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Ohne Mampf kein Kampf

Kochen für die Heeresflieger Ohne Mampf kein Kampf

Skalpell, Spatel und Pinzette funkeln blitzsauber auf dem Tablett. Der Mann im weißen Kittel zieht seine Handschuhe an. Er ist leicht angespannt, strahlt aber eine stoische Ruhe aus. Im Hintergrund läuft „Rockabilly“-Musik. Ein letzter Rund-um-Blick: Alles liegt bereit. Jetzt geht es los. Die Vorspeise wird angerichtet.

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Oberstabsgefreiter Stefan Hilpert hat in seiner Zeit bei der Bundeswehr eine bemerkenwerte Laufbahn hinter sich und mit der Nationalmannschaft einige Medaillen einkassiert. Nicht als Turner, Schwimmer oder Biathlet – sondern als Koch.

Quelle: hil

Bückeburg. Obwohl das Besteck an diesem Tag eher an das eines Chirurgen erinnert als an das eines Kochs, hat es nichts mit einer OP zu tun – das Arbeitsessen des Generals der Heersfliegertruppe am Standort Bückeburg steht an. Während der passionierte Koch Stefan Hilpert für gewöhnlich in der Küche der Offizierheimgesellschaft Jägerkaserne Bratkartoffeln, Schnitzel, Pizza oder Pasta zubereitet, steht heute ein Fünf-Gänge-Menü für 20 Personen auf dem Programm.

Forellen-Mousse, Essenz von Lindenblüte, Holunder und Tomate, Filet im Bananenblatt gegart, gefüllt mit Mango und Chilli: Die Menükarte verspricht einen außergewöhnlichen Gaumenschmaus: „Natürlich ist das heute etwas Besonderes, aber wirklich aufgeregt bin ich nicht. Da haben wir schon andere Sachen erlebt“, sagt der Oberstabsgefreite. .

Stefan Hilpert stammt aus dem am Südharz gelegenen Sangerhausen in Sachsen-Anhalt. Bereits seine Ausbildung führte ihn nach Bückeburg. Von 2004 bis 2007 sammelte er hier in der Küche des Hotels Ambiente seine ersten Erfahrungen zwischen Töpfen und Pfannen. Nach dem erfolgreichen Abschluss der dreijährigen Lehre zum Koch wechselte er ins Berufsleben. Übergangsweise arbeitete er im „Bistro“ an der Langen Straße, um danach wieder in die ihm gut bekannte Küche des „Ambiente“ zurückzukehren. Dann kam die Einberufung zur Bundeswehr.

In der dreimonatigen Grundausbildung auf dem Gelände der Jägerkaserne hieß es, die soldatischen Grundfertigkeiten für den Einsatz zu erlernen. Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit, Waffen-, Schieß- und Wachausbildung, Sanitätsdienste, innere Führung, Recht und soldatische Ordnung. „Obwohl diese Zeit durchaus anstrengend war, hatten wir wirklich Spaß“, so der 29-Jährige im Rückblick. Aber die Küche ließ ihn nicht los: So entschied sich der damalige „Gefreite Hilpert“ nach dem Grundwehrdienst in den Versorgungsbereich der Offizierheimgesellschaft Schäfer-Kaserne in Achum zu wechseln. In der OHG Schäfer-Kaserne gab es mit Mittagstisch, Tagungen, Flugscheinverleihungen und Familienfesten der Offiziere viel zu tun. Trotzdem wollte Hilpert noch mehr. So bewarb er sich im Mai 2011 bei der Koch-Nationalmannschaft der Bundeswehr – und wurde angenommen.

Eine außergewöhnliche Zeit begann. Die Nationalmannschaft traf sich zweimal im Monat in einer wenig genutzten Truppenküche im Hauptquartier Mainz. Während auf dem Kasernengelände der Kurmainz-Kaserne Kameraden im Sportanzug auf der Tartanbahn trainierten, kreierte die „Sahnetruppe“ zwischen Edelstahltöpfen und Schneebesen neue Rezepte, optimierte Arbeitsabläufe und versuchte, die Teamarbeit zu verbessern.

