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Stadthäger Polizei auf der Jagd

Großangelegte Kontrolle in der Kreisstadt Stadthäger Polizei auf der Jagd

Dem jungen Mann am Steuer des dunklen VW ist mulmig zumute. Das lässt jedenfalls sein Blick vermuten.

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Verunsichert schaut er den Polizisten an, der ihn in eine Parkbucht dirigiert. „Für viele Autofahrer ist das eben alles andere als Routine“, sagt Christian Sieb. Mit „das“ meint der Dienstschichtleiter des Stadthäger Kommissariats die groß angelegte Polizeikontrolle, bei der Sieb gemeinsam mit neun Kollegen gestern an der Jahnstraße in Stadthagen Auto um Auto unter die Lupe genommen hat. Ziel der Beamten: Alkohol- und Drogensünder auf frischer Tat ertappen und aus dem Verkehr ziehen.

Etwa sechsmal im Jahr organisiert die Stadthäger Polizei Großkontrollen mit jeweils unterschiedlichen Schwerpunkten: um Rasern auf die Spur zu kommen oder um Autofahrer, die sich trotz ihres Alkohol- oder Drogenkonsums hinters Steuer gesetzt haben, zu erwischen. Denn vor allem letztgenannte Vergehen sind ein großes Problem im Straßenverkehr. Schon ab 0,3 Promille kann die Reaktionsfähigkeit eingeschränkt sein, alkohol- und drogenbedingte Unfälle hätten oft dramatische Folgen, erklärt Polizeisprecher Axel Bergmann. 17 Unfälle, bei denen Alkohol im Spiel war, hat es in der Kreisstadt im vergangenen Jahr gegeben. Das sind fünf mehr als noch im Jahr 2013. Tatsache ist auch, dass Autofahrer immer öfter tagsüber betrunken oder berauscht unterwegs sind. Mit ihrer unangekündigten Kontrolloffensive will die Polizei potenziellen Drogensündern klarmachen: Wer unter Alkohol- und Drogeneinfluss Auto fährt, muss jederzeit damit rechnen, erwischt zu werden.

Ein schwarzer BMW mit vier Jugendlichen rollt auf den Expert-Parkplatz, der Fahrer sieht nervös aus. Per Funk haben zwei Kollegen in einer Zivilstreife Sieb und sein Team auf das Auto aufmerksam gemacht. „Ja, wir gucken schon, wer in unsere Zielgruppe passt“, erklärt der 31-Jährige. Jetzt, in der Mittagszeit, ist der Unterricht an den umliegenden Schulen vorbei, viele Schüler sind unterwegs. „Und wir wissen, dass auch im Schulkontext Drogen konsumiert werden“, meint der Polizist, während zwei seiner Kollegen die Papiere des jungen BMW-Fahrers überprüfen und checken, ob er Verbandskasten, Warndreieck und Warnweste dabei hat.

„Das läuft hier heute so ab wie bei jeder anderen Verkehrskontrolle auch“, schildert der Oberkommissar. Die Beamten achten nicht nur auf Führerschein und Fahrzeugschein, sondern auch darauf, ob die Fahrer angeschnallt sind oder während der Fahrt das Handy am Ohr haben. So wie im Fall des Kurierfahrers aus Hannover, der beim Tippen auf dem Smartphone erwischt wird: 60 Euro und ein Punkt in Flensburg.

Und woran erkennen die Beamten, ob jemand Alkohol getrunken oder Drogen genommen hat? „Ein Anhaltspunkt ist Alkoholgeruch im Atem“, sagt Sieb und erklärt: „Dann bieten wir der Person einen Atemalkoholtest an.“ Weigert sich der Fahrer, und erhärtet sich der Verdacht, könne ein Bluttest angeordnet werden. In Sachen Drogen achten die Polizisten vor allem auf die Augen. Erweiterte Pupillen und ein flackernder Lidschlag seien Hinweise auf Drogenkonsum. Klarheit geben dann ein Urin- und ein Bluttest.

Während die vier Jugendlichen im BMW weiterfahren dürfen, haben die Polizisten jetzt einen Transporter im Visier. Ein Beamter lässt den Laderaum öffnen, begutachtet Ladung und Papiere und lässt über Funk überprüfen, ob der Fahrer in der Vergangenheit schon einmal straffällig geworden ist. Mit der Verkehrskontrolle will die Stadthäger Polizei nämlich nicht nur Alkoholsündern, sondern auch Einbrechern auf die Schliche kommen. Hintergrund ist die Zahl der Wohnungseinbrüche, die 2014 zum dritten Mal in Folge gestiegen ist. Waren es 2011 noch 194 Einbrüche, verzeichnet die Polizei für Schaumburg bis 2014 einen Zuwachs von 56 auf 255 Fälle. Bei 37 Prozent der Taten blieb es beim Versuch.

„Ein Augenmerk der Aktion liegt auf Tageswohnungseinbrüchen“, erklärt Polizeisprecher Bergmann. Vor allem Autos mit auswärtigem Kennzeichen werden dabei nach möglichem Diebesgut, aber auch nach typischen Einbruchswerkzeugen durchsucht. „Wir erhoffen uns durch den erhöhten Kontrolldruck, dass potenzielle Täter abgeschreckt werden“, so Bergmann. Die Kontrolle habe aber nicht nur präventive Aspekte, sondern könne unter Umständen Ermittlungsansätze liefern. Werde bei einem Fahrer festgestellt, dass er in der Vergangenheit an einem Einbruch beteiligt war, könne zum Beispiel anhand von Personenbeschreibungen geklärt werden, ob er auch für Delikte in Stadthagen infrage komme.
Den einen prototypischen Einbrecher gibt es nicht, antwortet Bergmann auf die Frage, ob sich seine Kollegen eher auf Einzelpersonen oder auf organisierte Diebesbanden konzentrieren. Es gebe kein Schema, eine bestimmte Altersgruppe oder Nationalität stehe nicht im Fokus. Fest stehe aber, dass entgegen der landläufigen Vorstellung vom nächtlichen Einbruch ein Großteil der Taten tagsüber verübt wird. „Dann sind die meisten Menschen bei der Arbeit oder beim Einkaufen und die Einbrecher haben freie Bahn“, begründet der Polizeisprecher.
Guter Schutz vor Einbrüchen sei daher, das Haus oder die Wohnung immer bewohnt wirken zu lassen, denn ein dunkles Haus mit geöffneter Garage ohne Auto sei „eine offensichtliche Einladung für Täter“, betont Bergmann. Vor allem eine gut funktionierende Nachbarschaft sei der beste Einbruchsschutz, wenn verdächtige Vorgänge im Nachbarhaus oder der Nachbarwohnung umgehend der Polizei gemeldet werden.

Insgesamt 90 Fahrzeuge kontrollieren die Polizisten bis zum späten Nachmittag. Die Bilanz der Aktion fällt durchweg positiv aus. Keiner der überprüften Fahrer war unter Alkoholeinfluss unterwegs, sagt Sieb. Bei einem Mann ordnen die Polizisten eine Blutprobe an, weil er im Verdacht steht, Drogen genommen zu haben.

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