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Perfide Maschen: Kriminelle ziehen Senioren ab

Trickbetrüger sind in Stadthagen unterwegs Perfide Maschen: Kriminelle ziehen Senioren ab

Leichte Beute? Kriminelle haben es in jüngster Zeit wieder vermehrt auf Senioren abgesehen. So auch am Mittwoch in Stadthagen. Erst fällt eine Rentnerin in ihrer Wohnung auf Trickbetrüger herein, dann wird eine unachtsame 87-Jährige in der Fußgängerzone bestohlen.

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Quelle: dpa

Doch warum werden besonders Rentner immer häufiger Opfer solcher Taten? Die Polizei hat dafür eine eindeutige Erklärung.

Es ist Mittwoch, 12.20 Uhr, an einer Wohnungstür in der Straße Am Sonnenbrink. Ein Mann, Mitte 20, klingelt an der Tür einer 88-Jährigen. Die Frau öffnet die Tür, der Besucher gibt sich als Lukas Weber aus und sagt, er komme von den städtischen Wasserwerken. Die Bewohnerin habe Glück, sie bekommt Gebühren zurückgezahlt, etwas weniger als 30 Euro. Um den Betrag genau ausrechnen zu können, müsse der Mann ihre Wasseruhr ablesen. Außerdem solle die Rentnerin schon einmal Wechselgeld holen.

Die Frau fällt darauf rein, gewährt dem vermeintlichen Stadtwerke-Mitarbeiter Eintritt. In diesem Moment kommt allerdings kommt eine Angestellte eines Pflegedienstes hereingeschneit – zum Glück der Seniorin. Der Mann im Blaumann ergreift die Flucht. Der Stadthägerin wurde nichts gestohlen. Es ging noch einmal gut.

Anders erging es den beiden anderen Opfern von vermeintlichen Mitarbeitern der städtischen Wasserwerke in den vergangenen vier Wochen im Stadtgebiet: Am 16. Januar geht eine 87-Jährige an der Seilerstraße zwei Trickbetrügern auf den Leim. Ihr wird Schmuck aus der Wohnung gestohlen. Am 29. Januar wird eine 79-Jährige in ihrer Wohnung an der Wilhelm-Bartels-Straße von zwei Männern um Geld, alte Münzen und Schmuck gebracht.

Der aktuellste Fall an Kriminalität an Senioren ereignet sich ebenfalls Mittwoch, und zwar zwischen 14 und 14.30 Uhr auf dem Marktplatz. Eine 87-jährige Stadthägerin ist mit ihrem Rollator in der Stadt unterwegs. Während sie sich nach Polizeiangaben vor einem Schaufenster umschaut, nutzt ein bislang Unbekannter die Gunst der Stunde. Er durchwühlt den Jutebeutel, der im Rollatorkorb liegt, und stiehlt daraus insgesamt 50 Euro an losem Geld. Zu dem Täter liegt keine Beschreibung vor.

Dafür aber für den Trickbetrüger von der Straße Am Sonnenbrink. Der Mann soll Mitte 20, dunkelhaarig und von gepflegter Erscheinung gewesen sein. Er habe akzentfreies Deutsch gesprochen. Die Polizei geht nach eigenen Angaben davon aus, dass es noch einen Komplizen gab. Dieser wurde von der 88-Jährigen allerdings nicht gesehen.
Auffällig ist nach Angaben eines Behördensprechers, dass sowohl die Täterbeschreibungen bei den drei vergangenen Betrugsfällen als auch die Vorgehensweise, der sogenannte modus operandi, ähnlich sind. Ein Täterduo wird also nicht ausgeschlossen.

Die Polizei rät Rentnern in undurchsichtigen Fällen dazu, Fremden nie die Tür aufzumachen, wenn sie klingeln. Am Besten eigne sich ein Sperrbügel an der Tür, mit dem sich diese nur einen Spalt weit öffnen lässt. Außerdem sollte in jedem Fall der Auftraggeber angerufen werden und nach der Berechtigung der jeweiligen Außendienstmitarbeiter gefragt werden. Außerdem könne jederzeit die Polizei alarmiert werden.

Immer wieder werden Senioren Opfer von Kriminellen. Warum? „Diese Generation gilt als besonders gut erzogen – höflich, freundlich, hilfsbereit“, sagt Axel Bergmann, Sprecher der Polizei in Stadthagen. Da hätten besonders Betrüger leichtes Spiel – siehe die häufigen Fälle von erfolgreichen Enkel-Tricks und Geldwechsel-Tricks, um nur einige der Maschen zu nennen. Ältere Menschen können schlecht „nein“ sagen und seien sehr gutgläubig, weiß Bergmann. Hinzu käme noch die körperliche Eingeschränktheit: Die Sehkraft und die Reaktionsfähigkeit lassen im Alter nach.

