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Einfach magisch: Von gutem und bösem Zauber

Thema des Tages Einfach magisch: Von gutem und bösem Zauber

Bei Märchen und Sagen gehört sie zum Standard-Repertoire: die Magie. Sei es die Hexe, ein magischer Gegenstand oder ein böser Fluch – all dies hat seinen Platz in den Geschichten. Doch Magie war nicht immer nur auf dem Papier und in der Phantasie der Menschen vorhanden – heute wie damals gibt es Spuren von Schwarzer und Weißer Magie im realen Leben.

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Quelle: dpa

Dabei scheint die Schwarze Magie, die Schaden anrichten und Verwünschungen verwirklichen soll, eine höhere Anziehungskraft zu besitzen als die Weiße Magie, die Gutes wie etwa Schutz und Heilung bewirken soll. Die Internet-Suchmaschine Google zumindest listet für Schwarze Magie an die 464.000 Ergebnisse auf – sucht man nach Weißer Magie, werden nur rund 192.000 Ergebnisse ausgespuckt.

Weiß wie Schnee...

Früher wie heute wurde Magie in Schwarz und Weiß eingeteilt. Doch worum geht es überhaupt? Das Wort Magie stammt aus der Antike und bezeichnete persische Priester und ihre Fähigkeiten, Macht auszuüben. Der indogermanische Sprachstamm „Magh“ heißt so viel wie Können, Vermögen, Helfen; „Maghti“ bedeutet Macht. Dabei geht es immer um die in der Natur stehenden Kräfte, Magie ist also zunächst die Betrachtung der Naturkräfte und -verhältnisse. Die theoretische Magie ist also die Wissenschaft von verborgenen Naturkräften, die praktische Magie die reine Technik, also die Indienstnahme dieser Kräfte.

Magie kann als böse gelten oder als gut. Schon im 13. Jahrhundert gab es den Unterschied zwischen Schwarzer und Weißer Magie oder auch erlaubter und unerlaubter Magie. Magie umschließt auch die Bereiche Astronomie, Astrologie und Medizin und vereinigt sie zu einer Art Universalwissenschaft. Mehreren griechischen Naturphilosophen wurde nachgesagt, bei persischen Magiern studiert zu haben. Die christlichen Kirchenväter hingegen sahen Magie durchaus kritischer: Da sie als Eingriff in Gottes Willen galt, wurde sie seit jeher als sündhaft diskutiert, einzelne Riten später sogar als Verbrechen bestraft. Meist mit der Begründung, dass sie christlichen Theologen als „Trug der Dämonen“ erschien und unheimlich wirkte. Die Grenzen zwischen Weißer Magie, bei der dem göttlichen Willen entsprechend verborgene Naturkräfte erschlossen werden sollen, und Schwarzer Magie, bei der die Naturkräfte gegen Gott ausgespielt werden sollen, waren nicht immer ganz leicht zu ziehen – so gerieten im Mittelalter sogar gläubige Christen unter Verdacht.

Zauberformeln und christliche Riten sollen
Krankheiten heilen

Einen großen Bereich der Weißen Magie nahm im Mittelalter die magische Medizin ein. Um Menschen von Krankheiten zu heilen, wurden dafür naturwissenschaftliche Kenntnisse mit Magie vermischt. Rezepte in Lehrbüchern sollen Beschwerden lindern und werden zur Selbstbehandlung empfohlen. Ein Heiler namens Bald gab schon im 10. Jahrhundert Tipps, in die außer christlichen Riten auch magische Elemente wie Zauberformeln gegen die Krankheit mit einflossen. Das Leechboo, ein Lehrbuch aus dem 11. Jahrhundert, ist voller magischer Rituale. Gebete während des Auftragens von Salben und Tinkturen sollten deren Wirkung verstärken. Das Herstellen der Heilmittel war meist aufwendig: Sammler von Heilkräutern durften keine Schuhe tragen, mussten schweigend arbeiten und sexuell enthaltsam leben – um die Reinheit der Arznei zu gewährleisten.

