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Malerei aus zwei Jahrhunderten

Thema des Tages Malerei aus zwei Jahrhunderten

Ein Vertreter des Landesmuseums in Hannover sagte einmal über das künstlerische Wirken von Paul Smalian: „Seine von afrikanischer Sonne durchfluteten Landschaften, seine Berber- und Araberköpfe lassen ihn zum impressionistischen Darsteller des Orients werden.

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Ein typisches Smalian-Bild: Zerklüftete Küste der italienischen Riviera.

Von Karlheinz Poll. Das sind wirkliche Landschaften, wirkliche Menschen, wie man sie sehen kann, keine Utopien oder Schemen.“ Smalian malte nicht nur in Nordafrika, in Afrika, Ägypten, Tunesien, und im westafrikanischen Raum, sondern auch in asiatischen Ländern, in Ceylon, Thailand und Siam. Noch weiter ging es nach Brasilien, in den dortigen Bundesstaat Bahia, wo er schließlich zum „Tropenmaler“ avancierte. Innerhalb Europas bereiste er Italien und Frankreich, Spanien und die Schweiz. Nach den Sturm- und Drangjahren in der Ferne fand er seine Motive überwiegend in heimischer Region, insbesondere an seinem letzten Wohnort am Steinhuder Meer. Aus dem Tropenmaler wurde ein Chronist der Heimatregion.

Zur Erinnerung an den 1974 verstorbenen Maler und an dessen 115. Geburtstag findet in der Zeit vom 29. Oktober bis 20. November in der Kunstscheune in Steinhude eine Sonderausstellung mit Werken von Paul Smalian statt, ausgerichtet vom Verkehrsverein Steinhuder Meer und der Steinhuder Meer Tourismus GmbH. Die ausgestellten Ölgemälde, Aquarelle und Zeichnungen – zahlreiche Werke werden zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt – geben einen Einblick in das Lebenswerk des Künstlers. Bereichert wird die Ausstellung durch Arbeiten der Hobbymalerin Gabriele Apeldorn aus Wennigsen am Deister. Die 61-jährige gebürtige Hannoveranerin ist erst vor zehn Jahren zur Malerei gekommen. Ihr Markenzeichen sind großformatige Öl- und Acrylbilder in kräftigen Farben.

Vier Jahre statt drei Monate

Paul Smalian wurde 1901 als Sohn eines kaiserlichen Offiziers in Neuruppin geboren. Nach dem Abitur studierte er an der Staatlichen Kunstschule und Akademie in Berlin, wo er mit 24 Jahren sein Staatsexamen als Zeichen- und Werklehrer ablegte. Bei Malstudien im Tierpark Hagenbeck in Hamburg wurde John Hagenbeck auf den jungen Maler aufmerksam. Hagenbeck („Sie müssen Tropenmaler werden“) überredete Smalian, nach Ägypten zu reisen. Drei Monate sollte der Aufenthalt dauern, vier Jahre wurden es. Smalian malte Szenen im Basar, winklige Gassen, Häuser und Straßen, Menschen in Landestracht, Palmenhaine, Wüstenlandschaften und Kamelkarawanen.

Nach Deutschland zurückgekehrt schmiedete er neue Reisepläne. Ein Jahr später besuchte er Italien und lebte zwei Jahre auf der Insel Capri. Es folgten einige Monate in Tunesien und im Sudan. 1935 ging es auf eine sechswöchige Kreuzfahrt, die den Maler nach Bahia/Brasilien brachte. Das südamerikanische Land mit seinen tropischen Landschaften ließ Smalian nicht los. Vier Jahre lebte er auf der Kokosinsel Itaparica, wo er für sich das Paradies fand. Zur Erinnerung an Paul Smalian wurde auf der Insel eine Straße nach ihm benannt: die „Rua del pintor alemao Paul Smalian“.

Durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs endeten die Reisen ins Ausland. Smalian wurde als Technischer Zeichner dienstverpflichtet. 1940 heiratete er Hildegard Nothmann. 1944 zog das Paar nach Vahldorf bei Magdeburg. Ein Jahr später gelang die Flucht in den Westen. In Gehrden unterrichtete Smalian Kunst an der Stadtrandschule. 1949 kaufte er an der Uferstraße in Steinhude ein ehemaliges Wochenendhäuschen, in dem er bis zu seinem Tod 1974 lebte und künstlerisch wirkte. In seiner Wahlheimat am Steinhuder Meer fand er Motive in Hülle und Fülle. In den 50er und 60er Jahren nahm er das Reisen wieder auf, war mit seiner Familie, Frau und Sohn Karl-Erich, 1946 geboren, in einem Caprio der Marke Kleinschnittger (Einzylinder-Zweitaktmotor, 6 PS, Höchstgeschwindigkeit 70 km/h) auf Maltour hauptsächlich im südlichen Europa unterwegs.

Lieblingsfarbe Rot

Jetzt zu Gabriele Apeldorn. Sie entdeckte ihre Leidenschaft zur Malerei „durch ein einfaches Aquarell“. Die Grundlage für ihre künstlerische Entwicklung bildeten der regelmäßige Besuch einer Malschule und das experimentieren mit unterschiedlichen Techniken und Materialien. Nach Bleistiftzeichnungen und Bildern in Gouache- und Acryltechnik fand sie zur Ölmalerei, die für sie eine Offenbarung ist. Apeldorn über sich selbst: „Die größte Freude bereitet mir, meine Empfindungen mit Intensität und Temperament umzusetzen.“ Gerne malt sie mit der Farbe Rot. „Das feurige Rot ist eine aktive und dynamische Farbe und bedeutet für mich Kraft und Stärke.“ Da sieht man starke Frauen, die scheinbar in Flammen stehen, oder einen Stier vor feurigem Hintergrund. Ihre Landschaften lassen an deutsche Impressionisten denken. Während der Bilderschau stellt der Schmuckdesigner Udo Mommert aus Völksen Schmuck aus.

Die Ausstellung „Malerei aus zwei Jahrhunderten“ – Bilder aus dem 20. Jahrhundert von Paul Smalian, aus dem 21. Jahrhundert von Gabriele Apeldorn – findet vom 29. Oktober bis 20. November in der Kunstscheune in Steinhude statt, freitags von 14 bis 18 Uhr, sonnabends und sonntags von 11 bis 18 Uhr.

Bilder von Gabriele Apeldorn: „Stier 1“.

Landschaft in der Toscana.

Segelboote. Foto/Repros: kp

Ein typisches Smalian-Bild: Zerklüftete Küste der italienischen Riviera.

Schönheit aus Italien

In der Wahlheimat am Steinhuder Meer gemalt.

Im Berchtesgadener Land gesehen und im Bild festgehalten.

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