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Historie auf drei Etagen

Thema des Tages Historie auf drei Etagen

Früher Kornspeicher und Wagenremise der ehemaligen Wasserburg der Grafen von Hallermunt in Springe, heute ein Museum, das auf 2000 Quadratmetern Ausstellungsfläche mit unzähligen Exponaten die Geschichte der südlichen Deisterregion aufzeigt.

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Blick aus einem Fenster des Museums-Cafés auf die Burgstraße in Springe.

Quelle: pr.

SPRINGE. Das „Museum auf dem Burghof“, so der Name der Dokumentationsstätte, bietet auf drei Etagen Heimatgeschichte en masse, dargelegt in den Abteilungen „Textile Technik & Mode“, „Wald und Mensch – der Deister“, „Frühe Landtechnik“, „Handwerk, Gewerbe & Wohnkultur“, „Erdgeschichte der Deisterregion“ und „Ur- & Frühgeschichte des Springer Raumes“. Außerdem wird der Besucher der mehr als 750 Jahre alten Stadtgeschichte von Springe kundig.

Eines vorweg: Die reichen Sammlungsbestände sind einen Ausflug wert. Viele Besucher zeigen sich begeistert von der Fülle und von der Aufmachung der Ausstellungsstücke. Schnell ist man als Besucher mittendrin im Geschehen unterschiedlicher Epochen, von der Urgeschichte bis zum Leben und Wirken der Menschen im 20. Jahrhundert.

Heinerich passt auf

Gleich im Eingangsbereich zum Empfang die aus dem Riesengebirge stammende und vom Holzbildhauer Helmut Benna geschaffene Figur des Ratsnachtwächters Heinerich. Der Wächter stand von 1951 bis 1995 als Wegweiser am Alten Rathaus in Springe. Aus konservatorischen Gründen musste er durch eine nachgeschnitzte Figur ersetzt werden.

Das restaurierte Original wurde dem Museum überlassen. Heute wacht Heinerich über den ersten Ausstellungsraum, über eine altertümliche Schmiede, ein Hammerwerk, über Werkzeuge für Zimmerleute und Trachtenstücke.

Im ersten Obergeschoss präsentieren sich Handwerk und Gewerbe vergangener Tage. Tischlerei, Töpferei, Schlosserei, Steinhauerei, Sattlerei und Schusterwerkstatt sind mit Originalmaschinen und Werkzeugen hiesiger Betriebe ausgestattet. Die aufgebaute Senfmühle stammt von der Firma Karl Kersting aus Eldagsen. Der Besucher erfährt, dass dort einst der Antrieb der Mahlsteine durch Wasserkraft erfolgte. Die Senfkörner wurden aus Italien, den Niederlanden und Belgien importiert. In Eldagsen gab es neben der Firma Kersting eine weitere Senffabrikation, die 1809 von Louis Bremeyer gegründete Dampfsenffabrik an der Langen Straße.

Die Wohnkultur des 17. bis 19. Jahrhunderts zeigt sich mit einer bürgerlichen Wohnstube, darin Originalmobiliar und ein antiker Kachelofen, außerdem mit Details wie Deckenleuchte mit Perlenschmuck und Wandbildern der Herrschaften sowie einem Trichtergrammophon. Nebenan befindet sich eine Küche mit Anrichtetisch, Kochtöpfen und Geschirr.

Von der Wolle zum Festkleid

Nachgebaut wurde lediglich die Feuerstelle aus Klinkersteinen. Einen Raum weiter sind alte Haushaltsgeräte zu sehen, zum Beispiel ein beheizbarer Wäschekessel und eine Zinkbadewanne, die heute in manchem Garten als Pflanztrog für Blumenschmuck Verwendung findet. Schließlich wird auch das Wohnzimmer der fünfziger Jahre in Szene gesetzt, mit Plattenschrank und erstem Fernseher.

Die Textilabteilung zeigt den Weg vom Ausgangsmaterial Flachs bis zum Leinen, von der Wolle bis zum Endprodukt auf. Der Besucher lässt sich durch eine Schneiderei und eine Hutmacherei führen, entdeckt dabei die Mode der vergangenen Jahrhunderte. Prunkstück der Ausstellung ist hier ein langes weißes Festkleid, handgearbeitet in Bändchentechnik und mit Stickerei versehen, hergestellt um 1880.

Die Kleidung einer wohlhabenden Familie Mitte des 19. Jahrhunderts besteht bei dem Herrn aus dunklem Gehrock mit Weste und einem Zylinder, die Dame trägt – ebenfalls in Schwarz gekleidet – einen langen Rock, darüber eine Bluse, züchtig hochgeschlossen mit Faltenwurf. Als Kontrast zur dunklen Kleidung führt sie einen weißen Sonnenschirm mit verspielter Tüllbespannung mit sich. Das Schuhwerk besteht aus geschnürten Stiefeletten. Die Söhne begleiteten die Eltern auf dem sonntäglichen Spaziergang in einem Matrosenanzug.

Pausieren in historischem Abiente

Im zweiten Obergeschoss beschäftigt sich das Museum anhand von lokalen Bodenfunden mit der Erd- und Frühgeschichte der Deisterregion. Dazu gehört unter anderem eine Sammlung von Millionen Jahre alten Versteinerungen. Die Zeitreise geht weiter mit den ersten Handwerksgeräten, die den Menschen zur Verfügung standen, um tägliche Gebrauchsartikel, Schmuck oder Waffen herstellen zu können.

Dann geht es weiter mit der Stadthistorie von Springe und Umgebung. Dazu gehören die Themen traditionsreiches Handwerk, Gewerbe und Industrie, Kirche und Schule, Vereinsleben, Eisenbahn und Post. Eine Vitrine beschäftigt sich ausschließlich mit dem in Springe geborenen Erfinder Heinrich Göbel, der – in die USA ausgewandert – zur Entwicklung der Glühlampe beigetragen hat.

In der restaurierten ehemaligen Wagenremise des Burghofes wird dem Museumsbesucher die frühere Landtechnik nahe gebracht. Dreschmaschine, Ackergeräte und weitere Arbeitsgeräte der Bauern geben einen Einblick in das Landleben zwischen 1850 und 1950. Im Dachgeschoss beschäftigt man sich mit demDeister als Waldgebiet, das seit jeher forstwirtschaftlich, freizeitlich und sportlich genutzt wird.

Bleibt noch zu berichten, dass das Museum über ein gastliches Café in Fachwerkausstattung verfügt, in dem man nach dem Rundgang durch die Museumsräume oder auch zwischendurch bei Kaffee und Kuchen eine Pause einlegen kann. Das Mobiliar besteht zum größten Teil aus antiken Beständen. Dekorativ sind hier Ausstellungsstücke platziert. Dazu gehört ein Kachelofen aus dem 19. Jahrhundert, reich ausgestattet mit Figuren und einem Justitia-Motiv. Der Ofen, hergestellt von der Firma Teichert in Meißen, stammt vermutlich aus dem Leineschloss Hannover. Von Karl-Heinz Poll

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