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Heiratsboom in Rinteln

Thema des Tages Heiratsboom in Rinteln

Heiraten ist wieder populär, immer mehr Menschen trauen sich das erste oder auch ein weiteres Mal. Rinteln profitiert davon, Eheschließungen boomen regelrecht, und Juli/August ist Hochsaison, besonders freitags. „Trotzdem nehmen wir uns Zeit, trauen maximal im Stundenrhythmus, nicht alle 20 Minuten wie in manchen Großstädten“, teilt Standesbeamtin Stefanie Ruboks mit.

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Rinteln (dil). „Das wissen die Paare zu schätzen, und manche kommen zu uns, weil sie es so hier bei einer Trauung von Freunden oder Verwandten erlebt haben. Und natürlich ziehen unser Bürgerhaus und das schöne Trauzimmer mit Blick auf den Marktplatz.“

Rinteln bemüht sich um Radfahrer – mit Erfolg. Rinteln wirbt um Hochzeitspaare – mit Erfolg. Die Werbebroschüre „Heiraten in Rinteln“ ist zwar noch von 2011 (immerhin schon die dritte Auflage), und darin lädt noch immer der mittlerweile zum Ehrenbürgermeister avancierte Karl-Heinz Buchholz dazu ein, sich zu trauen. „Eine neue Broschüre ist schon in Arbeit“, erklärt Ordnungsamtsleiter Ulrich Kipp. Immerhin: Beim Trauvorgespräch erhalten die Heiratswilligen schon „Das goldene Kochbuch“, denn Liebe geht ja auch durch den Magen – und auf der ersten Seite grüßt bereits Bürgermeister Thomas Priemer.
Heiraten ist ein Wirtschaftsfaktor. In der Broschüre bieten sich auch Gasthäuser für die Feier an, inklusive des Fahrgastschiffs „Brissago“ (dort gab es auch mal eine Trauung), das längst in London auf der Themse schippert. Auch eine inzwischen geschlossene Gärtnerei wirbt für die florale Ausstattung der Feier. Und das Foto der Standesbeamtinnen ist nicht auf dem neuesten Stand.
Aber das tut dem Andrang auf Trauungstermine in Rinteln keinen Abbruch. Und es muss ja nicht immer das Bürgerhaus sein. „Wir trauen auch im Klostergarten Möllenbeck unter einer Linde, bei Regen in der zum Saal ausgebauten ehemaligen Schmiede gleich nebenan“, erklärt Standesbeamtin Stefanie Ruboks. Ulrich Kipp hat auch schon Trauungen auf der Terrasse der Schaumburg vollzogen. „Ich mache das selbst nicht mehr“, sagte er, „und wir bereiten jetzt den Garten des Torhauses sowie alternativ die ehemalige Kapelle über dem Rundbogen des Torhauses für Trauungen vor.“ In wenigen Wochen kann man sich also auch dort das Ja-Wort geben.
„Aufpassen sollte man bei Außentrauungen aber nicht nur auf das Wetter“, rät Ruboks. „In Möllenbeck hatten wir kürzlich bei einer großen Hochzeitsgesellschaft eine Wespenplage, in Rinteln könnte gerade ein Fest in der Altstadt sein, sodass es keine Parkmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe gibt.“
Am vergangenen Freitag gab es trotz der Enge wegen des schon aufgebauten Altstadtfestes doch eine Trauung. Manche mögen aber gerade Trubel vor der Tür, wenn sie als frischgebackene Eheleute das Bürgerhaus verlassen – oft durch ein Spalier von Freunden, manchmal zu einer Hochzeitskutsche oder einem hübschen Oldtimer hin.
Von den Wochentagen ist der Freitag klar am beliebtesten, von den Monaten dominieren Frühling und Sommer, aber auch der Herbst ist stark im Kommen. Die 75 Heiraten und drei Lebenspartnerschaften bisher in diesem Jahr verteilten sich so: erstes Quartal 22, Mai 19, Juni 10, Juli 17 und August bis jetzt 10. Im Vorjahr wurden 138 Termine gezählt. Rund 25 davon betrafen Auswärtige.
„Mal sind es gebürtige Rintelner, die an ihrer Stadt hängen, mal gefiel es Trauzeugen oder Gästen hier so gut, dass sie auch in Rinteln heiraten wollen“, erzählt Ruboks. „Und manchmal suchen Heiratswillige einfach ein schönes ruhigeres Plätzchen als in der Großstadt.“ Das Trauzimmer wird entweder von den Standesbeamtinnen oder den Angehörigen des Brautpaares dekoriert, und die Musik folgt auch ganz individuellen Wünschen. „Mit Gesang und romantisch, das dominiert“, weiß Ruboks aus Erfahrung. „Und meist wird unsere kleine Stereoanlage erst für das Anstoßen nach der Trauung eingeschaltet.“
Auffällig im Trauzimmer im vor einigen Jahren hübsch und würdig modernisierten Bürgerhaus ist die Sitzanordnung quer und nicht mehr längs wie früher. „Die Angehörigen wollen das Brautpaar wenigstens von der Seite sehen“, erläutert Ruboks diese positiv aufgenommene Änderung.
Heiraten bedeutet auch Bürokratie, denn es sind Rechtsvorschriften zu beachten. Allen voran steht die Prüfung der Ehefähigkeit. Sind beide Partner deutsch, kostet die Prüfung 40 Euro und ist eher Routine, bei Ausländer wird das Doppelte verlangt.
„Der Anteil an ausländischen Ehepartnern nimmt zu, und das kann kompliziert sein“, erklärt Ruboks. „Bei der Prüfung der Voraussetzungen für die Ehefähigkeit gilt das jeweilige Heimatrecht. Da muss die Echtheit der benötigten Dokumente überprüft werden. Bei manchen afrikanischen Staaten senden wir Kopien an die dortige deutsche Botschaft, und die schickt einen Vertrauensanwalt in den Heimatort von Braut oder Bräutigam.
„Bei Flüchtlingen gibt es oft ja auch gar keine Papiere mehr, solche Fälle hatten wir aber nicht“, so Ruboks. Viele Länder stellen auf Anfrage das Ehefähigkeitszeugnis aus. Tun sie es nicht, dann geht der Fall zum Oberlandesgericht Celle, um dort zu prüfen und zu entscheiden, ob eine Befreiung von der Beibringung des Ehefähigkeitszeugnisses erlaubt wird. Das kann schon mal Monate dauern. Und wir müssen uns zunächst in die Rechte dieser Länder einlesen. Notfalls wenden wir uns an das Bundesministerium des Innern.“
Die Eheurkunde kostet zehn Euro, ein Familienstammbuch, falls dieses gewünscht wird, zwischen 16 und 35 Euro. Trauungen sind montags bis freitags und an jedem ersten Samstag im Monat (gegen zusätzliche Gebühr) möglich.
Bei der Arbeit der Standesbeamtin denken viele zunächst an trockene Verwaltungsarbeit. Aber dort werden auch Geburtsurkunden ausgestellt, Namensänderungen vorgenommen und Sterbefälle beurkundet – ein Amt als Begleiter für das ganze Leben also.
Kirchenaustritte und Scheidungen werden ebenfalls registriert, „Bei uns wird die Arbeit nie zur Routine, auch bei den Trauungen nicht. Jedes Brautpaar ist anders und bringt seine eigenen Erlebnisse mit. Deshalb mag ich meinen Job so“, schwärmt Claudia Holm. Dritte im Bunde ist Julia Witte.
Wenn alles gut gelaufen ist, sind auch die Standesbeamtinnen zufrieden. Versprechen, dass die in Rinteln geschlossenen Ehen ewig halten, können sie nicht. Aber manche Ehepaare freuen sich über den guten Start so sehr, dass sie Fotos, Karten oder Sekt als Dank vorbeischicken.
Das Team vom Standesamt ist telefonisch erreichbar unter folgenden Rufnummern: Claudia Holm, (0 57 51) 40 39 92, Stefanie Ruboks, (0 57 51) 40 39 91, und Julia Witte, (0 57 51) 40 39 90.

