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Gemischte Energie

Thema des Tages Gemischte Energie

Klimaschutz, über den in Paris verhandelt wird, spielt sich ganz real vor Ort ab. Wie in Schaumburg, wo sich ein Team der Leitstelle Klimaschutz im Kreishaus ums Klima kümmert.

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Die Gefahr von oben

Auch in Schaumburg sind Solaranlagen ein Erfolgsmodell. pr.

Der Landkreis Schaumburg, das muss man lobend anmerken, ist in vielen Bereichen im Vergleich zu anderen Landkreisen bei diesem Thema Vorreiter: 2012 hat der Kreistag ein Klimaschutzkonzept beschlossen. Ein Konzept, das konkrete Zahlen lieferte. „Wir wissen jetzt, wie viel Energie wir in Schaumburg verbrauchen“, sagt Klebe. „Und werden im nächsten Jahr nachrechnen: Was haben wir bisher mit unseren Maßnahmen erreicht?“

Der Masterplan Klimaschutz soll fortgeschrieben werden. Der dafür notwendige Förderantrag ist in Arbeit. Für eine Leitstelle Klimaschutz braucht man Geld und Personal. Geld dafür kommt vom Bund, jährlich 240.000 Euro, gleich 80 Prozent der Kosten. Zunächst bis 2020, wenn die Fortschreibung des Masterplanes angenommen wird.

Und es gibt Zuschüsse für besondere Maßnahmen. Im Landkreis ist das die Hackschnitzelanlage beim jbf-Centrum Bückeberg, wo Holzreste aus der eigenen Forstwirtschaft verarbeitet werden sollen.

Der Landkreis kann Erfolge vorzeigen: Rund 1,5 Millionen Euro wurden 2014 durch Energiesparmaßnahmen und energetische Sanierung bei den Wärmekosten für landkreiseigene Gebäude eingespart.

Und mit den regenerativen Energien geht es voran. Auch wenn durch die Diskussion um die Windkraft in der Öffentlichkeit manchmal der gegenteilige Eindruck entsteht. Klebe sagt: Der Anteil von Strom aus regenerativer Energie hat sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt. Solar hat daran einen großen Anteil.

Ein Vorzeigeprojekt ist das neue Klinikum Schaumburg mit seinem Energiekonzept: Der Klinik-Neubau soll mit seinem CO2-Ausstoß rund 30 Prozent unter dem der derzeit in Betrieb befindlichen Kliniken in Bückeburg, Rinteln und Stadthagen liegen.

Neben dem Landkreis engagieren sich auch die Bürger. So ist im Oktober eine „BürgerEnergieGenossenschaft“ mit Sitz in Nordsehl gegründet worden. 42 Bürger haben noch während der Gründungsversammlung Genossenschaftsanteile in Höhe von mehr als 100.000 Euro gezeichnet.

Der Landkreis will auch Unternehmen mehr in seine Klimaschutzkampagne einbinden und hat dazu ein Unternehmensnetzwerk für Energie- und Ressourceneffizienz ins Leben gerufen. 23 Unternehmen sind bereits im Boot.

Das neueste Projekt: Information in den Schulen. Jugendliche sollen für das Thema Umwelt und Energie begeistert werden. Zuständig ist dafür Burkhard Wolters, der sagt: „In den weiterführenden 15 Schulen erreichen wir damit mehr als 10.000 Schüler.“ Klappt das, will man über eine vergleichbare Aktion in den Grundschulen in Zusammenarbeit mit den Kommunen nachdenken.

Beim Radwegebau soll es bis 2019 Zuschüsse vom Land geben. Der Landkreis will ermitteln, wo es in seinem Zuständigkeitsbereich noch Lücken gibt. Auf der Liste: ein Radweg zwischen Borstel und Rolfshagen.  E-Mobile sind noch ein Flop, es gibt zu wenige E-Ladestationen, vorbildlich ist hier Rinteln durch die Initiative der Stadtwerke. wm

Bloß nicht vor die Haustür

Windkraft wird im Landkreis immer dann ein Problem, wenn Bürger die Windräder nicht vor ihrer Haustür haben wollen. Nur 2,5 Prozent der Landkreisfläche sind überhaupt für eine Nutzung geeignet, denn der Landkreis gehört zu den am dichtesten besiedelten Landkreisen in Niedersachsen. Im Jahr 2010 stammten rund 40 Prozent des Stroms, der in Schaumburg aus regenerativen Energien erzeugt wird, aus Windkraftanlagen. Daran hat sich nicht viel geändert. Aber der Ausbau stockt. Aktuell drehen sich im Landkreis 47 Windräder. Die meisten in der Samtgemeinde Niedernwöhren: zehn Räder. 34 Windräder sind höher als 85 Meter, die größten 134 Meter hoch. Die Planung für weitere Windräder ist derzeit entweder in Arbeit oder vor Gericht. Beschlossen ist der Flächennutzungsplan für Windkraftanlagen in Bad Nenndorf. Gegen zwei Anlagen von „Planet Energy“ im Wesertal bei Rinteln läuft zurzeit ein Klageverfahren. Den geplanten Anlagen in Goldbeck haben zwar Richter in zwei Instanzen zugestimmt, doch es läuft eine Beschwerde. Neu im Gespräch ist eine Fläche für Windkraft in Lindhorst.

