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So kommen Radler durch den Winter

Sicherheitscheck So kommen Radler durch den Winter

Einmotten oder durchfahren? Egal, ob man dem Fahrrad im Herbst und Winter eine Auszeit gönnt oder weiter in die Pedale tritt: Ein kurzer Radcheck und etwas Pflege ist in der kalten Jahreszeit ratsam und sorgt dafür, dass Rad und Fahrer sicher ihr Ziel erreichen. Was genau zu tun ist, verraten die Schaumburger Nachrichten. Ein Experten-Check

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Von Ann-Kathrin Fels, Falk Zielke und Katharina Grimpe

Rad fahren im Winter? Warum nicht? Solange Kondition, Technik und Ausrüstung stimmen. Denn so viel ist klar: Radeln im Winter fordert Mensch und Material. Außer Kälte können Feuchtigkeit, Glätte oder Streusalz Probleme bereiten. „Das Fahrrad braucht im Winter schon ein wenig mehr Pflege“, sagt David Koßmann vom Pressedienst Fahrrad. Die gute Nachricht: Radfahrer, die das ganze Jahr hindurch fahren, müssen keine Technik-Experten sein. Die meisten Dinge lassen sich relativ einfach selbst erledigen. „Es gibt den sogenannten Dreiklang in der Radpflege: Kette, Bremsen, Reifen.“

Worauf es im Winter ankommt:

Schmieren: Ohne die Fahrradkette läuft nichts. Doch Nässe und Streusalz setzen ihr immer wieder zu. Ob eine Kette gut funktioniert, können Radfahrer heraushören: „Wenn sie quietscht, ist es oft schon zu spät“, sagt Koßmann. Denn dann fehlt Fett oder Öl. „Die Kette muss gut geschmiert sein.“ Ist sie trocken und bereits ein wenig angerostet, kann sogenanntes Kriechlöl helfen, die Oberflächenkorrosion zu lösen. „Wischen Sie überflüssiges Öl wieder mit einem Lappen ab“, rät Koßmann. Dann bleibt die Kleidung von unschönen Flecken verschont, und auch der Rahmen wird nicht unfreiwillig eingefettet. Wer wegen der besseren Schmierfähigkeit eher festere Schmiermittel mit Teflon wählt, sollte bedenken, dass sich daran oft Dreck festsetzt. „Da müssen Sie unter Umständen ab und zu putzen.“ Denn Schmutz zieht Feuchtigkeit an und fördert damit die Rostbildung. Eine Alternative für Vielfahrer können Riemenantriebe sein. Hier sind die Räder statt mit einer Kette aus Metall mit einem Zahnriemen aus Kunststoff ausgestattet, in etwa vergleichbar mit einem Keilriemen beim Auto. Sie vertragen Feuchtigkeit, da das Material nicht rostet. Einen Spritzer Schmiermittel können auch die mechanischen Teile der Bremsen wie die Bremshebel gut vertragen, weiß Dirk Fahlbusch, Mitarbeiter des Fahrradgeschäfts Tretlager in Nienbrügge.

Putzen: Dreck, Laub, Wasser und vor allem Salz: Alle Teile des Fahrrades leiden im Herbst und Winter unter der Witterung. Um so wichtiger ist es, den Drahtesel regelmäßig zu putzen, betont Fahlbusch. Gerade Streusalz setzt dem Material zu. „Wer viel im Winter fährt, sollte sein Rad einmal in der Woche mit Wasser abspülen oder abwischen“, sagt der Experte. Die Salzlauge frisst sich schnell in Ritzen und Schrauben und lässt das Material leiden. Aber Vorsicht: Die Radwäsche sollte nicht bei Minustemperaturen erfolgen. „Man muss aufpassen, dass die Bowdenzüge der Bremsen nicht einfrieren.“ Das gleiche Problem kann entstehen, wenn das Rad in der Wohnung gelagert wird. Denn bei allzu großen Temperaturschwankungen zwischen drinnen und draußen kann sich in der Hülle der Bowdenzüge Kondenswasser bilden. Wird das Rad dann längere Zeit bei Minusgraden draußen abgestellt, gefriert das Kondenswasser und die Bremse funktioniert nicht mehr. Der Tipp: Das Fahrrad sollte trocken, aber kühl geparkt werden. Noch ein Hinweis in Sachen Wäsche: Auch Reflektoren und Speichenstrahler können im Laufe des Jahres eine Schmutzschicht bekommen, die regelmäßig abgewischt werden sollte. Das gilt auch für Vorder- und Rücklicht. Damit die Bremsbeläge Grip haben, sollten außerdem stark verschmutzte Felgenränder ab und an gesäubert werden. Denn im Winter ist es umso wichtiger, dass die Bremse gut zieht. Schließlich ist der Bremsweg auf glatten Fahrbahnen länger als sonst. „Scheibenbremsen haben im Winter einen Vorteil“, erklärt Koßmann. „Sie sind an der Nabe angebracht und bekommen daher keinen Schmutz vom Reifen ab.“ Doch auch die weit verbreiteten V-Brakes, die an der Felge greifen, reichen in der Regel aus. Wichtig ist grundsätzlich, dass die Bremsbeläge noch dick genug sind. „Wer beim Bremsen ein Geräusch hört, sollte sich neue Beläge besorgen“, rät Koßmann.

