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Jetzt sind sie wieder unterwegs

Die Motorrad-Saison beginnt Jetzt sind sie wieder unterwegs

Die Sonne lacht – da zieht es viele Motorradfahrer auf die Straße. Ohne Vorbereitung aufs Bike springen und Gas geben, ist aber gefährlich. Deshalb rät der ADAC zu einer ruhigen Vorbereitungsphase. Auch wenn der Gaul mit einem durchgehen will. Oder gerade deshalb.

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Mit den wärmeren Temperaturen beginnt wieder die Motorrad-Saison.

Quelle: dpa

Thema des Tages. Von Fabian Hoberg

Nach einer halben Stunde schmerzt der Rücken, die Handgelenke werden langsam taub, und der Kopf brummt. Motorradfahren ist Sport. Wer sich vor dem Saisonstart nicht vorbereitet, wird schon nach wenigen Kilometern spüren, dass er untrainiert ist. „Bei den ersten Ausfahrten sollte man besonders vorsichtig sein“, warnt Wolfgang Müller, Verkehrsexperte beim ADAC Niedersachsen in Laatzen – und selbst Motorradfahrer.

„Endlich geht es wieder los“, strahlt ein Biker in Lederkluft und freut sich auf seinen Bock, das schöne Frühlingswetter und die erste Tour in „seinem“ Weserbergland. Mit den warmen Temperaturen machen sich die Motorradfahrer bereit für ihre Saison. „Traditionell sind vor allem die Strecken im Weserbergland und im Harz mit ihren vielen Kurven beliebt“, sagt Müller. Besonders an den Wochenenden komme es dort immer wieder zu schweren Unglücken. „Zur Abwendung derartiger Unfälle brauchen wir bauliche Maßnahmen, wie etwa Schutzplanken mit Unterfahrschutz“, fordert der Experte. Sie sollen verhindern, dass sich gestürzte Fahrer an den Stützpfeilern lebensgefährlich verletzen.

Ein Sicherheitstraining wird empfohlen

Aber die Fahrer müssten sich nach den Wintermonaten auch erst wieder an ihre Zweiräder gewöhnen, betont er mit Blick auf das Wochenende, an dem Temperaturen von mehr als 20 Grad erwartet werden. „Gerade zum Saisonbeginn sollten Motorradfahrer ein Sicherheitstraining absolvieren“, mahnt der Experte. Unfallursache sei auch in Verbindung mit der extremen Leistungsstärke der modernen Maschinen oft Selbstüberschätzung der Fahrer.

Experten raten vor der ersten Fahrt zu gezieltem Training. Ganz gleich, ob es mit schleifendem Knie über die Rennstrecke geht oder sonntags im Schleichtempo zum nächsten Ausflugslokal: Motorradfahren will geübt sein. Denn dabei reagiert der Körper wie beim Hochleistungssport: Blutdruck, Herzfrequenz und Körpertemperatur steigen. Am Helm zerrt der Wind, drückt auf Nacken und Schulter, die linke Hand greift ständig am Kupplungshebel, die rechte dreht sich mit dem Gasgriff. „Wer nicht im Herbst und Winter Sport in seinen Alltag integriert hat, wird bei der ersten Fahrt schnell überfordert“, sagt Diana Sprung vom ADAC. „Der alljährliche Start in die Motorradsaison ist, wenn auch verkürzt, mit den ersten Fahranfängen vergleichbar.“ Sie rät: Etwas Zeit nehmen, um wieder zu lernen.

Spezielles Training ist wichtig

Der ADAC empfiehlt zum Beispiel ein ausgewogenes Cardio-Training im Fitnessstudio oder beim Joggen. Auch Nacken, Schulter, Hüfte und Oberschenkel sollten durch Krafttraining gestärkt werden. Empfehlenswert: ein kombiniertes Kraft- und Ausdauertraining, zum Beispiel ein Zirkeltraining. Mountainbiker, Skifahrer, Schlittschuhläufer und Jogger trainieren automatisch die fürs Biken wichtige Muskulatur. Und nicht nur die, sondern auch den wichtigen Gleichgewichtssinn. Spezielles Unterarmtraining und Handtraining kräftigen die nötigen Muskeln und Bewegungsabläufe fürs Kuppeln, Bremsen und Gasgeben.

Jürgen Bente vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR): „Bei vier Monaten Pause ist es wie bei anderen Sportarten: Man kann nicht erwarten, dass der Fahrer sofort alle Bewegungsabläufe drin hat und wieder topfit ist.“ Der DVR, ACE, ADAC, Dekra und andere Clubs bieten Kurse vom Basis- bis Perfektionstraining an. Hilfreich zum Start in die Saison seien aber auch Fahrübungen auf einem Parkplatz. „Im Endeffekt profitieren alle Verkehrsteilnehmer davon“, sagt Bente.

Lieber früher bremsen, als einen Meter zu spät

Biker, die im Winter hauptsächlich im Auto saßen, müssen wieder daran denken, dass sie auf dem Zweirad keine Knautschzone haben. Deshalb rät Bente zu einem früheren Bremsen: „Lieber fünf Meter zu früh bremsen als einen Meter zu spät.“ Auch Autofahrer gewöhnen sich erst wieder langsam an die Zweiradfahrer, ihre Beschleunigungskraft und ihre schmale Silhouette. Dagegen helfen zumindest optisch auffällige und kontrastreiche Bekleidung mit Leuchtstreifen.

Während der ersten Touren sollten es die Fahrer nicht übertreiben: Bei kurzen und weniger anspruchsvollen Strecken kommt der Biker leichter ins flüssige Fahren. „Ein behutsames Herantasten an Schräglagen ist hilfreich, das über den Winter verblasste Gefühl dafür wieder aufzufrischen.“ Nach rund einer Stunde Fahrt halten zehnminütige Pausen mit ein paar Gymnastikübungen die Gelenke geschmeidig und fördern gleichzeitig die Konzentration. Bei Touren an kühlen Frühlingstagen schützen Thermounterwäsche, dicke Socken und Innenhandschuhe vor Kälte – und Konzentrationsverlust. Denn Kälte und Wind zehren an der Kondition. Für die Koordinationsfähigkeit beim Motorradfahren seien deshalb warme Gliedmaßen wichtig.

Ausrüstung imprägnieren

Wurde die Schutzausrüstung nicht am Ende der vergangenen Saison gereinigt, sollte das spätestens jetzt geschehen. Bei den meisten Motorradkombis lässt sich das Futter herausnehmen. Die Oberfläche wird mit mildem und speziellem Shampoo gewaschen, rät Michael Lenzen vom Bundesverband der Motorradfahrer. Das Innenfutter kommt in der Waschmaschine. Anschließend wird die Kombi imprägniert – das schützt vor Regen und Kälte. Ganz wichtig: der Helm. Das Visier muss sauber und kratzfrei sein. Lässt es sich nicht mehr reinigen, gehört es ausgetauscht. Mit geeignetem Fett wird die Visier-Mechanik wieder leichtgängig. Wenn ein Helm bei einem Unfall getragen wurde, sollte er – unabhängig von dem äußeren Zustand – ersetzt werden. Auch wenn Motorradhelme kein Verfallsdatum haben: Spätestens nach acht bis zehn Jahren sollte ein neuer Helm den Kopf zieren. Sicher ist sicher. Nicht nur am Anfang der Saison.

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