Das Erfolgsmodell

Solaranlagen sind auch im Schaumburger Land ein Erfolgsmodell der Energiewende. Zwar hat die Kreisverwaltung keine Zahlen, wie viele Solaranlagen es im Landkreis Schaumburg gibt, weil private Solaranlagen nicht gemeldet werden müssen. Zahlen haben die Stadtwerke. Ein Beispiel: In Rinteln gibt es 455, im Auetal 238 Solaranlagen. Der Landkreis mischt bei Bürgersolaranlagen auf den Dächern kreiseigener Gebäude mit. Es gibt davon inzwischen sechs. Neu sind die Anlagen auf dem Adolfinum in Bückeburg und dem Ratsgymnasium in Stadthagen.

Beschlossen – aber nicht umgesetzt

Die Mobilitätszentrale wird kommen. Noch ist die Frage wie und wann. Diskutiert wird noch über die möglichen Kooperationsmodelle. Wichtig auch hier: Die Mobilitätszentrale soll anbieterneutral werden und alle Verkehrsangebote bündeln. Dazu gehört auch der öffentliche Nahverkehr, der GVH- Tarif, der den Landkreis als Zuschuss jährlich 340.000 Euro kosten wird. GVH bedeutet eine Ausweitung des günstigen Bahntarifes auf Einzeltickets für Fahrten nach Hannover. Alles schon beschlossen, jetzt geht es nur um die technische Umsetzung, unter anderem um die Umstellung der Automaten.

Mit Potenzial

Zum Thema Erdwärme hat der Landkreis 2009 einen Geothermie-Atlas ins Internet gestellt. Ergebnis: Das größte Potenzial hat das Auetal. Inzwischen gibt es im Landkreis rund 100 Geothermieanlagen bis 100 Meter, sogenannte Erdwärmesonden meist für Ein-und Mehrfamilienhäuser. Diese Anlagen muss der Landkreis bewilligen, schon aus Wasserschutzgründen. Wer tiefer bohren will, für den gilt das Bergrecht. Doch für sogenannte Tiefengeothermie, für Kraftwerke, die Strom wie Wärme erzeugen, dafür gibt es im Landkreis nicht den richtigen Untergrund.

Der Boom ist vorbei

22 Biogasanlagen gibt es zurzeit in Schaumburg. Die meisten Anlagen bringen im Schnitt um die 500 Kilowatt Leistung. Einige sind erweitert worden. Doch der Biogasboom ist vorbei. Seit 2012 ist im Landkreis keine neue Anlage gebaut worden. Ursache dafür ist wohl vor allem die geringere Förderung von Neuanlagen, sagt Fritz Klebe. Biogasanlagen sind auch in die Kritik geraten. Wegen der Ökobilanz und wegen der „Vermaisung“ der Landschaft. Zumindest das letztgenannte Argument trifft für den Landkreis nicht zu: Lediglich auf 13 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche wird Mais für Biogasanlagen angebaut. Biogas rechnet sich nur, wenn auch die Wärme vermarktet wird. Und hier ist wieder der Landkreis im Spiel: das Hallenbad in Bad Nenndorf, die Berufsschule Rinteln und das Tropicana in Stadthagen werden mit Wärme aus Biogasanlagen versorgt. Für das Tropicana kommt sie von der Raiffeisenlandbundanlage, der größten Biogasanlage in Schaumburg.

Energie und Kosten sparen

Beim energetischen Management seiner Immobilien kann der Landkreis punkten. 1,5 Millionen Euro Heizkosteneinsparung pro Jahr hat man bei den kreiseigenen Immobilien durch Energiesparmaßnahmen erreicht. Die Liste der Maßnahmen bei Kreishaus, Schulen, Forsthaus, Jugendheim und Sporthallen reicht von neuen Heizungsanlagen über Lüftungsoptimierung, Spannungsstabilisierungsanlage, Beleuchtung, Regelungstechnik bis zu Photovoltaikanlagen.

Nicht ohne Probleme

Die energetische Sanierung von privaten Immobilien hat das größte Sparpotenzial bei der Energie. Allein schon deshalb, weil rund 75 Prozent des privaten Hausbestandes älter als 40 Jahre sind. Ein Nullenergiehaus ist nur für wenige erschwinglich. Und auch die Praxis bei der privaten Gebäudesanierung, der Wärmedämmung, stößt auf Probleme. Nicht jeder Hausbesitzer kann sich eine komplette energetische Sanierung leisten. Es soll auch Probleme mit Schimmelbildung bei „eingepackten Häusern“ geben. Deshalb will der Landkreis aufklären mit Broschüren und kostenlosen Beratungsaktionen in den Städten und Gemeinden. Auch die Kreishandwerkerschaft ist dabei. Inzwischen sind sechs Energieberater ausgebildet worden, Motto: „Mach dein Haus fit“.
Aktuelle Termine: 6. Dezember in Meerbeck, 12. Dezember in Niedernwöhren, 27. Januar in Rinteln im Ratskellersaal.

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