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Heizölpreise auf Talfahrt

Hält der Trend an? Heizölpreise auf Talfahrt

Verbraucher freuen sich über fallende Benzin- und Heizölpreise – sie sind so niedrig wie seit vier Jahren nicht mehr. Das hohe Produktionsniveau der Ölförderländer senkt den Preis nach unten, die Weltkonjunktur könnte ihn bald wieder nach oben treiben.

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Blick. Richtung. Zukunft.

Fallende Benzin- und Heizölpreise erfreuen die Verbraucher.

Quelle: dpa

Von Maike Schaper

Thema des Tages. Die Ölpreise sind mit der Aussicht auf eine weiterhin hohe Fördermenge durch die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) auf den tiefsten Stand seit 2010 gefallen. Seit dem Sommer sind die Ölpreise um rund 30 Prozent abgerutscht – trotz der Krisen im Nahen Osten, trotz des Ukraine-Russland-Konflikts. Als Folge sind auch die Kraftstoffpreise so niedrig wie seit Langem nicht mehr. Der Preis für Heizöl lag erstmals seit mehr als vier Jahren unter der Marke von 70 Euro für 100 Liter. Die jüngste Entwicklung an den Rohstoffmärkten wirft Fragen für die Verbraucher auf.

Wird der Ölpreis noch weiter fallen? Auf weiter sinkende Preise deutet zumindest kurzfristig vieles hin. Das liegt daran, dass am Weltmarkt ein Überangebot an Rohöl herrscht. Die Opec-Staaten halten sich nicht an die eigenen Ziele und fördern seit Monaten mehr als die vereinbarten 30 Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag. Zudem gewinnen die USA als weltgrößter Energieverbraucher mit der umstrittenen Fracking-Methode immer mehr Rohöl. Es gab einen regelrechten Schieferölboom, der am Ölmarkt ein Überangebot und damit die sinkenden Preise auslöste.

Die Folge: Die größte Volkswirtschaft der Welt muss nur noch vergleichsweise wenig Öl auf dem Weltmarkt kaufen. Auch das drückt die Ölpreise. Die exportierenden Staaten zeigen sich in der Förderfrage tief gespalten. Dabei stehen sich die Fronten der Befürworter von Förderkürzungen und die Gegner gegenüber. Der saudische Ölminister Ali Al-Naimi erklärt: „Niemand sollte kürzen, und der Markt wird sich von selbst stabilisieren.“ Auf der Seite des Ölstaates stehen laut eigener Aussage auch Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar. Kuwaits Ölminister Ali Saleh Al-Omair weist darauf hin, dass das derzeitige Überangebot am Markt nicht nur von Opec-Ländern stamme.

„Selbst wenn Opec leicht kürzt, würde das nicht dazu beitragen, das Überangebot am Markt zu verringern.“ Andere große Ölförderländer, wie Iran oder Venezuela, wollen dagegen am Förderhebel drehen. Der venezuelanische Außenminister Rafael Ramirez signalisiert Zustimmung zu einer Produktionskürzung, um die Preise zu stabilisieren: „Wir brauchen einen Preis, der für jeden gut ist“, sagt er. Der liege bei rund 100 US-Dollar pro Barrel. Je niedriger der Ölpreis, desto geringer sind die Einnahmen der zwölf Mitgliedsländer. Während Länder wie der Iran und Venezuela von den Öleinnahmen extrem abhängig sind, können wohlhabendere Länder wie Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate deutlich tiefere Preise verkraften. Die globale Nachfrage nach dem „Schmiermittel der Weltwirtschaft“ lahmt angesichts der flauen Konjunktur.

Wie schwer der Preisverfall die Ölförderer trifft, zeigt auch Russland. „90 Milliarden bis 100 Milliarden Dollar verlieren wir, weil der Ölpreis um 30 Prozent gefallen ist“, erklärt Russlands Finanzminister Anton Siluanow. Die Organisation erdölexportierender Länder rechnet 2015 mit der schwächsten Nachfrage nach Opec-Öl seit zwölf Jahren. Im Durchschnitt dürften im kommenden Jahr nur noch 28,92 Millionen Barrel pro Tag nachgefragt werden, hieß es in einem Opec-Bericht.

