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LandArt-Festival am Bruchhof

Thema des Tages LandArt-Festival am Bruchhof

Wenn Lehm, Stein und Holz zur abstrakten Skulptur werden, wenn knorrige Äste eine riesige Blüte bilden, Musik zwischen den rauschenden Blättern klingt und Licht den dämmernden Wald noch einmal ganz neu erstrahlen lässt - dann ist LandArt-Festival am Bruchhof. Zum siebten Mal verwandelt sich das Gelände rund ums älteste Gebäude in Stadthagen am Wochenende in eine Open-Air-Galerie. Was als Experiment begann, hat inzwischen einen festen Platz in der LandArt-Szene.

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Kunst mit Verfallsdatum: Was die etwa 80 Kreativen im Wald rund um den Bruchhof schaffen, ist nicht für die Ewigkeit bestimmt. Die Installationen aus Holz, Moos, Lehm, Steinen und Wasser bleiben im Wald und werden dem Verlauf der Jahreszeiten überlassen.

Quelle: kcg

Stadthagen. Das, was Helena und Marei im alten Flussbett aufbauen, ist nicht für die Ewigkeit bestimmt. Zarte Wellenlinien, zusammengesetzt aus kleinen Ästen und Zweigen, mäandern über den dunkeln Boden, werden eins mit den Baumwurzeln und Steinen. Und werden beim nächsten heftigen Regenguss schon wieder weggespült. LandArt, also Kunst in und mit der Natur, ist vergänglich, kann nicht konserviert oder gar in einer Galerie ausgestellt werden. Stattdessen verändern Witterung und Wachstum die Werke –{FSPACE}oder zerstören sie ganz.
Seit 2009 dreht sich einmal im Jahr auf dem Bruchhof in Stadthagen alles um die in den sechziger Jahren entstandene Kunstrichtung. Dann arbeiten natur- und kunstbegeisterte Menschen auf Einladung des Stadthäger Vereins „Tuwat“ und des vom Projekt Probsthagen getragenen Ateliers Bruchhof eine Woche lang an ihren Installationen aus Stein, Lehm, Holz und Blättern. Klang- und Lichtinstallationen ergänzen die Naturkunst, am Ende entsteht ein Gesamtwerk, das Jahr für Jahr aufs Neue die vielen Besucher der Abschlusspräsentation begeistert. Die Ergebnisse des diesjährigen LandArt-Festivals sind am Wochenende zu sehen.
Schon seit Montag wird für die siebte Auflage der Freiluft-Ausstellung im Wald und auf den Wiesen rund um den alten Gutshof gewerkelt. Dabei geht es den Initiatoren des Projekts nicht nur um Kunst, Ästhetik und die publikumswirksame Präsentation der Werke. „Eigentlich sind wir ein soziales Experiment“, erklärt Christian Köpper. Der 34-jährige Hildesheimer ist Gründungsmitglied von „Tuwat“ und hat das Festival vor sechs Jahren gemeinsam mit Raimund Sichma vom Projekt Probsthagen auf die Beine gestellt. Soziales Experiment? Damit bezieht sich Köpper auf die bunte Mischung der etwa 80 Kunstschaffenden, die sich sieben Tage lang im Wald kreativ ausleben. „Eine Horde Studenten, Jugendliche und Berufsjugendliche, dazu die Teilnehmer des Projektes Probsthagen, Kindergartenkinder und hauptberufliche Künstler leben und arbeiten hier zusammen ohne Berührungsängste. Das ist mal echte gelebte Inklusion“, erklärt der gebürtige Stadthäger begeistert.
Die LandArt-Macher sehen das Festival als gemeinsamen Prozess. Höhepunkt ist dabei weniger die Ausstellung als der gemeinsame künstlerische und menschliche Austausch untereinander. „Und der führt dann schließlich dazu, dass auch die Ausstellung immer besser wird“, sagt Köpper. Sichma erklärt: Das Tolle an LandArt sei der niedrigschwellige Zugang zur Kunst. „Jeder kann mit den Natur-Materialien kreativ werden. Fast alle hier sind Autodidakten.“
Dabei steigt die Qualität der Kunstwerke von Jahr zu Jahr, mittlerweile hat sich das Festival auf dem Bruchhof auch in der überregionalen LandArt-Szene einen Namen gemacht. Professionelle Natur-Künstler wie Hama Lohrmann aus Augsburg oder Martin Buntrock aus Hannover sind regelmäßig in Stadthagen dabei. Und auch die Zahl der Besucher während der Ausstellungswochenenden geht immer weiter nach oben. „Irgendetwas an der LandArt rührt die Menschen an. Wer hier am Sonnabendabend durch den beleuchteten Wald geht, kommt mit einem entrückten Gesichtsausdruck zurück und ist wie berauscht vom Zusammenspiel von Kunst, Natur, List und Musik“, schildert Sichma.
Dass das Projekt jedes Jahr aufs Neue stattfinden kann, ist vor allem den vielen Förderern zu verdanken. Die Schaumburger Landschaft und die Evangelische Bank unterstützen das Festival mit Fördergeld, Unternehmen aus der Region spenden Material und Werkzeug. Trotzdem wird es immer schwieriger, die Kosten zu decken. In diesem Jahr springt das Projekt Probsthagen finanziell ein, damit die Teilnehmer eine Woche lang auf dem Gelände übernachten und verpflegt werden können. „Keiner, der hier mitmacht, muss etwas zahlen. Dafür muss man mit anpacken und Kunst machen“, sagt Köpper.
Dass sich „Tuwat“ und das Projekt Probsthagen zusammengefunden haben, ist dem Zufall geschuldet, beziehungsweise der Vermittlung von Kreisförster Lothar Seidel. Inspiriert von den Arbeiten des britischen „LandArt-Gurus“ Andy Goldsworthy planten Köpper und seine Mitstreiter 2009 zunächst eine Installation im Liekweger Steinbruch. Was sich aus Naturschutzgründen nicht realisieren ließ, fand beim Kreisforstamt ein offenes Ohr – und bei Sichma und seinem Team offene Arme. kcg

- LandArt geht auf eine Ende der sechziger Jahre entstandene Richtung der Bildenden Kunst zurück und kann als Umwandlung von geographischen in architektonischen Raum beschrieben werden. Die Kunstwerke aus Naturmaterialien können nicht in Galerien ausgestellt werden, sind weder transportabel noch käuflich oder dauerhaft zu konservieren. So ist in der LandArt auch der Einfluss der Natur auf die Kunstwerke von Bedeutung. Witterung und Wachstum verändern das Kunstwerk.

- Spaziergang gefällig? Die LandArt-Kunstwerke werden am Sonnabend und Sonntag, jeweils von 14 Uhr an präsentiert. Interessierte können auf einem etwa einen Kilometer langen Pfad die Arbeiten begutachten, im Café köstlichen Kuchen genießen oder einfach nur die Atmosphäre des Bruchhofes. Mit Beginn der Dämmerung am Sonnabendabend erstrahlen Wald und Kunstwerke im Licht der Illuminationen, bis 24 Uhr können sich die Besucher auf dem Gelände treiben lassen. Am Sonntag spielt ab 16 Uhr eine Brassband.

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