Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Sprühregen

Navigation:
Meine Einheit

25 Jahre Mauerfall Meine Einheit

Seit 25 Jahren feiern die Deutschen am 3. Oktober den Tag der deutschen Einheit. Wie steht eine Generation, die innerdeutsche Grenze und Mauerfall nur aus dem Geschichtsunterricht kennt, zu diesem Kapitel der jüngsten Deutschen Geschichte? Fünf junge SN-Kollegen teilen ihre sehr persönlichen Sichtweisen.

Voriger Artikel
Die Last mit den Läusen
Nächster Artikel
173 Jahre Kindergarten-Geschichte

Kaum vorstellbar

Mehrmals im Monat passiere ich die ehemalige innerdeutsche Grenze und muss dabei immer an meinen Vater denken, der während seiner NVA-Zeit Mitte der achtziger Jahre im Grenzgebiet stationiert war. Nicht selten erzählt er mir lustige Anekdoten von trinkfesten Russen, doch bisweilen wird er ernst: „Ich weiß nicht, ob ich geschossen hätte, wenn sich etwas beim Patrouillengang im Busch gerührt hätte“, sagt er. Er hatte während seiner Dienstzeit das Glück, nicht in eine solche Situation gekommen zu sein.
Für mich ist es kaum vorstellbar, dass Deutsche auf Deutsche schießen, die eine Grenze überqueren wollen, und dass ein politisches System seinen Bürger zwingt, das eigene Territorium nicht zu verlassen. Auch wenn viele Ostdeutsche immer wieder sagen, dass bei weitem nicht alles schlecht gewesen sei in der DDR, ist es für mich unanehmbar, dass Menschen in meiner Heimat ihrer persönlichen Freiheit beraubt wurden. Entsprechend bin ich froh, dass heute meine einzige Verbindung zur DDR die Kombination aus Hammer, Zirkel und Ehrenkranz auf meinem roten Impfausweis ist.
Jan Schaumburg, Jahrgang 1988, ist Volontär bei den SN.

Ein Tag wie jeder andere

In meiner Generation und auch für mich ist das Thema Wiedervereinigung ein Aspekt, der in jedem Schuljahr mindestens einmal auftauchen muss. Die, die sich für das Thema interessieren, fragen nach. Und die, die nichts mit dem Thema anfangen können, warten auf die nächste Pause. Ich persönlich interessiere mich gerade für die Umstände, die im geteilten Deutschland geherrscht haben. Auch wenn von „Ossis“ gesprochen wird, weiß ich, was gemeint ist. Aber eine größere und menschliche Rolle spielt es für mich nicht. Die Unterschiede zwischen Ost und West erkenne ich höchstens am Dialekt.
Den 3. Oktober verbringe ich wie jeden anderen Tag. Allein die Berichte in den Medien sorgen dafür, dass man den Tag nicht völlig vergisst. Der Tag der deutschen Einheit ist in meinen Augen ein Tag, der leider immer mehr an Bedeutung verliert. Die Menschen, die die deutsch-deutsche Teilung miterlebt haben, sollten dafür sorgen, dass das Thema nicht in Vergessenheit gerät.
Ann-Kathrin Fels, Jahrgang 1996, ist Praktikantin in der SN-Redaktion.

Patriotismus spielt keine Rolle

Die Deutsche Wiedervereinigung spielt in meinem Leben keine große Rolle. Selbstverständlich kennt man in meiner Generation die Hintergründe, nicht umsonst wird das Thema sehr detailliert in der Schule behandelt. Aber man hat dazu keinen richtigen Bezug. Ich selbst habe das geteilte Deutschland ja auch gar nicht erlebt. Die Wiedervereinigung fand fünf Jahre vor meiner Geburt statt.
Die einzige Situation, in der ich den Unterschied „Ossi/Wessi“ mache, findet im Gespräch mit meinem Freund statt, der derzeit zwar in Braunschweig lebt, aber aus Bitterfeld in Sachsen-Anhalt stammt. Ihn ziehe ich gerne mal scherzhaft mit alten Ost-Vorurteilen auf. Patriotismus spielt in meinem Leben keine Rolle, daher ist es für mich eher unwichtig, wer sich nun als Deutscher versteht oder nicht.
Vergessen sollte man meiner Meinung aber niemals, was zur Wiedervereinigung geführt hat, denn sie ist eines der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte Deutschlands.
Greta Heine, Jahrgang 1994, macht derzeit ein Praktikum bei den SN.

Votum für die Ampelmännchen

Wenn ich auf den früheren Osten angesprochen werde, dann fallen mir spontan nur die Dinge ein, die ich in meiner Schulzeit gelernt habe. Denn das war die einzige Zeit, in der ich mich mehr mit dem Thema deutsche Teilung und Wiedervereinigung und allem was dazugehört beschäftigt habe. Vom Mauerfall selbst habe ich natürlich nichts mitbekommen. Die Veränderungen in der Zeit danach sind ebenfalls eher an mir vorbei gegangen, ohne dass ich daran besondere Erinnerungen habe.
Der Tag der Deutschen Einheit spielt in meinem Leben zwar keine besondere Rolle, doch mir ist bewusst, dass er für viele Menschen sehr wichtig ist und ein besonderes Merkmal in der Geschichte von Deutschland darstellt. Wenn man mich fragen würde, was im Westen fehlt, dann kriegen meine Stimme die freundlichen, ostdeutschen Ampelmännchen.
Virginé Rolke, Jahrgang 1990, ist Volontärin bei den SN.

Nicht mehr als harmlose Witze

Neulich stand ein dreieckiger Wäscheständer in unserem Wohnzimmer. Meine Mitbewohnerin: „Was ist das denn?“ Antwort: „Na ein Ossiständer.“ Der gehört dem Rolf und der kommt gebürtig aus Ostberlin.
Sinnfreie Ossi-Witze sind das einzige, was von der Berliner Mauer in meinem Alltag geblieben sind. Als die Mauer fiel, war ich gerade mal drei. Für mich gibt es keinen Unterschied zwischen Menschen aus West- und Ostdeutschland. Genauso wenig, wie es einen Unterschied macht, ob jemand aus Irland, Montenegro oder Amerika kommt.
Die Vorstellung von einem geteilten Deutschland ist für mich unglaublich weit weg. Eigentlich nur ein Ereignis aus dem Geschichtsunterricht. In der achten Klasse sollten wir mit einem Bettlaken eine Mauer in der Mitte unseres Klassenraums bauen, um die Gefühle der Menschen in Ost- und Westberlin besser nachempfinden zu können. Schon damals hatte das so gar nichts mit meiner Lebenswirklichkeit zu tun.
Kirsten Elschner, Jahrgang 1986, ist Redakteurin in Stadthagen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Der Media Store ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg in die digitale Welt. Das Angebot reicht von mobilen Endgeräten und Zubehör bis zur passenden Schulung für iPad und Co. mehr

Die SN-Apps gibt es für iPhone, iPad und Android-Geräte. Hier erfahren Sie, was sie bieten und wie Sie sich die Apps installieren können. mehr

Sport, Jugendthemen oder aktuelle Schlagzeilen? Mit acht Facebook-Kanälen bedienen die SN die unterschiedlichen Interessen der Nutzer und treten mit den Lesern direkt in den Kontakt. mehr