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E-Mountainbikes Schwerelos

Fahrräder mit elektrischem Antrieb sind nicht nur für Senioren interessant. E-Mountainbikes sollen auch jüngere Radfahrer von der Portion Extra-Schub überzeugen. In Schaumburg hinkt der Trend noch etwas hinterher.

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Gern gesehene Gäste im Deister: Für E-Mountainbikes gelten dort die gleichen Regeln wie für Fahrräder ohne Motor.

Quelle: www.felt.de

Von Jennifer Minke-Beil

Eigentlich müsste Ulrich Soergel aus Obernwöhren Prozente von den E-Bike-Herstellern bekommen: Als er sich vor knapp drei Jahren selbst ein Fahrrad mit Elektroantrieb angeschafft hat, galt er in seinem Freundeskreis noch als Exot. Mittlerweile fahren jedoch fast alle seiner Bekannten ein solches Fahrrad – und zwar, weil er es ihnen so schmackhaft gemacht hat. Aber nicht nur Soergel und seine Bekannten aus Stadthagen und Umgebung wissen das E-Bike zu schätzen: Die Verkaufszahlen steigen seit etwa fünf Jahren in ganz Deutschland rasant an.
Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) verzeichnete im vergangenen Jahr einen Zuwachs von 17 Prozent auf insgesamt 480 000 in Deutschland verkaufte E-Bikes. Zum Vergleich: 2013 waren es noch 410 000 Stück. Aktuell sind laut ZIV 2,1 Millionen E-Bikes auf deutschen Straßen unterwegs.
Wenn von den E-Bikes die Rede ist, sind häufig sogenannte Pedelecs gemeint. Das sind allerdings zwei unterschiedlich funktionierende elektrische Antriebe. Beim Pedelec tritt der Radler noch selbst aktiv in die Pedale, wird aber von einem Elektromotor bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Kilometer pro Stunde unterstützt. Bei den E-Bikes handelt es sich indes um eine Art Elektromofa, denn dabei wird der Motor mit einem Drehgriff angetrieben (siehe auch Kasten). Trotzdem hat sich der Begriff E-Bike im allgemeinen Sprachgebrauch durchgesetzt.
Ein Grund für das anhaltend starke Wachstum und den zunehmenden Marktanteil von E-Bikes ist, dass vermehrt jüngere Kundengruppen das Elektrorad für sich entdecken. Das bestätigt auch André Hendschke, Inhaber des Geschäfts „Deister Bike“ in Bad Nenndorf: „Die Modelle werden immer sportlicher. Das spricht die jüngeren Kunden natürlich eher an.“ Bei ihm im Geschäft seien mittlerweile auch Mountainbikes mit E-Motor gefragt. Aktuell habe er an einen knapp 60-jährigen Mann ein E-Mountainbike für 7000 Euro verkauft. Eine Stange Geld – für diese Summe gibt es schließlich auch locker einen Kleinwagen.
So viel muss ein E-Mountainbike aber nicht unbedingt kosten, meint Bernd Dannenberg aus Barsinghausen. Das sei dann die absolute Luxusversion. Er fährt selbst seit gut 2,5 Jahren ein E-Mountainbike. „Ab 2500 Euro aufwärts geht es eigentlich los“, meint der 62-Jährige. Er muss es wissen. Er ist nicht nur seit vielen Jahren begeisterter Mountainbike-Fahrer, sondern hat auch einen Fahrradladen. „Nach zwei Operationen am Knie brauchte ich den Antrieb, um meinen Sport weiter betreiben zu können.“ Auch er hat die Erfahrung gemacht, dass E-Bikes immer stärker nachgefragt werden. Allerdings halte sich das Interesse an motorisierten Mountainbikes noch in Grenzen. „Ich habe das Gefühl, dass Trends bei uns auf dem Land mit zwei bis drei Jahren Verzögerung ankommen“, sagt Dannenberg.
Die Vorteile für ein E-Bike sind seiner Meinung nach aber eindeutig: „Mit einem Antrieb am Rad verdreifacht sich die Reichweite, die man sonst schaffen würde“, so Dannenberg. Zudem traue man sich wieder mehr zu.
Maren Reineking vom Fahrradladen „Tretlager“ in Nienbrügge hat festgestellt, dass vor allem E-Trekkingräder bei jüngeren Kunden gefragt sind. Mit jüngeren Kunden meint sie in dem Fall die Käufer ab 40 Jahren. Die üblichen E-Bikes seien aber nach wie vor insbesondere bei den ab 60-Jährigen ein Thema. E-Mountainbikes sind da noch die Ausnahme. Reineking macht darauf aufmerksam, dass E-Bikes gut eingestellt sein müssen, um alle Vorteile nutzen zu können, und sie hat für ihre Kunden immer einige Tipps auf Lager: „Es ist beispielsweise sehr wichtig, den Luftdruck der Reifen regelmäßig zu kontrollieren. Dieser Aspekt hat auch auf den Akkuverbrauch einen großen Einfluss.“ Um den Akku zu schonen, sei ebenfalls entscheidend, nicht ständig im höchsten Gang zu fahren.
Echte Mountainbike-Experten sind auch die Mitglieder des Vereins „Deisterfreun.de“. Sie haben ihren Verein vor einigen Jahren gegründet, um gemeinsam in der Deisterregion Touren zu fahren. Die „Deisterfreun.de“ haben in ihrem Club noch keine Erfahrungen mit motorisierten Mountainbikes gemacht. „Für das Befahren von Forstwegen finde ich ein E-Trekkingrad schon eine gute Sache“, meint Pressesprecher Mirko Haendel. Für ihn und seine Mitstreiter aus dem Verein seien die E-Mountainbikes nicht so sinnvoll, da sie wegen des Motors zu schwer seien. Gerade für das sportliche sogenannte Downhill-Fahren seien sie nicht geeignet. „Sprünge lassen sich dann nicht mehr so gut realisieren“, erläutert Haendel.
Im Deister sind die E-Bikes bislang gern gesehen, sagt Joachim Hansmann, Pressesprecher der Niedersächsischen Landesforsten. „Auf den Forstwegen ist es überhaupt kein Problem, wenn Leute mit ihren Pedelecs unterwegs sind.“ Für sie gelten die gleichen Richtlinien wie für andere Fahrradfahrer.
Richtlinien und Regeln sind allerdings brisante Themen bei den Radfahrern im Deister: In diesem Punkt gab es in den vergangenen Jahren zahlreiche offen ausgetragene Konflikte. Das rasante Fahren durch den Wald hat immer wieder zu Auseinandersetzungen mit Förstern und Wanderern geführt. Eine Probephase von zwei öffentlichen Downhill-Trails soll nun zeigen, ob sie den Verkehr auf den illegalen Strecken reduzieren. „Wir möchten den Deister auch für die jüngere Klientel interessant gestalten und ihnen etwas bieten“, sagt Hansmann. Deshalb habe die Region Hannover ein Interesse daran, dass sich der Deister als Mountainbike-Paradies herumspreche. Seitdem es die beiden offiziellen Trails mit den Namen „Ü-30“ und „Ladies only“ gebe, haben sich die illegalen wilden Fahrten reduziert, meint der Sprecher der Niedersächsischen Landesforsten. „Dort können sie sich jetzt so richtig austoben.“
Ulrich Soergel indes genießt sein Pedelec vor allem dann, wenn der Gegenwind besonders unangenehm weht oder seine Enkel hinten im Anhänger sitzen und ein unbequemer Anstieg vor ihm liegt. Es sei überhaupt kein Problem mehr, mit dem Fahrrad nach Stadthagen zu fahren – egal, welches Wetter vorausgesagt ist. Auch an seine erste Fahrt kann er sich noch bestens erinnern. „Nach den ersten Kilometern strahlt man nur noch. Man fühlt sich unheimlich leicht“, sagt der Kinderarzt. Auf dem E-Bike müsse er nicht an seine körperlichen Grenzen gehen und komme nicht ständig verschwitzt am Ziel an. Soergel berichtet, dass er auch noch ein Fahrrad ohne Antrieb in der Garage stehen hat. Doch das nutzt er nur noch, wenn sein E-Bike repariert werden muss.

