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Landkreis / Kaufkraft Kräftig kaufen

Wie viel Geld haben die Schaumburger für den Einkauf im Einzelhandel übrig? Kaufen sie in ihrem Wohnort ein, oder bevorzugen sie die Läden in der Nachbarstadt? Wie attraktiv sind die Kommunen im Landkreis als Einzelhandelsstandorte? Antwort auf diese Fragen gibt ein Gutachten, in dem Hunderte Kennzahlen für den Einzelhandel im Landkreis gesammelt sind.

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Mit Lebensmitteln und anderen Waren des periodischen Bedarfs sind die Schaumburger gut versorgt. Auch die Grundzentren kommen ihrer Versorgungsfunktion nach.

Quelle: pr.

Der Titel der Arbeit klingt sperrig und staubtrocken: „Konsensprojekt großflächiger Einzelhandel“ steht in großen Lettern auf dem Cover des mehr als 50 Seiten starken Heftes. Die Aussagen in der Studie, in Auftrag gegeben vom Netzwerk Erweiterter Wirtschaftsraum Hannover (EWH), sind jedoch alles andere als banal, sondern lebendig und hochinteressant. Schließlich sind im Gutachten der Lübecker Agentur „Cima“ Hunderte Kennzahlen für den Einzelhandel in den Landkreisen und Städten im Hannoverschen Umland gesammelt.
Die in der Studie beschriebenen Daten aus dem Jahr 2011 geben Auskunft über die Attraktivität der Schaumburger Kommunen als Einzelhandelsstandorte, darüber, wie viel Geld die Einwohner für den Einkauf ausgeben und ob sie das in ihrem Wohnort tun oder nicht. Die wichtigsten Ergebnisse für Schaumburg: Im Landkreis liegt die Einzelhandelszentralität bei 95 Prozent, die Kaufkraftab- und -zuflüsse halten sich die Waage. Die Nahversorgung ist sichergestellt. Stadthagen ist im polyzentrisch strukturierten Kreis mit seinen vier Mittelzentren bedeutender Einzelhandelsschwerpunkt. In der Kreisstadt liegt die Einzelhandelszentralität insgesamt bei 152 Prozent und die Kaufkraftkennziffer bei 95,8 Prozent.
Kaufkraftkennziffer? Einzelhandelszentralität? Beides sind Begriffe, die sich den meisten Lesern nicht auf den ersten Blick erschließen. Also nochmal langsam: Mit dem Begriff Kaufkraft wird das für Konsumzwecke verfügbare Einkommen bezeichnet, also der Anteil des Einkommens, der übrig bleibt, nachdem alle regelmäßig wiederkehrenden Fixkosten wie Miete und Stromkosten abgezogen wurden. Die einzelhandelsrelevante Kaufkraft bezieht sich auf die Geldsumme, die die Menschen für Waren des Einzelhandels ausgeben.
Die Kaufkraft unterliegt dabei regionalen Schwankungen und ist nicht allein an die Höhe des Einkommens gekoppelt. Die Kaufkraftkennziffer soll dem Rechnung tragen und gibt das Kaufkraftniveau einer Region pro Einwohner im Vergleich zum nationalen Durchschnitt an. Das heißt: Wo der Durchschnitts-Deutsche 100 Euro im Einzelhandel ausgeben kann, hat der durchschnittliche Stadthäger 95,8 Euro zu Verfügung.
Innerhalb Schaumburgs gab es 2011 nur geringe Kaufkraftschwankungen: zwischen 93,4 Prozent in Obernkirchen und 99,9 Prozent in der Samtgemeinde Nienstädt. In Nenndorf und Rodenberg hatten die Einwohner etwas mehr Geld zur Verfügung. In beiden Samtgemeinden lag die Kaufkraftkennziffer mit 104,1 Prozent (Nenndorf) und 102,8 Prozent (Rodenberg) über dem Bundesdurchschnitt.
Die Kaufkraftkennziffer kann aber noch keine Aussage darüber treffen, ob die Menschen ihr Geld auch in ihren Wohnorten ausgeben. Hier kommt die Einzelhandelszentralität ins Spiel. Sind nämlich die Umsätze der Geschäfte höher als das Nachfragepotenzial vor Ort, spricht das dafür, dass Konsumenten aus dem Umland im Ort einkaufen. Das heißt: Aus dem Verhältnis von Einzelhandelskaufkraft und Nachfragepotenzial auf der einen und den erzielten Umsätzen auf der anderen Seite ergibt sich mit der Einzelhandelszentralität eine Kennziffer, mit der die Anziehungskraft des Ortes auf Konsumenten gemessen werden kann. Werte über 100 stehen dafür, dass Kaufkraft aus dem Umland in den Ort fließt, Werte unter 100 stehen dafür, dass die Einwohner auch woanders einkaufen als zu Hause. Die Kaufkraft fließt ab.
Im „Cima“-Gutachten wird mit zwei Werten operiert: Zum einen die Handelszentralität des periodischen Bedarfs, das heißt für Waren wie Lebensmittel und Drogerieartikel, zum anderen die Zentralität des aperiodischen Bedarfs wie Textilien, Möbel und Elektroartikel.
Wie oben erwähnt, sticht Stadthagen mit Werten von 128 Prozent bei Gütern des periodischen Bedarfs und 180 Prozent im aperiodischen Bereich heraus. Die Werte sprechen für die Attraktivität der Kreisstadt bei den Konsumenten, viele Kauflustige aus dem Umland strömen 2011 in die Stadthäger Geschäfte.
Bückeburg hat es nach „Cima“-Angaben etwas schwerer, die Kaufkraft an sich zu binden, konkurriert die Stadt doch nicht nur mit der 13 Kilometer entfernten Kreisstadt, sondern auch mit Minden und Bad Oeynhausen. Dennoch kann Bückeburg mit Zentralitätswerten im periodischen Bereich von 128 Prozent und im aperiodischen Bereich von 109 Prozent aufwarten. Im Gegensatz dazu hat Rinteln kaum Verflechtungen mit dem restlichen Kreisgebiet, so aber mit Hameln und Nordrhein-Westfalen, heißt es in der „Cima“-Studie. Die Zentralität liegt knapp über 100 Prozent.
Bad Nenndorf als kleinstes der vier Mittelzentren muss nach Ansicht der Gutachter differenziert betrachtet werden. Zwar ist die Zentralität über alle Branchen mit 122 Prozent die zweithöchste im Landkreis. Das ist jedoch auf die großflächigen Märkte im Gewerbegebiet an der Autobahn zurückzuführen. Fast die Hälfte der Verkaufsfläche der Samtgemeinde wird durch das Einrichtungshaus „Möbel Heinrich“ gestellt. In vielen anderen Warengruppen des aperiodischen, insbesondere des persönlichen Bedarfs, weise Bad Nenndorf jedoch deutliche Kaufkraftabflüsse auf, heißt es im Gutachten.
Eine Sonderrolle unter den Grundzentren in Schaumburg nimmt Obernkirchen ein. Trotz der „Sandwichposition“ zwischen Stadthagen und Bückeburg ist es gelungen, die ohnehin starke Nahversorgung weiter zu entwickeln und auch im aperiodischen Bereich mit 103 Prozent relativ hohe Zentralitätswerte zu erreichen.
Die weiteren Grundzentren im Landkreis nehmen vor allem die Versorgung ihrer Einwohner mit Gütern des periodischen Bedarfs wahr. Mit Zentralitäten zwischen 70 und 90 Prozent erfüllen sie diese Funktion auch überwiegend, urteilen die Gutachter. Lediglich in der Samtgemeinde Niedernwöhren ist die Nahversorgung nur begrenzt sichergestellt. Dort liegt die Gesamtzentralität bei 28 Prozent.
Detlef Ruff vom Amt für Wirtschaftsförderung und Regionalplanung im Landkreis warnt davor, die Bedeutung der Einzelhandelszentralität überzubewerten. So zeige der Wert zwar an, welche Sogkraft der Einzelhandel vor Ort auf die Kunden hat, Rückgänge der Zentralität seien aber nicht allein auf eine geringe Leistungsfähigkeit des Handels zurückzuführen. Bei der Bewertung müssten die unterschiedlichen geografischen und strukturellen Gegebenheiten innerhalb des Landkreises berücksichtigt werden. Beispiel ist die Nähe zu anderen Städten als begrenzender Faktor für die Entwicklungsmöglichkeiten des Einzelhandels eines Ortes. Durch die große räumliche Nähe zu Stadthagen wird es Niedernwöhren kaum möglich sein, die Zentralitätswerte nennenswert zu steigern.