Statt „Aufgebot“ nun „Anmeldung“

Manche Heiratswillige fragen immer noch nach dem traditionellen Aushängen ihrer Hochzeitsankündigung, weiß Standesbeamtin Stefanie Ruboks. „Doch das ist seit Juli 1998 aus Datenschutzgründen nicht mehr zulässig.“ Da könnten ja auch Einbrecher lesen, wer gerade nicht zu Hause ist, oder alle, die neuen Ehepaaren etwas verkaufen wollen. Bleibt ja immer noch die Heiratsanzeige in der Tageszeitung.
Einen öffentlichen Aushang, das gute alte „Aufgebot“, gibt es also nicht mehr, dafür nun die „Anmeldung der Eheschließung“. Das bedeutet: Termin vereinbaren, dabei dann Datum der Heirat festlegen (frühestens sechs Monate vor der Hochzeit). Das Gespräch zur Anmeldung dauert etwa 30 Minuten. Dort erfährt das Brautpaar, welche Unterlagen es vorzulegen hat. Die Anmeldung muss bei dem Standesamt erfolgen, wo einer der beiden Partner seinen Haupt- oder Nebenwohnsitz hat. Die standesamtliche Trauung ist dann (nach Absprache) in jedem Standesamt in der Bundesrepublik Deutschland möglich. Dazu werden die Unterlagen vom Standesamt der Anmeldung an das Standesamt der Trauung übermittelt.

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