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Märchenhafte Entdeckungsreisen

Landkreis / Unterwegs Märchenhafte Entdeckungsreisen

Vom Main bis zur Nordsee, von der Brüder-Grimm-Stadt Hanau bis zu den Bremer Stadtmusikanten und dem Klabautermann in Bremerhaven: Auf rund 700 Kilometern führt die Deutsche Märchenstraße die Reisenden auf den Spuren der Brüder Grimm entlang.

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Heute schlängelt sich die fabelhafte Route vorbei an gut 50 märchenhaften und sagenumwobenen Stationen, wo man Märchen wahrhaftig erleben kann – ob auf Freilichtbühnen, als Puppenspiel oder im Museum, zwischen Burgen, Plätzen und historischen Gebäuden.

Als einzige Kommune in Schaumburg gehört seit Kurzem auch das Wilhelm-Busch-Dorf Wiedensahl zu dieser märchenhaften Route, die sich seit der Gründung der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Märchenstraße (DMS) im Jahr 1975 zu einer der bekanntesten Ferienstraßen entwickelt hat. Zu dieser Zeit gab es nach Angaben der DMS bereits 60 touristische Straßen in Deutschland. Um aus dieser Masse herauszustechen, brauchte der Arbeitskreis ein klares Konzept. Nun lassen sich Märchen im Gegensatz zu Mühlen und Burgen nicht so einfach lokalisieren. Zunächst einmal sollte die Strecke daher die Lebensstationen von Jacob und Wilhelm Grimm innerhalb Deutschlands verknüpfen. Von ihrer Geburtsstadt Hanau, über ihr Jugendparadies Steinbau an der Straße, ihren Studienort Marburg, den Mittelpunkt ihrer ersten wissenschaftlichen Erfolge, Kassel, bis hin nach Göttingen, wo sie als Professoren und aufrechte Patrioten wirkten.

Auch die Wirkungsstätten und Wohnorte von Menschen, die die Märchensammler bei ihrer Arbeit auf unterschiedliche Weise unterstützt haben, sind in die Route aufgenommen. Ebenso wie Märchen-Schauplätze, wie sie in der Romantik vom Volk zugewiesen wurden. Eine reiche Fundgrube, so der Arbeitskreis DMS, bot zum Beispiel das Kinzingtal, die Heimat der Brüder Grimm. So ist Rotkäppchen im Trachtenland der hessischen Schwalm zu Hause, während Frau Holle ihre Betten auf dem Hohen Meißner im Werraland geschüttelt haben soll. Zahlreiche Stationen, liegen gar nicht so weit weg von Schaumburg – ein Auszug aus der Märchenroute:

 Wiedensahl gehört seit diesem Jahr zur Märchenstraße. Als Geburtsort des Dichters und Denkers Wilhelm Busch, der in und um Wiedensahl sowie in Südniedersachsen Märchen und Sagen gesammelt und aufgeschrieben hat.

 Bad Oeynhausen schafft es mit seinem Deutschen Märchen- und Wesersagenmuseum im Kurpark in die Liste. Die Dauerausstellung führt in die Welt der Märchen und Sagen ein und erläutert an bekannten Beispielen, wer Märchen gesammelt oder geschrieben hat, warum Märchen gesammelt wurden und worum es dabei geht.

In Ebergötzen werden Max und Moritz lebendig. Dort lebte Wilhelm Busch als Schüler von 1841 bis 1846. Aus den Kindheitserinnerungen entstand eine Geschichte in sieben Streichen: „Max und Moritz“. in der Wilhelm-Busch-Mühle gibt es seit 1977 eine Gedenkstätte plus Mühlenmuseum und Bauerngarten, indem Werk und Leben des Künstlers erlebbar werden.

 Hameln kennt man als Rattenfängerstatt. Die berühmte Sage um den Mann, der die Kinder mit seiner Flöte entführte, wird in der Stadt auf vielfache Weise erfahrbar – vom Museum mit dem mechanischen Rattenfänger-Theater bis zu den Rattenfänger-Freilichtspielen.

 Um Nienburg, die historische Altstadt an der Weser, ranken sich viele Sagen, Märchen und Geschichten. Bedeutende Gebäude der Altstadt sollen zum Beispiel durch Tunnelgänge verbunden gewesen sein, die zu Nienburgs ältester Kirche geführt haben sollen. Dort habe sich noch lange die Unterwelt getummelt. Bei einer Stadtführung kann man viel über die Märchen, Sagen und Legenden lernen.

