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Fliegende Feldarbeiter

Thema des Tages Fliegende Feldarbeiter

Der Trecker fährt per GPS, die Kühe werden mit dem Smartphone gefüttert: Der Bauer des 21. Jahrhunderts ist digital. Auch Drohnen sind auf dem Weg, ein wichtiger Faktor bei der Produktion von Nahrungsmitteln zu werden. Ihr Einsatzgebiet ist vielfältig: Von der Überwachung der Felder über die Bekämpfung von Schädlingen bis hin zur Rettung von Rehkitzen.

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Wenn der Landwirt von heute wissen will, wie es seinen Feldern geht, greift er zum Laptop, Smartphone – oder zur Drohne.

Quelle: Microdrones

Von Andreas Timphaus. In den Köpfen mancher Menschen und auch in den Medien herrscht es vielerorts noch immer vor: Das Bild des Bauern, der auf seinem alten Trecker über den Hof tuckert, die Kühe per Hand melkt und die Wiese mit der Sense mäht. Von Bauernhof-Romantik ist jedoch schon lange keine Spur mehr. Technik ist in der Landwirtschaft des 21. Jahrhunderts nicht mehr wegzudenken. Die Zahl der Bauernhöfe in Deutschland sinkt, die Flächen werden immer größer. Damit wachsen die Anforderung an die Menschen – und vor allem an die Maschinen.

In landwirtschaftlichen Betrieben mit mehr als 100 Mitarbeitern setzt laut einer Befragung des Digitalverbandes Bitkom schon gut ein Drittel der Bauern auf den Einsatz digitaler Technologien. Bei kleineren Höfen tun dies immerhin noch 19 Prozent. Die Zeiten von Bauernregeln zur Wettervorhersage und händisch ausgearbeiteten Futterplänen sind vorbei. Wenn der Landwirt von heute wissen will, wie es seinen Feldern geht, greift er zum Laptop, Smartphone – oder zur Drohne.

Effizienz wird gesteigert

Während die Deutsche Post an der Nordseeküste mit dem „DHL Paketkopter 2.0“ den Einsatz von unbemannten Flugobjekten für kommerzielle Zwecke testet, setzen auch immer mehr Landwirte auf die Dienste der Hightech-Geräte. Hameln-Pyrmonts Kreislandwirt Karl-Friedrich Meyer hält den Einsatz von Drohnen in der Landwirtschaft für sehr sinnvoll. „Das ist eine tolle Entwicklung.“ Er schätzt das Potenzial als groß ein, da Drohnentechnik die Effizienz eines landwirtschaftlichen Betriebs steigere und sich in verschiedene Situationen eigne, wie zum Beispiel bei Sturm- oder Wildschäden, zur Beobachtung der Felder oder zur „punktgenauen Anwendung“ von Düngemitteln. Handlungsbedarf sieht der Tünderaner noch im Bereich der Sicherheit und Wahrung von Persönlichkeitsrechten. „Die rechtlichen Rahmenbedingungen müssen noch verfeinert werden“, urteilt Meyer.

Auf den Höfen des Weserberglands sind Drohnen noch nicht in vielen Maschinenparks zu finden. Doch auch vor Ort gibt es schon einige Landwirte, die sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzen. Einer von ihnen ist Bolko Janssen. Der Coppenbrügger führte bis vor Kurzem den landwirtschaftlichen Betrieb auf dem Rittergut Behrensen, hat diese Aufgabe aber nun an seinen Sohn Jan-Philipp abgegeben. Zudem leitet Janssen ein Ingenieurbüro für Bodenbeprobungen und -vermessungen. In diesem Bereich arbeitet er schon lange mit Unterstützung aus der Luft. „Satellitenbilder sind günstig zu kriegen“, sagt er. Der Nachteil: Aufnahmen werden nur alle drei Jahre gemacht und sind nicht sehr aktuell. Außerdem zeigen sie nur wenige Details.

Drohnen liefern Daten, mit denen der Bauer arbeiten kann

Deshalb hat Janssen sein Angebot jetzt erweitert. „Drohnen sind relativ günstig. Je nach Software können sie bis zu 15 000 Euro kosten. Das ist nichts im Vergleich zum Beispiel mit einem Hubschrauber“, erzählt der Diplom-Ingenieur. Entscheidend ist für ihn: „Drohnen liefern Daten, mit denen der Bauer arbeiten kann.“ Dadurch lasse sich die Produktivität erhöhen, die Effizienz steigern und letztlich Geld einsparen. Big Data auf dem Bauernhof, wenn man so will. Auch die Handlichkeit der Geräte hat Janssen überzeugt. „Wir packen die Drohne in den Kombi, fahren los und dann wird geflogen.“

Vom Rand des Feldes aus wird das Hightech-Gerät gestartet und überfliegt den Acker – entweder anhand einer vorher festgelegten Route oder manuell. Die Steuerung erfolgt per Fernbedienung, Laptop und GPS. „Das Drohnefliegen ist gar nicht so einfach und muss entsprechend geübt werden. Da vermischt sich viel mit Computerspielen“, meint Janssen. Während des Flugs werden je nach Einsatzgebiet hochauflösende Bilder aufgenommen, Wärmesignaturen aufgezeichnet oder mittels Sensoren die Grünintensität der Pflanzen erfasst.

