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Runter vom Radweg

Thema des Tages Runter vom Radweg

Radler gehören auf die Radwege und Autos auf die Straße? Ganz so einfach ist das nicht. Denn laut Straßenverkehrsordnung fahren Radfahrer – solange sie kein Kind sind – grundsätzlich auf der Fahrbahn. Das wissen jedoch viele Autofahrer nicht. Konflikte sind vorprogrammiert

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Eine Übersicht über die neuen Regeln für Radfahrer gibt es im „Wegweiser Radwege“ der Landesverkehrswacht Niedersachsen, der als Download am Ende des Artikels zur Verfügung steht.

Quelle: pr.

Von Katharina Grimpe

Der Sinn von Radwegen erschließt sich für Autofahrer auf den ersten Blick. Werden Radler und Fußgänger auf den Randstreifen geschickt, haben sie auf den Straßen freie Bahn. Dieses Monopol haben Motorfans allerdings schon lange nicht mehr. In der Vergangenheit wurde die Straßenverkehrsordnung immer wieder novelliert – zuletzt 2013. Seitdem gehören Fahrräder grundsätzlich auf die Straße. Das Problem: Sowohl Autofahrer als auch Radler wissen oft nicht über neue Regelungen und Vorschriften Bescheid. Schutzstreifen und die rote Pflasterung auf vielen Gehwegen sorgen zusätzlich für Verwirrung. Wo dürfen und wo müssen Radfahrer denn nun langfahren?
Grundsätzlich gilt: Ein Radweg muss verpflichtend nur dann benutzt werden, wenn er mit einem der folgenden Verkehrszeichen beschildert ist: Ein Fahrrad auf blauem Grund zeichnet ihn als reinen Fahrradweg aus, die Schilder mit Fußgängern und einem Fahrrad neben- oder übereinander kennzeichnen ihn als kombinierten Geh- und Radweg. Wo keines der Schilder steht, darf der Radler als Nutzer eines Fahrzeuges auf die Straße – egal, ob der Gehweg neben der Fahrbahn mit einer roten Wegführung für Fahrräder markiert ist, oder nicht. Radwege, die mit Pflastermalereien oder gar nicht markiert sind, dürfen freiwillig benutzt werden, ebenso wie Gehwege mit dem Zusatzschild „Fahrräder frei“.
„Das ist vielen Autofahrern leider unbekannt“, sagt Manfred Hoppe, Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Schaumburg. Die Folge: Autofahrer würden meist ungehalten reagieren, Radlern auf der Straße ungeduldig begegnen und zu gefährlichen Überholmanövern ansetzen. Das weiß auch Dietmar Kastning aus eigener Erfahrung. Der Pollhäger nutzt sein Fahrrad oft und gerne auch für den Weg zur Arbeit. Fahre er dort auf der Straße, wo keine Radwegebenutzungspflicht besteht, werde er „von Möchtegern-Hilfspolizisten knallhart und sehr gefährlich überholt, dabei wird gehupt und auf den danebenliegenden ehemaligen Radweg und jetzigen Fußweg gezeigt“, schreibt Kastning aufgebracht per E-Mail an unsere Redaktion.
Auch wenn es paradox erscheint: Das Fahren auf Radwegen ist für Radler oft gefährlicher als auf der Fahrbahn. Nach Angaben des ADFC haben wissenschaftliche Untersuchungen ergeben, dass es beim Radfahren auf der Straße zu weniger schweren Unfällen zum Beispiel an Kreuzungen und Einbiegungen kommt. Fahre ein Radler auf dem Radweg, steige die Gefahr, von abbiegenden Autofahrern übersehen zu werden. Auf der Straße hingegen würden Fahrradfahrer besser ins Blickfeld der anderen Verkehrsteilnehmer rücken.
Wer aber entscheidet darüber, ob ein Radweg benutzungspflichtig ist, oder nicht? Die Entscheidung liegt in Schaumburg beim Landkreis als zuständiger Straßenverkehrsbehörde. Er ordnet die Benutzungspflicht an, wenn das Radfahren auf der Straße zu gefährlich ist. Dafür muss der Radweg allerdings bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Er muss breit genug und die Befahrbarkeit muss zumutbar sein. „Die nach älteren Maßstäben gebauten Radwege entsprechen häufig nicht mehr der aktuellen Rechtslage und den Anforderungen“, erklärt ADFC-Sprecher Hoppe. Der Landkreis sei also angehalten, die Benutzungspflicht für diese Wege aufzuheben.
Das ist in der jüngeren Vergangenheit auch schon vermehrt passiert, zum Beispiel in Pollhagen und Volksdorf, wo aus Radwegen Fußwege mit freier Nutzung für Radler geworden sind. Auch an Straßen in Bückeburg und Lindhorst hat der Landkreis die blauen Radwegschilder abmontiert und so die Benutzungspflicht aufgehoben.
Für Oliver Kunze handelt die Kreisverwaltung allerdings nicht schnell genug. Wiederholt habe er angeregt, die Benutzungspflicht des Radweges neben der Ortsdurchfahrt in Borstel aufzuheben. Die Behörde habe allerdings erst reagiert, als der Bückeburger Klage beim Verwaltungsgericht Hannover einreichte und gewann. Kunze ist Mitglied der „Initiative Cycleride“ und setzt sich dafür ein, dass Radler in Schaumburg nicht gezwungen werden, „dort zu fahren, wo es am gefährlichsten ist“. Entgegen der landläufigen Meinung würden Radwege keinen Sicherheitsgewinn für Radfahrer bieten, argumentiert Kunze. „Im Gegenteil. Nur auf der Fahrbahn ist eine Grundregel der Sicherheit erfüllt: Sehen und Gesehenwerden.“
Kreisdezernentin Ursula Müller-Krahtz erklärt, dass der Landkreis alle in Frage kommenden Radwege abarbeite. Die Sicherheit von Radwegen einzuschätzen, sei Aufgabe der Verkehrskommission des Landkreises, die im Einzelfall die Gegebenheiten vor Ort prüfe und, wie im Fall der Borsteler Ortsdurchfahrt, „intensiv diskutiere“. Die Zahl der Beschwerden in Sachen benutzungspflichtiger Radwege halte sich aber in Grenzen. „Es gibt auch viele Radfahrer, die sich auf den Radwegen wohler fühlen“, erklärt Müller-Krahtz.
Das hat auch der ADFC bemerkt. So lasse sich immer wieder beobachten, dass Radfahrer weiterhin alte Radwege benutzen. Die „Macht der Gewohnheit“ führe eben dazu, dass Änderungen der Verkehrsordnung nur verzögert wahrgenommen werden, sagt Manfred Hoppe. Der Fahrrad-Club wünscht sich für den Landkreis daher mehr Aufklärungsarbeit. Und ein besseres Miteinander zwischen Autofahrern und Radlern.

