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In vollem Tempo den Hang runter

Thema des Tages In vollem Tempo den Hang runter

Sie rasen mit atemberaubender Geschwindigkeit die steilsten Hänge runter und fliegen teilweise meterweit durch die Luft – und das alles auf einem Fahrrad. Downhill nennt sich der Sport. Inzwischen gibt es im Deister offizielle Strecken – der Landkreis Hameln-Pyrmont ist dagegen noch eine weiße Landkarte. Dabei hätte der Extremsport touristisches Potenzial.

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„Ein Sprung ins kalte Wasser“

Waghalsige Sprünge gehören im Ithkopfpark in Coppenbrügge dazu. Immer dabei ist die nötige Schutzausrüstung, damit sich die Fahrer auf der Strecke nicht verletzen. Ein richtiger Downhill-Parcours ist es aber dennoch nicht.

Quelle: gök

Weserbergland. An sich ist das kanadische Whistler das Zentrum einer großen Skiregion. Sobald der Schnee im Frühjahr schmilzt und Skifahrer und Snowboarder ihr Material einmotten, übernehmen Mountainbiker das Terrain. 50 Trails mit insgesamt über 200 Kilometern Länge können in dem Gebiet befahren werden. Für jeden ist etwas dabei, vom Anfänger bis zum Profi finden alle die passende Strecke.
 Nun ist das Weserbergland vielleicht kein ausgewiesenes Skigebiet, wie die Region im westlichen Kanada, aber Potenzial für Mountainbiker habe die Region auf jeden Fall, betont ein Mitarbeiter eines in Hameln ansässigen Fahrradladens. Nur werde das Potenzial nicht genutzt, erklärt der passionierte Mountainbiker. Auf die Frage, ob es im Landkreis Hameln-Pyrmont überhaupt Downhill-Strecken gebe, kommt die Antwort prompt. Richtig Downhill sei in Hameln und der näheren Umgebung nicht möglich. Am ehesten sei noch der Ithkopfpark in Coppenbrügge zu nennen.
 Dort hat ein Team von jungen Mountainbikern einen Downhillparcours in einer ehemaligen Kiesgrube hergerichtet. Die Idee zu der Mountainbike-Strecke hatte Lars Eickstädt, der hauptberuflich im Coppenbrügger Rathaus arbeitet und in seiner Freizeit viel auf dem Mountainbike unterwegs ist. Der Single-Trail rund um den Ithkopfpark besteht schon länger. Die Downhill-Strecke geht davon ab und ist gerade auf den ersten Metern sehr steil, was aber auch den gewünschten Schwung für hohe Sprünge gibt. Ebenso ist eine Erweiterung der Strecke denkbar, dafür wäre aber noch viel Erde notwendig, um entsprechende Hügel aufzuwerfen. Im hinteren Bereich soll dann ein „Pump-Track“ entstehen, in dem man nur mit dem eigenen Schwung fahren kann. Mit dem Parcours sei eine Attraktion entstanden, die in der Region ihresgleichen suche, unterstreichen die Initiatoren die Bedeutung des Parcours.
 Mountainbikern wird somit in Coppenbrügge ein breites Programm geboten. Echtes Downhill-Feeling würde aber auch dort nur ansatzweise aufkommen, meint der Hamelner Fahrradexperte. Noch näher kommt man dem Abfahrtssport auf zwei Rädern in der Umgebung nur im Deister, wo es offizielle Downhill-Strecken gebe, wie der Moutainbiker berichtet. Verantwortlich dafür zeichnen die Deisterfreunde, ein eingetragener Verein aus begeisterten Anhängern des Downhill-Sports, die ihren Sport nicht länger im Verborgenen ausüben wollten. Für die Legalisierung der Strecken hätten die Deisterfreunde, die die Abfahrten auch betreiben, aber auch lange kämpfen müssen. Nach jahrelangen Gesprächen mit Stadtverwaltungen, Förstern und weiteren Akteuren, war es ihnen gelungen, insgesamt drei Strecken zugeteilt zu bekommen – offiziell ausgewiesen und ganz legal. Auf Strecken bei Springe, Wennigsen und Barsinghausen können sich die Hobby-Sportler nun dem Downhill widmen, ohne Angst haben zu müssen, dass ihnen jemand in die Quere kommt oder sie anderweitig an der Ausübung ihres Sports gehindert werden. Gleichzeitig müssten die