Die unbemannten Flugobjekte können für verschiedene Bereiche verwendet werden. Anhand der gesammelten Daten lässt sich beispielsweise der Bedarf an Stickstoffdünger errechnen. Janssen nennt die Vorteile: „Wenn zu viel Stickstoff ausgebracht wird, landet ein Teil als Nitrat im Grundwasser. Mit den Informationen, die eine Drohne liefert, können Streukarten für eine exakte Dosierung des Düngers erstellt werden. Diese Karten werden dann an den Bordcomputer des Schleppers weitergegeben, der die entsprechende Menge verstreut.“ Er betont, dass kein Bauer Dünger ausbringen wolle, der nichts nützt. „Landwirte werden oft als Umweltschädiger dargestellt. Aber das stimmt nicht“, sagt Janssen.

Gesundheit der Pflanzen sichern

Der Einsatz von Drohnen sorgt aber nicht nur für eine verbesserte Effizienz in puncto Dünger, sondern steigert im Idealfall auch den Ertrag. Mit den ermittelten Daten lassen sich Biomasse-Karten erstellen. „So sieht der Bauer, was auf seinem Feld wächst und in welchem Zustand seine Pflanzen sind“, erklärt der Coppenbrügger. Die Daten lassen beispielsweise auch Rückschlüsse auf etwaige Pilzerkrankungen zu. Gesunde Pflanzen reflektieren die Infrarotstrahlung, während kranke Pflanzen dies nicht tun. Damit werden kranke Bestände schon sichtbar, bevor die Blätter welken. So könne man bereits in einer frühen Phase Einfluss auf die spätere Ernte nehmen und den Bestand erhöhen.

Die Bekämpfung von Schädlingen sei durch Drohnen ebenfalls schneller möglich, wie Janssen erläutert: „In Süddeutschland ist zum Beispiel der Maiszünsler ein Problem. Mit einem Kopter wird nun aus der Luft das Gelege der Schlupfwespe, eines natürlichen Feindes des Maiszünslers, über die Felder verstreut.“ Die Eier würden zunächst in ein Sieb platziert und anschließend durch die Flugbewegungen ausgestreut. „Das geht zügig und ist eine Art der natürlichen Schädlingsbekämpfung“, sagt er.

Mit Drohnen lassen sich auch Wildschäden, zum Beispiel von Wildschweinen, besser feststellen. „Der Schaden muss vom zuständigen Revierjäger bezahlt werden. Das zieht sich mitunter wie ein Flickenteppich durchs Feld“, sagt Janssen. Durch die Bilder aus der Luft lasse sich der Zustand genauer bestimmen. Ähnlich sieht es auch bei Sturmschäden aus. „Im Wald kann man nur sehr schwer Messungen vornehmen, weil der GPS-Empfang durch die Bäume gestört wird. Drohnen geben einen besseren Überblick und schießen aus 30 Metern so exakte Bilder, dass man die Baumart bestimmen kann“, erklärt der Experte.

Drohnen können Rehkitze vor dem Mähtod retten

Rehkitze lassen sich mit Drohnen vor dem sogenannten Mähtod retten. Wenn die Mähsaison beginnt, geraten die Tiere häufig in die Maschinen und erleiden schlimmste Verletzungen oder sterben. Denn statt zu fliehen, ducken sie sich und bleiben regungslos liegen. Mit der Drohne sind die Kitze vor dem Mähen anhand von Infrarot- und Wärmebildaufnahmen aufspürbar. Das erleichtert die Arbeit von Landwirten oder Jägern, die bisher die Grünflächen mühselig absuchen mussten, und verhindert Unfälle.

Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Rübenkampagne. „Die Drohne liefert Daten zur 3-D-Modellierung einer Zuckerrübenmiete“, erklärt Janssen. Dadurch lasse sich errechnen, wie viele Lkw zum Abtransport benötigt werden und wie hoch der Ertrag sei. „Die Drohne macht während des Überflugs unzählige Bilder, die zusammen eine sogenannte Fotowolke ergeben. Anschließend wird das Volumen der Miete auf bis zu zwei Prozent genau errechnet.“

Auch zur Überwachung von Windrädern lassen sich Drohnen einsetzen. Bisher sind Industriekletterer für die regelmäßige Tüv-Abnahme zuständig und prüfen, ob die Anlagen Risse oder Schäden aufweisen. Mit der Drohne, die die Windräder umfliegt und dabei Bilder der Außenhülle macht, kann diese Arbeit vereinfacht werden. „Sie lassen sich flexibel bei Windstille einsetzen und sind schneller fertig“, zählt der Coppenbrügger die Vorteile auf. Aus seiner Sicht könnten künftig auch Stromtrassen ein Einsatzbereich für die Flieger sein.

Er rät dazu, die Geräte angesichts einiger Beinahe-Unfälle in der vergangenen Zeit mindestens im halb automatischen Modus zu fliegen und sich der viele Auflagen bewusst zu sein. „Der Datenschutz ist sehr wichtig. Man darf zum Beispiel nicht einfach so Privatgrundstücke überfliegen. Auch Menschengruppen sind absolut tabu.“ Zu Flughäfen müsse man einen Mindestabstand einhalten, zudem sei die Flughöhe reglementiert.
Trotz der Vorgaben sieht Janssen den Einsatz von Drohnen in der Landwirtschaft als zukunftsträchtigen Bereich. „Ich weiß nicht, wie groß die Nachfrage letztlich sein wird. Aber ich bin von der Technik überzeugt.“

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