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Schön war die Einkehr ...

Thema des Tages Schön war die Einkehr ...

Was war das für eine schöne Zeit, als wir an arbeitsfreien Tagen, an Sonn- und Feiertagen, auf Schusters Rappen, per Fahrrad und später mit dem Auto unterwegs waren, um die im Schaumburger Land reizvoll gelegenen Ausflugslokale zu besuchen! Es waren damals, vor vielen Jahren, klangvolle Namen darunter.

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Das „Matteschlösschen“, heute Privathaus.

Quelle: kp

LANDKREIS. Da gab es zum Beispiel die „Süße Mutter“ in Steinbergen, das Waldgasthaus Walter auf dem Bückeberg, das Matteschlösschen in Wölpinghausen oder „Schinkenkruse“ in Luhden. Viele dieser stattlichen Häuser gibt es nicht mehr, wurden mit den Jahren für den Publikumsverkehr geschlossen, abgerissen oder anderen Zwecken zugeführt. Schade!

Gerade das Schaumburger Land, eingebettet zwischen Steinhuder Meer und Wesergebirge, wies eine Anzahl von Gaststätten im Grünen aus, die weit über die Grenzen des Landkreises bekannt waren. Halten wir einen kurzen Rückblick: In einem neuen Text zum Lied „O alte Burschenherrlichkeit“, speziell für das „Matteschlösschen“ nahe Bad Rehburg geschrieben, lobt der Dichter nicht nur das Lokal, sondern die gesamte Region. Auf einer alten Ansichtskarte heißt es da: „Herbei zum Schaumburg-Lipper-Land, zum Matteschlösschen droben; es ist als Ausflugsort bekannt, den Rehburgs Gäste loben. Man hat von dieser Matte aus den schönsten Blick ins Land hinaus, vom Deister bis Westfalen – die Gegend ist zum Malen.“

Schlösschen ging durch mehrere Hände

Das Matteschlösschen hat schon viele Lebensabschnitte hinter sich. Das auf der höchsten Erhebung in Wölpinghausen am Waldrand stehende Schlösschen, das „Neuschwanstein“ von Bergkirchen, mit seinen Türmchen und Zinnen war zunächst ein Luftkurhaus, erbaut 1898 von dem in Bad Rehburg wirkenden Spezialarzt für Lungenkranke, Dr. Lehrecke. Damals war das Haus als gut erreichbares Wanderziel für Patienten aus Bad Rehburg gedacht, die sich nach einem erholsamen Spaziergang durch den Wald in den Gasträumen stärken konnten. Nach Wegzug des Erbauers wechselten in den nächsten Jahrzehnten mehrmals die Besitzer und Pächter der Gaststätte. Schließlich wurde das Lokal in den sechziger Jahren aufgegeben; es wird seitdem als Wohnhaus genutzt.

Vom „Matteschlösschen“ aus hatten die Gäste von den Terrassen aus einen einzigartigen Blick auf das nördlich tief unter ihnen liegende Steinhuder Meer, das für die Schaumburg-Lipper von jeher ein beliebtes Ausflugsziel war und ist. Neben den heute noch existierenden „Strandterrassen“ (damals „Strandhotel“) war der „Ratskeller“ der Anlaufpunkt der Gäste aus nah und fern. Unter ihnen befand sich ein Mann, der damals, um 1900, schon eine Berühmtheit war. Heidedichter Hermann Löns liebte das Steinhuder Meer. In seiner Geschichte „Ein Julitag am Steinhuder Meer“ schreibt er über einen sonntäglichen Ausflug mit der Bahn von Hannover über Wunstorf nach Steinhude, wo er unter anderem den „Ratskeller“ aufsuchte. Da heißt es: „Da es uns im Strandhotel zu laut und zu voll ist, so tauchen wir im Ratskeller unter, bestellen uns ein Fischgericht und lassen, derweilen es bereitet wird, uns die Wellen um die heißen Glieder spülen.“ Den Aufenthalt im Ratskeller kommentiert er mit: „Das Bad hat uns kühl und frisch gemacht und die Ratskellerwirtin satt.“ Das Bad war möglich, weil der damalige Biergarten des Ratskellers Verbindung zum Seeufer hatte. Den von Löns erwähnten Ratskeller gibt es nicht mehr. Das Gebäude wurde 1972/73 abgerissen, um das zentral gelegene Gelände zwischen der Straße Neuer Winkel und Promenade großzügiger gestalten zu können. Das Areal heißt heute traditionsbewusst immer noch Ratskellergelände.

Von leer zu weg

Bei Ausflüglern sehr beliebt waren und sind auch heute noch Waldgaststätten. Zu den bekanntesten Lokalen im Grünen zählte das Gasthaus Walter hoch oben auf dem Bückeberg, nahe der Obernkirchener Sandsteinbrüche. Besonders die Stadthäger liebten es, den knapp drei Kilometer weiten Waldweg von Wendthagen aus zu unternehmen, um anschließend in dem 365 Meter über dem Meeresspiegel liegenden Lokal eine Kleinigkeit zu sich zu nehmen und ein frischgezapftes Schaumburger Bier zu trinken. Die urgemütliche Gaststätte wurde auch gern im Winter bei Schnee und Eis aufgesucht. Den Rückweg im Dunkeln unternahm man dann bei Fackelbeleuchtung. Das gastliche Haus befand sich von 1870 bis 1996 im Besitz der Familie Walter. Der neue Besitzer betrieb die Gaststätte einige Jahre durch Pächter, heute wird es nur noch als Wohnhaus genutzt.