Hessisch Oldendorf steckt voller verborgener Schätze, uralter Traditionen, historischer Stätten. Viele Märchen und Sagen haben im Weserbergland ihren Ursprung. Eine der Geschichten ist die vom Oldendorfer Baxmann. Er ist der Pro-tagonist einer düsteren Sage, die von Habgier, Betrug und ewiger Strafe erzählt.

In Bodenwerder soll einst Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen seine abenteuerlichen Geschichten zum Besten gegeben haben. Obwohl er schon mehr als 200 Jahre tot ist, steht Münchhausen weltweit als Symbol für Fantastisches und Unglaubliches. Im Münchhausen-Museum in der Schulenburg, einem Gebäude seines ehemaligen Gutshofes, erfährt man, wie Münchhausen als „Lügenbaron“ zu Weltruhm gelangt ist.

 Polle bietet mit der Burgruine der Grafen von Everstein aus dem 12. Jahrhundert eine tolle Aussicht. Außerdem ist es angeblich der Heimatort von Aschenputtel.
Weitere Infos zu den übrigen Stationen der Märchenroute gibt es auf www.deutsche-maerchenstrasse.com.

Auf Spurensuche entlang des Wassers

Das Wandern ist des Müllers Lust“ heißt es in dem bekannten Volkslied nach einem Gedicht von Wilhelm Müller. Auch in Schaumburg gab es spätestens seit dem 15. Jahrhundert etliche Mühlen. Wer sich auf die Spur der Müller begeben möchte, sollte jedoch nicht unbedingt die Wanderstiefel schnüren, sondern das Fahrrad benutzen. Immerhin erstreckt sich die Mühlenroute über rund 80 Kilometer entlang der Relikte aus der Zeit als Mühlen zum Kornmahlen, zur Ölgewinnung und zur Papierherstellung genutzt wurden.

Das Schaumburger Land bot aufgrund des Zusammenwirkens hoher Niederschläge und den topografischen Gegebenheiten mit Höhenunterschieden von mehr als 200 Metern auf relativ kurzer Entfernung ideale Voraussetzungen zum Betreiben von Mühlen, erklärt Henning Dormann. Der Landschaftsplaner ist mit der Ausarbeitung der Mühlenroute für den Verein Schaumburger Land Tourismusmarketing beauftragt. Im Landkreis waren hauptsächlich Wassermühlen im Betrieb. Entlang der Bach- und Flussläufe sei die natürliche Wasserkraft nachweislich ab dem Mittelalter technisch genutzt worden, um die Arbeit zu erleichtern.

Einige Stauwehre, Wasserräder und manchmal auch intakte Mühlen sind noch vorhanden. Die Burgmühle in Rodenberg beispielsweise gehörte früher zum Wasserschloss. Das Gebäude an der Rodenberger Aue wird heute als Wohnhaus genutzt.

An der Wassermühle in Krebshagen steht der Betrieb seit den siebziger Jahren still, weiß Dormann. Bis dahin sei dort Futterkorn für das Vieh geschrotet worden. Das Wasserrad ist immer noch zu sehen. An der Horster Mühle hingegen, ebenfalls eine Station der Mühlentour, sind mittlerweile keine Wasserräder mehr vorhanden. Dort wurde dem Landschaftsplaner zufolge bis in die fünfziger Jahre Strom erzeugt, die Wasserräder wurden später jedoch durch Turbinen ersetzt.

Der historische Hintergrund ist nicht minder spannend. Die Grundherren versprachen sich von dem Betrieb der Mühlen Steuereinnahmen und schreckten im Konkurrenzkampf auch nicht davor zurück, unliebsamen Mühlenbetreibern das Wasser vorzuenthalten. „Da wurde ein Flussarm nicht selten einfach zugeschüttet“, so Dormann.

Der Weg führt durch die Bückeburger und Rodenberger Aue – von Bad Eilsen über Obernkirchen nach Stadthagen, Lindhorst, nach Bad Nenndorf, Rehren, Horsten, Rodenberg und durch das Auetal und Buchholz zurück nach Bad Eilsen.

Dormann preist aber auch den landschaftlichen Aspekt der Tour um den Bückeberg an: „Das geniale ist, dass man die Naturgewalt der Flüsse erleben kann und sieht, wo die Kraft für die großen und schweren Mahlwerke der Mühlen entstand.“ Ein Prospekt mit den Stationen der Mühlenroute ist in Arbeit. Weitere Informationen gibt es beim Schaumburger Land Tourismusmarketing, unter www.schaumburgerland-tourismus.de.

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