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Star Wars und Feuerwehr hoch im Kurs

Thema des Tages Star Wars und Feuerwehr hoch im Kurs

Was ist schöner als die Vorfreude, das Grübeln und Schwelgen in Ideen für den einen Tag im Jahr, an dem große und kleine Wünsche unter dem Christbaum landen sollen? Auf dem Wunschzettel oder im Brief an den Weihnachtsmann sprechen Kinderherzen seit Generationen dieselbe Sprache.

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Die fünf Jahre alte Lullya (rechts) aus Eritrea ist gerade einmal etwas mehr als ein Jahr in Deutschland, weiß aber genau, was sie vom Weihnachtsmann haben will.

Quelle: geb

Von Gerrit Brandtmann. Es ist ein Dokument, das es solange gibt wie Kinder, die in der Adventszeit inständig hoffen dürfen und sich Wunderbares ausmalen – der Wunschzettel. Er ballt alles von den sehnlichsten Wunschträumen bis zur kleinsten Freude auf einem Blatt Papier und ist auch im digitalen Zeitalter ein unersetzliches Kommunikationsmittel mit dem Weihnachtsmann.

Die aktuellen Geschenkwünsche unterscheiden sich dabei kaum von dem, was die Jüngsten seit Jahrzehnten unter dem Weihnachtsbaum finden wollen. „Spielzeug von Lego und Playmobil finden die Kinder nach wie vor toll“, weiß Manuela Schewczyk, die seit 23 Jahren als Erzieherin in der Lindhorster Kindertagesstätte arbeitet. In der Einrichtung durfte sich jeder nach Herzenslust einen Wunschzettel mit maximal vier begehrten Spielsachen, die aus Katalogen ausgeschnitten sind, basteln und das ganze mit Glitzer-Verzierung schmücken.

„Bei Lego spielen die Jungs immer noch gerne mit allem, was mit Polizei und Feuerwehr zu tun hat, die Mädchen bauen sich lieber Häuser aus den Bausteinen, haben aber auch großen Spaß an den Spielzeugen, die den Disney-Prinzessinnen ‚Elsa und Anna‘ oder den beliebten Kinderhörspiel-Heldinnen ‚Bibi und Tina‘ nachempfunden sind“, erklärt die Erzieherin. Nachdem die Star-Wars-Saga in letzter Zeit eine Frischzellenkur im Kino erlebte, läuft auch die Merchandise-Industrie der erfolgreichen Filmreihe wieder auf Hochtouren. Zwar ist die Zielgruppe eine deutlich ältere, Star-Wars-Spielzeug wie Droiden, Raumschiffe und Jedi-Ritter aber wiedermal ein solider Posten auf dem Wunschzettel. „Natürlich bekommen die Kleinen viel von ihren älteren Geschwistern mit. Von der Geschichte hinter den Figuren müssen sie dafür nicht viel wissen“, so Schewczyk.

Waffen und Schießen gibt es nicht

Die Kinder aus arabischen und afrikanischen Familien machen sich mit der gleichen Begeisterung an ihre Wunschzettel wie die Einheimischen. „Dass es in Deutschland dazugehört, Weihnachten zu feiern, dass wir in der Adventszeit die Räume dekorieren, nehmen alle Kinder sehr gut an“, ist Schewczyks Erfahrung. Die Erzieherinnen wollen die Kinder in ihrer Auswahl eigentlich nicht reglementieren, treten aber auch vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise beim Thema Waffenspielzeug etwas auf die Bremse. „Die Kinder sehen Waffen noch mit anderen Augen als die Erwachsenen, daher versuchen wir ihnen zu erklären, dass das etwas Schlechtes ist. Schießen gibt es bei uns auch nicht im Spiel“, erklärt Schweczyk.

Einen unterschiedlichen Umgang mit dem zweifelhaften Spielgerät zwischen Deutschen und Kindern aus Flüchtlingsfamilien haben die Erzieherinnen aber nicht beobachten können und traumatische Erfahrungen aus Kriegsgebieten seien in ihrer Einrichtung noch nicht thematisiert worden. Für den fünfjährigen Ibal aus dem Irak, der vorher schon andernorts eine Kita besuchte, ist es nicht das erste Weihnachtsfest. Auf seinem Wunschzettel finden sich genau wie bei der gleichaltrigen Lullya aus Eritrea, erst seit etwas mehr als einem Jahr in Deutschland, die gleichen Favoriten wie bei ihren Spielkameraden.

Zu Hause haben einige Kinder schon am Nikolaustag den Stiefel nicht nur für Süßigkeiten herausgestellt, sondern gleich auch ihre Wunschlisten für den Heiligen Abend hineingesteckt“, sagt die Erzieherin. Wer aber auf Nummer sicher gehen will, dass Weihnachtsmann, Nikolaus oder Christkind tatsächlich über alle Begehrlichkeiten informiert werden, bekommt von der Deutschen Post dafür gleich drei Adressen allein in Niedersachsen angeboten. „In Himmelpforten sind 31500 Wunschzettel und Briefe eingegangen, im Hildesheimer Stadtteil Himmelsthür waren es 50000 und in Nikolausdorf kamen 4500 Postsendungen an“, erklärt Martin Grundler von der Deutschen Post.

Antwort vom Weihnachtsmann

An allen Standorten zusammen haben sich bis zu 50 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter des Weihnachtsmannes der Briefe angenommen und verschickten Antwortschreiben an alle, die eine Absenderadresse angegeben hatten. „Der Weihnachtsmann erzählt darin, wie viel er und seine Helfer mit ihrer Arbeit und den ganzen Briefen zu tun haben und ein kleines Extra wie ein Keks-Rezept gibt es dazu“, so Grundler.

Unter den Schreiben seien auch einige ernste Anliegen eingegangen, in denen Menschen tendenziell über dem Kindesalter ihre Probleme und Schicksalsschläge schilderten. „In solchen Fällen gab es natürlich eine individuelle Antwort von einem Mitarbeiter mit tröstenden Worten und der Empfehlung, sich an einer professionellen Stelle Hilfe zu suchen“, sagt der Postsprecher.

factbox

Historischer Hintergrund

Der historische Ursprung des Wunschzettels liegt im frühen 19. Jahrhundert. Die damals als „Weihnachtsbriefe“ bekannten Schreiben richteten sich an Eltern und Paten. Kinder waren genötigt, pathetische Lobgesänge auf dieselben zu verfassen. Wünschen konnten sie sich nicht viel mehr als den Segen Gottes. Pfarrer oder Lehrer beaufsichtigten sie beim Schreiben und kümmerten sich um verziertes Briefpapier. Christliche Motive von der Geburt Jesu wichen im Laufe der Jahre Bildern von Christbäumen und bürgerlichem Familienidyll – und einige tatsächliche Kinderwünsche fanden allmählich Platz in den Texten. Zur Mitte des Jahrhunderts setzten sich die kommerziell geprägten Vorläufer des modernen Wunschzettels durch.

Spielzeugindustrie und Handel bewarben ihr Warenangebot auf Blättern, auf denen die Kinder ihre Begehrlichkeiten nur noch anzukreuzen brauchten. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts übernahmen auch bei den entsprechenden Bildmotiven die Geschenkebringer Weihnachtsmann und Christkind die optische Dominanz. Einige Jahrzehnte später liest sich der typische Wunschzettel den heutigen Versionen schon recht ähnlich.

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