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Jede Stimme zählt

Thema des Tages Jede Stimme zählt

Das Blasorchester des Turn- und Sportvereins (TSV) Krainhagen bringt Laienmusiker von null auf Konzertniveau. Ob „British Weekend“ oder Konzerte im Bergwerk Kleinenbremen, die Laienmusiker haben schon an vielen verschiedenen Orten musikalische Akzente gesetzt. Wie die Proben ablaufen, haben die SN unter anderem im Gespräch mit Ableitungsleiterin Anja Boehme erfahren: Ein Blick hinter die Kulissen der aktuell 50 Stamm-Musiker zählenden Gruppe.

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Quelle: geb

Krainhagen. In diesem Blasorchester wird das „O“ großgeschrieben. Keine bierseeligen „Rumtata“-Klischees, kein Einmarsch ins Schützenzelt. Stattdessen orientiert sich das Blasorchester des Turn- und Sportvereins (TSV) an so etablierten Traditionen, wie der der britischen „Proms“ und spielt immer konzertant im Sitzen.

Die Londoner Sommerkonzertreihe mit Werken der Klassik in zwangloser Atmosphäre gehen auf die Promenadenkonzerte des 18. Jahrhunderts zurück. So interpretieren auch die Krainhäger Werke aus Operetten, Klassiker wie Carmina Burana oder Musicalnummern um das Publikum danach mit Songs der Rockband „Queen“ zu überraschen.

Musikalische Akzente für ein anspruchsvolles Publikum

Mit den „Schaumburg Proms“ setzen die Laienmusiker in diesem Sommer ihre eigenen musikalischen Akzente für ein anspruchsvolleres Publikum. Vom erfolgreichen Auftakt beim „British Weekend“ im Juni in Remeringhausen sind sie immer noch ganz erfüllt. 5000 mal riefen Facebook-Nutzer danach das Video mit der Darbietung von „Danny-Boy“ auf.

„Am Schluss standen alle. Wir haben 200 Leute zum Tanzen gebracht“, erinnert sich TSV-Abteilungsleiterin Anja Boehme. „Das Beste, was ich je erlebt haben“, meinte eine Saxofonistin mit zwei Jahren Orchestererfahrung.
„Acht Schaumburger Bürgermeister und Abgeordnete aus Parlamenten standen uns mit offenem Mund gegenüber“, so Boehme.

Es sind besondere Konzerte an besonderen Orten, wie im Bergwerk in Kleinbremen und auf der Seebühne im Steinhuder Meer bei Sonnuntergang, oft mit Begleitung einer Solistin. „Bei unseren Auftritten merken die Zuschauer oft gar nicht, was mit ihnen passiert“, beobachte Boehme.

"Best Ager" im Fokus

Irgendwo zwischen Wiener Neujahrskonzert und NDR-Programm siedelt Dirigent Roman Reckling den Stil seines Ensembles an. Die junge Generation spricht das Orchester mit Filmmusik an. „Ein Pastor in Krainhagen hatte seinen Konfirmanden einen Stempel für den Konzertbesuch als Alternative zum Pflichtgottesdienst versprochen. „Zwei 14 Jahre alten Mädels kamen, waren total begeistert und haben das Konzert gleich mit ihren Smartphones gefilmt“, so Reckling.
Die Jugendarbeit ist bei der Nachwuchswerbung zwar ein Faktor, aber im Fokus des BOK stehen die „Best Ager“: „Gesetzte, im Job etablierte Menschen, die vielleicht schon ein eigenes Haus haben, das ist unsere Zielgruppe“, meint Reckling.

Mit 23 Erwachsenen ohne Vorkenntnisse hat Marion Lochner-Müller die Ausbildung der letzten Bläsergruppe im Mai gestartet. 14 sind in den letzten drei Jahren geblieben, ein Volumen von über 60 Musikern strebt das Orchester an.

„Es kommen immer wieder neugierige Musiker aus dem ganzen Landkreis zu uns“, so Reckling. Von dem aktuellen Stamm von 50 Orchestermitgliedern sind auch mal nur 35 auf der Bühne vertreten.
Ihr Dirigent holt jeden da ab, wo er steht. „Das Wichtigste ist, dass die Leute Spaß beim Konzert haben, auch wenn sie vielleicht nur drei Stücke am Abend mitspielen. Jede Stimme zählt“, meint Reckling.

Der Zwei-Meter-Mann will seinen Musikern zumindest auf der sprichwörtlichen Augenhöhe begegnen und dirigiert ungern vom Podest.
Seine handfeste Mentalität hat der zweifache Vater aus Hagenburg vom Musikcorps der Bundeswehr mitgebracht. Der 32 Jahre alte Fachdienst-Offizier im Rang eines Leutnants ist Koordinator des Corps im In- und Ausland. Schon sein Großvater war Kontrabassist beim NDR, sein Vater auch Teil des Musikcorps und die Mutter führte einen Musikladen.

Den Solisten nie den eigenen Willen aufzwingen, immer Teamplayer bleiben - „Wir spielen zusammen und wir schleppen zusammen“ ist die Formel seines uneitlen Führungsstils.
Für manche meiner Methoden würde mich das Orchester am liebsten steinigen“, glaubt Reckling, seine Truppe aber scheint bei den Proben nicht allzu viel Grund zur Klage zu haben.

Hier läuft Reckling zu fast kabarettistischer Form auf, um seine Mannschaft zu motivieren. „Dieser James Bond ist 20 Jahre älter und hat einen Bauch. Der jagt Dr. No garantiert nicht mehr“, sagt er zu einem etwas zu schwerfällig angespielten Thema aus der bekannten Filmreihe. „Das war chromatisch saugeil“ entfährt es dem Dirigenten aber auch beim nächsten Stück.

Whisky- und Teatasting zum Einstimmen

Dabei bleibt er immer stilecht, vom Anzug mit Einstecktuch und militärischem Haarschnitt bis hin zur Atmosphäre und kreativer Haltung. Auf das „British Weekend“ stimmte er seine Musiker mit einem adäquaten Whisky- respektive Tea-Tasting ein. „Ein Teil unserer Seele“ nennt ihn sein Ensemble.

Im Oktober wird sich das Publikum der Bundeshauptstadt von der musikalischen Magie der Schaumburger überzeugen können: Das BOK spielt auf Vermittlung des Bundestagsabgeordneten Maik Beermann in der niedersächsischen Landesvertretung in Berlin beim Tag der offenen Tür. geb

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