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Fei und die Füchse

Tierschützerin zieht Wildtiere auf Fei und die Füchse

Ob in der indianischen Mythologie oder im deutschen Märchen: Jahrhunderte alte Sagen haben seit Generationen dazu beigetragen, dass zum Beispiel Waschbären und Füchse noch heute in die Rolle der Listigen gedrängt werden, die schamlos die Schwächen anderer ausnutzen.

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Quelle: pr.

Das Kinderlied „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ ist nur ein Grund, warum Meister Reinecke nicht unbedingt ganz oben auf der Beliebtheitsskala der Menschen rangiert. Hinzu kommt mangelnde oder fehlerhafte Information. „Neben der Tollwut werden Füchse immer wieder mit der Verbreitung des Fuchsbandwurms in Verbindung gebracht. Dabei wissen nur die wenigsten, dass auch Hunde und Katzen die Parasiten auf Menschen übertragen können“, verteidigt Fei Stegen die Füchse. Bei so viel Solidarität mit den Vierbeinern aus der freien Natur verwundert es nicht, dass sich zu Stegens Haus- und Nutztierzoo in Aerzen im Laufe der letzten Jahre auch noch fünf Waschbären gesellt haben.
 

Die Waschbären drehen auch schon mal das Sofa auf links
 

„Als mir der Raccoon vor drei Jahren als junges Findelkind gebracht wurde, begann eine unglaubliche Erfahrung“, erzählt Stegen. Aufziehen, auswildern und gut, dachte sie. Doch dann kam alles ganz anders: Aus einem einzelnen Fundwaschbären wurden im Laufe von drei Jahren fünf. Es hatte sich herumgesprochen, dass Stegen einen besonderen Zugang zu den Waschbären findet, die in der indianischen Sprache der Algonkin „Ahrah-koon-em“ heißen, was so viel bedeutet wie „Der mit den Händen reibt, schrubbt und kratzt“. Und offenbar sind Stegen und ihr Partner Rainer Gladtfeld so perfekt in ihre Rolle als Ersatzeltern geschlüpft, dass die Rasselbande das Hotel Mama gar nicht mehr verlassen will. Dass das Zusammenleben mit Waschbären nicht ganz konfliktfrei über die Bühne geht, verrät das ziemlich ramponierte Sofa im Wohnzimmer. „Eigentlich haben die Waschbären ihr Reich in einem großen Außengehege und im Wintergarten, aber da sie auch ins Haus gelangen können, haben sie einen unbeobachteten Moment schamlos ausgenutzt, um die Schaumstoffpolsterung aus dem Inneren des Sofas nach außen zu befördern“, sagt Stegen.
 Da ihre Aufnahmekapazität in Bezug auf Dauergäste mit den fünf Kleinbären auf längere Sicht erschöpft ist, informierte sich Stegen, auf welche Art und Weise sie sich noch für das Wohl von Wildtieren einsetzen könnte, ohne dauerhaft neue Tiere aufnehmen zu müssen. Die Waschbären können immerhin in Gehegen bis zu 15 Jahre alt werden. Im Internet stieß sie auf ein Netzwerk von Fuchsfreunden, das verwaiste Fuchsjunge zur Aufzucht vermittelt. Aus dem grünen Abitur wusste die Tierfreundin, dass kleine Füchse, anders als Waschbärbabys, nur ganz selten eine enge Beziehung zu ihren Ersatzeltern aufbauen. „Wenn man will, dass es den Füchsen gut geht, dann will man auch, dass sie frei sind“, sagt die 36-Jährige. Stegen meldete sich also als Mutter auf Zeit beim Fuchsfreunde-Netzwerk an und bekam kurze Zeit später ein zwei Wochen altes Fuchswaisenpärchen vermittelt, das in der Nähe von Kassel gefunden worden war.
 „Die beiden hatten noch ein Geschwisterkind. Das war aber bereits tot, als sie am Straßenrand einem Tierfreund auffielen“, weiß Stegen vom Finder. Der hatte in seinem Haus und in seinem Leben aber keinen Platz für zwei Fuchsbabys. Anders als Stegen. So kamen die zwei Jungfüchse in einer Kleintiertransportbox zu ihr nach Aerzen. Aus ihrer ersten Unterkunft, der Wurfkiste im Wintergarten, siedelten die beiden kleinen Füchse, denen Stegen anders als den Waschbären keine Namen gab, bereits an ihrem zweiten Tag in einen Bauwagen samt Gehege im Garten um.
 Hündin Bella stieg in die Ziehmutterrolle mit ein und schon bald begleiteten die beiden kleinen Füchse angeleint Bella und „Frauchen“ auf den abendlichen Spaziergängen. Stück für Stück lernten die Füchse, wie man beispielsweise Mäuse jagt oder die Umgebung erkundet. Und nach acht Wochen war es dann so weit: Die junge Fähe hatte sich mit einem Sprung über den Zaun selbst in die Freiheit entlassen, kam aber immer wieder zu ihrem Bruder sowie Stegen und Hündin Bella zurück. Kurze Zeit später verließ auch der Rüde die Aufzuchtstation, ganz ohne das Zutun von Stegen. „So ist das Auswildern für die Tiere und für uns optimal gelaufen“, resümiert die Tierfreundin zufrieden. Anfangs fanden sich die beiden jungen Füchse noch zum allabendlichen Treffen während der Gassi-Runde ein – immer in Erwartung der Hündin Bella. Mittlerweile sind die Fuchssichtungen seltener geworden. „Die Fähe ist immer noch in Ortsnähe, der Rüde hat sich ein Revier weiter weg gesucht“, berichtet Stegen. Stegen erkennt ihre Ziehkinder heute noch auf einen Blick.

Termin: Der NDR zeigt heute, Dienstag, in seiner Reihe „NaturNah“ das Sommerabenteuer von Fei Stegen und ihren Füchsen, Sendebeginn ist um 18.15 Uhr.

Von Sabine Brakhan

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