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Im Notfall immer die richtige Wahl

Thema des Tages Im Notfall immer die richtige Wahl

Sturz, Herzinfarkt, Unfall oder Feuer – in Deutschland weiß fast jedes Kind, welche Nummer in Notfällen angerufen werden muss. Wen aber rufe ich an, wenn ich im Ausland Hilfe benötige?
Seit 2008 lautet die Antwort: europaweit die 112.

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Quelle: Symbolfoto

Thema des Tages. Sie kann kostenfrei aus dem Fest- oder Mobilfunknetz erreicht werden. Um die Bekanntheit der Euronummer 112 weiter voranzutreiben, gibt es seit 2009 jedes Jahr am 11. Februar den Europäischen Tag des Notrufs.

Die Telefonnummer 112 gilt in der ganzen Europäischen Union als Notrufnummer. Wer gerade im europäischen Ausland unterwegs ist, kann über diese Nummer den Rettungsdienst informieren – selbst ohne Guthaben auf dem Handy. Um über diesen Service zu informieren, haben EU-Parlament, EU-Rat und EU-Kommission den europäischen Tag des Notrufes aus der Taufe gehoben. Morgen, am 11. Februar, wird er zum sechsten Mal begangen.

Während die 112 in Deutschland bereits 1973 als Notruf für Feuerwehr und Rettungsdienst eingeführt wurde, gilt sie seit 1991 auch in den Mitgliedsstaaten der EU als einheitliche lebensrettende Nummer. Sogar in vielen Nicht-EU-Ländern erreicht man unter der 112 eine Leitstelle, die bei Unfällen, Unglücken, Verletzungen und Erkrankungen Hilfe schickt.

Trotzdem ist der Bekanntheitsgrad des kostenlosen Drahts zur Hilfe im Notfall noch nicht hinlänglich bekannt. Nach mehr als 20 beziehungsweise 40 Jahren weiß nur etwa jeder fünfte Deutsche, dass die 112 auch im europäischen Ausland funktioniert. Über die Erreichbarkeit von Rettungsdienst und Feuerwehr im eigenen Land sind gerade einmal Dreiviertel der Deutschen informiert.
500 Anrufe pro Tag aus Schaumburg/Nienburg
„Wer die 112 wählt kann sich sicher sein, dass er im Notfall schnell und unkompliziert Hilfe bekommt“, bringt Thomas Reiter die zentrale Botschaft auf den Punkt. Reiter ist Leiter der Integrierten Regionalleitstelle Schaumburg/Nienburg, in der drei Mitarbeiter rund um die Uhr die Anrufe entgegennehmen und die Einsätze für Rettungsdienst und Feuerwehr koordinieren.

2014 waren es insgesamt 180 000 Anrufe. Das entspricht knapp 500 Telefonaten pro Tag. Die Mitarbeiter der Leitstelle, in der seit 2013 alle Rettungseinsätze in den Landkreisen Schaumburg und Nienburg koordieniert werden, haben im vergangenen mehr als 52 202 Mal Rettungswagen, Notarzt und Krankentransport losgeschickt. Die Feuerwehr rückte zu 2262 Einsätzen aus.

Jens Sewohl, Geschäftsführer des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB), der neben dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) mit der Notfallrettung im Gebiet der Rettungsleitstelle beauftragt ist, sagt: „Zum geringen Bekanntheitsgrad kommt die noch immer recht hohe Barriere, die 112 zu nutzen, erschwerend hinzu.“ Insbesondere unter Senioren vermutet er eine hohe Hemmschwelle.

Grund seien Sorgen wie „Was sollen die Nachbarn denken, wenn hier ein Rettungswagen vor dem Haus steht?“ oder die Angst, mit einem Notruf hohe Kosten zu verursachen. Bedenken, die Sewohl ausräumen will: Die Kosten für einen Einsatz, egal ob Fehleinsatz, ob Notfallpatient oder Krankentransport, würden auf keden Fall die Krankenkassen tragen. In manchen Fällen werde höchstens ein geringer Eigenanteil fällig. „Im Notfall entschiedet jede Minute, da ist es viel besser, ungeachtet aller Vorbehalte, einmal mehr anzurufen, als einmal zu wenig“, betont der ASB-Chef.

Das kann auch ASB-Rettungsdienstleiter Michael Behr nur unterstützen und appelliert: „Auch wenn Sie unsicher sind – rufen Sie die 112 an. Die Leitstelle kann gegebenenfalls auch den richtigen Ansprechpartner vermitteln.“

Die wichtigsten Auskünfte, die Anrufer den Leitstellen-Mitarbeitern am anderen Ende der Telefonleitung mitteilen müssen, sind der Notfallort und eine Rückrufnummer. Alle weiteren Informationen werden erfragt, so dass Anrufer sich gar nicht viel merken müssen. Die Alarmierung des Rettungswagens erfolgt dann noch während des Gesprächs, so dass die Rettungskräfte schon vor Ende des Notrufs auf dem Weg sind.