Das Training und die gezielten Vorbereitungen auf die Veranstaltungen waren extrem wichtig. Denn die kochende Elitetruppe war häufig in den höchsten Kreisen gefragt. Beim Ball des Deutschen Heeres, dem Tag der Offenen Tür im Verteidigungsministerium, im Schloss Bellevue sowie bei Charité-Veranstaltungen fanden sie ihren Einsatz. Aber auch die diversen internationalen Wettkämpfe auf Malta, in Tschechien oder in den USA verlangte den jungen Soldaten einiges ab. Dass der kulinarische Schliff Früchte trug, bewiesen Stefan Hilpert und seine Truppe bei der Koch-Olympiade 2012 in Erfurt.

Dort erkämpften sie sich in der Einzelwertung eine Gold- und eine Silbermedaille sowie eine Bronzemedaille im Gesamtklassement. „Ich könnte ein ganzes Buch über diese Zeit schreiben. Es war einfach genial!“ schwärmt Hilpert. So unvergessen wie die Erfolge bleiben aber auch unangenehme Erfahrungen. Zum Beispiel, wie sich ein Arm anfühlt, nachdem man 21000 Eiskugeln mit einem Portionierer ausgestochen hat.

Während seiner Zeit bei „der Mannschaft“ wechselte Stefan Hilpert 2011 für knapp zwei Jahre seinen Hauptstandort nach Bad Reichenhall. Im „Einsatz- und Ausbildungszentrum für das Gebirgstragtierwesen (Muli)“ war er als Stabsgefreiter in der Unteroffizierheimgesellschaft (UHG) tätig.

Wechsel aus familiären Gründen

Seit Herbst 2013 übt er seinen Dienst jedoch wieder bei den Heeresfliegern in Bückeburg aus. Obwohl die Zentrale der Koch-Nationalmannschaft der Bundeswehr mittlerweile ebenfalls ins Schaumburger Land wechselte, verließ der inzwischen dreifache Vater nicht zuletzt aus familiären Gründen im Mai 2016 diese Truppe. Seither wendet er seinen Erfahrungsschatz im Casino der Offizierheimgesellschaft Jägerkaserne Bückeburg an.

Obwohl in der Tageskarte des Casinos genauso Currywurst und Pommes wie Schnitzel und Kartoffelsalat zu finden sind, bringt er seine persönliche Note ein. Alles wird frisch gekocht, selbst Soßen oder Desserts. Für Hilpert ist es wichtig, nur Produkte zu verwenden, die keine Geschmacksverstärker oder Konservierungsstoffe enthalten. Außerdem liebt er es, neue Sachen auszuprobieren: „Ich koche ungern nach Rezept. Schließlich bin ich hier in der Küche und nicht in einer Apotheke.“

Hauptmann Reiner, ehrenamtlicher Geschäftsführer des Casinos, sieht in Hilpert eine Bereicherung für seine Küche: „Ich kann mich voll auf seine Qualitäten und seinen Ideenreichtum verlassen. Das ist an einem Abend wie heute Gold wert.“

Schnell, heiß und perfekt

Mittlerweile ist das Fünf-Gänge-Menü des Generals beim Hauptgang angekommen. Jetzt, wo es gilt, das Essen schnell, heiß und perfekt angerichtet rauszugeben, steigt auch bei Stefan Hilpert die Anspannung. „Man muss konzentriert bleiben und vor allem ruhig, falls etwas schief geht. Aber wir sind hier ein tolles Team, und in der Regel klappt es prima“, erklärt Hilpert, nachdem der letzte Teller dampfend die Küche verlassen hat. Etwa eine Stunde später ist auch das Dessert verspeist. Alle hoch dekorierten Gäste sind mehr als zufrieden mit dem Essen.

Auf die Frage, ob es einen Unterschied macht, für wen man kocht, antwortet Hilpert: „Ob ein Gefreiter oder ein Zwei-Sterne-General am Tisch sitzt, ist mir eigentlich egal. Ich koche nicht für den einen besser oder schlechter. Aber wenn der Kommandeur zufrieden ist und anstatt einen Daumen gleich zwei hochhält, dann freut mich das schon.“

Nachdem der Arbeitsplatz auf Hochglanz poliert ist, geht das Licht in der Küche aus. Oft sind es zwölf oder 14 Stunden, die der Koch hier verbringt. Aber so ist das eben. Nach den Jahren unterwegs freut sich Stefan Hilpert heute, wenn er nach Dienstschluss zu Hause bei seiner Frau und den Kindern in Wiedensahl sein kann.  hil

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