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Klappbett statt Hotelzimmer

Thema des Tages Klappbett statt Hotelzimmer

Lieber privat für wenig Geld irgendwo unterkommen als in einem Hotel? Für viele Reisende ist das eine attraktive Option. Auf der Online-Plattform „Airbnb“ (Airbed and Breakfast) lassen sich die entsprechenden Angebote finden. Auch für Rinteln. Ist das eine ernsthafte Konkurrenz für die heimischen Hoteliers?

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Quelle: dpa

Es soll ein vollkommen anderes Gefühl sein, als im Hotel zu schlafen. Die Gäste sollen neue Leute kennenlernen, den Urlaubsort authentisch erleben, Eindrücke abseits des typischen Touristenangebots sammeln. Wer über die Onlineplattform „Airbnb“ ein Zimmer bucht, checkt nicht in ein Hotelzimmer, sondern in ein Privatzimmer ein – und ins Privatleben des Vermieters.
Im Oktober 2007 hatten Joe Gebbia, Brian Chesky und Nathan Blecharczyk in San Francisco die Idee zum Buchungsportal der anderen Art. Da sie Geld brauchten, inserierten sie kurzerhand Schlafplätze in ihrer Wohnung, pumpten drei Luftbetten auf und vermieteten sie für ein paar Nächte an vollkommen Fremde. Ihre Idee zu „Airbed and Breakfast“ (Luftbett und Frühstück) – kurz Airbnb – war geboren. Mittlerweile sind auf der Plattform weltweit mehr als zwei Millionen Unterkünfte gelistet. Fünf Angebote gibt es allein in und um Stadthagen. Und in Rinteln kann man in sechs Wohnungen übernachten.

Vom kleinen Zimmer bis
zum ganzen Apartment

Nur eine der sechs in Rinteln angebotenen Airbnb-Unterkünfte liegt in der Innenstadt, inmitten der Altstadt, eine weitere befindet sich am Stadtrand, die übrigen vier verteilen sich auf die Ortsteile Exten, Krankenhagen, Ahe und Schaumburg. „Gemütlich“, „freundlich“, „ruhig“, „traumhaft gelegen“ sind die Eigenschaften, mit denen die meisten Unterkünfte beschrieben werden. Aus der Reihe tanzt das Angebot aus Schaumburg: Dort wirbt Elke Michel mit dem Slogan „Anders leben mit Kunst“. Bei ihr sind die Gäste nicht nur von Elke Michels eigener Kunst umgeben, sondern sollen selbst Gelegenheit haben, sich künstlerisch zu entfalten.

Die Angebote reichen von kleinen Zimmern – in einer dauerhaft bewohnten Privatwohnung – bis hin zu ganzen Apartments, in denen die Besucher unter sich bleiben. In Rinteln überwiegen mit fünf von sechs Angeboten klar die Apartments.
Der Preis pro Übernachtung schwankt zwischen 25 Euro und 90 Euro für eine Nacht. Teilweise ist ein „Mindestaufenthalt“ von mehreren Tagen Bedingung für eine Vermietung, teilweise kommen noch Reinigungsgebühren hinzu oder eine Kaution muss hinterlegt werden. Zum Vergleich: Rinteln hat neun Hotels vorzuweisen. Eine Übernachtung kostet zwischen 34 und 195 Euro.
 So beliebt Airbnb – zumeist bei jungen Leuten – mittlerweile ist: Es wird auch immer mal wieder Kritik laut. In beliebten Vierteln mancher Städte – allen voran Berlin – verderbe Airbnb die Preise, heißt es. Vermieter würden zudem lieber an Touristen vermieten, statt dauerhafte Bewohner einziehen zu lassen. Zudem grabe das Buchungsportal der Hotelbranche die Gäste ab. Ist da – auch abseits von Berlin – etwas dran? Sind Privatleute, die ihren überschüssigen Wohnraum vermieten, eine ernsthafte Konkurrenz?

„Jede Art von Konkurrenz schwächt natürlich die anderen“, sagt Klaus Pittack, Vorsitzender des Kreisverbands Schaumburg im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) und Inhaber des Parkhotels Bad Nenndorf. „Aber wir sind froh über jeden Gast, der nach Schaumburg kommt.“ Pittack hat den Eindruck, dass Airbnb nur einen „gewissen Kundenkreis“ anspricht, einen, „der nicht viel Geld ausgeben will“. Angebote wie Airbnb seien für manche vor allem in Großstädten attraktiv, die ein viel größeres Abendprogramm und Nachtleben im Angebot hätten als das ländliche Schaumburg. Sich dort via Airbnb für eine Nacht günstig in einem Privatzimmer einzuquartieren, sei durchaus nachvollziehbar.