Einige Radler-Regeln auf einen Blick

  • Radfahrer fahren grundsätzlich auf der Straße, außer ein Radweg ist mit einem der drei blauen Radwegeschilder als benutzungspflichtig gekennzeichnet.
  • Es gibt Radwege ohne Benutzungspflicht. Man erkennt sie oft daran, dass neben ihnen noch ein Gehweg verläuft. Oft sind sie in einer anderen Farbe als der Gehweg gepflastert. Sie können auch mit einem Fahrradsymbol markiert sein.
  • Kinder bis acht Jahre müssen auf dem Gehweg fahren, Kinder bis zehn Jahre dürfen auf dem Gehweg fahren.
  • In Tempo-30-Zonen ist die Benutzungspflicht der Radwege grundsätzlich aufgehoben.
  • Auf Gehwegen, die durch ein Zusatzschild für den Radverkehr freigegeben sind, müssen Radler Schrittgeschwindigkeit fahren, wenn sie ihn nutzen wollen.
  • Teilen sich Radfahrer und Autos die Straße, müssen Autofahrer einen Sicherheitsabstand von mindestens 1,50 Metern beim Überholen eines Radfahrers einhalten.
  • Für Radfahrer gilt das Rechtsfahrgebot. Auf der Straße sollten sie allerdings ausreichend Abstand zu den am Fahrbahnrand parkenden Autos halten (etwa einen Meter).

ADFC will „Fahrradklima“ ermitteln

Wie sicher fühlen sich die Radfahrer in Schaumburg? Gibt es häufig Konflikte mit Fußgängern oder Autofahrern? Macht das Radeln in Schaumburg Spaß? Diese und weitere Fragen richtet der ADFC Schaumburg an alle Radfahrer im Landkreis. Mit seinem sechsten „Fahrrad-Klima-Test“ will der Club mehr über die Fahrradfreundlichkeit der Schaumburger Städte und Gemeinden erfahren.
Radfahrer haben online die Möglichkeit, 27 Fragen zum sogenannten Fahrradklima in ihrem Heimatort zu beantworten. Auf der Homepage www.fahrradklima-test.de können sie außerdem einen schriftlichen Kommentar zur Situation des Radverkehrs vor Ort abgeben.
Der Test des ADFC ist die größte Befragung zum Radfahrklima weltweit und wird in diesem Jahr zum sechsten Mal durchgeführt, teilt der Fahrrad-Club mit. Beim jüngsten Test 2012 gaben bundesweit mehr als 80 000 Menschen ihre Bewertung von 332 Städten ab. Als einziger Ort in Schaumburg schaffte es nur Bückeburg ins Ranking, erklärt der ADFC Schaumburg. Grund: Für jede Stadt muss eine bestimmte Anzahl Menschen abstimmen, abhängig von der Zahl der Einwohner. Der Schaumburger ADFC hofft daher in diesem Jahr auf zahlreiche Test-Teilnehmer.
Die Umfrage läuft noch bis zum 24. November. Mitmachen können alle, die oft oder gelegentlich mit dem Rad unterwegs sind. Die Ergebnisse sollen im kommenden Frühling auf der Homepage www.adfc-schaumburg.de veröffentlicht werden. kcg

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