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Einblicke in die Tiefen der Vergangenheit

Thema des Tages Einblicke in die Tiefen der Vergangenheit

Der Bergbau war eine Erscheinung, die Lindhorst sowie benachbarte Ortschaften über Jahrhunderte geprägt hat. Heute ist er weitgehend aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden. Hinweise auf den vormaligen, für die Menschen bedeutenden Wirtschaftsfaktor lassen sich indes nach wie vor finden. Ein Besuch im Bergbaumuseum bringt interessante Einblicke in die Vergangenheit.

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Diese Aufnahme, die sich im Besitz des Museums befindet, zeigt Bergarbeiter.

Quelle: pr

Von Andreas Ohler. Lindhorst sowie mehrere benachbarte Ortschaften, darunter Lüdersfeld, Beckedorf und Auhagen, blicken auf eine lange und wechselreiche Bergbauhistorie zurück. Der Aufstieg des Bergbaus in Lüdersfeld und in Lindhorst ging eng mit dem Niedergang des Georgschachts in Stadthagen einher. Als in diesem die Vorräte zur Neige gingen, verlagerte sich der Mittelpunkt der Kohlegewinnung immer mehr in Richtung Lüdersfeld und Auhagen. In diesen Orten fanden zahlreiche Menschen Arbeit unter und über Tage und bezogen Wohnraum in Lindhorst.

Lindhorst erlebte zur damaligen Zeit ein großes Bevölkerungswachstum. 1950 liefen die Planungen für eine neue Bergmannssiedlung an. Zuerst waren 52 Wohnungen geplant. Die ersten Siedlungshäuser entstanden mit Namen wie „Auf der Flöte“. Stallungen für die Bergmannskuh (Ziege) und andere Haustiere sollten die Eigenversorgung sichern. Es kamen indes auch organisatorische und finanzielle Belastungen auf die Gemeinde zu. Es waren zunächst 661 Wohnungen geplant, die später auf 1000 erhöht werden sollten. Die einheimische Bevölkerung erhob zunächst Protest. 1951 wurde Lindhorst zum Aufbaugebiet erklärt. Im Wege von Landtausch konnte der Aufbauplan „West“ mit Ein- und Mehrfamilienhäusern begonnen werden. 1953 waren dann bereits 243 Mietwohnungen bezugsfertig.

Ungefähr 400 Jahre gab es in dieser Region die Kohleförderung, wurde das „Schwarze Gold“ aus den Tiefen geholt. Gunter Ludewig, der Vorsitzende des Kulturfördervereins Schaumburger Bergbau, war von 1955 bis 1960 selbst unter Tage im Einsatz, zählte zu den damals rund 3000 Kumpeln im Schaumburger Land. Als jener Berufszweig zum Erliegen kam, veränderte sich der heute 77-Jährige beruflich, arbeitete zunächst bei Volkswagen und dann rund 25 Jahre bis zur Pensionierung bei der Niedersächsischen Staatskanzlei. Die Leidenschaft für seine ehemalige Beschäftigung ließ ihn aber auch in seinen neuen Tätigkeitsfeldern nicht los.

Nach langen Gesprächen zum Ersehnten

1985 fing Ludewig damit an, Stücke aus der Bergbauepoche zu sammeln. Seither ist eine beträchtliche Kollektion zusammengekommen, die interessante und vielfältige Einblicke in diese Zeit bietet.

Der Erwerb der Objekte war häufig nicht einfach, verschiedene Wege wurden von Museumsseite eingeschlagen, um in deren Besitz zu gelangen. Ludewig meint: „Die Exponate, die in den Vitrinen stehen, stammen oftmals aus privaten Beständen. Manche von ihnen bekam ich nach langwierigen Gesprächen.“

Manches Mal erwiesen sich auch im Kreis verwurzelte Einrichtungen, die Sparkasse, die Volksbank, der Landkreis und Privatleute kulant. Eine Vitrine etwa, welche im Obergeschoss des Lindhorster Museums aufgestellt ist, wurde vor einigen Jahren von einem Geldinstitut gesponsert.

Zu den zahlreichen Ausstellungsstücken, darunter Spitzhacken, Grubenlampen, Helmen oder bergmannstypischer Kleidung kommen auch Fotos, die der Museumsleiter von unterschiedlichen Orten erhalten hat. Er sagt: „Sechs der Bilder, die im Museum zu sehen sind, haben wir beispielsweise aus Ibbenbüren geschenkt bekommen.“ Bei Ibbenbüren handelt es sich um eine traditionelle Bergbaustadt in der Nähe von Osnabrück im Tecklenburger Land. Das Bergwerk in Ibbenbüren ist, neben Bottrop, eines von zwei aktiven Steinkohlebergwerken in Deutschland.

