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Bogenschießen in Schaumburg Gut gezielt

Spannen, zielen, loslassen: Schon vor mehreren Tausend Jahren haben Menschen mit Pfeil und Bogen gejagt. Heute gewinnt das Bogenschießen als Sportart immer größere Bedeutung. Auch in Schaumburg setzen viele Schützenvereine auf Pfeil und Bogen, um neue Mitglieder zu gewinnen.

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Familiensport: Marie und Thomas Möller genießen die Zeit zu zweit auf dem Schießplatz. 

Quelle: kcg

Von Katharina Grimpe und Peter Blaumann

Das ist ein Rekord!“ Friedrich Meier, Seniorenbeauftragter des Kreissportbundes Schaumburg (KSB), freut sich über die große Resonanz des KSB-Projekts AGIL („Aktiv und gesund in der zweiten Lebenshälfte“). 50 Senioren aus 19 Schaumburger Vereinen haben an der 12. Auflage der Aktion teilgenommen. Grund für den Andrang: Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen Theorie und Praxis des Bogenschießens.
Hunderte von Jahren nutzte der Mensch Pfeil und Bogen für die Jagd oder zur Verteidigung. Heute ist Bogenschießen beliebte Freizeitbeschäftigung und Leistungssport, der seit 1972 auch bei den Olympischen Spielen betrieben wird. „Tatsächlich kommen beim Bogenschießen nicht nur Leistungssportler auf ihre Kosten“, betont Dirk Bövers, Leiter der Sparte Bogenschießen im Schützenbund Stadthagen (SB). Der Umgang mit Pfeil und Bogen ist ein Sport für alle Altersgruppen – egal, ob sportliche Erfolge oder der Ausgleich zum stressigen Alltag im Mittelpunkt stehen.
„Der Bogen ist ein Sportgerät und keine Waffe und fällt dementsprechend nicht unter das Waffenrecht“, sagt der 50-Jährige aus Stadthagen. Bereits Kinder könnten auf die großen Zielscheiben schießen, oft würden ganze Familien gemeinsam zum Training oder zu Turnieren kommen. „Auch nach oben gibt es keine Altersbeschränkung“, erklärt Wolfgang Gessner. Der 80-Jährige ist seit 1975 in der Bogensparte aktiv und steht den Stadthäger Bogenschützen gemeinsam mit Bövers als Trainer zur Seite.
Durchschnittlich 15 bis 20 SB-Mitglieder zwischen zwölf und 70 Jahren kommen regelmäßig zum Training. Geschossen wird immer mittwochs, im Sommer auf einer Wiese neben dem Schützenhaus an der Schachtstraße und im Winter in der Sporthalle Hinter der Burg. Die Schützen sind per du, die Atmosphäre locker und entspannt. Kein Schuss knallt, niemand muss schreien. Im Gegensatz zum Schießen mit Gewehr und Pistole ist der Bogensport leise. Auf Sicherheit wird trotzdem genau geachtet – nicht nur in puncto Ausrüstung. „Wir warten, bis der Letzte geschossen hat. Erst dann gehen alle gemeinsam los und holen die Pfeile“, erläutert Bövers. Gehetzt wird nicht, jeder darf sich die Zeit nehmen, die er braucht.
Ruhe. Konzentration. Und Ausdauer. Bogenschießen fordert Körper und Geist gleichermaßen, betont Gessner. Vor allem die Muskulatur im oberen Rücken und in den Schultern wird gestärkt, „also Muskeln, die im Alltag oft brachliegen“. Dabei komme es weniger auf Kraft, sondern auf die richtige Haltung an. Gerade und aufrecht stehen, das Gewicht gleichmäßig auf beide Beine verteilen, die Schultern unten lassen: Beim Training kommt es darauf an, jede Bewegung des Körpers bewusst wahrzunehmen und zu kontrollieren. Das Ziel: Die Bewegung, die den Pfeil treffen lässt, immer wieder zu reproduzieren.
„Es geht darum, 200 Mal das Gleiche zu tun“, sagt Gessner. Das fördert die Konzentration, verhilft den Schützen zu innerer Ruhe und mentaler Ausgeglichenheit. Der Schuss selbst ist dann fast nur noch Nebensache. Nicht umsonst hat der Bogensport Eingang in die Therapie bei Stresserkrankungen gefunden. Seit Jahrzehnten wird der Sport in psychosomatischen Kliniken, in therapeutischen Einrichtungen für Kinder und Jugendliche und in der Rehabilitation eingesetzt. Bogenschießen soll bei Konzentrationsproblemen, innerer Unruhe und nachlassender Motivation helfen.
Bogenschießen als Ausgleich zum Job? Für Thomas Möller aus Lauenhagen ist das ein Grund, immer mittwochs zum Training nach Stadthagen zu fahren. Seit Oktober begeistert sich der 46-Jährige für den Sport. „Es ist einfach eine tolle Entspannung vom Berufsalltag. Man ist mit sich und dem Pfeil alleine, voll konzentriert und blendet den Rest der Welt aus.“ Der zweite Grund ist Tochter Marie. Die zwölf Jahre alte Schülerin war treibende Kraft, als es darum ging, Bogenschießen als Freizeitsport auszuprobieren. Jetzt genießen Vater und Tochter die gemeinsame Zeit auf dem Schießplatz.
Bogenschießen sei für viele Schützenvereine eine gute Gelegenheit, neue Mitglieder anzulocken, sagt Bövers. Der Sport erlebe einen neuen Trend, vielleicht auch, weil das Image der Sportschützen in der Vergangenheit gelitten habe. „Vor allem junge Menschen unter zwölf können Vereine in der Bogensparte an sich binden, weil es keine Altersbeschränkung gibt.“
Ältere hingegen schätzen das sanfte Training für den Rücken. Beweis dafür ist das große Interesse beim AGIL-Projekt. „Das Projekt erfreut sich jedes Jahr aufs Neue großer Beliebtheit. Weil die Zahl der Anmeldungen in diesem Jahr riesengroß war, entschlossen wir uns in Absprache mit dem SV Todenmann, der das Bogenschießen durchführte, die Teilnehmerzahl zu erhöhen“, erläutert Meier. Der älteste Teilnehmer war 83 Jahre alt.
In Schaumburg bieten folgende Vereine Bogenschießen an: Schützenbund Stadthagen, Schützengilde Lauenau, DSC Feggendorf, Schützengesellschaft Hagenburg-Altenhagen, SV Todenmann, SV Volksdorf.

