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Flucht vor Krieg und Terror

Thema des Tages Flucht vor Krieg und Terror

Der Flüchtlingsstrom nach Europa reißt nicht ab. Bis Ende Januar rechnet der Landkreis Schaumburg noch einmal mit 1200 Flüchtlingen, die im Schaumburger Land untergebracht werden müssen. Mehr als 240 Menschen warten aktuell in der Übergangsunterkunft auf dem Gelände der Bückeburger Jägerkaserne auf ihre Registrierung. Sie kommen aus Syrien, aus dem Irak und Iran, aus
Afghanistan, aus Eritrea, Ghana, Somalia und aus dem Sudan. Wovor fliehen sie? Die Gründe sind vielfältig. Eine Übersicht.

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Mehr als die gute alte Eiche

Von Thomas Thimm, Jörg Hofmeister und Katharina Grimpe. IRAN: Schlimme Wirtschaftskrise

Iran leidet seit den letzten Sanktionen der USA und der EU im Jahr 2012 unter einer in seiner Geschichte beispiellosen ökonomischen Krise. Eine rasant steigende Inflation von zuletzt 40 Prozent, steigende Arbeitslosigkeit (die Hälfte der Hochschulabsolventen ist ohne Job) und die durch die Sanktionen ruinierte Erdölindustrie haben dazu geführt, dass das Einkommen eines großen Bevölkerungsteils unter die Armutsgrenze gefallen ist.

ERITREA: Grausamer Diktator

Die Menschen fliehen vor einer Diktatur. Ex-Rebellenführer Isaias Afewerki, der Eritrea 1993 in die Unabhängigkeit führte, regiert mit eiserner Hand: Der Militärdienst in Eritrea kann ohne Angabe von Gründen ein Jahrzehnt dauern, es gibt keine Meinungs-, keine Versammlungs-, keine Reisefreiheit. Der „falschen“ Religion anzugehören, endet mit Haftstrafen. Wer sich auflehnt, riskiert sein Leben. Amnesty International schätzt, dass zwischen 5000 und 10 000 Menschen aufgrund ihrer politischen oder religiösen Ansichten im Gefängnis sitzen.

SOMALIA: Terror und Krieg

Vor allem die Kämpfe zwischen der islamistischen Miliz Al Shabaab gegen die Regierung und die Folgen der verheerenden Dürrekatastrophe 2011 bestimmen das Leben der Menschen im seit Jahrzehnten vom Bürgerkrieg gebeutelten Somalia. Mehr als 100 000 Zivilpersonen wurden im vergangenen Jahr verletzt, vertrieben oder getötet. Alle Konfliktparteien sind nach Angaben von Amnesty International für schwere Menschenrechtsverletzungen und Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht verantwortlich. Bewaffnete Gruppen nehmen Zwangsrekrutierungen auch von Kindern vor, Folterungen und Vergewaltigungen sind an der Tagesordnung.

SYRIEN: Bürgerkrieg und Chaos

220.000 Tote, eine Million Verletzte, 11,6 Millionen Menschen auf der Flucht. Das ist die Bilanz des syrischen Bürgerkrieges im fünften Jahr. Was 2011 als friedlicher Protest gegen das Regime von Baschar al-Assad begann, hat sich zur schlimmsten Flüchtlingskatastrophe seit dem Völkermord in Ruanda entwickelt. Weite Teile des Landes sind zerstört, große Teile der syrischen Bevölkerung haben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Impfstoffe fehlen und der Zugang zu ausreichend Trinkwasser ist nicht überall gesichert.

AFGHANISTAN: Angst vor den Taliban

Auch nach dem Ende des 13-jährigen Kampfeinsatzes der Internationalen Schutztruppe Ende 2014 kommt Afghanistan nicht zur Ruhe. Die Taliban, andere bewaffnete Aufständische und die Warlords gewinnen wieder an Bedeutung. Nach Angaben der UNO war die Zahl der Zivilisten, die im Zuge des Konflikts getötet wurden, 2014 so hoch wie nie zuvor. Allein im ersten Halbjahr wurden laut Amnesty International 1500 Zivilisten getötet und 3000 verletzt. 2,7 Millionen Afghanen haben das Land verlassen, weitere 660.000 sind auf der Flucht.

IRAK: Hier wütet der IS

Im Irak wütet seit vielen Monaten die Terrormiliz Islamischer Staat – ihr Name ist Programm, die IS will einen ebensolchen errichten. Die IS-Kämpfer gehen mit äußerster Brutalität gegen Ausländer und Irakis vor. Deshalb suchen die Menschen zunächst im teils noch sicheren Norden des Landes Zuflucht: 600 000 Menschen sind in die kurdische Autonomieregion im Nordirak geflüchtet. Doch in dem nun seit vielen Jahren von Krieg und Bürgerkrieg erschütterten Land fehlen Perspektiven.
Deshalb wollen die Menschen nach Europa.

SUDAN: Kämpfe ohne Ende

Sudan gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Lebensumstände der Bevölkerung sind besorgniserregend. Zahlreiche Menschen sind von humanitärer Hilfe abhängig, Wassermangel und Wüstenbildung hemmen die Entwicklung. Dazu kommt die politisch instabile Lage, die von Krisen und Konflikten geprägt ist – zwischen dem Norden und dem Süden, in Darfur oder Südkordofan. Während im Sudan seit 2014 Friedensgespräche zwischen der Regierung und Oppositionellen geführt werden, tobt im Südsudan vier Jahre nach der Unabhängigkeit ein erbitterter Bürgerkrieg, in dem schwerste Menschenrechtsverletzungen verübt werden. Die humanitäre Lage ist katastropha, zudem droht eine schwere Hungersnot.

GHANA: Keine Perspektiven

Armut und Korruption machen das Leben in Ghana schwer, einem Land, das als weitgehend demokratisiert gilt und dessen politische Lage als stabil eingeschätzt wird. Und dennoch: Trotz Wachstums bleibt die Wirtschaft unterentwickelt, die Armut ist groß und die Korruption blüht. Vor allem die rasch wachsende junge Bevölkerung sieht kaum Perspektiven in ihrem Land.

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