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Schülerfirmen: Die Chefs von der Schulbank

Thema des Tages Schülerfirmen: Die Chefs von der Schulbank

Sie verkaufen Schreibblöcke, Kugelschreiber und Tipp-Ex, bringen Senioren die Welt der Computer näher und bauen Holzmöbel für öffentliche Einrichtungen: An vielen Schulen in Schaumburg können Jugendliche das Dasein als Unternehmer proben. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur die pfiffige Geschäftsidee, sondern das Ziel, möglichst nachhaltig zu wirtschaften.

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Viel Zeit und ein offenes Ohr haben auch die IGS-Schüler aus Rodenberg für ihre Kunden. 

Quelle: pr.

Landkreis. Computer können knifflig sein. Vor allem, wenn man nicht mit den digitalen Helfern aufgewachsen ist. Dann sind Florian, Pascal, Fabian und die anderen Mitglieder der Schülerfirma „SHS“ zur Stelle. SHS, das steht für den Slogan „Schüler helfen Senioren“. Und zwar nicht beim Einkaufen oder Glühbirnenwechseln, sondern im Umgang mit Laptop, Tablet und Smartphone.

Aus der Tatsache, dass so mancher Senior Probleme mit der modernen Kommunikationstechnik hat, haben die Schüler der IGS Rodenberg mit Unterstützung ihres Lehrers Jochen Göhler-Jetschmann eine clevere Geschäftsidee entwickelt. Seit vier Jahren bieten die jeweiligen Neunt- und Zehntklässler wöchentlichen Computerunterricht für ältere Menschen an. Und zwar nicht als Kompaktkurs mit festem Programm, sondern in „problemorientierter Eins-zu-Eins-Betreuung“, wie der 17-jährige Pascal erklärt. Ein Schüler steht einem Senior bei seinem Anliegen mit Rat und Tat zur Seite. „Wir holen unsere Kunden da ab, wo sie stehen“, berichtet der Zehntklässler weiter. Denn während ein Kunde lernen möchte, wie er eine E-Mail schreibt oder bestimmte Infos im Internet sucht, will sich ein anderer lieber über Bildbearbeitung und Textverarbeitung informieren. „Und manchmal müssen wir bei Null anfangen, und erklären, wo der PC an geht und wie man einen Doppelklick macht.“

Die Nachfrage ist groß, die Firma der Jugendlichen wird gut gebucht. Und für ihr Dienstleistungsangebot sind die Schüler im vergangenen Jahr sogar als innovativste Schülerfirma beim Bundes-Schülerfirma-Contest ausgezeichnet worden.

Nicht nur die IGS in Rodenberg bietet ihren Schülern die Gelegenheit, sich als Unternehmer auszuprobieren. Zahlreiche weiterführende Schulen im Landkreis haben eine Schülerfirma – als Wahlpflichtkurs, als Unterrichtsprojekt oder als freiwilliges AG-Angebot. Wie das Gymnasium Bad Nenndorf (GBN), wo das Schülerunternehmen „Schools Paper“ ökologische Büroartikel verkauft. Oder die Berufsbildenden Schulen in Stadthagen, an denen eine Firma Holzprodukte und Maler-Dienstleistungen für öffentliche Einrichtungen anbietet.

Schülerfirma, das ist kein fiktives Spiel, sondern „echtes Leben“. Die Jugendlichen gründen ein reales Wirtschaftsunternehmen, entwickeln eine Geschäftsidee, schreiben einen Businessplan, kümmern sich selbstständig um Buchhaltung, Kalkulation, Einkauf, Verkauf, Lagerhaltung, Marketing und PR. Sie kooperieren mit anderen Unternehmen und lernen auf diese Weise ganz konkret und praktisch unterschiedliche Bereiche der Berufs- und Arbeitswelt kennen. Ziel der unterschiedlichen Projekte ist dabei immer, die Mädchen und Jungen auf ihr Berufsleben vorzubereiten, ihnen Orientierung bei der Wahl des späteren Jobs zu geben und außerdem Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft zu fördern.

So unterschiedlich die Konzepte und Geschäftsideen in Rodenberg, Bad Nenndorf und Stadthagen sind: Die Schülerfirmen eint vor allem das Ziel, nachhaltig zu wirtschaften. Das heißt, die Schüler lernen, was es heißt, ihr Unternehmen unter sozialen und ökologischen Gesichtspunkten zu führen.

„Unser Material kommt häufig aus Resthölzern aus der Schulwerkstatt und wir bemühen uns, mit möglichst wenig Verschnitt zu arbeiten, um Ressourcen zu schonen“, erklärt Simon Bruns. Der Fachpraxislehrer an der Stadthäger BBS betreut gemeinsam mit seinen Kollegen Viktor Wolf, Peter Kügler und Clarissa Herrmann die nachhaltige „Schülerfirma der besonderen Art“. Das vor knapp einem Jahr ins Leben gerufene Projekt besteht aus zehn Schülern im Berufsvorbereitungsjahr Holz und Farbtechnik. Ihre Geschäftsidee: Öffentliche Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen oder die Polizei, die mit einem knappen Budget kalkulieren müssen, geben bei den Schülern Maler- oder Holzarbeiten in Auftrag.