Streitigkeiten unter Nachbarn entschärfen

Der Bericht zum „Konsensprojekt Großflächiger Einzelhandel“ ist erstmals 2003 vorgelegt und 2006 sowie 2012 aktualisiert worden. Auftraggeber ist das Netzwerk Erweiterer Wirtschaftsraum Hannover (EWH), Mitglieder sind die Landkreise Celle, Hameln-Pyrmont, Hildesheim, Nienburg, Peine, Schaumburg, der Heidekreis, Holzminden und die Region Hannover. Für ihre Studie haben die „Cima“-Gutachter fast 15 000 Einzelhandelsbetriebe in 110 Städten und Gemeinden im Hannoverschen Umland unter die Lupe genommen.

Mit ihrer Studie gibt die „Cima“ den EWH-Mitgliedern eine vollständige und belastbare Datenbasis an die Hand, die zur Beurteilung von neuen Vorhaben im Bereich des großflächigen Einzelhandels herangezogen wird. Das Gutachten dient als Basis bei der Abstimmung zwischen den einzelnen Kommunen schon vor dem formalen raumordnerischen Verfahren, erklärt Kreisverwaltungsmitarbeiter Detlef Ruff.

„Um den großflächigen Einzelhandel wird viel gestritten“, sagt Ruff. Städte und Gemeinden wollen die Kaufkraft vor Ort nicht ans Umland abgeben. So sei Ziel des Konsensprojektes der EWH-Mitglieder, alle Betroffenen eines Planvorhabens möglichst früh zu informieren, um mögliche Konflikte deutlich zu machen und im Abstimmungs- und Moderationsverfahren zu reduzieren. Nachbarschaftsstreitigkeiten könnten so abgemildert werden.

Immer wenn sich ein neuer Supermarkt oder Fachmarkt in einer Kommune ansiedeln will, muss das von der Raumordnungsbehörde auf Verträglichkeit hin abgeprüft werden. Ziel ist dabei, die Versorgungsstrukturen vor Ort zu schützen und zu erhalten. Schließlich beeinflusse ein attraktives Nahversorgungsangebot die Lebens- und Wohnqualität in den Städten und Gemeinden.

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