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Mit der Zuckertüte in aufregende Zeiten

Thema des Tages Mit der Zuckertüte in aufregende Zeiten

Die Ferien sind zu Ende, nun heißt es wieder fleißig lernen. Die Schüler von der zweiten bis zur 13. Klasse kennen das Procedere aus den vergangenen Schuljahren. Während sie bereits wissen, was nach den Ferien auf sie zukommt, erwartet die Erstklässler am Sonnabend ein spannender Moment.

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Ein wichtiger Tag: Mit der Zuckertüte starten die Abc-Schützen ins Schulleben. 

Quelle: dpa

Von Michelle Dölling und Tina Bonfert

Die Zeit des Müßiggangs für Schüler ist nun vorbei, die Ferien sind zu Ende. Ab heute heißt es wieder früh aufstehen. Die Schüler von der zweiten bis zur 13. Klasse wissen dabei schon, was auf sie zukommt. Während sie nach zwei Tagen schon wieder Wochenende haben, wird es am Sonnabend für rund 1250 Kinder in Schaumburg besonders spannend – sie packen zum ersten Mal ihren Schulranzen.
Die sechsjährige Leevke Priebe aus Nordsehl freut sich auf ihre Einschulung und natürlich auch auf die Schultüte. „Erst gehen wir in die Kirche, dann in die Schule und da machen wir dann Aufgaben. Dann gehen wir wieder raus und dort bekomme ich meine Schultüte“, sprudelt es aus Leevke aufgeregt heraus. Sie freut sich auf die Schule, und darauf, endlich ganz viel zu lernen. „Ich will ja auch schlau werden“, betont die Sechsjährige.
Während die Schule zu Zeiten der Großeltern oft noch mit strengen Lehrern und straffen Lernstrukturen behaftet war, wird heute Wert darauf gelegt, den Kindern den Übergang ins Schulleben zu erleichtern. An den sogenannten „Ernst des Lebens“ wird die junge Generation mittlerweile behutsam herangeführt.
Petra Ammon, Leiterin der Grundschule Am Sonnenbrink in Stadthagen, ist es wichtig, dass die Kinder sich die Freude an der Schule bewahren. „Ich finde, ,Ernst des Lebens‘ hört sich schrecklich an – als wenn man in der Schule keinen Spaß hat und nicht lachen kann.“
Der Schritt in die Schule sei längst nicht mehr so beängstigend wie früher. Seit der Einführung des Brückenjahres würden die Kinder die Schule mittlerweile bereits im Kindergarten kennenlernen. „Dadurch kennen sich die Anfänger bei der Einschulung meist schon recht gut in den Schulen aus“, erklärt Ammon. Die Schwellenangst der Kinder werde mit regelmäßigen Unterrichtsstunden spielerisch abgebaut.
Bei dem Förderprojekt, das an Grundschulen im gesamten Landkreis angeboten wird, gehe es vor allem um Sprachförderung. Zusätzlich könnten aber auch andere Schulfächer einbezogen werden. An der Grundschule Am Sonnenbrink werden die Kindergartenkinder beispielsweise auch schon in die Welt der Zahlen eingeführt.
Der Schulbeginn ist ein wichtiger Meilenstein im Leben der Kinder und prägend für die gesamte Schullaufbahn. Eltern und Erziehungsberechtigte haben großen Einfluss. „Auch kleine Erfolge müssen gelobt werden“, betont Ammon. Besonders am Anfang müsse die Anstrengungsbereitschaft und Motivation der Kinder gefördert werden.
Dennoch ist der feierliche Start mit Nervosität behaftet. Häufig versammelt sich die ganze Familie, um dem Beginn des neuen Lebensabschnitts der Abc-Schützen beizuwohnen.
Außer dem Schulranzen, der Federmappe, etlichen Büchern und vielen guten Wünschen für die Zukunft gehört die Schultüte seit vielen Jahren zur Grundausstattung für Schulanfänger in Deutschland. Doch was gehört in die heiß begehrten, kegelförmigen Tüten eigentlich genau hinein?
Wenn man Leevke nach ihrer Schultüte fragt, fangen ihre Augen an zu leuchten. „Ich bekomme eine mit Rapunzel drauf, passend zu meinem Ranzen.“ Über den Inhalt weiß das junge Mädchen auch schon bescheid: „Eine neue Monster-High-Puppe wird da drin sein, die habe ich mir gewünscht.“
Kleine Geschenke, wie Puppen oder Stofftiere, Süßigkeiten und Kleinkram wie Stifte gehören für Leevkes Eltern Heike und Dirk Priebe in eine Schultüte hinein. „Was aber nicht rein gehört ist Geld oder gar ein Handy“, sagt Heike Priebe entschieden.
Damit spricht sie wahrscheinlich vielen Eltern aus der Seele. Auch Susanne Meyer (39) aus Meerbeck, Mutter von drei Kindern, ist der Meinung, dass Mobiltelefone oder Computerspiele nichts in Schultüten zu suchen haben. „Süßes auf jeden Fall, man darf es nur nicht übertreiben. Meine Kinder haben auch kleine Büchlein zum Lesenlernen oder einen Wecker in der Zuckertüte gehabt. Schulutensilien, wie Stifte oder Federmappen sind auch okay“, findet Meyer.
Doch was empfehlen Lehrer zum Befüllen der Schultüten? Stefanie Grotefendt (46) ist Grundschullehrerin an der Grundschule Am Stadtturm. Sie empfiehlt, möglichst wenig bis gar keine Süßigkeiten in die Schultüte zu legen. Lieber sollte man den frischgebackenen Abc-Schützen kleine Spielsachen wie Springseile oder Bälle in die Tüte packen. Wichtig sei allerdings, darauf zu achten, nicht allzu viele Schwergewichte einzufüllen. „Ich habe das schon gesehen, dass Kinder ihre Schultüten nicht tragen, geschweige denn wenige Minuten halten konnten, weil sie zu schwer waren. Das ist natürlich nicht so schön“, berichtet sie. Auch von Computerspielen, Gameboys und Handys rät Grotefendt deutlich ab. „Die Kinder müssen ihre Erfahrungen draußen im Freien machen. Da sie schon am Vormittag viel drinnen sind, sollten sie nachmittags draußen spielen und nicht vor dem Fernseher, dem Computer oder der Spielekonsole sitzen“, empfiehlt die Grundschullehrerin. Spielzeugwaffen oder Ähnliches sollten ebenfalls nicht zum Inhalt der Schultüten werden. Was man aber immer in die Zuckertüte packen könne, seien kleine Schulutensilien, wie Radiergummis, bunte Stifte oder Lineale. Kinokarten hingegen seien eine beliebte Überraschung.