Ein Zaubertrank aus Wodka, Ölen, Wachs und Rosen soll die Liebe verstärken

Auch heute noch gibt es den Weißen Zauber – diverse Esoterik-Ratgeber und Internetseiten, an deren Seriosität durchaus gezweifelt werden darf, sind voll davon. Angebote von Magiern und Selbstheilungsrituale werden dort vermittelt – um Lebenskrisen zu bewältigen oder eine Bindung zu stärken. Dabei gibt es auch einiges zum Schmunzeln: Nach dem Motto „Misch dir deinen eigenen Zaubertrank“ soll zum Beispiel die Liebe zu einer Person der eigenen Wahl gestärkt werden. Das Gemisch aus – im Wesentlichen – Wodka, mehreren pflanzlichen Ölen, Kerzenwachs, Rosen und anderen Gegenständen soll aber zumindest nicht getrunken werden, sondern nur in die Ecke gestellt werden.
Die Prozeduren der Weißen Magie erinnern dabei zum Teil auch an Hilfestellungen aus der Psychologie. Wer Trost sucht oder sich persönlich verändern möchte, dem werden bestimmte regelmäßige Rituale ans Herz gelegt – sie wirken autosuggestiv und bestärken Menschen darin, ihre Ziele zu verfolgen. Klappt der Zauber nicht, hat es an der fehlenden magischen Übung oder den Umständen gelegen, wird dann argumentiert.

Unsichtbare Kräfte und Magie dienen als Erklärung für
unberechenbare Ereignisse
Ob Magie im Spiel war oder nicht, bleibt letztlich eine Glaubensfrage – ebenso wie beim Glauben an einen Gott. Denn Magie ist – einer Religion gleich – auch eine Weltanschauung. Sehen Menschen in jeder Handlung nur die logischen, rational begründeten Schritte, regieren berechenbare Gesetze. Doch allzu oft erscheint Menschen das, was um sie herum passiert, als unberechenbar. Dann kommt die Magie als Erklärung ins Spiel – stehen hinter dem Geschehen auch unsichtbare Kräfte, kann dies ein Erklärungsmodell sein. Das magische Weltbild als Erklärung für Unerklärliches ist auch in der Literatur ein wichtiges Konzept: Bei Goethes Faust findet der Gelehrte und Doktor in Theologie und anderen Wissenschaften keine befriedigenden Antworten auf seine Sinnfragen – er sucht sie dann in der Magie.

Nach positiver Deutung hat Magie die Funktion, als rituelle Handlung den Menschen in Belastungssituationen im Optimismus zu bestärken. Aus Sicht der Psychoanalyse allerdings ist magisches Denken eine Überschätzung der eigenen Wünsche und Affekte – gespeist aus narzisstischer Selbstverliebtheit.

...schwarz wie Ebenholz

Mit Magie wurde schon immer versucht, anderen Menschen Schaden zuzufügen. „Schwarze Hexen“ agieren dem Glauben nach daher vor allem im Verborgenen, während „weiße Hexen“ ihre heilsame magische Gabe offensiv anbieten, um zu heilen und eine Kommunikation zu übernatürlichen Kräften herzustellen. Im Mittelalter hatte die Schwarze Magie Hochkonjunktur – sehr zum Ärger der Christen, die deren destruktive Kraft und Einfluss auf den Glauben der Menschen fürchteten. Viele Praktiken galten damals als Verbrechen und wurden bestraft.

Ein gängiger Ritus der Schwarzen Magie war zum Beispiel der Fluch. Da Flüche allerdings meist geheim ausgesprochen wurden, blieben viele Fälle im Verborgenen. Auch bei heimlich verabreichten Zaubertränken war die Beweisführung vor Gericht schwierig, weil diese ja vom Opfer getrunken werden mussten. Üblich waren auch vermeintlich schädigende Amulette aus Materialien, denen negative Eigenschaften zugeschrieben wurden, zum Beispiel menschliche Exkremente oder tote Tiere. Sie wurden im Haus des Opfers platziert, unter dem Bett oder der Türschwelle. Beim sogenannten Bilderzauber fertigte der Magier ein Bild des Opfers an, zum Beispiel aus Wachs oder Ton. Diesem Stellvertreter wurde dann symbolisch Schaden zugefügt – wie auch beim Voodoo-Zauber. So sollen beim Opfer Schmerzen oder Krankheit ausgelöst werden.

Dass Voodoo-Zauber nicht ausgestorben ist, zeigt ein Beispiel aus Brasilien, erst wenige Jahre alt: Dort traktierte ein Vater den Körper seines zweijährigen Sohnes mit mehr als 40 Nähnadeln – offenbar hatte er das Kind als Voodoo-Puppe missbraucht. Weltweit bekennen sich mehr als 60 Millionen Menschen zu Voodoo. Dem Christentum ähnlich, glauben die Anhänger an einen übermächtigen Gott, der sich niedere Götter sucht. Durch das Malträtieren einer Puppe mit Nadeln sollen dem lebendigen Opfer Schmerzen zugefügt oder es gar getötet werden. In mehreren Ländern der Welt ist Voodoo offiziell als Religion anerkannt.