Faxzination Bogenschießen

Merve Victoria ist Schießsportleiterin der Bogenschützen beim SV Todenmann. Im Interview erklärt sie, was das Bogenschießen ausmacht.
Frau Victoria, seit wann gibt es Bogenschießen beim SV Todenmann, und warum wurde es mit ins Programm aufgenommen?
Die Bogensparte wurde 2007 gegründet, weil auch traditionelle Schützenvereine mit der Zeit gehen und neue Angebote schaffen müssen, um dem allgemeinen Mitgliederschwund entgegen zu wirken.
Was macht für Sie die Faszination am Bogensport aus?
Bogenschießen ist eine Ganzkörpersportart, die man auch mit körperlichen Einschränkungen ausüben kann. Dabei werden nicht nur Muskelkraft und eine aufrechte Haltung trainiert, sondern Konzentration und Koordination. Ich kann den Alltag hinter mir lassen, komme zur Ruhe und habe mit netten Leuten Kontakt.
Auf welche Fähigkeiten kommt es noch an?
Konzentration, Koordination, Disziplin und Ordnungssinn. Auch gegenseitige Rücksichtnahme ist wichtig.
Wie viele Bogenschützen sind aktiv in Todenmann?
Die Bogensparte hat derzeit 70 Mitglieder, davon sind etwa 50 Prozent regelmäßig aktiv.
Wie schnell kann man als Anfänger den Sport erlernen?
Die Grundtechnik kann man – je nach Auffassungsgabe und Trainingsdisziplin – in ein paar Wochen bis Monaten erlernen. Um dauerhaft gute Ergebnisse zu erzielen, muss man schon mindestens ein bis zwei Jahre regelmäßig trainieren.
Nutzen das Angebot hauptsächlich Kinder und Jugendliche?
Die Nachfrage ist bei Jugendlichen und Erwachsenen gleich groß.
Glauben Sie, dass das Bogenschießen irgendwann beliebter ist als das traditionelle, klassische Schießen?
In den letzten Jahren gab es einen starken Zulauf beim Bogenschießen, der auch immer noch anhält. Das traditionelle Schießen mit dem Gewehr wird aber meiner Meinung nach auch weiterhin Bestand haben.
Kann man beim Bogenschießen auch „abschalten“?
Ja, auf jeden Fall.
Was waren ihre persönlich größten sportlichen Erfolge?
Sportliche Erfolge sind mir nicht wichtig. Ich betreibe den Bogensport aus gesundheitlichen Gründen (Muskelaufbau, Haltungstraining) und zum Stressabbau.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Bogensports im Verein?
Kostenfreie und mehr Hallennutzungszeiten, um den Leistungsschützen mehr Trainingsmöglichkeiten zu geben und den stetig steigenden Mitgliederzahlen gerecht zu werden. ll

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