Hohe Aufmerksamkeit, niedrige Geschwindigkeit

Schulzeit bedeutet für die Kinder auch eine aktive und regelmäßige Teilnahme am Straßenverkehr. Dafür gibt die Schaumburger Polizei wichtige Tipps.
„2013 wurden im Inspektionsbereich 109 Kinder bei Verkehrsunfällen verletzt. Etwa ein Drittel dieser Kinder fuhr in einem Auto mit“, führt Gabriela Mielke, Pressesprecherin der Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg aus. Mit entsprechenden Schulanfangsaktionen will die Polizei sichere Rahmenbedingungen schaffen und zu mehr Verkehrssicherheit beitragen.
An vielen Schulen finden Auftaktkampagnen statt. Die Erstklässler werden zu Fuß auf den laut Planung empfohlenen Wegen von Eltern, Lehrkräften und Polizei begleitet. Zudem stehen Schulwegtrainings auf dem Stundenplan.
„Hauptunfallursache der Schüler als Fußgänger waren das falsche Verhalten beim Queren der Fahrbahnen und das plötzliche Hervortreten auf die Straße“, weiß Mielke. Die gelben Fußstapfen auf den Gehwegen entlang der Schulwege weisen auf die sicheren Querungsstellen hin und sollen daran erinnern, stehen zu bleiben und zu schauen, ob die Fahrbahn frei ist.
Kinder im Grundschulalter können Geschwindigkeiten nur begrenzt einschätzen und haben noch kein vorausschauendes Gefahrenbewusstsein entwickelt. „Mit Fehlverhalten ist deshalb immer zu rechnen“, sagt die Polizeisprecherin. Nur mit hoher Aufmerksamkeit und verringerten Geschwindigkeiten können Autofahrer unbesonnenem Handeln von Kindern begegnen.
Daher widmen sich die Ordnungshüter mit den Themen „Kindersicherung im Pkw“, „Geschwindigkeitsverhalten im Bereich von Schulwegen“ und „Parken vor/an der Schule“ besonders den Eltern und anderen Verkehrsteilnehmern und appellieren: „Seien Sie ein gutes Vorbild.“
Leider stellt die Polizei immer wieder fest, dass Kinder im Auto gar nicht oder falsch angeschnallt sind oder während der Fahrt den Ranzen auf dem Rücken haben. Die Halte- oder Parkverbote vor Schulen dienen nicht als reservierte Parkplätze der Eltern, während sie auf die Abc-Schützen warten. „Achten Sie als Eltern darauf, dass Ihre Kinder reflektierende Kleidung – wie die Sicherheitsweste des ADAC – und bei Nutzung eines Fahrrades einen Helm tragen“, rät Mielke abschließend. r

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