Downhiller nun beweisen, dass sie mit ihrem Sport verantwortungsvoll umgehen können, sich auf die ausgewiesenen Strecken beschränken und die zahlreichen wilden Strecken links liegen lassen. Viele Downhiller denken aber noch weiter und sähen es gerne, wenn das Sport-Potenzial des Deisters so genutzt würde, dass ein neuer Fahrradtourismus entstünde, an dem sich sogar Geld verdienen ließe. An dem Punkt sei wieder an Whistler erinnert, das neben Skifahrern jährlich auch Tausende Mountainbiker anzieht, die für die offiziellen Strecken zahlen, in Hotels übernachten und auch anderweitig für Umsatz in der Region sorgen. Umsatz, den der Landkreis Hameln-Pyrmont unter Umständen auch machen könnte, wenn er offizielle Strecken für Downhiller auswiese.
  Es gibt jedoch ein Problem. Das Terrain, das die Downhiller benötigen, nämlich den Wald, beanspruchen auch andere Gruppen für sich – speziell Wanderer und Jäger. Erstere suchen im Wald Ruhe und Entspannung, Letztere zahlen dafür, dass sie im Wald auf die Jagd gehen dürfen. Zwischen den beiden Gruppen und den Downhillern gibt es bis heute Konflikte. Das ist ein Grund dafür, dass viele der Strecken, die die Mountainbiker für sich erschlossen haben, illegal sind. Deshalb kann auch niemand mit Sicherheit sagen, wie viele solcher Strecken existieren. Im Deister soll es angeblich bis zu 25 dieser zwischen zwei und dreieinhalb Kilometer langen Biker-Parcours geben. In Hameln und Umgebung sieht es bestimmt ähnlich aus, verlässliche Zahlen gibt es hier jedoch ebenfalls nicht. Auch wenn Mountainbikern das Befahren von Waldwegen grundsätzlich erlaubt ist, findet nicht jeder Wanderer ihre Präsenz gut. In Raststationen fallen regelmäßig harte Worte gegenüber den „Rowdys“. Während Wanderer früher unumstrittene Herren der Waldwege waren, machen ihnen nun die immer zahlreicher vertretenen Mountainbiker diesen Rang streitig.
 Nach Angaben von zwei jugendlichen Downhiller aus Rinteln hätten unbekannte sogar Nagelbretter ausgelegt – wohl in der Hoffnung, dass die Biker darüber fahren und sich die Reifen aufschlitzen. Heiko Groll, der als Forstbeamter der Landesforsten Niedersachsen zuständig ist für die örtlichen Wälder, sei nicht zu Ohren gekommen, dass irgendjemand Nagelbretter in oder um Rinteln ausgelegt habe. Aber wenn, dann seien das wohl Wanderer gewesen, die die Mountainbiker aus den Wäldern vertreiben wollen, meint Groll. Generell sei die Verärgerung unter den Wanderern groß. Sie fühlen sich von den oft rasant und immer wieder rücksichtslos herunterbretternden Radfahrern bedroht. Zu schweren Unfällen sei es seines Wissens nach in Rinteln zum Glück nicht gekommen, auch aus der Region um Hameln sei nichts Entsprechendes bekannt. Solange es jedoch keine offiziell ausgewiesenen Strecken für Downhiller gibt, fährt der Konflikt immer weiter mit .

Auf die Ausrüstung kommt es an

Möchte man Downhill vernünftig betreiben, ist es mit einem einfachen Fahrrad nicht getan. Ein entsprechendes Mountainbike, das speziell für die Anforderungen beim Downhill ausgerüstet ist, kostet ab 1500 Euro aufwärts. Nach oben hin sind den Kosten dabei keine Grenzen gesetzt. Das Fahhrad ist dann allerdings auch so speziell, dass damit nichts anderes möglich ist als Downhill zu fahren. Neben dem Mountainbike sind weitere Ausrüstungsgegenstände zwingend notwendig. Protektoren für den Rücken, Handschuhe, Schuhe, Knie- und Schienbeinschoner und sogenannte „Neck braces“, eine Nackenstütze, die bei Stürzen das Genick schützt. Alles in allem muss man so für eine Downhill-Ausrüstung bis zu 3000 Euro auf den Tisch legen. Angesichts der Gefahren, denen sich die Fahrer beim Downhill aussetzen, ist eine professionelle Ausrüstung auf jeden Fall erforderlich. cbo

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