Es gibt drei Typen elektrisch unterstützter Fahrräder: Was bedeutet der Begriff Pedelec und wo liegt der Unterschied zum E-Bike? Sind diese Fahrzeuge noch Fahrräder im engeren Sinne?
- Das Pedelec (Pedal Electric Cycle) unterstützt den Fahrer mit einem Elektromotor bis maximal 250 Watt während des Tretens und nur bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometer. Wer schneller fahren will, ist auf die eigene Körperleistung angewiesen, die bei einem durchschnittlichen Radfahrer etwa 100 Watt beträgt. Der Unterstützungsgrad kann in mehreren Stufen eingestellt werden und ist abhängig von der Pedalkraft oder der Trittfrequenz des Fahrers.
 - Die schnellen Pedelecs, auch Schweizer Klasse oder S-Klasse genannt, gehören nicht mehr zu den Fahrrädern, sondern zu den Kleinkrafträdern. Die Räder funktionieren zwar wie ein Pedelec, aber die Motorunterstützung wird erst bei einer Geschwindigkeit von 45 Stundenkilometer abgeschaltet. Derzeit liegt die maximal erlaubte Nenn-Dauerleistung der Motoren bei 500 Watt.
Für die schnelle Klasse sind einige gesetzliche Besonderheiten zu beachten: Für sie ist eine Betriebserlaubnis beziehungsweise eine Einzelzulassung des Herstellers vom Kraftfahrtbundesamt (KBA) notwendig. Das schnelle Elektrofahrrad braucht ein Versicherungskennzeichen (Kostenpunkt etwa 70 Euro pro Jahr). Das Bundesverkehrsministerium sieht als bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit die an, die beim Mittreten erreicht wird, also bis Tempe 45. Daraus folgt, dass Fahrer mindestens 16 Jahre alt und im Besitz einer Fahrerlaubnis der Klasse AM sein müssen, zudem müssen sie einen geeigneten Schutzhelm tragen.
- E-Bikes im engeren Sinn sind die dritte Kategorie. Sie sind mit einem Elektromofa zu vergleichen und lassen sich mithilfe des Elektroantriebs durch einen Drehgriff oder Schaltknopf fahren, auch ohne dabei in die Pedale zu treten. Wird die Motorleistung von 500 Watt und eine Höchstgeschwindigkeit von maximal 20 Kilometer pro Stunde nicht überschritten, gelten diese Fahrzeuge als Kleinkraftrad. Auch beim E-Bike ist ein Versicherungskennzeichen, eine Betriebserlaubnis und mindestens eine Mofa-Prüfbescheinigung zum Fahren notwendig. Man ist auf die eigene Leistungsfähigkeit angewiesen, wenn man schneller als 20 Stundenkilometer fahren möchte. Eine Helmpflicht besteht bei den E-Bikes nicht.  Quelle: ADFC

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