den Blick nur in die Vergangenheit zu richten. „Heimat darf nicht unfrei machen gegenüber Weltoffenheit.“ Und regionale Identität sei stets im Fluss und wandele sich durch Einflüsse von außen.
Dass die Schaumburger sich in besonderer Weise mit ihrer Region identifizieren, erklärt Adelmann mit der Geschichte des Schaumburger Landes. „Glückliche Voraussetzung“, sagt der Landschafts-Chef, „ist die Tatsache, dass sich das Fürstenhaus so lange wie möglich selbstständig entwickeln konnte und Schaumburg-Lippe eigenstaatlich war“. Auch die 300-jährige Teilung in Fürstentum und Grafschaft habe der Heimatverbundenheit nichts anhaben können. Schaumburg ist ein geschichtlich gewachsener Kulturraum und der Erhalt der Selbstständigkeit hat die Schaumburger zusammengeschweißt.
Dazu kämen Schaumburger Besonderheiten wie die Tracht als äußeres Zeichen der Zusammengehörigkeit, das Schaumburger Platt, die vielseitige und und dadurch unverwechselbare Landschaft, architektonische Eigenheiten wie die „Schaumburger Mütze“, die Hagenhufendörfer und die traditionellen Volksfeste als günstige Voraussetzungen für Identität.
Was prägt das Leben im Schaumburger Land? Für Adelmann ist das zum Beispiel die regionale Entwicklung im dicht besiedelten Landstrich, die räumliche Nähe zwischen den Orten, die auch ihre Bewohner miteinander verbindet. „Man kennt sich untereinander und trifft Bürgermeister und Landrat beim Gang über den Markt.“ Selbst der Fürst ist und war schon immer für die Schaumburger greifbar und präsent. „Das bringt eine enge Gemeinschaft hervor“, betont Adelmann. Die Schaumburger seien eng miteinander verbunden und zeigen das mit ihren vielen Vereinen und ihren Festen. Obwohl längst nicht mehr der Großteil der Bewohner auf dem Land einen landwirtschaftlichen Hintergrund hat, wird die Tradition der Erntefeste allerorten lebendig gehalten.
Etwas typisch Schaumburgisches gibt es durchaus, ist sich Adelmann sicher. „Jeder Punker aus Schaumburg weiß, dass er aus Schaumburg kommt.“ Soll heißen: Egal, welche Weltauffassung er hat – seiner Heimat ist sich ein Schaumburger immer bewusst.
Stichwort: Die Schaumburger Landschaft ist eine Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kultur in Schaumburg zu fördern. Damit bezieht sich die Landschaft explizit nicht auf die Grenzen des heutigen Landkreises als politische Verwaltungseinheit, sondern auf das Schaumburger Land mit seinen historischen Grenzen von Steinhude bis Hessisch Oldendorf. Mit Fördermitteln werden Vereine und Institutionen unterstützt, die sich mit Geschichtsforschung, Natur-, Landschafts- und Denkmalschutz, mit Kunst, Kultur und Heimatpflege beschäftigen.
„Landschaften“ nannte man im Mittelalter die Gremien, in denen sich die Stände organisierten: Kirche, Adel und Städte. Die Landschaften verstanden sich als Vertreter des Volkes gegenüber den jeweiligen Landesherren.

Das ist Schaumburg

Was macht das Leben im Schaumburger Land aus? Diese Frage können unsere Leser am besten beantworten. Zum Beispiel in unserer wöchentlichen Rubrik „Der Schaumburger der Woche“. Dort gilt es, folgenden Satz zu vervollständigen: „Ich bin gerne Schaumburger, weil ...“. Hier ist eine Auswahl der schönsten Antworten.
... ich mich hier wohl fühle und es meine Heimat ist. Außerdem gelingt Schaumburg der Spagat zwischen Tradition und Moderne.
... ich hier meine Wurzeln habe und Land und Leute liebenswert sind. Kurz: Hier ist die Welt noch in Ordnung.
... hier Humor zu Hause ist und wir unsere berühmte Persönlichkeit Wilhelm Busch sowie die historische Sprache pflegen. Deshalb lautet auch das Motto unseres Heimatvereins „Bi us - to Hus!“
... ich mich als schwäbischer Migrant gut aufgehoben fühle und die Schaumburger für ihre Identität bewundere.
... die Menschen hier traditionsbewusst und weltoffen, dazu engagiert und unaufgeregt sind.
... ich hier verwurzelt bin und Land und Leute liebe und schätze. Ich mag unsere Traditionsfeste. Im Schaumburger Land gibt es wunderschöne Orte und abwechslungsreiche Landschaften. Ich genieße den Zusammenhalt und die Arbeit in unseren Vereinen.
... weil die Menschen hier neugierig, fleißig und bodenständig sind.
… ich sonst die ganzen Traditionen auf dem Land, unter anderem die Erntefeste, nicht kennen gelernt hätte.

Von Katharina Grimpe

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