Mit dem Ende des Bergbaus in Lindhorst, Lüdersfeld sowie den umliegenden Ortschaften, verschwand eine große Zahl an Erinnerungen an diese prägende Zeit, die mit ihr verbundenen Bauwerke verfallen. Die Obernkirchener Bricketfabrik etwa gibt ein trauriges Beispiel für eine verfallende Industriehinterlassenschaft.

Erinnerung könnte bald verschwunden sein

Eine Entwicklung, die Ludewig, der mit viel Leidenschaft dabei ist, nachdenklich macht: „Ich finde es schade, dass sich niemand dieser Tradition annimmt, sie zu bewahren sucht. Die Erinnerungen daran könnten bald verschwunden sein.“

Große Resonanz erfährt der Stollennachbau, der erheblich größer ausfällt als in dem vormaligen Domizil, der „Glückaufgaststätte“ in Vornhagen. Auch kann man im Lindhorster Museum mehr bergmännisches „Gezäh“, also Werkzeug, im Original sehen.

Sorgen bereitet dem Vorsitzenden allerdings auch die Zukunft des Vereins. Denn der Bergbauverein, der sich um das Museum kümmert, hat 49 Mitglieder. Die Altersstruktur ist hoch, es gibt wenig Nachwuchs. Und unendlich lange möchte der Vorsitzende auch nicht in jener Funktion tätig sein. Ludewig erläutert an dieser Stelle: „Ich bin für die jetzige Periode gewählt worden, werde diese erfüllen. Ob ich dann noch einmal kandidiere, weiß ich derzeit aber noch nicht.“

Seit 2006 ist der Bergbauverein am derzeitigen Standort ansässig, besitzt eine Fläche von rund 120 Quadratmetern. Die Räume hat die Gemeinde für 20 Jahre verpachtet, es gibt zudem eine Option für weitere 20 Jahre.

Wer mit Ludewig in Kontakt treten möchte, kann dies unter Telefon 05725/5243 tun oder ihn im Bergbaumuseum aufsuchen. Dieses ist Donnerstag bis Sonntag von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt kostet das nicht, die Verantwortlichen freuen sich über eine freiwillige Spende. Für Kinder und Schulklassen ist der Eintritt frei. Bei Vorträgen oder Führungen werden 2,50 Euro Eintritt erhoben.

www.bergbaumuseumlindhorst.de

 

 

 

 Ein kurzes Aufflackern

 Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte der Bergbau in Schaumburg nochmal eine Art Renaissance. Im Jahre 1950 liefen die Planungen für eine neue Anlage, die zu jener Zeit die modernste Schachtanlage ihrer Art vor Ort sein sollte, im Lüdersfelder Raum an. 1952 erreichte dann die Abteufmannschaft ein Kohleflöz von 90 Zentimetern Mächtigkeit.

 Als Abteufen oder Teufen bezeichnet man die Herstellung von senkrechten (seigeren) Hohlräumen (Schächten, Blindschächten, Lichtlöchern oder Bunkern) zur Erschließung von Lagerstätten. Das Abteufen gehört zu den wagnisreichsten bergmännischen Arbeiten und ist für den dort tätigen Ingenieur eine große Herausforderung. Ein Kohleflöz ist eine sedimentär entstandene, ausgedehnte Lagerstätte eines Rohstoffes wie zum Beispiel Kohle, die parallel zur Gesteinsschichtung verläuft.

 Bei den dortigen Bergleuten herrschte wegen der Entdeckung große Freude, die Sorgen um den Arbeitsplatz waren ihnen damit genommen. Die Anlage in Lüdersfeld wurde anschließend mit derjenigen im nahegelegenen Beckedorf verbunden. Ein Anschluss zum Bahnhof Stadthagen und eine Materialseilbahn zum Schacht Auhagen mit einer Verladestation am Hafen Sachsenhagen wurde ebenfalls gebaut. Die Kohlen sollten, so die Planung, mit Schiffen zum Kraftwerk nach Lahde gebracht werden. Doch der Wiederaufschwung währte nur etwa zehn Jahre. 1960 wurde die Kohleförderung im Landkreis eingestellt. ano Kumpel auf vier Beinen

 

 

 Außer den Bergleuten wirkten noch weitere Lebewesen unter Tage mit, die Pferde. Die „Kumpel auf vier Beinen“ leisteten in der Tiefe wertvolle Dienste. Über viele Jahrhunderte arbeiteten Pferde in Stollen und Schächten mit, erleichterten Bergleuten deren schwere Arbeit. ano

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