Auch Tiere müssen für die Schwarze Magie immer noch herhalten. Während zum Beispiel Magier in den Geschichten von Harry Potter Eulen als Haustiere halten, endet ihr Schicksal in der realen Welt in Indien oft tödlich. Tausende Eulen geraten dort in die Hände von Wilderern, beklagt die Umweltstiftung World Wide Fund for Nature. Ihren Körperteilen wird dort eine heilende Wirkung zugeschrieben.
In anderen Ländern trifft es gleich ganze Menschengruppen: Im ostafrikanischen Tansania ist die Schwarze Magie nicht nur okkultes Hobby. Noch immer werden dort Albinos getötet, in den Jahren 2008 bis 2014 waren es 70 Opfer. Der Grund: Sogenannte Hexenmeister sprechen den Körperteilen der Albinos, vor allem Herz und Genitalien, magische Kräfte zu. Dabei gibt es eine schlichte wissenschaftliche Erklärung: Albinos fehlt – aufgrund eines Gendefekts – das hautfärbende Pigment Melanin. Sie haben daher sehr helle Haut und weiße Haare.

Südafrikanische
Hexenmeister auch
in Europa aktiv?
Doch was ist mit Europa? Reichen die dunklen Schatten der zerstörerischen Magie bis hierher? Eindeutig geklärt scheint es nicht, aber vor einigen Jahren kamen auch hier Befürchtungen auf, südafrikanische Medizinmänner, sogenannte „Sangomas“, würden in Europa kleine Kinder umbringen, um Zaubermittel herzustellen. In der Londoner Themse und in den Niederlanden war jeweils der Torso eines Kindes gefunden worden, der auf einen religiösen Ritus hindeutete. Die südafrikanische Polizei hatte in der Vergangenheit mehrfach bestätigt, dass es Medizinmänner gebe, die sich bei der Mischung ihrer Tinkturen nicht nur auf Kräuter, Pflanzen, Tierhäute, Knochen und Beschwörungsformeln verlassen. Sie seien überzeugt, noch stärkere Substanzen durch Beimischung von Blut und Fleisch, insbesondere von als unschuldig geltenden Kindern, herstellen zu können. Sind solche düsteren Schlagzeilen zur Schwarzen Magie heute eher selten, war das Mittelalter voll vom Glauben daran – und in allen Gesellschaftsschichten vorhanden. Besonders beliebt war auch damals der Liebeszauber, der eine große Anhängerschar hatte. Vor allem Frauen setzen auf diese Art von Beziehungskitt, die im Mittelalter als Verbrechen galt.

Der Liebeszauber
machte aus der
Liebe einen Betrug

Der Liebeszauber hatte seit jeher einen schlechten Ruf, weil eine durch solchen dunklen Zauber entstandene Liebe nicht mehr als „reine“ Liebe galt, sondern gewissermaßen durch Betrug zustande gekommen war. Während Frauen mit dem Ritual oft „den Einen“ an sich binden wollten, setzten Männer die Magie häufiger ein, um gleich möglichst viele Frauen anzuziehen.
Was musste getan werden? Die einfachste Form bestand darin, dass die Frau während des Geschlechtsverkehrs mit dem Ringfinger ein Kreuz auf den Rücken ihres Partners zeichnete. Die Herausforderung war allerdings, dass dieser nichts davon merken durfte.

Doch es gab auch weitaus skurrilere Formen des Liebeszaubers: So wurden auch Speisen für den Liebsten mit einem Liebeszauber versehen, zum Beispiel ein Brot aus einem Teig geformt, der mit dem nackten Hinterteil der Frau geknetet worden war.

Als Gegenstück zum Liebeszauber gab es den Impotenzzauber. Dieses oft angewendete magische Ritual sollte im Idealfall die Impotenz eines Mannes bewirken oder den Trieb zumindest beschränken. Dieser Zauber wurde im Mittelalter als ernsthafte Gefahr angesehen – mehrere Geistliche diskutierten im 11. und 12. Jahrhundert die Frage, ob eine Ehe für ungültig erklärt werden durfte, wenn ein solcher Schadenszauber zur Impotenz des Mannes geführt hatte.

Für den Schwarzen Zauber wurde auch die Macht der Sterne mit einbezogen. Nur, wenn sie in bestimmten Konstellationen standen, sollte demnach das Ritual wirken.

Von Andrea Tiedemann

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