Bleiben wir bei den Waldgaststätten, diesmal im Raum Bückeburg. Oberhalb des heutigen Bückeburger Ortsteils Bergdorf, in den sogenannten Harrl-Kolonien, wurde von Wanderern gern das idyllisch im Wald stehende „Waldschlösschen“ aufgesucht, das seit 1913 von Wirt Carl Gude betrieben wurde, zeitweise sogar als Restaurant und Pension. Die Familie Gude, Hans Glöckner und der Bückeburger Gastwirt Erwin Bornemann lösten sich mit der Bewirtung ab. Wie in dem Bildband „Unbekanntes Bückeburg“, Buch II zu lesen ist, hieß der Leitspruch von „Erwin im Walde“ – gemeint war Erwin Bornemann, der von 1957 bis 1967 das Haus führte: „Der alte Brauch wird nicht gebrochen, hier können Familien Kaffee kochen.“ Die Glanzzeiten gingen auch für das „Waldschlösschen“ zu Ende. Nach mehrjährigem Leerstand wurde das beliebte Ausflugslokal der Bückeburger 1972 abgerissen.

Pavillon auf der Spitze

Ein weiteres Schloss bot sich den Ausflüglern in Steinbergen an: das Schloss Arensburg. Der mittelalterliche Bau in unmittelbarer Nähe der A2 hat eine lange und in den letzten Jahren traurige Geschichte hinter sich. Die Burganlage wurde vom Schaumburger Grafen um 1300 errichtet. Der Umbau von der Burg zum Schloss erfolgte 1560. Von 1582 bis 1592 war das Anwesen Wohnsitz des ehemaligen Bischofs Hermann von Minden. 1646 übernahm das Haus Schaumburg-Lippe die Arensburg. Mit dem Bau der Reichsautobahn ging das Anwesen 1940 in den Besitz der Autobahnverwaltung über. Die errichtete dort 1951 eine Raststätte, womit die Arensburg erstmals der Öffentlichkeit zugänglich wurde. Die attraktiven Räumlichkeiten und Außenterrassen mit Blick auf das Wesergebirge wurden von den Reisenden der Autobahn und von den Schaumburgern gleichermaßen gern genutzt. Anfang der achtziger Jahre kam aus wirtschaftlichen Gründen das Ende. Von 1982 bis 2004 war das Schloss Sitz eines Vermögensverwaltungs-Unternehmens. Anschließend gab es mehrere Besitzerwechsel, ohne dass etwas geschah. Die Arensburg scheint dem Verfall preisgegeben zu sein.

Blicken wir noch einmal zum Bückeberg zurück. In Langenbruch, heute Stadthäger Ortsteil Hörkamp-Langenbruch, wurde von den pflastermüden Stadthägern gern das „Gasthaus am Bückeberge“ am Ende der Kreisstraße aufgesucht. Auf einer Ansichtskarte von 1900 weist das Ausflugslokal am Rande des Bückeberges ein weitläufiges Außengelände mit Biergarten und einem auf einem Hügel thronenden Pavillon auf. Der heutige Wormstaler Weg zum ehemaligen Forsthaus Halt, früher auch eine Gaststätte und seit vielen Jahren Sitz der Schaumburger Jägerschaft, wird auf der Karte als „Weg von Stadthagen über Langenbruch nach der Paschenburg“ bezeichnet. „Das Gasthaus am Bückeberg“ wurde nach dem Zweiten Weltkrieg „Tannenhof“ genannt und bleibt in seinen letzten Jahren als Diskothek in Erinnerung. Heute ist dort eine Weinhandlung untergebracht.

 „Das war ein Sonntag hell und klar...“

Ein bekanntes Waldgasthaus mit Hotelbetrieb an der Bergkette war auch der im Jahre 1800 gegründete „Ölkrug“ in Obernwöhren. Das Haus war bekannt für seine vorzügliche Torten- und Kuchenauswahl, die nach einer Waldwanderung auf den Gast wartete. Der Stadthäger Zeichner Friedel Peitmann hielt um 1910 die „Heimkehr vom Ölkrug“ auf einer Postkarte fest und jubilierte: „Das war ein Sonntag hell und klar...“ Die lustigen Zeichenfiguren dokumentieren, dass es wieder ein gelungener Ausflug war. Mehrere Generationen haben sich im Ölkrug getroffen und gefeiert. Berühmt waren die Karnevalsfeten des „Kegelclubs Bierchen“. Heute ist in dem Haus ein sozialer Dienstleister tätig.

Zum Schluss noch ein Trostpflaster: Bekannte und beliebte Ausflugslokale wurden aufgegeben, andere sind geblieben. Ich denke dabei an die traditionsreichen Gaststätten „Waldkater“ in Rinteln, „Altes Forsthaus“ in Bückeburg, „Felsenkeller“ in Lauenau, „Mooshütte“ im Deister, „Moorhütte“ in Mardorf, Schaumburg und Paschenburg im Wesergebirge, um nur einige zu nennen.  kp

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