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Spaß mit Farben

Thema des Tages / Paintball Spaß mit Farben

Paintball wird als Sportart in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Dabei betrachten allein in Deutschland inzwischen schätzungsweise 50 000 zumeist junge Menschen das schnelle Spiel mit den Farbkugeln als ihr Hobby – und widerlegen dabei so manches Vorurteil.

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Zwei Teams stehen sich in der Halle gegenüber.

Quelle: aw

Sachsenhagen. Die Schüsse sind schon von draußen zu hören. Sie kommen aus einer großen Halle am Dühlfeld, gleich hinter dem Fitnessstudio. Drinnen ist nur ein schmaler Durchgang frei, der Rest der 1000 Quadratmeter großen Halle ist von der Decke bis zum Boden mit einem grünen Netz bedeckt. Dahinter stehen sechs junge Männer einander gegenüber, allesamt vermummt, das Gesicht mit einer Maske geschützt. Vor und zwischen ihnen stehen auf dem Kunststoffboden große, mit Luft gefüllte Plastiksäcke und Fässer. Der Geruch von Lebensmittelfarbe hängt in der Luft. Die beiden Dreier-Teams treten gegeneinander an – allerdings nicht mit Gewehren, sondern mit Markierern. Sie spielen Paintball.

Seit 2006 betreiben Fernando de Salvo und Wilhelm Thürnau die Indoor-Anlage, die an das Fitnessstudio angeschlossen ist. „Damals hat der Vermieter gesagt, dass er da hinten noch Hallen frei hat“, erinnert sich de Salvo an die Anfänge. Seither kommen regelmäßig Spieler nach Sachsenhagen, um Spaß zu haben, vor allem im Winter. Im Sommer dagegen toben sie sich eher auf den zum Teil riesigen Outdoor-Anlagen aus, die es inzwischen auch in Deutschland gibt. Das nächstgelegene Freiluftspielfeld finden Paintballer in Leese (Landkreis Nienburg).

Die Fans dieses Spaßsports gehen ihrem Hobby weitgehend unbeachtet von der großen Öffentlichkeit nach. Denn immer noch gibt es Vorurteile, die gelegentlich hervorgekramt werden: Paintball sei ein Kriegsspiel, heißt es dann, und die Spieler seien zu einem großen Teil rechtsradikal eingestellt. Beides stimmt nicht. „Das hat nichts mit Krieg zu tun“, sagt de Salvo. Und: „Rechtsradikale haben keine Chance.“ In Deutschland, sagt er, werde kein Betreiber Neonazis auf die Anlage lassen und ihnen damit eine Plattform bieten. Trotzdem hegen gerade viele traditionelle Vereine nach wie vor Misstrauen. Die Zusammensetzung der Teams ist bunt gemischt, das Alter meist eher niedrig. Auch reine Frauengruppen sind dabei – oftmals härter als die Jungs, wie Thürnau erzählt.

Zwar wird beim Paintball geschossen, aber eben nicht mit Gewehren und Munition, sondern mit Markierern und Paintballkugeln. Die Sicherheitsvorkehrungen sind hoch, die Spieler müssen spezielle Schutzkleidung tragen. Dadurch ist das Verletzungsrisiko praktisch gleich null. Das Schlimmste, was hier passieren kann, sind ein paar blaue Flecken, über die dann spätestens beim gemeinsamen Bier am Grill danach gelacht wird – auch das ist an der Halle in Sachsenhagen problemlos möglich. „Es ist ein Spaß in der Gruppe“, sagt de Salvo, „die Leute kommen fröhlicher heraus, als sie reingegangen sind.“ Paintball sei nichts anderes als „Cowboy und Indianer für Erwachsene“.
Und der Sport hat noch einen weiteren Vorteil: Er wirkt der so viel kritisierten Vereinsamung gerade junger Menschen am Computer entgegen. „Es ist ein Mannschaftssport“, sagt Thürnau. Meist spielen Fünfer-Teams gegeneinander, die Runden sind kurz. „Bis so eine Gruppe markiert ist, das geht schnell.“

Die notwendige Ausrüstung, vor allem den Markierer und die Schutzmaske, kann bei Thürnau und de Salvo ausgeliehen werden. Manche Spieler bringen auch ihr eigenes Equipment mit. Das Spiel in der Halle kostet pro Tag und Person 25 Euro, die Kugeln nicht mitgerechnet. Größere Gruppen sind günstiger dran. Gespielt werden kann dabei theoretisch bis zu 24 Stunden – nach Anmeldung kein Problem, sagt de Salvo.

Für große Turniere, beispielsweise bei den großen deutschen Paintball-Ligen, ist die Halle in Sachsenhagen nicht gedacht. „Die Anlage ist für Spaß ausgelegt“, so Thürnau. Profis kämen nur her, wenn sie trainieren oder einfach nur ihren Spaß haben wollen.

Technik und Vorschriften

Paintball darf in Deutschland – anders als in den meisten anderen Ländern – erst ab 18 Jahren gespielt werden, das fordert der Gesetzgeber.

! Markierer dürfen den Geschossen in Deutschland eine Bewegungsenergie von maximal 7,5 Joule erteilen und müssen eine Kennzeichnung, ein F in einem Fünfeck, für die Zulassung besitzen. Die Kugeln werden oben am Markierer in einem Behälter, dem Hopper, gelagert. Abgeschossen werden sie durch Druck aus einer Pressluftflasche. Neben Pump-Action-Technic-Markierern, die für jeden Schuss repetiert werden müssen, gibt es auch sogenannte Semiautomaten, bei denen nach dem Schuss automatisch der nächste Paintball nachgeladen wird. Vollautomatische Markierer sind in Deutschland verboten.

Ein Paintball-Spielfeld ist keine Schießstätte im Sinne des Waffengesetzes.
Schutz: Paintball-Spieler tragen eine Schutzmaske, die den Kopf komplett umschließt, inklusive der Ohren. Dazu kommt häufig weitere Schutzkleidung wie Knie- und Ellenbogenprotektoren. Für die Markierer schreiben viele Anlagenbetreiber außerhalb der Runden sogenannte „Laufsocken“ vor, um unbeabsichtigte Schüsse abzufangen.

So läuft es ab

Paintball ist 1981 in den USA entstanden und hat sich seither international weit verbreitet. In Deutschland wurde und wird das Spiel zum Teil noch als „Gotcha“ bezeichnet, ein Slang-Ausdruck für „I got you“, „Ich hab dich“, der jedoch nur hierzulande verwendet wird. Die meisten Paintballer spielen in ihrer Freizeit, allerdings gibt es auch die Deutsche Paintball-Liga und die Paintball-Sport-Liga, in denen mehrere Clubs organisiert sind.
Inzwischen gibt es zahlreiche Arten dieses Sports:
Speedball: Spiele auf relativ kleinen, übersichtlichen Feldern mit künstlichen Hindernissen. Sind dies aufblasbare geometrische Figuren wie Zylinder, Kegel und Kästen, spricht man von SupAir.
X-Ball: Fünfer-Teams spielen gegeneinander um Punkte.
Bei Woodland und Szenario geht es auf unebenes oder unübersichtliches Terrain mit zumeist natürlichen Hindernissen.
In den Spielen werden mehrere Varianten eingebaut. Hier ein Beispiel:
Capture the Flag: Jede Gruppe startet von einem besonderen Startpunkt, an dem die Flagge der Gruppe postiert ist. Das gegnerische Team muss nun diese Flagge stehlen. aw

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