Aus diesem Grund bietet die Polizei in Stadthagen immer wieder Beratungen für Senioren an. Präventiv werden die Teilnehmer dabei auf nicklige Situationen vorbereitet und geschult, wie sie nicht zum Opfer werden. Infos: (0 57 21) 4 00 40.

++++ Von Rosenverkäufern und Zählerablesern ++++

Betrug an der Haustür: Getarnt als falsche Stadtwerke-Mitarbeiter, Elektriker oder Vertreter - Wenn fremde Personen Einlass in die Wohnung oder das Haus wünschen, ist Vorsicht angesagt. Denn dann suchen die Täter häufig nur einen Grund, sich Zutritt zu Schmuck und Geld zu verschaffen.

Enkel-Trick: „Rate mal, wer hier spricht“, „Ich bin es, Michael!“: So fangen Trickbetrüger häufig ein Gespräch bei willkürlich im Telefonbuch gewählten älteren Namen an. Sie geben sich als Verwandte, Enkel oder auch gute Bekannte aus und bitten kurzfristig um Geld.

Vorgetäuscht werden finanzielle Engpässe oder eine andere Notlage wie ein Unfall im Ausland, ein Auto- oder Computerkauf. Die Lage wird nach Polizeiangaben immer äußerst dringlich dargestellt. Oft bauen die Täter Druck auf. Erklären sich Senioren dazu bereit, mit Geld auszuhelfen, wird ein unbekannter Mittelsmann oder -frau zum Geldabholen geschickt. Von dem geliehenen Geld sehen die Opfer nichts mehr wieder.

Fremd in der Stadt:  Dabei spricht ein vermeintlicher Tourist einen Senior an und breitet einen Stadtplan über dessen Tasche oder den Rollator aus und fragt nach dem Weg. Dabei entnimmt der Täter geschickt Geld aus der Geldbörse oder Wertsachen aus der Tasche. Ähnlich gehen die Kriminellen beim Geldwechsel-Trick vor. Dabei bitten sie darum, Geld gewechselt zu bekommen und greifen vom Opfer unerkannt beherzt ins Portemonnaie.

Rosenmasche: Statt einer lieben Geste werden die Betrüger schnell ungemütlich. Meist werden Frauen auf der Straße Rosen überreicht. Holen diese dann ihre Geldbörse raus, rücken ihnen die Betrüger auf die Pelle und stehlen Geld aus dem Portemonnaie.

Hilflosen-Trick: Eine schwangere Frau klingelt an der Tür, sagt ihr sei übel und bittet um ein Glas Wasser oder fragt, ob sie auf Toilette gehen dürfte. Wird sie hereingebeten, achtet sie darauf, dass die Haustür offen stehen bleibt. Eine zweite Person nutzt die Gelegenheit dann für einen Diebeszug. Die Masche erinnert an den falschen Wasseruhrableser. Auch dabei geht es darum, ins Haus des Opfers zu gelangen – und die Tür für einen Komplizen geöffnet zu lassen.

Taubstummen-Methode: Täter drücken älteren Passanten einen Handzettel in die Hand, der sie als Mitglied einer vermeintlichen Taubstummenorganisation ausweist. Auch hier gilt: Will das Opfer spenden und holt das Portemonnaie raus, greifen die Täter mit geschickten Tricks zu.

Geldautomaten-Trick: Haben Kunden die Geldkarte in den Automaten eingeschoben und die PIN-Nummer eingegeben, kommt es häufig dazu, dass Fremde an den Automaten herantreten, die Schaltfläche mit Karten oder Zetteln verdecken oder die Person gezielt ablenken beziehungsweise verwirren. Dabei geben die Täter geschickt höhere Summen im Bedienfeld ein und entnehmen das Bargeld aus der Ausgabe, um dann zu verschwinden.   r,vin/ddp

So schützen Sie sich!

Öffnen Sie die Tür nur bei vorgelegtem Sperrriegel.

Lassen Sie keine Fremden in Ihre Wohnung.

Bestellen Sie unbekannte Firmenmitarbeiter zu einem späteren Zeitpunkt wieder, wenn eine Vertrauensperson anwesend ist.

Wehren Sie sich energisch gegen zudringliche Besucher. Lieber die Tür vor der Nase zuknallen, als sie zu lange geöffnet lassen.

Sprechen Sie sie laut an oder rufen Sie um Hilfe.

Verlangen Sie von Amtspersonen und Vertretern von Institutionen grundsätzlich den Dienstausweis und prüfen Sie ihn sorgfältig auf Druck, Foto und Stempel. Rufen Sie im Zweifel vor dem Einlass die entsprechende Behörde an. Suchen Sie deren Telefonnummer selbst heraus.

Wenn einem Fremde nahe kommen, ist Vorsicht angesagt. Schaffen Sie räumliche Distanz. Außerdem niemals die Geldbörse aus den Augen, geschweige denn aus den Händen geben.

Im Zweifelsfall immer die Polizei alarmieren.  r

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