Insgesamt 21 Mitarbeiter arbeiten in der Leitstelle in Stadthagen. Um ihrer Aufgabe gerecht werden zu können, sind die Disponenten speziell geschult und haben sowohl die Ausbildung zum Rettungsassistenten, als auch zum Zugführer der Freiwilligen Feuerwehr abgeschlossen.

Aktuell absolviert das gesamte Leitstellenpersonal außerdem ein Zusatztraining für die sogenannte „Telefonreanimation“, bei der die Ersthelfer am Unfallort per Telefon zur Herz-Lungen-Wiederbelebung angeleitet werden. „Das ist ein wichtiger Bestandteil der Notfallrettung“, betont Leitstellen-Leiter Reiter. „Nur durch die strukturierte Anleitung von Ersthelfern zur Herz-Lungen-Wiederbelebung kann die Lücke zwischen Notruf und Eintreffen des Rettungsdienstes geschlossen werden, da müssen alle Beteiligten Hand in Hand arbeiten.“
Dass die Telefon-Reanimation Leben rettet, weiß Reiter aus eigener Erfahrung.

Erst kürzlich habe ein nahestehender Familienangehöriger einen Kreislaufstillstand vermutlich nur überlebt, weil der Leitstellen-Mitarbeiter den Ersthelfer bei der Reanimation unterstützen konnte.

Aber nicht nur bei Verdacht auf Kreislaufstillstand, auch bei anderen Krankheitsbildern, Verletzungen oder Schadensfällen helfen die Disponenten der Leitstelle, damit effektiv Erste Hilfe geleistet werden kann.

„Trotzdem“, mahnt Sewohl, „ist es für jeden wichtig, die Erste-Hilfe-Kenntnisse regelmäßig aufzufrischen, um für den Notfall vorbereitet zu sein.“ Viele Menschen trauen sich die lebensrettenden Sofortmaßnahmen nicht mehr zu, und so verstreiche oft wertvolle, manchmal lebensentscheidende Zeit. Sewohl weist darauf hin, dass sowohl DRK, als auch ASB regelmäßig Aus- und Fortbildungen anbietet.

Komplexe Technik unterstützt die Leitstellen-Mitarbieter bei ihrer täglichen Arbeit. Nicht nur die Alarmierung der Einsatzkräfte von Rettungsdienst und Feuerwehr ist computergestütz. Ein aufwändiges Notrufsystem ermöglicht es den Disponenten außerdem, den Standort des Anrufers zu ermitteln.

Das System habe sich bereits mehrfach bewährt, denn gerade bei Notrufen von der Autobahn können Anrufer ihren genauen Standort nicht exakt angeben. Durch die Ortung gewinnen die Einsatzkräfte wertvolle Zeit, die lebensrettend sein kann.
Moderne Technik soll für schnellere Hilfe sorgen
In Zukunft werden übrigens nicht mehr ausschließlich Menschen den Notruf wählen. Moderne Technik macht es möglich, dass Fahrzeuge einen Notfall melden. Der „eCall“ ist ein von der EU geplantes automatisches Notrufsystem, das ab April 2018 verpflichtend in jedes neue Auto und leichte Nutzfahrzeuge eingebaut werden muss.

Bei einem Verkehrsunfall verbindet sich das Gerät entweder automatisch oder per Knopfdruck mit der Notrufnummer 112 und meldet neben dem Standort weitere Informationen wie zum Beispiel Unfallzeitpunkt oder Insassenanzahl. Weil so Rettungsmaßnahmen noch schneller eingeleitet werden können, soll das System dazu beitragen, die Zahl der Verkehrstoten und die Folgen von Schwerst-Verletzungen zu senken.
Wenn einmal kein akuter Notfall vorliegt, Patienten aber am Wochenende oder außerhalb von regulären Sprechzeiten trotzdem ärztliche Beratung oder eine medizinische Behandlung benötigen, dann ist der kassenärztliche Bereitschaftsdienst, zu erreichen unter der kostenfreien Telefonnummer 116 117, der richtige Ansprechpartner. r, kcg

ZAHLEN & FAKTEN

Die Integrierte Regionalleitstelle (IRLS) Schaumburg/Nienburg ist 2013 durch die Zusammenlegung der Rettungsleitstellen Nienburg und Schaumburg entstanden. Rund um die Uhr sind jeweils drei Mitarbeiter im Einsatz, insgesamt gehören 21 Disponenten zum Team. Sie nehmen Notrufe von insgesamt 275 000 Bürgern entgegen und koordinieren die Einsätze auf einem mehr als 2000 Quadratkilometer großen Gebiet. r

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