Luft ablassen: Über frisch gefallenen Schnee kann man noch ohne Schwierigkeiten fahren. Auf nasser oder vereister Fahrbahn kommen Radler dann schnell ins Rutschen. Dies gilt besonders bei einer festgefahrenen Schneedecke. Um Unfälle zu vermeiden, empfiehlt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) nicht nur eine angemessene Fahrweise (siehe Kasten). Eine Möglichkeit ist auch, das Rad mit Winterreifen auszustatten. Der Vorteil: Sie haben mehr Grip. Hersteller haben die Gummimischung dieser Reifen zum Beispiel mit Partikeln aus Siliziumkarbid besetzt, was die Lauffläche rauer macht. Im Extremfall haben Winterfahrer auch die Möglichkeit, mit Spikes besetzte Reifen für vereiste Strecken zu nutzen, erklärt der ADFC. Die Metallstifte geben beim Fahren auf vereisten Flächen oder auf festgefahrenem Schnee Sicherheit. Am besten greifen die Spikes, wenn der Reifen mit dem Mindestdruck von 2,5 Bar aufgepumpt ist. Spikereifen sind im Straßenverkehr erlaubt, sagt ADFC-Rechtsexperte Roland Huhn. „Denn von einer Beschädigung der Straßendecke durch einen Radfahrer mit Spikereifen ist nicht auszugehen.“ Wer keine Winterreifen montieren möchte und auch auf Spikes lieber verzichtet, kann einen einfachen Trick anwenden: „Lassen Sie ein wenig Luft ab“, rät Experte Koßmann. „Dann wird die Lauffläche und damit die Traktion größer.“ Dabei sollte aber nie der an der Reifenflanke angegebene Minimaldruck unterschritten werden. Ganz wichtig beim Thema Luftdruck: Beste Laufeigenschaften haben Alltagsreifen in der Regel bei einem Luftdruck, der nah des angegebenen Maximalwerts liegt.

Wann zum Profi? Bernd Skatikat, Inhaber des Nienstädter Tretlagers, sagt zu diesem Thema „Wenn man sich die Wartung selber nicht mehr zutraut.“ Gerade bei der Lichtanlage würden Hobbyschrauber oft an ihre Grenzen kommen.

Achtung, Sturzfallen!

Ob er sich auch im Winter in den Sattel schwingt? Das ist für Joachim Toemmler keine Frage. Der 66-Jährige aus Haste radelt pro Woche zwischen 200 und 500 Kilometer und organisiert mehrtägige Radwanderungen, die er zum Beispiel mit seiner Gruppe „Mit Bahn, Plan und Elan Haste“ (MBPE) absolviert. Dabei beschränkt sich sein sportlicher Eifer eben nicht nur auf die sommerlichen Schönwettermonate.
Radfahren könne man im Winter genauso wie im Sommer, wenn man Ausrüstung und Fahrweise an die Witterung anpasst. „Ganz wichtig ist refektierende Kleidung“, betont Toemmler. Schließlich müsse man in der dunklen Jahrezeit besonders darauf achten, im Straßenverkehr gut gesehen zu werden. Reflektoren an Jacke, Hose oder Helm seien ein absolutes Sicherheitsplus. Verzichtbar sind für ihn hingegen teure Outdoor-Jacken. Der 66-Jährige verlasse sich lieber auf warme Kleidung und sein Regencape, dass bei Bedarf schnell an- und auch wieder ausgezogen werden könne.
Zudem sollten Winterradler ihr Fahrverhalten verändern und lieber vorausschauend und langsamer unterwegs sein. „Laub ist meist noch gefährlicher als Schnee, weil man die Glätte auf einer laubbedeckten Straße oft unterschätzt“, erklärt der passionierte Fahrrad-Fan. Hingegen fahre man bei Eis und Schnee meist ganz automatisch langsamer und damit sicherer. Zu Sturzfallen zählen außerdem Gullydeckel und Bahnschienen.
Nicht nur Toemmler, sondern auch der ADFC empfiehlt ausdrücklich, im Winter schon tagsüber mit Licht zu fahren, um auf sich aufmerksam zu machen. Gut geeignet seine wartungsfreie Nabendynamos, LED-Frontscheinwerfer und ein LED-Rücklicht mit Standlicht. kcg

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