Außerdem seien Reisende, die sich eine Privatunterkunft suchen, für die heimische Gastronomie deshalb noch nicht verloren. „Dann isst der Gast abends eben in einem der Schaumburger Lokale“, führt Pittack aus. „Und in der Gastronomie sind wir im Vergleich zu anderen Landkreisen noch sehr gut aufgestellt.“

Internet-Plattform wird in Deutschland beliebter

Zumal das Konzept von Airbnb nicht neu sei. „Was insbesondere in Hannover früher die sogenannten Messe-Muttis waren, ist heute Airbed and Breakfast“, meint Pittack. Als 1947 in Hannover die erste Messe stattfand, habe es kaum Hotels gegeben, „da wurden Keller, Schlafzimmer und Stuben vermietet“, erzählt er. „Dann gab es wieder mehr Hotels und diese Nische schlief etwas ein – und jetzt wird sie wieder größer.“

Etwa 60 Millionen Menschen haben weltweit bereits über Airbnb gebucht. Die Erträge des Unternehmens werden auf 900 Millionen Dollar (für 2015) geschätzt. Airbnb wird auch in Deutschland immer beliebter. „Im Bereich Hannover hat man inzwischen besorgniserregende Zahlen. Fünf Prozent der Gesamtübernachtungen laufen bereits über Airbnb oder ähnliche Portale“, sagt Gabriele Güse, Vorsitzende des Dehoga-Bezirks Hannover und Inhaberin des Hotels Stadt Hameln. Das mache 226.000 Übernachtungen aus. Die Hotelchefin warnt: „Sollten sich die privaten Übernachtungen weiterhin so entwickeln, wird das mit Sicherheit auch Arbeitsplätze kosten.“

Ihre Branche – Hotellerie und die damit verbundene Gastronomie – stelle einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. „Über eventuell entgangene Steuern, Sozialversicherungsabgaben und Mindestlöhne möchte ich nicht spekulieren.“ Grundsätzlich, sagt Güse, sei alles erlaubt – wenn die gleichen Voraussetzungen gelten würden.
Airbnb-Kunden dürften die Bedenken aus der Hotelbranche jedoch kaum von ihrer nächsten Buchung abhalten.  pk, sak

Berlin: Verbot gegen die Wohnungsnot

Im Urlaub wohnen wie Einheimische - das ist vielen Touristen lieber als ein steriles Hotel. Doch damit dürfte es bald vorbei sein: Ferienwohnungen sind in Berlin ab sofort verboten, um den engen Wohnungsmarkt zu entspannen.

  •  Was genau ist in Berlin untersagt?

Das Gesetz verbietet Wohnungsleerstand, Abriss, die Umwandlung von Wohnungen in Büro- oder Gewerberäume und die Nutzung als Ferienwohnung. Nur ein Zimmer der selbst bewohnten Wohnung zu vermieten, ist aber erlaubt. Touristen können sich also weiter eine Bleibe über Airbnb suchen – dürften dann aber keine Ferienwohnungen mehr finden, sondern einzelne Zimmer mit geteilter Küche und Bad.

  • Sind Ferienwohnungen wirklich so ein Problem?

Wie viele es in Berlin gibt, weiß man nicht. Der Senat geht von bis zu 10 000 Wohnungen aus, die bei Plattformen wie Airbnb registriert sind. Das wären fast so viele wie in ganz Berlin pro Jahr gebaut werden – Wohnraum für 20 000 Menschen. Offiziell gemeldet sind bisher 6300 Ferienwohnungen.

  • Löst das Verbot den

Wohnungs-Engpass?
Allein auf keinen Fall. Denn die Ferienwohnungen machen nicht einmal ein Prozent des Berliner Mietwohnungsmarkts aus. Doch es könnte ein wenig helfen: Schon bevor das Gesetz richtig greift, sind aus rund 1000 Ferienwohnungen normale Mietwohnungen geworden.

  •  Wie wehren sich Vermieter, Airbnb, Wimdu und Co?

Airbnb-Manager wollten im März mit der Berliner Landesregierung über eine Lockerung verhandeln – jedoch ohne Erfolg. Es gebe keine Ausnahmen, hieß es danach. Jetzt zieht das Vermittlungsportal Wimdu zusammen mit rund 60 Vermietern vor Gericht. Sie sehen Eingriffe in die Eigentumsfreiheit und die Freiheit der Berufswahl. Denn zahlreiche kommerzielle Anbieter fürchten um ihre Existenz. „Wir verlieren unser wirtschaftliches Standbein“, sagt Ferienwohnungsvermieter Stephan La Barré.  dpa

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