Wird Benzin und Heizöl jetzt noch günstiger? Mit der rasanten Talfahrt der Ölpreise auf dem Weltmarkt können sich die Verbraucher durchaus auf weiter fallende Preise an den Zapfsäulen und beim Heizöl einstellen. Der Beginn der Heizperiode stützt zwar in der Regel den Heizölpreis, aber die Entwicklung am Weltmarkt wird mit einiger Verzögerung auch bei den Verbrauchern ankommen. Sie können sich absehbar auf weiter fallende Preise bei Benzin und Heizöl einstellen, meinen Experten.

„Der niedrigere Ölpreis wird wohl vor allem die Kaufkraft der privaten Haushalte und damit die privaten Konsumausgaben stärken“, heißt es in einer Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI). Für das zu Ende gehende Jahr 2014 und das Jahr 2015 rechnen die Wirtschaftsforscher mit einem Wachstum von jeweils 1,5 Prozent. Ohne den verringerten Ölpreis müsste das Wirtschaftswachstum um etwa 0,4 Prozentpunkte niedriger angesetzt werden, sagt RWI-Forscher Roland Döhrn.
Für das nächste Jahr rechnen etliche Ökonomen damit, dass die Weltwirtschaft im weiteren Verlauf wieder stärker in Schwung kommt. Dann wird auch wieder mehr Rohöl verbraucht und die Preise könnten steigen.

Was sagen die heimischen Händler? Heizöllieferant Karl-Heinz Schwekendiek aus Aerzen gibt zu bedenken, dass alle Äußerungen über den Heizölpreis rein spekulativ seien. Ob es nun in Zukunft weiter nach unten oder wieder nach oben geht, das kann auch er nicht sagen. Viele seiner Kunden haben in gewohnter Weise bereits im Sommer ihre Öltanks aufgefüllt, einige davon nutzen die aktuelle Situation auf dem Weltmarkt und tanken aufgrund der niedrigen Preise nochmals nach.
Das erleben auch die Experten vom Schaumburger Mineralölhändler Hattendorf in Lindhorst: „Wenn noch tausend Liter in die Heizöltanks in den Kellern passen, dann ordern die Kunden derzeit zügig nach.“

In den Tagen vor Weihnachten haben die Auslieferungsfahrer noch jede Menge zu tun. Im Moment sehe es jedenfalls so aus, als würden die niedrigen Preise auch noch über den Jahreswechsel bestehen bleiben, meinen die Schaumburger. Das sei aber nur ein Trend, da stimmt Hattendorf mit Schwekendiek überein. Die Preisentwicklung sei anhand der vielen Faktoren nur schlecht vorhersehbar.

Hat die Talfahrt der Energiepreise negative Folgen? Der für Verbraucher, ölverbrauchende Unternehmen und Länder erfreuliche Preisverfall hat auch seine Schattenseiten. Sinken die Einnahmen der Ölförderländer, könnte sich das auch negativ auf die Nachfrage aus exportstarken Ländern wie Deutschland auswirken. Der Preisverfall bereitet zudem den Währungshütern Sorgen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht die Stabilität des Euro bei einer Inflationsrate von knapp zwei Prozent als gewährleistet an. Die Talfahrt der Ölpreise hat die Inflation aber mittlerweile in die Nähe der Nullmarke gedrückt. Die Folge: Die EZB stemmt sich mit zahlreichen Maßnahmen gegen den Preisverfall und öffnet die Geldschleusen immer stärker. Experten gehen mittlerweile davon aus, dass selbst die in Deutschland umstrittenen Käufe von Staatsanleihen durch die EZB nur noch eine Frage der Zeit sind.

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