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Stilles Örtchen

Thema des Tages Stilles Örtchen

Knüllen oder falten Sie? Während das Nutzungsverhalten in Sachen Toilettenpapier für den Normalverbraucher eine eher untergeordnete Rolle spielt, beschäftigen sich bei Klopapier-
Herstellern ganze Abteilungen mit dem Wie des Abrollens. Heute ist Welttoilettentag.

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Kein Ort für Müll

Wusch! Mit dem Betätigen der Klospülung lässt sich so einiges beseitigen. Auch Dinge, für die das weiße Keramikschmuckstück eigentlich gar nicht vorgesehen ist. Der übriggebliebene Rotkohl vom Sonntagsbraten, Feuchttücher, Wattestäbchen, abgelaufene Kopfschmerztabletten, Öl und Farbreste: Es gibt fast nichts, was die Mitarbeiter des Wasserverbandes Nordschaumburg noch nicht aus den Abwasserkanälen oder den Pumpen der Kläranlage herausfischen mussten. „Die Toilette wird viel zu oft als Mülleimer genutzt. Das ist ein großes Problem“, erklärt Werner Volker, Geschäftsführer des Wasserversorgers, der auch die Abwasserentsorgung im Auetal übernimmt. Vor allem Feuchttücher oder reißfeste Einmal-Waschlappen stellen die Mitarbeiter vor große Herausforderungen. „Die Tücher lösen sich nicht auf wie normales Toilettenpapier und setzen sich in den Pumpen fest.“ Der Aufwand, den Schaden zu beheben und die Pumpen wieder zum Laufen zu bringen, ist groß. Ein weiteres Problem sind Speisereste, die letztendlich Ratten in die Kanalisation locken. Auch Wattestäbchen, Windeln und Katzenstreu haben in der Toilette nichts zu suchen, betont Volker und bittet die Kunden des Wasserverbandes, Müll dort zu entsorgen, wo er hingehört: in der Tonne.

Von der Rolle

Es soll ja immer noch Menschen geben, denen die Schamesröte ins Gesicht steigt, wenn sie Toilettenpapier kaufen. Hans Klenk hätte das nicht passieren können. Er druckte sogar die Anfangsbuchstaben seines Namens auf die Verpackung der ersten von ihm erfundenen Klopapierrollen: Die Firma Hakle ist Pionier der Toilettenpapier-Industrie in Europa, 1928 rollte der schwäbische Firmengründer erstmals lange Papierstreifen auf. Und Klenk machte sich den schambehafteten Kaufvorgang zunutze und warb in den vierziger Jahren mit folgendem Spruch für sein Erfolgsprodukt: „Verlangen Sie eine Rolle Hakle, dann brauchen Sie nicht Toilettenpapier zu sagen.“ Auch wenn viele Klogänger keinen Gedanken ans Papier an ihrer Seite verlieren, beschäftigt das Nutzungsverhalten ganze Abteilungen der Produzenten. Die Industrie unterscheidet zwischen vier unterschiedlichen Benutzergruppen: Die Falter, Wickler, Knüller und Einzelblattabreißer. Marktforscher wollen herausgefunden haben, dass 90 Prozent der Deutschen zur ersten Kategorie gehören. Sie falten das Papier ordentlich. Im Gegensatz dazu gehört die Mehrheit der Amerikaner zu den Knüllern. Der Grund: Das Papier ist in den USA sehr dünn und weich und erfüllt als ballartiges Gebilde seine Funktion am Besten.

Keimschleudern

Wo sind mehr Keime zu finden: Auf einem Telefonhörer oder auf einer Klobrille? Die Antwort ist klar: Es gibt kaum eine größere Bakterienschleuder als den Telefonhörer. Die Klobrille hingegen ist geradezu zu vernachlässigen, was die Keimbelastung anbelangt. Viel schlimmer sind PC-Tastaturen, Computermäuse oder eben Telefone. Das wird vor allem durch folgende Studie deutlich: Ein britisches Marktforschungsinstitut hat herausgefunden, dass jeder neunte Büroangestellte sein Handy mit auf die Toilette nimmt. Einige blättern auf dem Klo sogar in Papierunterlagen. Dazu kommt, dass es manche mit der Hygiene eh nicht so genau nehmen: Mehr als jeder Dritte wäscht sich nach dem Toilettengang nicht immer die Hände.
Auch Forscher einer amerikanischen Uni haben in Sachen Hygiene eine Information parat: Auf öffentlichen WCs mit mehreren Kabinen sollte stets die erste in der Reihe gewählt werden. Denn diese wird in der Regel am wenigsten benutzt und ist nach Meinung der Experten die sauberste.

Andere Länder, andere Sitten

Jeder Mensch auf dieser Welt muss seine Notdurft verrichten. Wer eine zur Verfügung hat, verbringt am Tag mehr als zwanzig Minuten auf der Toilette. Das haben Jürgen Becker, Dietmar Jacobs und Martin Stankowski in ihrem Buch „Der dritte Bildungsweg: Gepflegtes Halbwissen“ ausgerechnet. Auch wenn die Dauer des Toilettenganges bei allen Menschen gleich ist, gibt es große Unterschiede in Sachen Benutzung: Mit Papier oder Wasser? Hocken oder Stehen? Während es in vielen Regionen der Welt Toiletten zum Sitzen gibt, ist zumeist in Südostasien und Südeuropa das Hock-Klosett verbreitet. In Lateinamerika ist es wegen der Verstopfungsgefahr üblich, das Toilettenpapier nicht etwa herunterzuspülen, sondern in einem extra Mülleimer zu entsorgen. Gänzlich auf Papier verzichtet man zum Beispiel in Afrika, in Nahost und in Asien. Dort ist meist Wasser das Mittel der Wahl. In Japan haben sich dafür High-Tec-Klos etabliert: Zur Duschfunktion gesellen sich dort auch ein integrierter Föhn, Sitzheizung und Massage.

Alles andere als Klamauk

Die Welt gedenkt der Matrosen, der Bäume, der Post, der Freundschaft und des Glücks. Die Inflation der Gedenk- und Erinnerungstage beschert uns gefühlt zehnmal im Monat einen Anlass. Heute zum Beispiel ist der Welttoilettentag. Was sich zunächst wie Klamauk anhört, hat tatsächlich einen ernsten Hintergrund. Im Jahr 2001 hat die World Toilet Organization mit Sitz in Singapur erstmals einen Welttoilettentag ausgerufen, um auf das Fehlen ausreichender hygienischer Sanitäreinrichtungen in der Welt aufmerksam machen. Die Fakten: Etwa 2,5 Milliarden Menschen haben nach Angaben der Vereinten Nationen keinen Zugang zu einfachster Sanitärversorgung. Eine Milliarde Menschen müssen ihre Notdurft ungeschützt im Freien verrichten. Mit katastrophalen Folgen für die Gesundheit. Denn die Fäkalien gelangen ungehindert ins Wasser und verursachen so gefährliche Krankheiten. Schätzungen zufolge stehen rund 80 Prozent aller Krankheiten in Entwicklungsländern in Zusammenhang mit verunreinigtem Wasser. Pro Tag sterben laut Bundesentwicklungsministerium 5000 Kinder unter fünf Jahren an Krankheiten, die durch mangelhafte Hygiene und verschmutztes Wasser verursacht werden.

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