Ein Regal für die Polizei, ein Unterstand für den Waldkindergarten Wendthagen, Holzpferde für den Kindergarten Meerbeck und Sitzbänke für die Kita in Bad Nenndorf: Die Dienstleistungen und fertigen Produkte können zu einem günstigen Preis verkauft werden. Dafür erklären sich die Auftraggeber damit einverstanden, dass die Schüler ohne Zeitdruck arbeiten. Wichtig ist den Jungunternehmern, nicht mit Handwerksbetrieben in der Region zu konkurrieren. „Wir nehmen keine privaten Aufträge an“, betont Bruns. Damit sie in Sachen Buchführung das richtige Know-How bekommen, lassen sich die Schüler von Wolfgang Müller, Mitarbeiter der Sparkasse Schaumburg, beraten.

Umweltfreundliche Stifte, Blöcke und Schreibhefte sind das Metier von Sabrina, Constantin, Gesa, Francisca, Benedikt und Tom. Die sechs Gymnasiasten engagieren sich freiwillig in der GBN-Schülerfirma „Schools Paper“ und verkaufen an jedem Schultag in der zweiten großen Pause Öko-Bürobedarf vom Kleber bis zum Geodreieck. Um den Verkauf zusätzlich anzukurbeln, planen die Nachwuchsunternehmer immer wieder besondere Aktionen wie das Starter-Paket mit Schulmaterial für die zukünftigen Fünftklässler.

Nachhaltig ist das GBN-Unternehmen nicht nur wegen der zum großen Teil unter ökologischen Bedingungen produzierten Produktpalette, sondern auch wegen des sozialen Aspekts, wie Lehrerin Annelie Beilfuß schildert. „In der AG lernen die Schüler, jahrgangsübergreifend zusammenzuarbeiten und an einem Strang zu ziehen.“ Der Austausch mit Schülern, die sie nicht aus dem Unterricht kennt, ist für die 16-jährige Sabrina Grund, bereits zum zweiten Mal an der Schülerfirma-AG teilzunehmen. „Es ist lustig, mal etwas mit anderen zu machen. Außerdem lernen wir Aspekte des Handels kennen, die im Unterricht nur theoretisch zur Sprache kommen.“

Hochmotiviert sind auch die Macher von „SHS“ in Rodenberg. Vor allem die Möglichkeit, bei der Arbeit mit den Senioren einmal die Lehrerperspektive einnehmen zu können, schätzt Pascal an der Schülerfirma. „Wir können Wissen weitergeben und werden um Rat gefragt. Das ist ein ganz anderer Aspekt des Lernens.“ Immerhin müssen die Coaches eine Stunde lang voll konzentriert für ihre Kunden da sein und nicht einfach nur „still im Unterricht sitzen“. Und für den 16 Jahre alten Kai zählt vor allem der Austausch mit den älteren Menschen, mit denen nicht nur über Internet und Co., sondern auch mal über Privates geplaudert wird. „Einen Kunden habe ich elf Wochen betreut. Da entsteht schon so etwas wie Freundschaft.“ kcg

Nachhaltigkeit

820 Nachhaltige Schülerfirmen haben sich in Niedersachsen zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Die Geschäftsfelder sind denkbar vielfältig: Es gibt Fahrradwerkstätten, Reisebüros, die Klassenfahrten organisieren, und Holzwerkstätten. Die Schüler handeln mit nachhaltigen Büroarktikeln, betreiben Solaranlagen, stellen Taschen aus Recyclingmaterialien her oder verleihen Kunstobjekte an Praxen und Kanzleien. Etwa ein Drittel aller Firmen kümmern sich mit einem Schulkiosk oder einem Catering-Service um die Verpflegung der Mitschüler.
Alle Schülerfirmen eint der Nachhaltigkeitsgedanke: Nicht der kurzfristige Gewinn und das Wachstum steht im Mittelpunkt ihres Wirtschaftens, vielmehr berücksichtigen sie ökologische und soziale Belange. Ziel sind dabei zukunftsfähige Veränderungen im Wirtschafts-, Sozial- und Umweltverhalten. Das Netzwerk Nachhaltige Schülerfirmen wird von einer Landesfachkoordination und 15 Regionalkoordinatoren betreut.
Die nachhaltigen Schülerfirmen der Region Nienburg und Schaumburg präsentieren sich am Mittwoch, 24. Juni, bei der Schülerfirma-Messe in der Hans-Christian-Andersen-Schule in Stadthagen. Während der Veranstaltung bietet sich den Jugendlichen nicht nur die Gelegenheit zum Kennenlernen und Austausch. In unterschiedlichen Workshops können sie außerdem alles Wichtige über Themen wie Marketing, Buchhaltung und nachhaltiges Wirtschaften lernen. Interessierte Lehrer haben die Chance, sich über die Gründung einer Schülerfirma zu informieren. Die Messe ist eine Veranstaltung des Arbeitskreises „Nachhaltige Schülerfirmen in der Region Nienburg/Schaumburg“ in Zusammenarbeit mit der Hans-Christian-Andersen-Schule.

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