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Jenseits des Vorhangs

Thema des Tages Jenseits des Vorhangs

Drei Lastwagen, 80 Menschen und jede Menge Lampenfieber hat Hameln mit dem Musical Friedrich importiert. Kurz vor dem großen Auftritt sind die Nerven gespannt wie Drahtseile. Ein Blick hinter die Kulissen…

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Bevor es losgeht: Lisa Eisenberger (22) nimmt die Maske selbst in die Hand. Das Lampenfieber abgeschüttelt hat sie beim „Schnecken“, dem Eindrehen der Haare, um sie unter der Perücke zu verstecken.

Quelle: nin

Von Nina Reckemeyer

Es ist eng, hitzig und hektisch. Kurz vor der Premiere herrscht in den Fluren deutlich erhöhte Temperatur. „Braucht ihr den?“ Ein Garderobenständer versperrt den Fluchtweg. Der technische Leiter hat die Verantwortung für den Brandschutz hinter den Kulissen von „Friedrich, das Musical“ im Theater Hameln (s. Seite 34). In einer halben Stunde kommt „der oberste Feuerwehrmann“, und wenn der seinen kritischen Blick durch die Gänge schickt, muss alles nach Vorschrift sein. „Ja, die müssen sich ja irgendwo umziehen“, sagt Nina Linberg. Ninas Job ist die Kostümassistenz. Letztes Jahr beim Musical „Die Päpstin“ war sie Dresser, bei Friedrich hat sie die Chefposition und damit auch die Verantwortung. „Dadurch ist alles wuseliger.“ Ein neuer Platz für den Ständer muss gefunden werden: Stühle rücken, Regale schieben. Tobias Bieri, der junge Friedrich, saust am Ständer vorbei. „Nina, ich habe meinen Mikrofon-Gürtel im Hotel vergessen.“ Er wird einen neuen bekommen. Nina kümmert sich drum.

 „Weißt du, was uns noch fehlt? Diese langen Feuerzeuge.“ Michaela Dicu ist die Hektik anzusehen. Die Regieassistentin gibt die „Cues“, wann was startet, wer wann wo sein muss. Neben den Feuerzeugen vermisst die verkabelte Frau vor allem aber einen. „Wo ist Chris?“ Eine knappe halbe Stunde bevor der Vorhang hochgeht, fehlt vom Hauptdarsteller noch jede Spur. Spotlight-Produzent Peter Scholz greift zum Handy. „Ich wollte nur fragen, ob du schon im Theater bist oder nicht?“ Chris kommt. Aufatmen bei Michaela. Inzwischen hat der Garderobenständer einen neuen Platz gefunden, aber Peter hängt mit einer Hand schon wieder am Smartphone, um noch kurz etwas zu regeln.

 Während auf den Fluren noch etliche Details zurechtgezuckelt werden, wird aus Dietmar Ziegler in der Maske Graf von Seckendorff. Dietmar hat schon über 1300 Vorstellungen gespielt, die Nervosität bleibt. „Das ist auch gut, das ist der Motor, um auf die Bühne zu gehen.“ Lisa Eisenberger schminkt sich selbst. Sie gehört zum Extra-Ensemble, „die, die noch einen anderen Job haben“, scherzt Peter. Die 22-jährige Berlinerin erlebt in Hameln zwar einen kleinen Kulturschock, aber sie mag auch die Weite, in die sie guckt, wenn sie in ihrem Hamelner Hotelzimmer aus dem Fenster sieht. „Das ist Erholung fürs Auge.“

 Chris Murray macht nicht den Eindruck, als würde er sich von Friedrich erholen müssen. Dafür ist sein Leben viel zu sehr Theater. Seine Stimme ist tief, sein Lachen laut und seine Mimik stark. Wie auf der Bühne. Nervös ist er überhaupt nicht. „Ich mache mein Ding“, das ist das Beste, hat er schon lange gemerkt. Er war schon mit der „Rocky Horror Picture Show“ in Hameln und mag besonders den Platz in der Innenstadt, „den vor dem Museum, mit dem schönen Fachwerkhaus links“. Dort hat er gesessen und gegessen, bevor er herkam. Für ihn ist Hameln zwar schon am „Arsch der Welt“. „Das ist aber ein schöner Arsch der Welt hier“, findet Chris. Neben einer Weste mit dem Geist aus Aladins Flasche trägt er eine bunt bemalte Jeans. „Das haben meine Kinder gemacht. Da sind auch Schutz-Pokemons drauf. Die sollen mich beschützen.“ Die Jeans tauscht er gegen eine glänzende schwarze Stoffhose. Die Ringel-Zehensocken weichen den ledernen Kniestiefeln. Als Chris auf die Bühne entschwindet, ist jeder der 80 Köpfe auf seiner Position. Licht an, Vorhang auf, Friedrich raus. Nach der ersten Szene kommt er hinter den Kulissen hervor. Noch was vergessen. Chris ist eben immer für eine Überraschung gut…

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